ROMA – La città della fontana

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Aufsteigt der Strahl und fallend giesst
er voll der Marmorschale Rund,
die, sich verschleiernd, überfließt
in einer zweiten Schale Grund.
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
der dritten wallend ihre Flut,
und jede nimmt und gibt zugleich
und strömt und ruht …

Conrad Ferdinand Meyer, „Römische Brunnen“

Drei kurzweilige Tage in der Ewigen Stadt

  • Ankunft mit Hindernissen

„„Ja ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt angelangt!““

Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise, Rom, 1. November 1786

Turbulenzen über den Wolken, wir werden etwas unsanft aus der Lektüre der Morgenpresse gerüttelt. Scheiß Billigflieger, aber immerhin stürzt man mit der FAZ in der Hand und dem letzten Veriss von Gerhard Stadelmaier in den Gedanken aus den Wolken, welch ein Trost. Nachdem wir dann doch noch glücklich auf dem Leonardo da Vinci Airport gelandet sind und die Sonne wieder lacht, folgt die nächste Ernüchterung, Mittagspause am Gepäckband, der Italienurlauber braucht hier Geduld oder für 3 Tage eigentlich nur leichtes Handgepäck, das sollte man wissen und einplanen. Nach dem Erwerb eine Romcard für 25 €Euro, geht es zur S-Bahn Richtung Rom, die ist im Preis leider nicht mit inbegriffen und kostet noch mal 14 €Euro. Nun aber flinke Füße und schon sitzt man im Zug in Richtung City, Nonstop zur Endstation Roma Termini. Nonstop – No End, wir zuckeln so geschlagenen 45 min. für 30 km durch die Peripherie der ewigen Stadt. Ankunft Termini am letzten Gleis und wieder per pedes apostolorum zur Haupthalle. Wolfgang Koeppen schrieb schon in seinem Roman „Tod in Rom“ 1954 über die Stazione Termini: „“Es ist der schönste Bahnhof der Welt, aus Stahl, Beton und Glas und matt schimmerndem Aluminium, … und … so darf sich der moderne Reisende in der auffallend russfreien, so eigenartige belebenden Luft dieses wahrhaften Weltbahnhofs, auf leichtem Metallstuhl auf der Terrasse des Bahnsteig-Cafés den ersten Espresso trinkend, der, unvergleichlich jedem anderen Kaffee, für das Abenteuer Rom stärkt, staunend und stolz seines In-Rom-Seins bewusst werden.““ Nun das scheint lange her, Dampflokomotiven gibt es nicht mehr und alles andere erinnert auch eher an einen Bahnhof einer modernen Metropole mit hastenden Menschen und Einkaufsgalerien auf allen Ebenen, wäre da nicht diese archaische Architektur mit ihrem geschwungenen Betondach, das detailbesessen mit kleinsten Mosaikfliesen bekleidet ist. Rom liegt uns nun zu Füßen und so geht es auch weiter, zum Glück nur in die nächste Seitengasse.

„“Rom ist eine horizontale Stadt aus Wasser und Erde, hingebreitet, und darum eine ideale Plattform für die Phantasie.““        Federico Fellini

Die Hotelwahl war ein Glücksgriff, „Hotel Luce“ in der Via Magenta 34, ein kleines aber feines Haus in den Straßen hinter dem Hauptbahnhof, zwischen einigen Läden, Cafes und Restaurants sehr günstig gelegen. Für einen Kurztrip genau die richtige Adresse, besonders für junge Leute, die auch reichlich in den Kneipen der Gegend rumhängen und in ihre Labtops hämmern. Saubere Zimmer mit Dusche und WC und was im Sommer von Vorteil ist, einer Klimaanlage. Der Service und das kleine Frühstücksbuffet sind in Ordnung, die junge Dame am Empfang hat wertvolle Tipps für den Romaufenthalt und erklärt sehr geduldig in gutem Englisch. Das scheint wohl das besagte „Licht“ zu sein, was dem Haus mit seinen gedrungenen Zimmerchen eigentlich sonst etwas fehlen würde.

  • 1. Tag, Rom per Pedes

Sei´s! Muss ich zum letzten Male
Schöpfen aus dem Trevi-Strom,
doch die randgefüllt Schale
Weih´ ich dir, geliebtes Rom.

Adolph Friedrich Graf von Schack (1815-1894)

2 Stationen mit der Metrolinie A zur Piazza Barbarini, im Vorbeigehen noch staunend über den Triton des Bildhauers Gian Lorenzo Bernini, steht man ein paar Seitengassen weiter schon vor dem ersten Wunder Roms der „Fontana di Trevi“. Man muss sich seinen Platz erobern in den Menschenmassen, die den Platz davor bevölkern, um die ganze spätbarocke Pracht genießen zu können. Im Jahre 1640 begann ebenfalls Bernini diesen Brunnen zu gestalten. Unter klassizistischen Säulen mit der Figur des Oceanus winden sich auf mehreren Steinterrassen, zwei geflügelte Pferde bändigende Tritone. Das hier in Fellinis Film „La dolce vita“ einst Anita Egbert gebadet hat, scheint heute ganz unwirklich, da man vor lauter Leuten kaum an den Rand des Beckens gelangt und so holt man sich auch ganz passend lieber ein Eis und schlendert weiter. Nachts ist es hier übrigens nicht viel anders, vielleicht ist man in den ersten Morgenstunden allein am Brunnen, gestört dann eventuell nur noch durch die fleißigen Müllmänner Roms.

Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen.
Und auch meine Seele ist ein springender Brunnen.
Nacht ist es: nun erst erwachen alle Lieder der Liebenden.
Und auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden.
– Also sang Zarathustra.

Friedrich Nietzsche

Vorbei an der Säule des Marc Aurel, einer endlosen Aneinanderreihung der Schlachten gegen die Germanen, überquert man die Piazza Colonna, hier residiert übrigens im Palazzo Chigi Silvio Berlusconi, aber außer ein paar Carabinieri ist niemand zu sehen. In Italien sind auch Parlamentsferien und so ist auch vor dem Palazzo Montecitorio, dem italienischen Parlament, gähnende Leere. Erst an der Piazza della Rotonda ändert sich das schlagartig, hier steht wieder ein schöner Barockbrunnen, um den sich die Menschen scharen und wechselnd den Straßenmusikanten und Tenören lauschen oder ins Pantheon strömen. 27 v. Chr. wurde der römische Tempel von Marcus Agrippa unter Kaiser Augustus den Planetengötter geweiht. In dem faszinierenden Firmament der Kuppel, deren Form seit 125 n. Chr. besteht, befindet sich eine runde Öffnung, die das Sonnenlicht ins Innere leitet. Die besonders ausgewogene architektonische Form des Pantheon zeugt von einer hohen bautechnischen Kunstfertigkeit. Heute ist hier die Grabeskirche der italienischen Könige und in einer Nische befindet sich der Sarkophag des Renaissancemalers Raffael.

Erhaben, einfach, ernst, voll Würdigkeit,
Du aller Heil’gen, aller Gitter Schrein,
Von Zeus bis Christ! Dich hat die Hand der Zeit
Verschont, verschönt! Wie ruhig blickst Du drein!
Zinnen und Reiche, alles wankt, bricht ein.
Durch Dornen rennt der Mensch dem Grabe zu;
Du Sitz der Kunst, der Andacht, stehst allein?
Der Zeit und den Tyrannen trotzest Du,
Roms Stolz, o Pantheon, in unbewegter Ruh‘!

Lord Byron aus „Ritter Harolds Pilgerfahrt“, 1812-1818

Hinter dem Pantheon auf der Piazza della Minerva steht der berühmte Marmorelefant von Bernini mit dem ägyptischen Obelisken auf dem Rücken. An der Piazza Navona befindet man sich dann endlich so zu sagen in der guten Barock-Stube Roms. Der Platz, der auf der Grundfläche eines alten Stadions des Kaisers Domitian erbaut ist, bietet unter der Fontana dei Fiumi, natürlich von Bernini, Spiel und Spaß für alle, die sich an Straßenmusikern, Portraitmalern und Performern aller Art nicht satt sehen können. In den Cafes um den Platz sitzen jene die gesehenen werden wollen und deren Geld auch locker sitzt, da hier gepfeffert für die gute Sicht gezahlt wird. Auf den Geldbeutel sollte auch so acht gegeben werden, denn hier finden einen bestimmt die meisten der wohl unzähligen Taschendiebe Roms. Aber es bleibt ruhig und es lohnt sich wahrscheinlich heute eher den Touristen Kinkerlitzchen anzudrehen, als mühsam nach Handtaschen Ausschau zu halten. Vielleicht machen aber auch die Borseggiatore mal Ferien, nur in der überfüllten Metros und Bussen sollte man etwas vorsichtiger sein, sonst wird man doch noch Opfer eines viel besungenen Klischees.

„Überall Sportstätten, Springbrunnen, Marmorhallen, Tempel, Werkstätten, Schulen … anmutige Schauspiele aller Art und festliche Wettspiele ohne Zahl.“

Aelius Aristides, Lobrede über Rom, 156 n. Chr.

Wenn man sich satt gesehen hat, kann man sich über den ebenfalls gut gefüllten Campo de` Fiori mit dem Denkmal Giordano Brunos in die Seitengassen auf machen und sich in eine der vielen kleinen Trattorien setzen, um zu speisen oder auch nur ein Glas Wein oder Bier trinken. Am Abend ist auf jeden Fall für die Nachtschwärmer die Gegend am anderen Ufer des Tiber in der Nähe der Tiberinsel zu empfehlen, noch vor Jahren ein Geheimtipp hat auch hier nun die Gentrifizierung eingesetzt. Bars, Restaurants und Läden rund um die Viale di Trastevere laden zum endlosen Treiben für Unermüdliche ein.

„Anderer Orten muß man das Bedeutende aufsuchen, hier werden wir davon überdrängt und überfüllt. (…) Man müßte mit tausend Griffeln schreiben, was soll hier eine Feder! und dann ist man abends müde und erschöpft vom Schauen und Staunen.“

Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise, Rom 5. November 1786

Und genau mit diesen Eindrücken endet für uns der erste Tag in Rom, fußlahm wieder angekommen im Hotel.

Fortsetzung folgt

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