DeAD (Deutschland 2013) – Ein schräger Genre-Mix von Sven Halfar neu im Kino.

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© 2014 Aries Images
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Der Hamburger Filmproduzent und Regisseur Sven Halfar hat einen eindeutigen Hang zum trashig-makabren Genre-Kino. Schon der reißerisch animierte Vorspann zu seinem ersten Langspielfilm DeAD lässt daran keinen Zweifel. Totenköpfe und Blut zu Roadmovie-reifem Retro-Rockabilly-Sound. Auffallend sind zu dem noch der coole Soundtrack von Nils Kacirek (Musik) und Dörte Benzner (Texte und Gesang) sowie die schwere Fifties-Attitüde der Hauptfigur, gespielt vom Berliner Schaubühnenmimen Tilman Strauß. Patrick findet zu Beginn seine in Alkohol- und Sehnsucht nach der Vergangenheit versunkene Mutter im Paillettenkleid an der Küchendecke hängend. Nach fettigem Leichenschmaus an der Würstchenbude macht sich Patrick mit Schmalztolle, dickem roten Ami-Schlitten und seinem schrägen Buddy Elmer (Niklas Kohrt) im Schlepptau auf, seinen unbekannten, vermutlich stinkreichen Erzeuger-Daddy an dessen 60. Geburtstag heimzusuchen.

Patrick und Elmer haben eindeutig zu viele schlechte Filme gesehen, was sich auch in einigen Zitaten von John Wayne, über Quentin Tarantino, bis zu Michael Haneke niederschlägt. So spielen die zwei auch zunächst rein äußerlich die Nice Gays, bis deren Grund auf verdorbener Kern ziemlich bald zum Vorschein kommt. Erste Leiche auf ihrem Weg ist eine Boutiquenbesitzerin, die nebenbei mit dem noch ahnungslosen Daddy in Spe Reimund (Thomas Schendel) eine etwas abseitige außereheliche Sexualbeziehung pflegte. Frisch eingekleidet tauchen Patrick und Elmer dann zum Kaffeekränzchen bei Reimunds Familie auf. Der Leiter eines Internats, bürgerlicher Schöngeist und Zierfischliebhaber, hat es sich in einer Villa am Standrand mit zweiter, wesentlich jüngeren Frau Judith (Judith Rosmair) und pubertierender Tochter Romy (Ruby O. Fee) gut eingerichtet. Ihr Kommen haben außerdem noch Reimunds nervige, dem Alkohol zusprechende Ex-Gattin Birgit (Suzanne von Borsody) nebst degeneriertem Muttersöhnchen und Investmentbanker Holger (Tobias Kay) angekündigt.

DeAD - Foto (C) Aries Images
DeAD – Foto © Aries Images

Der schnöselig-schmierige Yuppie und passionierte Porschefahrer (mit „Eure Armut kotzt mich an“-Aufkleber am weißen Schlitten) tritt dann auch sofort mit dem unterpri­vi­le­gierten, aber wesentlich tafferen Patrick in Konkurrenz um die jahrelang versagt gebliebene Anerkennung des Erzeugers. Was dem zunächst pikierten Jubilar zunehmend außerordentlich imponiert, wird aber schnell zum großen innerfamiliären Debakel. Auf höchst drastische Art und Weise brechen sich nun angestaute Problemchen der fortgeschrittenen Wohlstandsverwahrlosung und ausgeprägte Psychomacken ihre Bahn, und deren Folgen auf die zunehmend alkoholisierte Feiergemeinde nieder. Die bürgerlich-bigotte Fassade bekommt Risse, was Patrick und Elmer genüsslich auskosten und befeuern. Gewinner und Verlierer in diesem fiesen Wahrheitsspielchen lassen sich da nur schwer auszumachen.

Als dann schließlich Holger im Hirschgeweih hängt und die inzwischen mächtig lallende Birgit völlig die Kontenance verliert, bekommt der absurde Streifen allerdings einen mächtigen Knacks. Auch wenn sich streckenweise die Parallelen zum Klassiker Pulp Fiction förmlich aufdrängen, ist der Filmtitel dann doch mehr ungeschickter Hilfeschrei nach Vater-Liebe, als eiskaltes Bekenntnis zum trashigen Action-Kino. Sven Halfar meint es nämlich tatsächlich ernst mit seinem Anspruch, auch noch eine echte Botschaft transportieren zu wollen. Patrick und sein unverbesserlich liebloser Dad bekommen plötzlich irgendwie einen schrecklich Moralischen, was dann doch eher putzig deutsch wirkt, als trashig cool. Auch Zierfisch stinkt vom Kopfe her, und der Plot tappt schließlich in die küchenpsychologische Klischee-Falle. Es beginnt irgendwann sogar gewaltig zu nerven. Handwerklich streckenweise ganz ordentlich gemacht und mit einigen schönen Show- und Dance-Einlagen zu Jan Delays Oh Johnny, kriegt der Film leider hinten raus einfach nicht die richtige Kurve.

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DeAD – Deutschland 2013

Beitrag in der Reihe Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale 2013

Regie: Sven Halfar
Drehbuch: Sven Halfar
Kamera: Carol Burandt von Kameke
Schnitt: Angela Tippel
Musik: Nils Kacirek

Darsteller:
Tilman Strauß … Patrick
Thomas Schendel … Reimund Borz
Niklas Kohrt … Elmer
Judith Rosmair … Judith
Ruby O. Fee … Romy
Tobias Kay … Holger
Suzanne von Borsody … Birgit
Matthias Wiebalck … Pfarrer
Hark Bohm … Stiftleiter
Anette Hellwig … Claudia

Produktionsfirma: Skalar Film GmbH (Hamburg)
Produzent: Rike Steyer

Original-Soundtrack:
Musik von Nils Kacirek
Texte von Dörte Benzner
Songs:
Jan Delay – Oh Johnny
Kitty, Daisy & Lewis – Buggin‘ Blues
Nick Curran – Kill my Baby
D-Flame – Revenge

Kinostart: 13.02.0214

Weitere Infos: http://www.dead-derfilm.com/

Zuerst erschienen am 06.02.2014 auf Kultura-Extra.

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