Autor: Stefan

  • Der Mensch in seiner Welt – Johan Simons` Inszenierung von Elfriede Jelineks in Mülheim preisgekrönter „Winterreise“ bei den Autorentheatertagen am DT Berlin

    „Musik macht einen fremd, obwohl ja alle dauernd Musik hören, der eine dies, der andre das, man kann sich ja kaum vor ihr retten, sie ertönt einfach überall, manchmal fast nur noch als Wummern von Bässen, und trotzdem: wenn man sie selbst erzeugt, die Musik, wird man dabei, auch für sich, gleichzeitig etwas Fremdes, nicht so fremd, wie die Komponisten es gewesen sind, aber doch, denn ihren Rufen folgt man schließlich, und wohin sie einen locken, das sollte man wissen, wenn man ordentlich geübt hat (o je!), aber wenn wir dort angelangt sind, dann bricht eben auf einmal dieser Boden unter uns ganz weg, wir sind selber ganz weg, und wir wissen, daß wir nicht mehr gemütlich unter uns sind, sondern daß das, was unter uns ist, sich bewegt – wie die Zeit. Keine Rettung.“

    Elfriede Jelinek, Die Zeit flieht (1999), Aus einer Festschrift zum siebzigsten Geburtstag Leopold Marksteiners (Orgellehrer der 13jährigen E. Jelinek)
    www.elfriedejelinek.com

    dsc04270.JPG Foto: St. B.
    Warten auf den Wanderer. Die leere Bühne wird sich bald mit der Jelinekschen Gedankenwelt füllen. Autorentheatertage 2011 im DT

    „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh` ich wieder aus.“ aus: „Gute Nacht“, 1. Lied des Zyklus „Die Winterreise“, Text von Wilhelm Müller (1794–1827)

    Dieses in-der-Welt-sein und doch fremd in ihr sein, das ist das Lebensthema Elfriede Jelineks ebenso wie das von Franz Schubert, beide außenstehende Beobachter und gleichzeitig messerscharfe Analysten dessen, was um sie herum geschieht. und dessen. Nun hat E. Jelinek diese Reflexionen auf das eigene Leben noch mal in aller epischen Breite, lose an die Zyklen der von Schubert vertonten Winterreise angelehnt, vor uns aufgefächert. Aber noch viel näher ist der Text an Heideggers „Sein und Zeit“ orientiert. „Der Sinn des Lebens ist, dass der Mensch immer mehr zu dem wird, der er im Grunde seines Wesens eigentlich ist.“ Und dieser erkenntnisorientierten Untersuchung unterzieht sich nun E. Jelinek mit diesem Text, das eigene Sein und Dasein, die Existenz in der Welt und die Beziehungen mit den in dieser Welt befindlichen Gegenständen und anderen Menschen.
    Der Mensch ist in die Welt geworfen, lebt in ihr und stirbt schließlich. Heidegger bezeichnet das ins-Leben-geworfen-sein aber als ständigen Prozess. Der Mensch muss sich immer wieder in bestimmten Situationen für eine von mehreren Möglichkeiten entscheiden. Im Verstehen sieht er sie vor sich, ist sich also selbst vorweg. Der Mensch ist stets in der Gefahr sich mit seinen Vorstellungen, Gefühlen, Gedanken und Handlungen in der Interaktion mit dem in der Welt Befindlichen zu verlieren und ihm zu verfallen. Mit Heideggers Begriffen wie z.B. Angst, Sorge, Fürsorge, Schuldig-sein, Gewissen, Vorlaufen, auf-sich-selbst-zu-kommen und -zurückkommen, Gewesenheit, Loslassen, Vergessen, Behalten und schließlich dem Begriff der Zeitlichkeit des Menschen spielt Jelinek auf gewohnt doppeldeutige Weise in ihrem Stück, das nun Johan Simons an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt hat. „… aber die Zeit ist nicht meine, diese Zeitlichkeit war auch nicht meine, ich komme aus einer anderen Zeitlichkeit, nicht aus dieser, …“
    Zu Beginn ist die aus sägerauen Brettern zusammengezimmerte Bühne vor dem geschlossenen Eisernen Vorhang noch leer. Links sitzt der Musiker Jan Czajkowski in Skifahrermontur an zwei zusammengestellten Klavieren. Es wird über Lautsprecher im gesamten Haus heulender Wind eingespielt. Durch die Tür zwängt sich schließlich dem Sturm trotzend Stefan Hunstein als verschneiter Wanderer aus der feindlichen Außenwelt herein und beginnt einen Monolog über das schon besprochene Sein, Dasein, dem sich-Einholen und Vorüber-sein. Er drückt damit Jelineks Zweifel und Sehnsüchte in ihrem Leben aus. „…was zieht da an mir. Mein Schatten kann es nicht sein, den habe ich ans Vorbei abgegeben, der war die ganze Zeit hinter mir, bin schon mehrmals an ihm vorbei, (…) das Vorüber, ach vorüber, habe ich immer schon eingeholt, (…) mein Vorbei, das kommt nicht wieder, am Vorbei kommt man nicht mehr vorbei, an diesem Verlauf hat man teil, aber man wird nie Teilhaber,… denn man verläuft sich immer selbst im entscheidenden Moment.“
    In bewährter Kalauermanier geht es dann auch weiter. Nun tritt der Rest des 7köpfigen Ensembles in eigenwilligen Kostümen auf, die beiden Belgier, Benny Claessens als „fette“ Braut und der kleine Kristof Van Boven als androgyne Mädchengestalt mit Bubikopf und Karokleid, dagegen die großgewachsene Wiebke Puls als Alter-Ego der Autorin, Hildegard Schmahl als Mutter und André Jung als geistig verstörter Vater. Sie spielen nun das Hochzeitsthema durch, der Wanderer wird zum Bräutigam, der die gute Party mit der reichen Braut macht. Der Fall der Kärtner Pleitebank Hypo Alpe Adria die 2009 zu 100% vom Staat Österreich übernommen wurde. Die Braut wird „geschmückt“ und verkauft, man steckt ihr Geld unter den Rock, sie wird zum billigen Hauptgewinn. Die Gier nach dem Geld wird hier zu einem Veitstanz der Geilheit und Travestie.
    Danach wird der Fall Kampusch behandelt. „Das Mädchen wird erst viel später wieder rauskommen. Man wird es dafür verachten und bestrafen, dass es so lange weg war, man wir es mit Verachtung strafen.“ Eine durch Neid und Missgunst geprägte Öffentlichkeit, die sich über die Öffentlichkeit des Opfers erregt, Kristof Van Boven wird abgewiesen, muss weichen und tänzelt fremd unter den anderen umher. „Die Kleine glaubt, nur weil sie von der Erde fortgebracht und in die Erde hineingebracht worden ist, ist sie etwas Besonders. Das ist sie nicht.“ zischen alle. Fremdenhass und Verdrängung und auch sonst bekommt der Österreicher wieder sein Fett ab. „Was haben die in unserem Keller verloren? Wer sind die überhaupt? Dort, in unserem Keller, können sie nichts verloren haben, im Schatten ihrer eigenen Träume, nicht einmal dort haben sie was verloren.“ Leise werden dazu immer wieder Passsagen aus der Winterreise Schuberts gesummt oder gestöhnt, gesungen wird nicht. Es soll keine Romantik oder Melancholie aufkommen.
    Dann wird es wieder persönlich, wenn Wiebke Puls als Elfriede Jelinek ihr Leben Revue passieren lässt. „Die Liebe liebt nicht das Wandern, aber sie sucht immer den Anderen, das ist sehr dumm von ihr. (…) Ich verlange Zärtlichkeiten, die mir zustehen, ich habe sie auf meinem Geburtsticket eintragen lassen, jetzt will ich sie endlichen konsumieren, nachdem ich jahrelang Mama gepflegt habe.“ Die komplizierte Beziehung zu Mutter und Vater, eigene Wünsche, Hoffnungen und  Enttäuschungen, alles packt E. Jelinek in diesen Text. Das Posthornthema wird hier immer wieder eingeflochten. Nach und nach verlassen die Spieler wieder die Bühne. Bis hierhin wirkt die Inszenierung von Simons teilweise fahrig und unentschlossen, der Textfluss E. Jelineks kann sich nicht voll entfalten. Simons versucht einen persönlichen Zugang zum Text zu finden, aber mehr als eine schöne poetische Choreografie wird nicht daraus. An den Schauspielern liegt es sicher nicht. Simons ist zu ehrfürchtig vor der Autorin, Jelinek mit angezogener Handbremse sozusagen.
    Der zweite Teil nach der Pause gehört ganz André Jung, er sitzt erst zusammengesunken am Klavier und entwickelt dann in einem längeren Monolog die Angst eines Mannes vor dem Vergehen und Verschwinden. Er übernimmt nun die Stellung des Wanderers, der seinem Ende entgegen geht. „Ich rutsche aus mir heraus, doch was mich tragen sollte, das ist jetzt fort, kein Halten mehr, kein Halt mehr, kein Halt an Frau und Kind, …“ Es ist der Vater E. Jelineks, der in einer Nervenklinik starb. Sie benutzt das Bild eines Flusses wie in der Winterreise Schuberts für das vergehende Leben. „… Frau, Tochter!, wie euer Fluß des Lebens mich kampflos, mühelos hergegeben hat, widerstandslos, das war schon eine Leistung!, Respekt!, (…) Nein vom Gebirge komm ich diesmal nicht, früher oft, diesmal nicht, ich komme aus dem Fluß, aus dem Wasser… Wo bin ich gelandet, wohin hat mich der Fluß gespült?“ Ein Mensch der sich immer mehr verliehrt. Dagegen stehen die Einwürfe der Mutter und der Tochter, die wieder die Bühne betreten haben und sich versuchen zu rechtfertigen.
    Die Texte des Leiermanns sind gänzlich gestrichen, es werden noch Passagen aus dem letzten Kapitel in Bezug zu den drei Sonnen von Wiebke Puls vorgetragen, vergebliche Bemühungen noch einmal mitzuhalten, mit den Abfahrern und „Snowboarderlinern“. „Meine Sonne ist das nicht, meine Sonnen seid ihr nicht…“ Simons zeigt Flutbilder als Videoprojektion und ein irrer Junge (Katja Herbers) vollführt Holzschuhtänze. Der Abend hat so kein richtiges Ende, Simons hat das scheinbar genügt. Der Dramatikerpreis in Mülheim für das Stück, der morgen vergeben wird, geht in Ordnung, allerdings bietet der Text noch genug Platz für weitere Interpretationen. In der neuen Spielzeit ab September 2011 werden sich dann die junge Hausregisseurin Bettina Bruinier am Schauspiel Frankfurt und Andreas Kriegenburg hier am DT in Berlin an der „Winterreise“ versuchen.

    „So, da steh ich also mit meiner alten Leier, immer der gleichen. Wer will dergleichen hören? Niemand. Immer dieselbe Leier, aber das Lied ist doch nicht immer dasselbe.“

    „Denn nichts von all dem meint sich selbst oder ist gemeint. Aber es ist auch nichts anderes gemeint. Ein Rätsel, das Schubert ist. Ein Rätsel, das uns aufgegeben wird, indem einer sich selbst aufgegeben hat, und wir stehen jedenfalls nicht auf dem Adreßaufkleber.“
    Elfriede Jelinek, Zu Franz Schubert (1998)
    www.elfriedejelinek.com

    alle anderen Zitate aus: Elfriede Jelinek „Winterreise“, Rowohlt Verlag Hamburg, 1. Auflage 2011, 127 Seiten, 14,95 €  e-jelinek_winterreise.jpg

  • Magie und Komik, Slapstick und Metaphysik – Die Autorentheatertage 2011 am DT in Berlin haben begonnen

    If I had a hammer, oder wie Roland S. Superman die Welt rettet – „Wenn, dann: Was wir tun, wie und warum“ vom Schauspiel Frankfurt in der Regie von Christoph Mehler

    augustiner_hell.jpg Bild: www.augustiner-braeu.de
    „Glaube, damit du erkennst.“ Heiliger Augustinus erHelle den Geist.

    Kein Theaterfest ohne einen Schimmelpfennig. Da es dieses Jahr für Mülheim oder das Theatertreffen nicht gereicht hat, richtete ihm das DT einen Schwerpunkt bei den Autorentheatertagen 2011 ein. Zusammen mit der Jungautorin Rebekka Kricheldorf (dazu später) steht er für das diesjährige Motto: Magie und Komik, Slapstick und Metaphysik. Auf allen vier Gebieten war Roland Schimmelpfennig bisher ein Meister seines Fachs und Garant für gut gemachte Storys. Im letzten Jahr entdeckte er allerdings seine soziale Seite und legte Stücke wie „Der goldene Drachen“ und „Peggy Picket sieht das Gesicht Gottes“ vor. Mit ersterem gewann er auch noch den Mülheimer Theaterpreis 2010, daraufhin haben drei große Theater (Berlin, Hamburg und Wien) das zweite im letzen Herbst kurz hintereinander uraufgeführt. Während er im „Goldenen Drachen“ noch mit schwarzem Humor und übergroßen Metaphern soziale Schieflagen illegal Beschäftigter beschreibt, stehen bei „Peggy Picket“ ganz real Probleme der zivilisierten Gesellschaft mit dem Elend in der dritten Welt im Mittelpunkt. Metaphysisch wird es nur noch in der Gestalt einer afrikanischen Holzpuppe, die für das Exotische, Unbegreifbare Afrikas steht. Schimmelpfennig mutierte nun binnen eines Jahres vom phantastischen Erzähler zum politischen Ankläger, mit allerdings überwiegend sehr banalen Aussagen und Bildern schwingt er den verbalen Hammer gegen das Elend in der Welt. „If I had a hammer / I’d hammer in the morning / I’d hammer in the evening / All over this land“ (The Hammer Song, von Lee Hays und Pete Seeger)
    Und nun ist dieses Bild sogar manifeste Bühnerealität, Roland Schimmelpfennig hat tatsächlich einen Hammer und was für einen. Er schlägt damit mühelos Löcher in Wände und reißt demnächst wohl ganze Mauern ein. Wenn er nicht gerade schreibend über den Übeln der Welt verzweifelt, schwebt er über Berliner Straßen, verbrüdert sich mit Bauarbeitern, die nur kurz die angebissene Bockwurst weglegen, von der Lektüre ihrer Bild-Zeitung aufschauen und dann gleich wieder schnell zur letzten Seite weiterblättern. Dort rekelt sich Mandy das geile Luder und Schimmelpfennig schwebt schon beseelt von größeren Gedanken weiter, umarmt junge Mütter, hilft alten Damen über die Straße und wirft dem glücklich lächelnden Bettler an der Ecke eine Handvoll Goldstaub in den Hut.
    Gelandet ist er jetzt, wie und warum nur, in den Kammerspielen des DT. Aufgesprungen auf den allgemeinen Empörungszug fährt er dann allerdings mit seiner bierselig larmoyanten Bauarbeiterparabel voll gegen die Wand. Drei bedauernswerte Maurerexistenzen versuchen verzweifelt durchzubrechen, durch die Wand, die den Blick fürs Wesentliche verstellt. Die Kolonne der freien Seelen philosophiert sich durch den Elendsschlamm der westlichen Welt voll Gier, Umweltzerstörung und Cottbuser Pfuschmuffen, Rudi kotzt sich mal richtig aus. Der Klassenkampf besteht nur noch im Ficken mit der Frau des Bauherrn, Ricki macht Strichliste und das nächste Bier auf. „Die Patrizier haben nicht das letzte Wort.“ frohlockt Uli. Das Ganze zieht sich zäh von einem Augustiner zum nächsten. Der Wutanfall gipfelt schließlich in einem unvermittelten Befreiungsschlag, „Ich glaube an die Zukunft, wir werden es schaffen, irgendwie.“ Nur wie, ist Uli noch nicht ganz klar. Ein dunkles Loch dräut in der Wand und wir schauen mit ihm fasziniert in selbiges auf eine schimmelige, faulende Welt. Noch geschüttelt von dermaßen elektrisierenden Gedankenblitzen reibt man sich die Augen, „Verdammte Fickscheiße!“ so einfach kann die Welt sein.
    War da noch etwas? Ach ja, es klopfet wieder an den Brettern der Kammerspiele. „Herein, wenn es kein Schimmelpfennig ist“. Aber es ist nur der verlorene vierte Mann der Kolonne. Marek phantasiert mörtelverschmiert und pimmelschwingend in bester Schimmelpfennigscher Art über das Zwischenreich unter den Dielen voller Feen und Insekten. Wie aus Zettels Traum entsprungen (im Programmheft wird Shakespeare zitiert) umtanzt er die bierbeduselten Kollegen und gemeinsam machen sie sich auf, um hinter die Mauer in eine glückselige Zukunft zu taumeln. Wir bleiben zurück und stimmen ein in den erlösenden Gesang: „Schubidu, Schubidu und raus bist du.“ Auch eine Art phantastischer Utopie. In der neuen Spielzeit allerdings wird Schimmelpfennig jedenfalls wieder ein Stück am DT uraufführen, es geht um „Die vier Himmelsrichtungen“. Goin‘ Where The Wind Blows.

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    „Das Genie ist ein Gestörter, den ein Anderer erstlich auslegen muߓ – Oliver Bukowskis Kleistsatire über Glück, Genie und Wahnsinn vom Hamburger Schauspielhaus in der Regie von Markus Heinzelmann

    Im zweiten Schwerpunktthema beschäftigen sich die Autorentheatertage mit der Komödie. „Humor funktioniert, oder er funktioniert eben nicht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ ist die Meinung der Alleinjurorin der „Langen Nacht der Autoren“ Elke Schmitter. Außerdem hat sie eine deutsche Vorliebe für das humorfreie Theater entdeckt und daher muss „Natürlich Komödie!“ sein, da sie sich gerne amüsiert und bisher im Theater viel zu selten die Gelegenheit dazu hatte. Man muss ihr Recht geben, wenn man sich die Spielpläne mit viel theorieschweren Ballast so ansieht. „Um es kurz zu machen: Humor ist nur bedingt theoriefähig.“ und somit bestens geeignet dem empörungsmüden Theatergänger wieder mit der Banalität und Komik des Einzelschicksals zu konfrontiert. Die große allgemeine Tragödie gegen die Spontaneität des Witzes, was sie sich im Einzelnen darunter vorstellt wird man am 25.06. im DT zu sehen bekommen.
    Mit Oliver Bukowskis Stück nach Motiven Heinrich von Kleists erhält man zumindest einen kleinen Vorgeschmack davon, was eine gut geschriebene Komödie ausmacht. „Wie vergegenwärtigt man Kleist? Buchstäblich. Es sind kaum Rückschlüsse vom Werk auf das Leben des Autors möglich…“ konstatiert Bukowski. Also mixt er einfach bekannte Fakten aus dem Leben Kleists mit der fiktiven heutigen Figur des Bernd Getskard (Stefan Haschke). „Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen“, ein Zitat aus dem Erstling Kleists „Die Familie Schroffenstein“, zeigt seine ungestüme Vorgehensweise, der auch Bernd anhängt. Ausgehend von Kants „Kritik der Urteilskraft“ nach der „…die Natur durch das Genie nicht der Wissenschaft, sondern der Kunst die Regel vorschreibe“ (Stefan Haschke spricht am Beginn Kants Text) läuft nun am Beispiel des „verkannten Genies“ Kleist in der Figur des Allroundtalents Bernd, der sich nun nacheinander enthusiastisch als Performer, Theaterautor, Büroangestellter, Zeitungsherausgeber und schließlich als Naturbursche versucht (Kleist wollte einen Bauernhof in der Schweiz unterhalten), eine regelrechte Slapstickkanonade ab.
    Es geht natürlich nicht in erster Linie um Kleists beginnende Existenzkrise und Depression nach der Lektüre von Kants Werk, sondern eher um den Anspruch des Künstlers wie jede normal Existenz sein Glück zu finden. Und das stellt sich für Bernd nicht so einfach dar. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt bewegt sich die Gefühlsspanne des aufkeimenden Talents, dem seine Förderer schon mal vor verschlossener Tür gut zusprechen müssen oder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn das Genie mal eben 5000 € bei einer Performance verbrannt hat. Kleist rann das Geld auch nur so durch die Finger, seine notorische Klammheit hat ihn immer wieder in ungeliebte Broterwerbe getrieben. Meistens hatte er aber betuchte Mäzene zur Verfügung, wie jenen Wiepert (Marco Albrecht), der wie der Dichter und Herausgeber Christoph Martin Wieland, dem Kleist einst aus seinem „Robert Guiskard“ vorlas, immer wieder seine schützende Hand über ihn hält. Letztendlich wird es aber auch diesem zuviel mit den sprunghaften Ideen seines Schützlings und er erklärt ihm sein Verhalten als unzeitgemäß für die heutige Kreativgesellschaft. Dass das Getskard wie auch Kleist nicht von seinem Lebensweg abbringt, da er nicht in diesen Kategorien denkt, ist aber auch Wiepert irgendwann klar. Bernd nimmt gelassen von ihm Abschied, den nächsten Plan schon klar vor Augen.
    Die Einzige die fast bedingungslos wie ein Groupie zu ihm hält und gegen seine Pathologisierung ankämpft, ist seine Dauergeliebte Claudi (Lydia Stäubli). Sie changiert von treu ergeben und verständnisvoll bis zur sanften Kritik, die aber Bernd sofort aus der Bahn wirft. Bei der Premiere seines ersten Theaterstücks hält ihn buchstäblich nichts auf seinem Stuhl. Als Claudi meint, dass das alles doch nur Theater sei, ist Bernd sofort auf der Palme, nachdem das Stück beim Publikum gescheitert ist, ist er nicht mehr zu bremsen, wie eine Furie will er dem Regisseur, als vermeintlichen Verursacher den Pleite, an die Wäsche. Diese Art der Selbstzweifel spiegeln Kleist Gemütslage bestens wider. Haschke gibt als Bernd das Springteufelchen par excellence und zeigt eine unendliche Bandbreite an Mimik und Gestik. Mitten in der Nacht exerziert er seine pedantischen Erziehungsmethoden und Claudi repetiert wie aus der Pistole geschossen, eine Persiflage auf Kleists Briefe an Wilhelmine von Zenge, seine Verlobte, die er mit solcher Art Erziehungsmaßnahmen traktierte. Aber selbst wenn man Kleist Biografie nicht kennt, ist das Stück well made und als Komödie über den verhinderten Künstler auch heute verständlich. Die finalen Schüsse am kleinen Wannsee bleiben auch bei Bukowski nicht aus, es hätte ihren aber nicht unbedingt bedurft. Kleist ist mit seinem Glücksanspruch in seiner Zeit gescheitert, wie es mit dem heutigen Künstler aussieht, kann man sich denken, ein Mangel an Beispielen besteht mit Sicherheit nicht.

    dsc03727.JPG Kleists Grab am Kleine Wannsee.
    Birgt ein tragisches Leben genug Potential für eine Komödie?
    (Foto: St. B.)

    Das Bukowski ein Händchen für psychologische Stoffe besitz, hat er am DT bereits mit seinem Soloabend „Der Heiler“ für den Schauspieler Jörg Gudzuhn bewiesen. In diesem Stück über die Rechtfertigung eines Psychologen bezüglich des Todes einer Patientin, betont er die menschliche Seite des Berufs gegenüber einer rein medizinischen Betrachtungsweise. Der Umschwung von erst selbstsicherer Überlegenheit zu einem schwankenden, an sich und dem System zweifelnden Menschen, macht Gudzuhn in Sprache und Geste spürbar und nachvollziehbar. Es ist in diesem Stück in der Regie von Piet Drescher viel Wissen um zwischenmenschliche und gesellschaftliche Schieflagen versteckt, dies wird besonders durch das Spiel des mit dieser Rolle endgültig aus dem Ensemble des DT scheidenden Schauspielers Jörg Gudzuhn sichtbar und es sind eben gerade die leiseren Töne am Ende, die ein Einfordern eines verständnisvolleren und menschlicheren Umgangs miteinander verdeutlichen. Tragik und Komik liegen im Leben immer dicht beieinander, Oliver Bukowski war schon immer ein Meister dieses Zusammenspiels. Es bleibt zu hoffen, dass bald wieder ein Stück von ihm in Berlin zur Aufführung kommt.

  • Mit Camus in die Revolte? – Frank Patrick Steckel betreibt in Leipzig Sisyphosarbeit mit seinen „Antworten an Deutschland”.

    „Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen „Dies gehört mir“ und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört.“ „

    aus J.J. Rousseau: „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ (1755)

    social_contract_rousseau_page.jpg Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes,Titelblatt der Erstausgabe, Amsterdam 1762 (Foto: Wikipedia)

    „Wie! Die Freiheit lässt sich nur mit Hilfe der Knechtschaft behaupten? Vielleicht. Die Extreme berühren sich. Alles, was nicht durch die Natur bedingt ist, hat seine Übelstände, und die bürgerliche Gesellschaft mehr als alles andere. Es gibt leider solche unglückselige Lagen, dass man seine eigene Freiheit nur auf Kosten der Freiheit anderer behaupten, und der Bürger nur dadurch vollkommen frei sein kann, dass der Sklave in der allertiefsten Sklaverei schmachtet. Der Art war die Lage Spartas. Ihr Völker heutiger Zeit habt zwar keine Sklaven, aber dafür seid ihr es selbst; ihr bezahlt ihre Freiheit mit der eurigen. Ihr rühmt euch dieses Vorzugs vergeblich, ich finde darin mehr Feigheit als Menschlichkeit. (…) Wie dem auch sei, sobald ein Volk Vertreter ernennt, ist es nicht mehr frei, existiert es nicht mehr.“

    aus J.J. Rousseau: „Der Gesellschaftsvertrag oder Die Grundsätze des Staatsrechts“, Drittes Buch, 15. Kapitel, Von den Abgeordneten oder Vertretern des Volkes

    Bis zu Rousseau geht Frank-Patrick Steckel in seinem kleinen Empörungsstück an der Leipziger Skala nicht, aber der Abend will von Anfang an vor allem eines: Aufklären. Unsere Freiheit und unser Wohlstand beruhen auf der Knechtschaft anderer, das zumindest ist mit Brechts Gedicht „Alfabet“ (1934) gesetzt.

    Reicher Mann und armer Mann
    Standen da und sahn sich an.
    Und der Arme sagte bleich:
    Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.
    dsc03819.JPG
    Der Tisch ist leer, die Stühle weg. „Raum 650, Black Last Supper“ Gemälde von Ben Willikens im Museum der bildenden Künste Leipzig (Foto: St.B.)

    Vier junge Schauspieler (Artemis Chalkidou, Linda Pöppel, Benjamin Lillie und Paul Matzke), in helle Wolldecken gehüllt, sitzen in einem Stuhlviertelkreis und sprechen teils eigene selbstreflektorische Texte sowie Einsprengsel zum Thema passender Texte von anderen. Der Aufhänger ist die Frage nach einem: Wie weiter, wohin geht es mit Deutschland und der Welt? Was läuft schief in unserer Gesellschaft? Obwohl die Schlagworte von Stéphane Hessel nicht fallen, baut Steckel erst mal jede Menge Empörungspotential auf. Und so prasseln Texte über Willkür und Foltermethoden in deutschen Polizeirevieren, Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Bankenschirm, Griechenlands Staatsbankrott, Waffenexporte, Naturkatastrophen, Atomkraft, Fukushima und Ozonloch, Flüchtlingselend, Armut in der 3. Welt sowie Gewalt gegen Tiere versus Vegetarismus, bis dem zuhörenden Bürger der Hut vom spitzen Kopfe fliegt (Jakob van Hoddis, Weltende).

    Die Schauspieler reflektieren in ihren eigenen Texten ihre vermeintliche Ohnmacht gegenüber diesen Verwerfungen der zivilisierten Welt. Ist man nur zu dumm, das alles zu begreifen, man geht zur Wahl und gibt seine Stimme ab. Was könnte man noch tun? „Antworten an Deutschland? Ich habe die Frage nicht verstanden.“ wirft Paul Matzke ein. Was ist einem eigentlich dieses Deutschland, nur ein Fleck auf der Landkarte? Gibt es patriotische Gefühle nur auf dem Fußballplatz? Soll am Deutschen Wesen die Welt genesen? (Emanuel Geibel: Beruf Deutschland) Woher soll die notwendige „Entrüstung“ kommen? Fragen über Fragen und keine Antworten, außer der vielleicht, „Nein!“ zu sagen. Linda Pöppel steht dabei frontal zur Wand und drückt ihren Kopf dagegen. Anstatt sich wirkungsvoll zu engagieren, gehen die Jungen lieber an Extreme, testen aus gesicherter Position heraus persönliche Grenzen aus, Benjamin Lillie ließt aus seinem Indienreisetagebuch.

    antworten-an-deutschland.jpg
    Antworten an Deutschland [Benjamin Lillie, Linda Pöppel, Artemis Chalkidou, Paul Matzke] © R.Arnold/Centraltheater

    Dagegen setzt Steckel konträre Lösungsansätze, die gescheiterten der RAF (Texte von Birgit Hogefeld), Hölderlins Naturphilosophie aus dem „Tod des Empedokles“ oder die von Menschen die sich für WikiLeaks persönlichen Gefahren aussetzten wie der „Whistleblower“ Bradley Manning, Texte des Soziologen und israelkritischen Politikers Jean Ziegler sowie der Free Gaza Youth: „Fick dich, Hamas. Fick dich, Israel. Fick dich, Fatah. Fick dich, UN. Fick dich, UNWRA. Fick dich, USA! Wir, die Jugend aus Gaza, haben Israel, die Hamas, die Besatzungsherrschaft, die Verletzung der Menschenrechte und die Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft so satt!“ Das ist viel, zu viel für diesen kleinen Abend, der dadurch wie jeder gutgemeinte Versuch politischen Theaters auf Dauer ein ästhetisches Problem bekommt. Die Darstellung der Protagonisten als griechischer Chor und Volkes Stimme gleichermaßen wie als pathosschwere Schicksalsgemeinschaft von zweifelnden Menschen trägt nicht den ganzen Abend, es kommt bei aller Anstrengung der Schauspieler Steckels Denkansätze zu verdeutlichen etwas Langeweile auf, dem Zuschauer wird kaum die Möglichkeit der eigenen Reflexion gegeben. Die gewünscht „Entrüstung“ stellt sich so nur schwerlich ein.

    Immerhin erheben sich die Schauspieler irgendwann und legen ihre Decken und wohl auch ihre Zweifel ab, die Verantwortung jedes Einzelnen will übernommen werden. Für den Künstler macht dies Frank-Patrick Steckel höchst selbst und spricht vom Band die Worte Albert Camus zur Verantwortung des Künstlers und seinem Werk. Der Verfasser der theoretischen Schriften „Der Mythos des Sisyphos“ (1944) und „Der Mensch in der Revolte“ (1951) sah diese Revolte eher im Menschen selbst, sein Ziel suchend mit den permanenten Widersprüchen ringend und nicht in einer gesellschaftlichen Idee oder Ideologie. So ist Steckel auch unentschieden und kann sich nicht zu einer endgültigen Antwort entschließen.

    dsc03877.JPG Skala Leipzig, „Antworten an Deutschland? Ich habe die Frage nicht verstanden.“ (Foto: St.B.)

    Wie wäre eine Beantwortung der so dringenden Fragen überhaupt möglich? Passend dazu haben sich jüngst zu einem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ der Vorreiter der Empörungs-Welle der 93jährige ehemalige französische Résistance-Kämpfer, Diplomat und Lyriker Stéphane Hessel und der deutsche Jung-Philosoph und Publizist (Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?) Richard David Precht getroffen. Man ist sich schnell einig, dass wir auf einer Art Schwelle stehen (Hessel), Precht bezeichnet es als eine Zeit des Übergangs in einer Legitimationskrise der politischen Parteien und der globalen Finanzwirtschaft. Wohin dieser Übergang über die Schwelle führt, darin sind sich die großen Denker allerdings uneins. Hessel sieht die Zukunft in der Stärkung der vorhandenen globalen Institutionen wie der UN als regulierendes Organ. Erste Bestrebungen zur Einrichtung eines Weltparlamentes gibt es bereits (Kampagne für ein Parlament bei den Vereinten Nationen – UNPA). Precht ist da pessimistischer und zweifelt an der Bereitschaft vor allem der Jugend an Veränderung. Die private Utopie der Liebe lässt uns unpolitisch werden, konstatiert er, die Vision der romatischen Liebe bedroht das Politische, weil sie „asozial“ ist und bloße Fiktion. „Das eigene Glück macht gleichgültig gegenüber der globalen Gerechtigkeit“. Hessel hält dagegen die Fiktion z.B. der Dichtung und Mythologie für erforderlich, wo wir wieder bei der Verantwortung des Künstlers für das Politische angekommen wären.

    F.-P. Steckel bringt diese Fiktion insbesondere mit der Dichtung von Hölderlins Empedokles ins Spiel, der Konflikt von Mensch und Natur in der Gestalt eines tragischen Helden, der sich aufopfert. Ansonsten arbeitet sich das Gespräch zwischen Hessel und Precht so ziemlich an den gleichen Themen wie Steckels Inszenierung ab. Fazit ist bei Hessel die Heranbildung von neuen Eliten, was nach Precht bisher am deutschen Bildungssystem scheitert. Hessel will durch verstärkte Dialektik das Bewusstsein für ein Umdenken erreichen. Dem optimistischen europäischen Gedanken Hessels stellt Precht schließlich die These, entwickelt aus der europäischen Aufklärungsgeschichte, einer „dritten Aufklärung“ gegenüber. Also eine neue Phase der Aufklärung um Bewusstsein zu entwickeln und da ist er ganz nah an Steckels Methode, nur das hier im Moment offene Türen eingerannt werden und dennoch keiner wirklich weiß, wo die Lösung des Problems zu finden ist. Neue Frage und immer noch keine Antwort? Vielleicht hilft da ja wieder Rousseau weiter, oder eher doch lieber Marx reloaden?

    „Lenkt die Aufmerksamkeit eures Zöglings auf die Naturphänomene, und bald macht ihr ihn, wißbegierig. Um aber seine Wißbegier zu schüren, beeilt euch nicht, sie zu befriedigen. Stellt ihm Fragen, die seiner Fähigkeit entsprechen, und laßt ihn sie selbst lösen. Er soll nichts wissen, weil ihr es ihm gesagt habt, sondern weil er selbst es verstanden hat. Er soll die Naturwissenschaft nicht erlernen, er soll sie finden. Setzt ihr jemals in seinem Kopf die Autorität an die Stelle des Verstandes, wird er nicht mehr denken und nichts anderes mehr sein als das Spielzeug fremder Meinungen.“

    J.J. Rousseau, aus: „Emile oder über die Erziehung“ (1762)

    Literaturliste.pdf

    Liste wird fortlaufend ergänzt.

  • Das Blog macht Urlaub

    „In meinem Hirne rumort es und knackt,
    Ich glaube da wird ein Koffer gepackt,
    Und mein Verstand reist ab – o wehe –
    Noch früher als ich selber gehe.“

    Heinrich Heine aus Babylonische Sorgen, 1854

    img_4179.JPG

    antikes Theater in Aspendos (Türkei), Foto: St. B., 2010

    Aspendos liegt ca. 46 km östlich von Antalya, zwischen Side und  Alanya. Das Theater von Aspendos (2. Jh. n. Chr.) gilt als das besterhaltenste römische Theater der ganzen Welt. Es entstand in der Zeit des Kaisers Marcus Aurelius und und bietet 20.000 Zuschauern Platz.

    Demnächst in diesem Theater:

    • Großer Themen-Schwerpunkt „Empört Euch!“

    Mit Camus in die Revolte. – Frank Patrick Steckel betreibt in Leipzig Sisyphosarbeit mit seinen „Antworten an Deutschland“. Der Künstler in der Zwickmühle der Verantwortung. Wie ästhetisch ist der Widerstand wirklich und was geht uns das heute an?

    Ich will nicht werden, was mein Alter ist. – Jette Steckel zeigt Gorkis „Kleinbürger“ am DT als Generationenkonflikt.

    • Einige Inszenierungen aus Wien – Schnitzlers „Professor Bernhardi“, Tschechows „Platonow“ und mehr.
    • Autorentheatertage am DT
  • Ein ganz heutiges Stück von tiefem Hass und der Unsterblichkeit der Liebe – Mona Kraushaar inszeniert Shakespeares „Romeo und Julia“ am Berliner Ensemble

     dsc03806.JPG Foto: St. Bock

    „Ich übersetze Stücke auch, um zu lernen. Du kannst kein Theaterstück schreiben ohne befleckte Empfängnis. Eine Dramatik als Mariaerlebnis gibt es eben nicht.“ heißt es im Text des Autors, Filmemachers und Übersetzers von Shakespeare und Tschechow Thomas Brasch „Befleckte Empfängnis“, der im Programmheft zu Mona Kraushaars Inszenierung von „Romeo und Julia“ am BE abgedruckt ist. Sich das Original aneignen hieß für Brasch, durch Einverleibung das Vorbild auch umbringen zu wollen. In seinen sehr heutig wirkenden Übersetzungen ist dieser Drang deutlich spürbar, dem Original auf den Grund zu gehen, „…im Gestern die Wurzeln des Heute kenntlich machen“ (aus dem Programmheft zu den „Drei Schwestern“ am Thalia Theater in Hamburg). Trotzdem hat er Stück und Autor dabei nie beschädigt oder gar unkenntlich gemacht. Und so ist auch Mona Kraushaars Inszenierung ein Einverleibungsprozess, der das Stück aus sich heraus verstehen will, es also so belässt wie es gedacht war, ohne ihm aber dabei all zu ehrfürchtig zu huldigen.
    Die Inszenierung spielt sich auf einer leicht erhöhten Plattform ab, deren Mittelteil sich heben und schräg stellen lässt und dabei eine mit Wasser gefülltes Becken frei gibt (Bühne: Katrin Kersten). Szenenwechsel lassen sich so sehr gut darstellen. Mit verbalem Gefecht beginnt es an der Bühnenrampe, der Zwist der beiden verfeindeten Familien mündet schnell in wirklichen Fechtszenen, die Degen stecken immer griffbereit im Rampenboden. Der Fürst von Verona, der die Streithähne trennt und den Kampf unter Strafe stellt, ist hier ein Kind, die Stimme kommt vom Band und ist die von Angela Winkler. Einer der wenigen Regieeinfälle, die nicht zwingend einleuchten, außer dass diese Worte bei den Protagonisten eh unerhört vorbeirauschen. Die Jungen sind hier echte Raufbolde, die sich von den Alten nichts sagen lassen. Die Spaßbolzen und Möchtegernmachos der Montagues Benvolio (Roman Kanonik) und Merutio (Frank Röder)  ziehen schnell gegen den Siegfriedhaften Tybalt (Felix Tittel) der Capulets den Kürzeren. Das hatte Anfang des Jahres Bruno Cathomas in seiner Romeo-und-Julia-Inszenierung in Potsdam schon bildgewaltig in Szene gesetzt. Trotz flinker Zunge muss Mercutio dran glauben und der junge schwärmerische Romeo des Christopher Nell gerät so ungewollt in den Strudel des Hasses zwischen den verfeindeten Häusern, dem er doch durch die Liebe zu Julia (Anne Graenzer) entfliehen wollte, um deren Willen er sogar bereit ist nicht länger Romeo und Montague zu sein.
    Die Darstellung dieses Liebespaars macht Mona Kraushaars Inszenierung aber auch erst wirklich sehenswert. Die Liebe auf den ersten Blick wird hier nicht groß und  bildgewaltig versucht zu erklären, sondern einfach vorausgesetzt. Das Zusammentreffen der beiden auf dem Ball der Capulets ist flüchtig und dennoch ist Romeo bezaubert und versucht anschließend die Schräge auf der Julia angeseilt ihrem Romeo zuschmachtet, mit allen erdenklichen Hilfsmitteln, wie Luftballons, Regenschirm, Seil, Degen-Sprunghilfe und Feuerlöscherrakete zu erklimmen. Er benimmt sich zu aller Anwesenden Erbauung so ungeschickt übermütig, wie es oft in diesem Alter bei den ersten Annährungsversuchen der Fall ist, wirkt aber dabei nie unfreiwillig komisch. Der Julia zugedachte Graf Paris ist bei Dejan Bucin ein Schmeichler und Charmeur mit Rose, der bei der sexuell unterversorgten Lady Capulet (Katharina Susewind) zu landen weiß, aber bei Julia schnell abgemeldet ist. Überhaupt ist hier der große Rest des Veroneser Familienanhangs beider Seiten sehr eindimensional gezeichnet. Dass ihnen Bruno Cathomas in Potsdam  ein Eigenleben gegönnt hat, mit melancholisch bis explosiven Gefühlsausbrüchen, erweist sich daher im Nachhinein als großer Gewinn. Bei Mona Kraushaar bekommt nur Vater Capulet (Martin Seifert) seinen gewohnten Wutanfall, der aber auch im Abgang schnell verpufft. Swetlana Schönfeld, als Amme mit dem jungen Winfried Goos als Diener Peter im Schlepptau, kann ein paar schräge Akzente setzen, der alte Montague (Martin Schneider) und seine Lady (Ursula Höpfner-Tabori) sind dagegen so gut wie nicht vorhanden.
    Und so verwendet Kraushaar viel Zeit auf das große Liebespaar, was nach der Pause in akrobatischen Bemühungen Romeos gipfelt, der versucht auf dem Liebesbett mit Julia seine Hosen anzuziehen und dadurch spontanen Szenenapplaus hervorruft. Aber die junge Liebe wird ja bekanntlich sogleich auf die erste Probe gestellt, da Romeo nach Mantua verbannt ist und dort sehnsüchtig auf Post von Pater Lorenzo aus Verona wartet. Dazu sitzt er bei geschlossenem Eisernen Vorhang in einem Kreidehäuschen, was er vorher an die Wand gemalt hat und schielt gebannt auf seinen Kreidebriefkasten. Veit Schuberts Pater Lorenzo ist hier ganz der idealistische, immer väterliche Freund, seine gut gemeinte List scheitert aber an den Tücken der mangelnden Sorgfalt bei der Postzustellung. Der Brief erreicht nicht das gewünschte Ziel, Romeo ist längst aus seinem Exil in Mantua aufgebrochen, mit dem unheilvollen Vorsatz Julia in den Tod zu folgen. Das dicke Ende folgt auch prompt, hier relativ unsentimental mit düsterer Rockmusik, bis auf die Tatsache, dass sich Julia unbedingt mit einem der vielen herumliegenden Degen die Pulsader aufschneiden muss. Mona Kraushaar setzt hier voll auf die Empathie des jungen Publikums zu diesem hinreißenden Paar und gewinnt es so auch mit Leichtigkeit. In den anschließenden Klage- und Versöhnungsarien, der infolge ihres unsäglichen Hasses dezimierten Familien, schlägt Shakespeares Reuedramaturgie wieder grausam zu.
    Alles in Allem ist Mona Kraushaar aber eine frische auch über 3:15 h nie langweilige Inszenierung gelungen, die mit der gut auf die Szenen abgestimmten Musik von Sebastian Herzfeld und der Sängerin Bobo eine weitere Überraschung parat hält. Gerade der helle Klang der hinreißenden Gesangstimme von Christiane Hebold, die mit ihrer Band „Bobo in White Wooden Houses“ in den 90er Jahren einige Erfolge feiern konnte und seit 2005 mit Vertonungen der Lyrik Else Lasker Schülers und Neuinterpretationen von Liedern der deutschen Romantik in der Folkszene brilliert, sorgen für zusätzlichen Genuss. Mona Kraushaars relativ unverfälschte und romantische Version der alten Liebestragödie weiß so zu überzeugen und ist ein guter Einstieg für junge Leute die Shakespeare entdecken wollen, vermag aber durchaus auch Kenner zu fesseln. Es bleibt zu hoffen, dass weitere solcher Inszenierungen von jungen RegisseurInnen das verstaubte Image des BE etwas aufmöbeln können und Thomas Brasch nicht nur als Übersetzer, sondern endlich auch als Autor wiederentdeckt wird.

  • Frech wie Oscar, Herbert Fritsch tanzt Polonaise. Noch mal Schlingensief und ein kleines Fazit zum Abschluss des Theatertreffen 2011

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    Oberhausener Kurzfilmtage 2009 – © Herbert Fritsch / Sabrina Zwach 

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    Verfickte Scheiße, Mutter Wolffen, der Weihnachtsbaum brennt

    Der heimliche, unheimliche Star des Theatertreffens war mit Sicherheit der 60jährige „Jungregisseur“ und ehemalige Volksbühnenstar Herbert Fritsch (u.a. Elementarteilchen, Meine Schneekönigin, Das große Fressen und Im Dickicht der Städte), der mit seinen beiden frischen und frechen Inszenierungen die verschnarchte Berliner Theaterszene aufgemischt hat. Er ist aber nicht auf einmal darauf verfallen als Theaterregisseur zu arbeiten, sondern hat bereits seit längerem als medialer Künstler gearbeitet. Mehrere Videoinstallationen, Kunstfilme und schließlich das Projekt hamlet_X beweisen sein universelles Talent.
    Fritschs Äußerung zu seiner zum tt11 eingeladenen Schweriner „Biberpelz“-Inszenierung: „Hauptmann? ich kenne den Mann nicht.“ dürfte das Zeug haben, zur geflügelten Redewendung zu werden. Das ist natürlich Koketterie, er reagiert damit entsprechend auf das plötzliche mediale Interesse an seiner Person, ein Schauspieler durch und durch. In seiner Version des Biberpelz tritt eine krass geschminkte Meute von Kleinbürgern auf und brüllt im Chor die naturalistischen Szenenbeschreibungen von Gerhard Hauptmanns Stück um den besagten von Mutter Wolffen gestohlenen Biberpelz. Mehr Naturalismus kommt nicht vor, Fritsch überzeichnet die Figuren gnadenlos bis zum Slapstick. Alles tanzt um eine bewegliche Wand, verbiegt sich, stürzt am laufenden Band, grinst oder zieht andere saure Grimassen. Das groteske Mienenspiel und der enorme Körpereinsatz sind hier Ausdruck für die Gier, Verschlagenheit, Scheinheiligkeit oder Tumbheit der Charaktere. Die Sprache bei Hauptmann noch Berliner Dialekt ist bei Fritschs Darstellern ebenso deformiert wie schon ihre Figuren selbst.
    So wird das Spiel zu einer Art pantomimischer Clownerie, begleitet von Shantys und dem bisweilen schwer verständlichen Gebrabbel der Protagonisten. Es stehen Plattdeutsch neben Randberliner Dorfdialekt, Mutter Wollfen mit etwas schlesischem Einschlag, etwas Süddeutsches ist auch herauszuhören und einzig der Amtsvorsteher Wehrhahn (Jakob Kraze) spricht ein halbwegs verständliches Berlinerisch. Seine Borniertheit und die opportunistische Haltung seiner Untergebenen werden in herrlichen Fall-Choreografien verdeutlicht. Mutter Wolffen (Brigitte Peters) hat Herz und Schnauze auf dem rechten Fleck und kann sich immer wieder gegen die anderen Chargen behaupten. Dr. Fleischer (Marcel Rodriguez) ist hier ein armes verschrecktes Würstchen, das man den Staatsfeind wohl schwerlich anhängen kann. Egal, Wehrhan hat alle in der Schlinge, glaubt er zumindest, bis der Strick, der um alle gewickelt ist, einfach fällt. Das Ganze läuft ja schon bei Hauptmann ins Leere und so bricht auch Fritsch einfach ab und die Truppe ergeht sich in einer Endlospolonaise des puren Wahnsinns. Herrlich! Einem hat diese „dilettantische Albernheit“ allerdings nicht gefallen und so kam es, dass BE-Chef Claus Peymannn nicht mehr an sich halten konnte und Fritsch beim Premieren-Applaus, der auch mit einigen Buhs durchsetzt war, lauthals empfahl, besser Schauspieler zu bleiben, denn Regie könne er nicht.
    Derart geadelt, war dann die zweite Arbeit von Fritsch, eine „Nora“ aus Oberhausen, schon deutlich in der Gunst des Theatertreffenpublikums gestiegen. Die Bühne zeigt nur einen großen Papp-Weihnachtsbaum, imaginäre Geschenkkartons werden pantomimisch vorgeführt. Das hübscheste Geschenk für Göttergatte Helmer ist Nora natürlich selbst. Manja Kuhl ist hier tatsächlich eine Puppe im entsprechenden Dolls Dress mit rotem Wuschelhaar. Eine lasterhafte, konsumsüchtige Projektion von Männerphantasien. Sie könnte auch gut und gerne Wedekinds Lulu sein. Die Emanzipation wird durch Fritschs wiederum grelle Figurenzeichnung und Kostümierung ad absurdum geführt. Nora benimmt sich zwar aufsässig und weiß die Männer um den Finger zu wickeln, aber zum Schluss geht sie nicht einfach, sondern hebt wie die Goldmarie ihr Kleidchen und wird von goldenem Flitter beregnet. Helmer ist bei Torsten Bauer ein steifer, unsensibler Machtmensch, Krogstad (Jürgen Sarkiss) ein geiferndes, grabschendes Schattenwesen, Frau Linde (Nora Buzalkas) eine schwarz gewandete, karrieregeile Gouvernante und den Dr. Rank, hier gleich als Dr. Krank bezeichnet, gibt Henry Meier als sabbernden Lustgreis, der sich am liebsten zwischen Noras Beine legt und unter ihr Kleid schaut. Alle sind sie gleich Vampiren gezeichnet, bleiche, knochige Gestalten, die ihren Vorteil, wie lebensnotwendiges Blut aus Nora saugen wollen, geldgeil und besitzergreifend.
    Helmer ist der Dresseur seines Geschöpfes Nora, er züchtigt sie auch mal mit Klapsen auf das Hinterteil. Seine Kosenamen für sie, wie „mein Eichhörnchen“, klingen zynisch und lächerlich zu gleich. Das ist Fritschs Verdienst, dass Ibsens Text hier bildlich und im Spiel der Figuren direkt erfahrbar wird. Ein Entrinnen aus dem Goldenen Käfig gibt es für Nora nicht. Am Ende zerschneidet die Psycho-Filmusik die psychologischen Erwartungen an das Stück und fängt der Kunst-Weihnachtsbaum auf der Bühne Feuer. Der schöne Schein der bürgerlich familiären Idylle löst sich in Rauch auf. Keine psychologische Studie über das Bürgertum, sondern bitterböse Entlarvung ihrer Verkommenheit. Wie dunkele Raben schweben sie am Bühnenhimmel und rufen der sich aus ihrem Korsett befreien Wollenden, nur eine kopfschüttelndes „Nora, Nora, Nora“ zu. Fritsch unterläuft mit seinen Inszenierungen die gängigen Erwartungen des Theaterpublikums und verblüfft durch seinen Spielwitz. Das ist keine bloße Provokation, sondern durchaus eine gekonnte Art den alten Theaterbegriff neu zu interpretieren. Es bleibt zu hoffen, dass er sich seine Spielfreude und Frische noch lange bewahren kann, wenn die großen Häuser nun rufen werden. Im Juni inszeniert Fritsch an der Berliner Volksbühne den Schwank „Die spanische Fliege“.

    Fototrailer Der Biberpelz vom Theater Schwerin

    NDR-Portrait über Herbert Fritsch am Theater Schwerin

    Trailer Nora oder Ein Puppenhaus vom Theater Oberhausen

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    Christoph Schlingensiefs „Via Intolleranza II“ zum Abschluss des Theatertreffens 2011, Preise und ein Fazit

    schlingensief.jpg Schlingenblog, Persönliches Blog von Christoph Schlingensief

    Ziemlich genau vor einem Jahr hatte Christoph Schlingensiefs „Via Intolleranza II“ in Brüssel Premiere. Seit dem ist das Stück durch halb Europa getingelt über Wien, Hamburg, München nun zum Theatertreffen 2011 nach Berlin, wo schon 2009 Schlingensiefs Fluxus-Oratorium „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ gezeigt wurde. Seine letzte Produktion nimmt sich nun frei nach Luigi Nonos Oper „Intolleranza 1960“ die Intoleranz des Europäers gegenüber der 3. Welt vor. Es beginnt mit Brigitte Cuvelier, die eher ironisch über die Schwierigkeiten bei der Produktion spricht, als Vortragende an einem Rednerpult. Der isländische Vulkan, Geldschwierigkeiten, frierende Afrikaner und natürlich der völlig erschöpfte Schlingensief selbst waren die großen Hindernisse, die es zu überwinden gab. Deshalb muss nun der Schauspieler Stefan Kolosko übernehmen und durch die Show führen, was dieser begleitet von Arno Waschk und seiner Band auch prompt tut. Allerdings ist das der Anfang von einem fröhlich dilettierenden, kaum zu ergründenden Bühnenchaos ganz im  Schlingensiefschen Sinne.
    Eine Brechtgardine wird auf- und zugezogen, andere Zitate an Nono und seine Musik sind nur noch über Handy zu hören. Es laufen Videos von Schlingensiefs Afrikareisen auf der Suche nach einem Standort für sein Operndorfprojekt Remdoogo und einer italienischen Stummfilmfassung von Dantes Inferno (1911). Das 6-köfige Team aus Burkina Faso stellt sich vor und gibt sich erst mal alle erdenklich Mühe uns in Tanz und Gesang unser Afrikaklischee vorzuspielen, übernimmt aber immer mehr die Herrschaft auf der Bühne. Sie halten Nonos Oper ebenso für ein Klischee und haben kurzerhand ihren eigenen Text geschrieben. Es wird gerappt, Kungfu gefightet und der als Hauptdarsteller vorgesehene 13jährige Junge Komi ist in Wirklichkeit ein Kleinwüchsiger der nach einer Frau für sich sucht. Der europäische Kultur-Kodex wird verulkt, Koloske lässt den weißen Besserwisser raushängen und zerpflückt eine kleine Hütte, die von den Afrikaner zusammengebaut wurde. Der weiße Jean Chaize und der Afrikaner Wilfried Zoungrana tanzen Armut und Hunger. Bei Hunger zieht der Schwarze den Bauch ein und drückt die Rippen raus. Klar im Vorteil, er ist ja auch erst 27, da kann das jeder, sagt Chaize. Es werden die Toten der Völkerschauen in Hagenbecks Tierpark in Hamburg aufgezählt und schließlich feiern alle einen großen Dankgottesdienst mit Gospelchor und jeder Menge „Halleluja“.
    Das Flüchtlingsproblem und der Freiheitsgedanke Nonos werden bei Schlingensief letztendlich zur Freiheit und Selbstbestimmung der Afrikaner in ihrer eigenen Welt umgemünzt. Schlingensief, der ja nun nicht mehr unter uns weilen kann, tritt noch einmal als Videoprojektion vor den Vorhang und lässt kräftig Dampf ab. Es gipfelt in der Selbsterkenntnis, vor Ort nichts ausrichten zu können und den Afrikanern doch lieber das Geld zu überweisen und sich ansonsten rauszuhalten. 95 Prozent aller Bilder von Afrika sind eh nur von Weißen gemacht. Ab ins Taxi und weg hier, ist die letzte Botschaft. Kerstin Graßmann, langjähriges Ensemblemitglied bei Schlingensief, ruft noch mal zu Spenden für das Operndorf in Burkina Faso auf, die sie ja eigentlich als Behinderte ebenso nötig hätte, aber die in Afrika eben auch. Großer Beifall für ein spielfreudiges Chaosteam und den 3sat-Fernsehpreis für Schlingensiefs Projekt, ein posthumer Dank für den unermüdlichen, unvergessenen Performer.

    www.schlingensief.com

    dsc03797.JPG Foto: St.Bock
    Ist das Theatertreffen noch zu retten?
    Es ist 2012 auf jeden Fall mit neuem Team wieder am Start.

    Ein nüchternes Fazit für den 2011-Theatertreffenjahrgang zu fällen, ist diesmal so einfach nicht. Man hat wie immer Bemerkenswertes, Leuchtendes neben Unscheinbarem und Belanglosem gesehen, Licht und Schatten dicht beieinander, aber Langweiliges nur in ganz seltenen Fällen. Es wäre doch auch eintönig, wenn man alles hätte abnicken können, was da geboten wurde. Die großen Namen die vielleicht einigen gefehlt haben, wurden eigentlich kaum wirklich vermisst. Es standen Performance gleichberechtigt neben echtem Schauspiel, beides hat seine Berechtigung, wenn mit vollem Einsatz und Wagnis versucht. Große Sieger sind auf jeden Fall die wiedererwachte Spielfreude und natürlich die hervorragenden Ensembleleistungen. Etwas daraus herauszuheben fällt schwer, nur so viel, der Alfred-Kerr-Darstellerpreis für die herausragende Leistung eines/r NachwuchsschaupielerIn geht verdienter Maßen an die Kölnerin Lina Beckmann für ihre Rollen in „Das Werk / Im Bus / Ein Sturz“ und „Der Kirschgarten“ (hier die Laudatio der Jurorin Eva Mattes). Das die beiden großen Häuser Wien und Zürich trotz Bombast eher mit schmaler Kost aufwarteten, hat der Jury letztendlich recht gegeben, den Blick auf die vermeintlich kleineren frei zu machen. Ein Schuss vor den Bug der großen Stadttheater? Wenn, dann ein heilsamer womöglich, man wird es sehen im nächsten Jahr mit neuem Leitungsteam beim Theatertreffen 2012.

  • Forever Young? – Bob Dylan zum 70sten

    Wenn sie dabei doch kein Moos ansetzen, so können rollende Steine wohl dennoch altern und so ist der gute alte Hobo Bob Dylan nun auch schon 70 Jahre alt geworden. Neben den Songs von Neil Young, dem anderen Gitarrenbarden unter den jungen Aufgeregten der amerikanischen Sixties, sind es gerade die von Bob Dylan, die sich an den Lagerfeuern der Protestbewegungen rund um den Globus am längsten gehalten haben. „Blowin’ In The Wind“, „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ und „The Times They Are a-Changin’“ waren die Hymnen der politischen Gegenkultur und Bürgerrechtsbewegung in den USA Anfang der 60er Jahre und sind es heute immer noch.
    Veränderung ist aber auch das Stichwort für seine Kunst. Begonnen hat es damit, dass er 1966 auf dem Höhepunkt seines Folk-Ruhms, plötzlich seine Akustikgitarre in einen E-Verstärker einstöpselte und die hasserfüllten Tiraden der Puristen vor ihm mit einem „Play it fucking loud!“ wegwischte. „Gonna Change My Way Of Thinking” wird zu einem Leitthema, das sein Leben durchzieht bis heute. Er ist der ewig Suchende, der alles ausprobiert hat, es gibt nichts, was Bob Dylan nicht gemacht hätte. Sex, Drugs and Rock`n`Roll stehen neben Gospelsongs, Countrymusic und Weihnachtsliedern. Er trank, nahm Drogen, schwamm im „stream of consciousness“ („Visions of Johanna“), kam mehr als einmal in eine Sinnkrise, aus der er auch mal religiös erweckt („Slow Train Coming“) wurde und malte Bilder, die sogar 2007 in den Kunstsammlungen Chemnitz ausgestellt wurden.
    Eins aber war er nie, eine Identifikationsfigur. Die Welt braucht und will aber Leitbilder, Idole, die ihnen sagen wie es weiter gehen soll. Ein ums andere Mal lässt er seine Fans im Regen stehen, bleibt ambivalent und liefert keine Interpretationshilfen. Todd Haynes hat dieses Rockchamäleon sehr treffend in seinem Film „I’m Not There“ (2007) gleich von sechs Schauspielern darstellen lassen. Dylan ließ sich nie auf etwas festzulegen. Das er seine Songs immer wieder anders auf der Bühne darbrachte, als man es gewohnt war, nahm man ihm oft übel. Der Autor Thomas Brasch hat in seinem Gedicht „Und der Sänger Dylan in der Deutschlandhalle“, zu einem Konzert Dylans anlässlich einer Deutschlandtournee 1978, die Reaktionen der Enttäuschten festgehalten, die selbst bereits in der Gesellschaft angekommen, ihre Jugendträume vom einstigen Idol im Walzertakt untergehen sahen: „Die Wetter schlagen um: / Sie werden kälter. / Wer vorgestern noch Aufstand rief, / ist heute zwei Tage älter.“ (Nachzulesen in der Gedichtsammlung „Der schöne 27. September“. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1980).
    „Things have changed / How things have changed.“
    Eine Erklärung dafür gab er nie. Das was viele von ihm erwartet haben, konnte und wollte Dylan nie sein. Auf der Bühne verweigert er jegliches Statement und packt nach jedem Konzert wortlos die Gitarre wieder ein. Er empfand es nie als seine Pflicht, die Welt neu zu erschaffen und Schlachtrufe erklingen zu lassen („Wedding Song“). Dass nicht die bloße Protestattitüde die Veränderung bringt, sondern die stetige Weiterentwicklung, das sich immer wieder neu entdecken, ein stoisches Ansingen gegen den Wind, auch wenn die Worte mittlerweile darin zu Verwehen scheinen, ist wohl seine Attitüde. Dass viele meinen, dass er sich vor dem Wind weggeduckt hat, ihm Kommerzdenken vorwerfen, scheint ihn nicht zu stören. „It’s all in the songs“ sagt ihnen Bob Dylan, mehr nicht.
    Vielleicht haben jetzt schon einige die ersten Nachrufe in der Schublade, nach dem Motto „Knockin‘ on Heaven’s Door“. Aber selbst nach 50 Jahren on Tour scheint es Bob Dylan auf dieser Welt noch nicht langweilig geworden zu sein. Seinen Namensgeber den walisischen Poeten Dylan Thomas hat er jedenfalls schon um etliche Jahre überlebt. Und so wird er denn auch „Like a Rolling Stone“ weiter ziehen, als „Columbia recording artist Bob Dylan“. Happy Birthday Bob, „Don’t Think Twice, It’s All right“.

    bob-dylan-nashville-skyline.jpg  bob-dylans-theme-time-radio-hour.jpg (Bilder: amazon)

    „Lay Lady Lay“ on MyVideo

  • Ratten 2.0 – Michael Thalheimer inszeniert Lew Tolstois „Die Macht der Finsternis“ an der Schaubühne Berlin

    Michael Thalheimer geht in seinen jüngsten Inszenierungen umgekehrt chronologisch vor. Nach den Aufführungen der Ratten und der Weber von Gerhard Hauptmann beschäftigt er sich nun mit einem der Vorläufer des deutschen Naturalisten, dem Russen Lew Tolstoi (1828-1910). Es ist ihm schon zu danken, dass es nicht Krieg und Frieden oder wieder mal Anna Karenina ist, aber mit „Die Macht der Finsternis“ (1886) hat sich Thalheimer auch nicht gerade ein Wohlfühldrama ausgesucht. Der naturverbundene christlich motivierte Anarchist und Pazifist Tolstoi hat erst spät zur Gattung des Dramas gefunden, es fällt in die Phase der moralphilosophischen Schriften wie „Worin besteht mein Glaube“ oder „Was sollen wir also thun?“. Er übersetzte in dieser Zeit auch die vier Evangelien neu ins Russische. Früh geschult an der Philosophie Rousseaus und Kants, wandte sich Tolstoi in den 80er Jahren eher den pessimistischen Schriften Schopenhauers zu und trat aus der Kirche aus. Seinen christlich geprägten Moralvorstellungen blieb er aber im Großen und Ganzen treu. Mit seiner in Gewaltfreiheit und Nächstenliebe an der Bergpredigt orientierten Schrift „Das Himmelreich in Euch“ hat er sogar Mahatma Gandhi beeinflusst.

    Im Kontext der christlich geprägten Moral ist auch sein Drama „Die Macht der Finsternis“ mit dem Untertitel „Ist die Kralle hängen geblieben, muss das ganze Vögelchen zugrunde gehen.“ zu sehen. Das verweist auf die folgenschweren Taten der Protagonisten im Stück, die immer mehr in einem Sumpf von Niedertracht und Verbrechen versinken. Tolstoi greift hier eine wahre Begebenheit auf und beschreibt den moralischen Niedergang der Landbevölkerung im Zuge der ländlichen Verelendung. Der Plot besteht darin, dass der Knecht Nikita, nachdem er die Waise Marinka verführt und wieder verstoßen hat, ein Verhältnis mit seiner Herrin Anisja beginnt. Diese vergiftet mit der Hilfe der Mutter Nikitas ihren kranken Ehemann Pjotr, daraufhin wird Nikita zum neuen Herrn auf dem Hof. Er versäuft im Folgenden das Erbe Pjotrs und beginnt eine Affäre mit Anisjas Stieftochter Akulina. Das Kind, das er mit ihr zeugt, tötet er auf Drängen Anisjas und seiner Mutter, da Akulina verheirat werden soll. Auf Druck seines zu tiefst religiösen Vaters Akim gesteht Nikita schließlich die Tat am Tage der Hochzeit vor allen Gästen (Quelle: Reclams neuer Schauspielführer, 2005).

    Michael Thalheimer treibt nun hier den Naturalismus der Figuren wie schon bei den Webern wieder extrem auf die Spitze. Olaf Altmann hat wie in den Ratten am DT (2008) einen sehr beengten Bühnenraum geschaffen. Zwei schmale und äußerst niedrige Gänge führen in einen kleinen Raum in dem das Bett des kranken Pjotr (Kay Bartholomäus Schulze) steht und ein kleines Holzkreuz an der Wand hängt. Pjotr windet sich und stöhnt, dass es zum Herzerweichen ist. Die anderen Protagonisten gelangen nur in extrem gebückter Haltung wie Ratten durch die niedrigen Gänge zu ihm. Es entspinnt sich ein Schlagabtausch aus gegenseitigem Hass und Missgunst. Die niedere Gesinnung der meisten Protagonisten wird durch das ständige Kriechen müssen in den Gängen noch verstärkt. Dazu tragen die Figuren, wie bei einem griechischer Leidenschor, hängende Stoffmasken vor dem Gesicht. Bert Wredes sakrale Orgelmusik, durchsetzt mit den üblichen Gitarrenriffs, erzeugt zusätzlich Düsternis. Nikita (Christoph Gawenda) ist auf sein stetiges Fortkommen fixiert und schlägt jegliche Einwendungen seines Vaters (Thomas Bading) in den Wind. Die beiden Giftmischerinnen Anisja (Eva Meckbach) und Nikitas Mutter Matrjona (Judith Engel) sind von einer Skrupellosigkeit sonder Gleichen. Judith Engel hat man wohl noch nie in einer solch abgründigen Rolle gesehen, die sie aber mit großer Überzeugungskraft meistert.

    Tolstoi lässt hier jede Hoffnung auf Vernunft fahren. Thalheimer schließt sich ihm mit seiner Inszenierung ohne Umschweife an. Einzig der neue Knecht Mitrisch (Urs Jucker) lässt neben den religiösen Phrasen des Vaters Akim einige sozialkritische Aspekte anklingen. Das gipfelt in dem wohl eher unfreiwillig komischen Referat über die Macht der Banken und den Kreislauf des Geldes, den Akim als zu tiefst unchristlich verurteilt. Du sollst dein Brot im Schweißes deines Angesichts verdienen, ist daraufhin seine Entgegnung. Das Geld ist also was diese Menschen umtreibt und deformiert. Nikita und Akulina (Lea Draeger) kommen mit einem Berg von Paketen vom Shoppen und beschenken alle reich. Akim wirft seinem Sohn die Geldscheine ins Gesicht zurück. Er will mit alldem nichts zu tun haben. Nur ist er hier in der Gestalt von Thomas Bading als armes Würstchen ohne jegliche Überzeugungskraft gezeichnet. Erst der schreckliche Mord an seinem neugeborenen Kind, der in allen Einzelheiten verbal ausgebreitet wird, vermag seinen Sohn Nikita zu läutern. Die Frage ist nur was Thalheimer nach den Webern mit dieser erneuten Kunstanstrengung bewirken will, ein Versuch der Bekehrung der Anwesenden zum Tolstoianismus kann getrost bezweifelt werden. Aber wirkliche Sozialkritik sieht anders aus und man ist versucht ebenfalls alle Vernunft fahren zu lassen und das Kreuz von der Wand zu reißen, um es dem Nächstbesten über den Schädel zu schlagen. Gandhi möge mir verzeihen.

    „Mein ganzes Leben besteht ja nur in der Hoffnung darauf, daß nicht der Kuchen, sondern die menschliche Vernuft von Ewigkeit sind.“ Lew Tolstoi, aus den Tagebüchern (Quelle: Programmheft Schaubühne)

  • Willy Loman zerbrüllt den Amerikanischen Traum und Natascha Kampusch trifft den bösen Medien-Wolf – Die „großen“ Häuser aus Zürich und Wien beim Theatertreffen 2011

    Die Halle des Radialsystem V, sonst Heimstadt von Sasha Waltz und ihrer Tanzcompany, ist nicht zum ersten Mal Bühne für ein Stück aus dem Schiffbau des Züricher Schauspiels. 2008 zeigte hier Jan Bosse seinen furiosen Mitmach-„Hamlet“ mit Joachim Meyerhoff und Edgar Selge, die Bühne gestaltete auch Stéphane Laimé. Das Publikum saß mit den Darstellern an einer großen Tafel rund um das Geschehen und einige mussten sogar mitspielen. Das bleibt einem bei der Inszenierung Stefan Puchers von Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ Gott sei Dank erspart. Man sitzt auf normalen Stühlen und ist nicht mehr Teil des Bühnenbildes, das Stéphane Laimé diesmal noch etwas breiter angelegt hat. Auf der gesamten Länge der Halle, reihen sich Küche, Wohn- und Schlafzimmer der Lomans sowie eine Bar und das Howardsche Büro im 50th-Style vor uns auf. Ganz rechts vor einer Bluescreen steht der Thunderbird, den Willy Loman dank der Videotechnik auch über die Straßen Amerikas fahren kann.
    Willy Loman, das ist hier Robert Hunger-Bühler und er ist es, als hätte es nie einen anderen gegeben. Hunger-Bühler geht hier völlig in der Rolle auf, so dass man an ihm alle Gefühlsregungen, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt mehrfach bewundern kann. Dieser Willy lebt den Amerikanischen Traum, auch noch dann, als er schon am Boden zerstört vor seinem einzigen Freund Charly (Siggi Schwientek) steht, trotzdem den angebotenen Job ablehnt und lieber in den Tod fährt. Der Thunderbird steht dabei außerhalb der Halle und man hört nur das Scheppern und Krachen von draußen. Keine Angst, Robert Hunger-Bühler kommt wieder, dem Thunderbird ist auch nichts passiert und Willy singt noch einmal mit musikalischer Begleitung aller den Song von The Velvet Underground „I’m Set Free“. Allein dafür hätte es sich gelohnt zu kommen und zu bleiben, ein bitter-süßer Abgesang auf die Suche nach immer neuen Illusionen. Allerdings muss man bis dahin eine Inszenierung durchleiden, die dermaßen überzeichnet ist, dass man glaubt in eine TV-Reality-Show geraten zu sein. Damit man auch ja keine Gefühlsregung oder irgendeinen Gesichtsausdruck verpasst, wird das Ganze von mehreren Kameras eingefangen und auf großen Videoleinwänden präsentiert.
    Friederike Wagner als Linda Loman ist die aufopferungsvolle Gattin bis zur Selbstverleugnung, sie steht in der Küche, lässt sich zurechtweisen und hält trotzdem zu ihrem Willy. Abends im Bett, wie früh morgens beim Kaffee, sie baut ihn immer wieder auf. Nur einmal verliert sie die Kontenance als ihre Söhne besoffen nach Hause kommen und den Vater in der Kneipe alleingelassen haben. Biff und Happy (Sean McDonagh und Jan Bluthardt) sind die Erben des Lomanschen Traums vom Aufstieg, sie wissen nur noch nicht ganz, wie sie ihre ganzen Hirngespinste darüber umsetzen können, aber mit den Frauen klappt es jedenfalls erst mal ganz gut. Die Auseinandersetzungen des schwarzen Schafs Biff mit seinem Vater werden vorzugsweise in der beleidigten Attitüde und lautsstark vollzogen. Dabei nehmen sich beide nicht viel, man muss zwangsläufig an den Schreikrampf von Bruno Cathomas als Biff in der Inszenierung von Luc Perceval an der Schaubühne denken (kleine Kostprobe), nur das Thomas Thieme als Willy sich ein Guantanamera drauf gepfiffen hat. Robert Hunger-Bühler stammelt hier weiter die Mantras der Leistungsgesellschaft.
    Pucher bricht den überspitzten Plot immer wieder mit eine paar Musikeinlagen, etwas Glämmer, Videos und seinem üblichen Inszenierungskitsch. Die Veranstaltung schwankt zwischen diesen Extremen und wirkt dadurch stellenweise unfreiwillig komisch. Witzige Einlagen wie der Regieeinfall den Chef Willys als Miss Howard (Julia Kreusch) auftreten zu lassen, die dem konsternierten Willy die Vorzüge ihres neuen Diktaphons erklärt und die Szene in der Biff in einer der vielen Rückblenden den Vater mit einer Geliebten (Michaela Steiger) im Hotelbett überrascht, stehen gegen sich wiederholende, nicht enden wollende Mono- und Dialoge sowie das Auftreten des Bruders Ben (Markus Scheumann), zu dem Willy ständig spricht, als geisterndes Wesen mit Cowboyhut und Spazierstock, fast eine Art Onkel-Sam-Karikatur. Eine Reduzierung der Figuren und weitere Straffung der Handlung wären dringend angebracht. Zugute halten muss man Pucher, obwohl er die „schein“heilige Reklame-Welt des amerikanischen Traums in allen Fassetten auswalzt, dass er ihn auch dementsprechend durch diese völlige Figurenüberzeichnung gnadenlos zercrasht. Allerdings hätte es dazu nicht dieses 50er Jahre Devotionalien-Parkours samt Entourage bedurft. Erwähnenswert sind an dieser Inszenierung tatsächlich nur die überbordende Ausstattung und die Anzahl der Mitwirkenden. Aber das grelle Pathos übersättigt und ermüdet dann auch mit der Zeit, gediegene Langeweile machte sich zusehends unter den Zuschauern breit.

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    Der amerikanische Traum schlechthin, Willy Lomans Thunderbird parkt vor dem Radialsystem V (Foto: St.B.)

    „Herzlich willkommen zur Ernst Jandl Show!“ ruft das Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße unweit des Hauses der Berliner Festspiele in dem gerade das Theatertreffen 2011 stattfindet. Der Meister des um die Ecke Denkens und Sprechens macht hier nach Wien und München Station mit seiner Wunderwelt aus Text und Stimme. In seinem Stück „Aus der Fremde“ (1980) lässt er die Protagonisten miteinander oder über sich konsequent in der 3. Person und im Konjunktiv sprechen. Das vermittelt die emotionale Leere und persönliche Entfremdung der Personen. Jandl zeigte mit seiner Hauptfigur „Er“ einen Schriftsteller in der Schaffenskrise, einen höchst depressiven Menschen, der sozusagen neben sich steht und sich dabei beobachtet.
    Kathrin Röggla benutzt nun diese Technik in ihrem neuen Stück „Die Beteiligten“, das in einer Inszenierung von Stefan Bachmann am Akademietheater Wien herausgekommen ist. Es wird darin der Medienrummel über den Entführungsfall Kampusch verarbeitet. Es treten 6 Personen auf, der quasifreund (Jörg Ratjen), der möchtegern-journalist (Peter Knaack), die pseudopsychologin (Alexandra Henkel), die irgendwie-nachbarin (Barbara Petritsch), das gefallene nachwuchstalent (Simon Kirsch) und die „optimale“ 14-jährige (Katharina Schmalenberg, mal wieder in Berlin zu sehen) und erzählen über ihre Beziehung zu N. K. als wenn diese selbst sprechen würde, in der 3. Person also. Röggla versucht hier eine Distanz zum Gesagten zu erzeugen und die Worte der „Beteiligten“ ihrem Objekt der Begierde in den Mund zu legen. Es wird bereits an den Namen klar, dass das Interesse der Protagonisten an N. K. nur rein persönlicher Natur ist, im medialen Ausschlachten der Story und im Schaffen einer Quasi-Reflexionsfläche für eigene Unzulänglichkeiten. Das Programmheft walzt die Sündenbocktheorie der medialen und gesellschaftlichen „Jagdmeute“ aus und zitiert aus Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“.
    Auf der Bühne beginnt alles sehr eindrucksvoll mit einer Pressekonferenz, bei der alle seitlich zum Publikum vor einem Bildschirm sitzen und die Gesichter per Video frontal auf eine Leinwand geworfen werden. Das symbolisiert noch mal sehr gut die indirekte Redeweise der Personen. Anschließend versucht dann aber Bachmann den bisweilen langatmigen Text von Kathrin Röggla aufzupeppen. Willkommen in der Kampuschshow! Die indirekten Monologe rauschen nun fast unmerklich an einem vorbei, erschlagen von den Bildern der Auftritte des gefallenen nachwuchstalents als singender Falco (Jeanny, Out of the Dark) oder tanzender und am Bühnenhimmel schwebender SS-Mann. Bachmann plustert das Stück zu einem Österreich-Geschichtsmusical auf, das mit verdrängter Historie spielt und kitschige Landschaftsbilder an den Bühnenhintergrund wirft. Autoritäre Szenen aus dem Leben der Trappfamilie aus dem amerikanischen Musicalfilm „The Sound of Music“ (Meine Lieder – meine Träume) werden eingespielt. Der Film prägt bis heute das Österreichbild der Amerikaner und wird für Tourismuswerbezwecke gebraucht, den nationalsozialistischen Hintergrund komplett negierend. Dazwischen treten die Schauspieler in fliederfarbenen Blusen und mit Kopftüchern auf, ein Verweis auf das Outfit der Kampusch bei ihrem ersten Fernsehinterview.
    Man könnte sagen Bachmann versucht mit diesem Spektakel den dürftigen Text von Kathrin Röggla zu retten, auch Stücke von Elfriede Jelinek haben erst durch ihre kongenialen Umsetzungen auf der Bühne an Relevanz gewonnen. Nur ist Stefan Bachmann nicht vom Schlage eines Nicolas Stemann oder einer Karin Beier und Elfriede Jelinek hat auch schon zwingendere Texte zu den Fällen Kampusch und Fritzl geschrieben. Das Fehlen der eigentlichen Figur Kampusch hat Bachmann dann noch bewogen das Märchen vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf abgewandelt in die Inszenierung einzuflechten. Die Leidensgeschichte der N. K. als Opfer „3096 Tage“ (Titel ihres Buches über die Erlebnisse der Gefangenschaft) im Bauch des Wolfes, setzt Bachmann gegen die Ironisierung des Stücktextes durch seine grellen Bilder. Der Befreiungsschlag gegen die Medienmonster im Nacktsuite erfolgt dann durch Katharina Schmalenberg mittels Kill-Bill-Musik und einer Attacke mit dem Samuraischwert. Bombastkitsch gegen Perversion und verquere Moralvorstellungen der Gesellschaft, als mäßig witzige Mediensatire geht das noch halbwegs durch, aber bemerkenswert Neues ist daran nicht zu entdecken.

  • Kann man heute noch Schillers „Don Carlos“ politisch inszenieren? Zwei Versuche in Hamburg und Dresden

    dsc03070.JPG Friedrich Schiller (1759-1805)
    Büste im Garten von Schillers Gartenhaus in Jena
    (Foto: St.B.)

    „Das einzige, was ein Kunstwerk kann, ist Sehnsucht  wecken nach einem anderen Zustand der Welt. Und diese Sehnsucht ist revolutionär.“

    Dieser Ausspruch von Heiner Müller aus seinen Gesammelten Irrtümern ist Motto für Jette Steckels Inszenierung von Schillers „Don Carlos“ am Thalia Theater in Hamburg und steht damit zurecht im Programmheft, wie auch ein sehr interessanter Beitrag des Präsidenten der FU Berlin und Schiller-Experten Peter-Andrè Alt: „Ein Spiel von Macht und Freiheit“. Er verteidigt hier Schillers Ideale von der persönlicher Freiheit gegen die vorherrschende Meinung nur eine „moralische Wirkung“ erzielen zu wollen. Schiller spielte in seinen Dramen mit der Möglichkeit der Freiheit und zeigte aber auch deren Grenzen auf. Nur im Spiel, in der „ästhetischen Erfahrung“ kann der Mensch „im Raum der Phantasie“ ganz frei sein. Schiller versuchte, schreibt Alt, „den Zuschauer auf die Möglichkeit einer absoluten, von äußeren Verhältnissen unabhängigen Freiheit einzustimmen.“- „… den Leuten den Kopf wieder warm machen.“ (Schiller an Wollzogen zum Willhelm Tell) Schillers Dramen zeigen also „Varianten individuellen Handels in Grenz- und Extremsituationen, die durch die Spiele der Fiktion und die Illusionsinszenierungen des Theaters gespiegelt werden.“ Der „Don Carlos“ (1787/88) ist dafür ein charakteristisches Beispiel durch die Ambivalenz in seinen Figuren und ihrer politischen Ideale. Aufgeklärter Idealismus und Opportunismus stehen sich in einem absolutistischen Staat gegenüber und erzeugen so eine „theaterwirksame Fundamentalspannung“.
    Eher spannungslos beginnt es am Thalia Theater, Mirco Kreibichs Don Carlos hockt an der Rampe vor dem geschlossenen Eisernen Vorhang und hält ein Schild mit seinen bekannten Anfangsworten hoch: „Die „schönen“ Tage in Aranjuez sind nun zu Ende !!!!!“ Der Prinz verweigert in sich versunken jede Rede, Pater Domingo in der Gestalt von Victoria Trauttmansdorff muss wohl oder übel seine Verse mit aufsagen. Erst das Auftauchen des alten Freundes Roderich (Jens Harzer als Marquis Posa) vermag ihn aus seiner Lethargie zu befreien. Schnell ist der Grund der düsteren Gedanken erklärt, Don Carlos liebt unglücklich die ihm einst versprochene Elisabeth von Valois, die nun die Frau seines Vaters und damit seine Stiefmutter geworden ist. Posa verspricht Abhilfe, wenn sich Carlos nun wieder alten Tugenden und der Befreiung Flanderns widmen will. Das Unheil nimmt seinen Lauf, die Spannung steigt. Nachdem der erwachte Tatendrang von Carlos seinen ersten Dämpfer bei König Philipp, Hans Kremer gibt ihn meist ruhig aber bestimmt, dann aber immer mehr an seinen Vertrauten Alba (Matthias Leja) und Domingo zweifelnd, kommt es zur Begegnung mit Posa und der König findet überraschend jemanden der ihm zuhört und sagt was er denkt. Harzer spielt einen Posa, der nicht wirklich will, was er da beginnt und so schlaksig und bedacht wie er mit seiner Einkaufstüte über die Bühne schlurft, ist er beileibe nicht der blühende Idealist wie er Schiller wohl vorschwebte. Posa ist hier nicht der von der Macht Verführte, sondern der klar denkende Idealist, der sich mit der Macht einlässt, um sie gezielt zu beeinflussen und zu kontrollieren. Das verweist in Richtung Wikileaks und Assange, soll aber auch zeigen, dass die Kontrolle der Mächtigen nur von unabhängigen, nicht unmittelbar in die Politik verwickelten Personen, auszuführen ist.
    Jette Steckel geht nicht mit grellen Effekten beim Publikum hausieren, mal von einigen theatralen Mitteln der Bebilderung abgesehen und einigen Videoeinspielungen am Bühnenhintergrund. Sehr eindrucksvoll sind aber die Szenen wenn Elisabeth (Lisa Hagmeister) und Carlos feurig Flamenco tanzen oder Philipp und Alba ferngesteuerte Spielzeugpanzer bedienen und Alba es sich auf dem Sessel des Königs bequem macht, bis dieser ihn des Platzes verweist. Das Gespann Alba und Domingo ist hier äußerst berechnend intrigant und zu allem bereit, ihre schwindenden Einfluss wieder zu erlangen. Ihre Waffe ist die Prinzessin Eboli, die sich enttäuscht von Carlos abwendet und bereitwillig für die Intrige einspannen lässt. Sehr dünnhäutig und zickig spielt Alicia Aumüller diese Prinzessin auf der Erbse, in ihrem Schlafzimmer stehen übereinander gestapelte Matratzen. Carlos und Posa bewegen sich auf unsicherem Boden, eine sich ständig gegenläufig drehende Bühne mit den hohen dunklen Wänden zeigt das überdeutlich. Klaustrophobische Räume wechseln mit sich auflösenden Wänden, alles bleibt unbestimmt. Dazwischen ein verzweifelt vermittelnder Graf von Lerma (Christoph Bantzer), der aber allem machtlos zusehen muss. Letztendlich scheitern die Revoluzzer an einer Macht, die sie nicht durchdringen können, von der sie nicht einmal wissen. Nicht der König selbst macht sich die Finger schmutzig, sondern die geheime Instanz in Person des Inquisitors, Andrè Szymanski krempelt die Ärmel für einen Kurzauftritt hoch und schreitet zur Vollstreckung.

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    Staatsschauspiel Dresden am Theaterplatz (Foto: St.B.)

    Wie unterschiedlich man Schiller auslegen kann, zeigt Roger Vontobels „Don Carlos“-Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden. Er wurde damit zum Theatertreffen 2011 nach Berlin eingeladen und ist am letzten Sonntag wieder nach Hause zurückgekehrt. Vontobel geht in seiner Version noch mehr von einem Überwachungsstaat aus, wie er eigentlich in Diktaturen vorherrscht. Die Dienerschaft steht im Hintergrund ist ständig präsent und holt den Block zum Mitschreiben raus. Ein Palast mit ebenfalls hohen undurchdringlichen Wänden fährt aus dem Bühnenboden, große Türen lassen Licht hinein oder verdunkeln den Räume. Der Bezug zur Gegenwart ist nicht ganz klar. Eine international agierende Konzernzentrale vielleicht oder was hat heute noch diese weltumspannende Macht? Das macht es irgendwie zu einer erschreckenden Zukunftsvision totalitären Herrschens. Das ist natürlich möglich, wenn man die politische Macht unkontrolliert delegiert. Dann entpolitisiert Vontobel aber das Geschehen und bricht es auf persönliche, familiäre Eifersüchteleien herunter. Die schönen Tage in Aranjuez sind hier dekadente Cocktailpartys, Christian Friedels Don Carlos mit Sonnenbrille, iPod und Cocktailglas spricht immer wieder mal larmoyant, mal aufbrausend mit sich selbst. Er ist emotional schwankend, die Ambivalenz wird hier ganz groß geschrieben. Burghart Klaußner als Philipp ist der Herrscher im grauen Anzug, anfangs noch der Herr im Haus, dann aber immer mehr in sich gekehrt und von Zweifeln zerfressen. Regelrecht verblüfft ist er von der Offenheit des Marquis Posa und dessen überzeugter Rede. Matthias Reichwald als Posa wirkt hier wie ein unbedarfter politischer Quereinsteiger, der nur die richtigen Mittel der Intrige noch nicht beherrscht. Sein Idealismus scheitert am Unvermögen nicht an den herrschenden Zuständen. Er hat etwas von einem Egmont, die Gefahr negierend, stürzt er sich in sein Unglück.
    Was in beiden Inszenierungen gut dargestellt wird, ist die Unmöglichkeit der Änderung der Machtstrukturen von oben. Carlos ist nicht der Veränderer, der seinen Vater an der Macht ablösen könnte. Er ist eitel und denkt nur an die Verwirklichung seiner eigenen Ziele. Er handelt impulsiv und aus verletztem Stolz heraus. Erst mit dem Tod Posas bricht er mit der Macht, zu spät, da läuft die Maschinerie bereits. Die eigentlichen Intriganten Alba und Domingo (Thomas Eisen und Christian Erdmann) sind in Dresden zu schwach und eindimensional gezeichnet. Dafür nimmt sich Vontobel viel Zeit, die Zerrissenheit von Philipp zu zeigen. Das macht ja Jette Steckel auch, nur nicht mit dieser Überdeutlichkeit. Ein an sich zweifelnder Politiker oder Konzernchef, der an äußerer Beeinflussung zerbricht und sich der über ihm schwebenden eigentlichen Macht ergibt. Das ist heute schwer nachzuvollziehen. Zur Legeimitierung seiner Macht greift er selbst zum Revolver und übergibt erst danach an den alten Großinquisitor (Lore Stefanek). Sonja Beißwenger wirkt als Elisabeth zwar entschlossen, aber auch kühl und zart und hat wenig von dem Feuer der Lisa Hagmeisters in Hamburg. Alle Figuren, gerade auch die gefühlsmäßig völlig dahin fließende Eboli (Christine Hoppe), sind nur ambivalent und haben sich irgendwie die Finger an der bösen Politik schmutzig gemacht.
    Jette Steckel stellt besser die eigentliche Funktionsweise von Politik dar. Gedankenfreiheit ist hier nicht nur ein hingehauchtes Wort sondern eine klare Forderung, die aber nicht ins Publikum geschleudert werden muss, sondern die von uns täglich neu zu erringen ist. Vontobel zaubert schöne einfühlsame Bilder und Gesten mit denen er aufs private Unglück des Einzelnen in die Politik Verstrickten zielt. Jette Steckel hat den Mut im Politischen zu bleiben, auch wenn man sich dabei die Finger, im übertragenen Sinne, schmutzig machen muss. Das macht diese Inszenierung wirklich heutig und bleibt doch auch sehr nah an den Schillerschen Idealen von Freiheit. Steckels Don Carlos ist zwar nicht optimistisch, ihre Protagonisten scheitern genauso, aber sie sagt warum und was eine Möglichkeit wäre, die Kontrolle über die Mächtigen nicht zu verlieren. Der Idealismus von Vontobels Posa grenzt an Pose, ein naiver Poser, der sich zum Schluss auch noch wie in einem Goya-Gemälde dem Erschießungskommando entgegen stellt. Bei Jette Steckel zweifelt Jens Harzer in der Rolle des Posa bis zum Schluss an dem was er tut. Er tut es, weil es einer tun muss. Er wird erst zum Idealist, je mehr er in die eigentlichen Intrigen am Hofe einsteigt, sie durchschaut und versucht dagegen anzugehen. Das ist das eigentlich Tragische an dieser Figur, alles zu wissen und doch das Falsche zu tun.
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Jury nicht den falschen Don Carlos zum Theatertreffen eingeladen hat, aber das ist auch eher ein ganz persönlicher Eindruck von dieser Aufführung aus Dresden. Das Dresdner Publikum jedenfalls liebt diese Inszenierung und da gibt es auch gar nichts gegen einzuwenden. Ich fand nur Jette Steckels Hamburger Don Carlos mutiger. Vontobel riskiert nichts, es ist gut gemachtes Einfühlungstheater und daher tatsächlich irgendwie konservativ.