Open-Air-Sommer 2014 (Teil1): TFF Rudolstadt 2014 – Halbzeitbericht vom 24. Tanz und Folk Festival

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Bei schönstem Sonnenschein begann am 3. Juli das 24. Tanz und Folkfestival Rudolstadt. Am Donnerstagabend stimmten Rolf Stahlhofen (Söhne Mannheims) and Friends das bereits zahlreich erschienene Publikum mit ihrem Water Is Right-Project musikalisch bestens ein. Die Organisation setzt sich für die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser vor allem in Afrika ein. Eine an der Saale installierte Waterbox demonstrierte das System und lud zu einem sauber aufbereiteten Saale-Drink.

Water Is Right - Rolf Stahlhofen Foto: St. B.
Water Is Right – Rolf Stahlhofen
Foto: St. B.

Das Tanzbein wurde wieder kräftig zu Sambaklängen von Ailton Silva & Aja Brasil im Tanzzelt geschwungen. Nach einem Ausflug zu Rootsreggae mit französischer Akkordeonmusik von Winston McAnuff & Fixi auf der Konzertbühne gab es noch das volle Brett mit dem japanischen Orchester Turtle Island, die auf der großen Bühne im Heinepark munter traditionelle Instrumente und Rhythmen ihrer Heimat mit westlichen Gitarrenpunk mixten. Bis gegen 1:30 Uhr schallten die Riffs, Trommel- und Flötentöne bis über den bereits gut gefüllten Zeltplatz an der Saalewiese.

Turtel Island - Foto: St. B.
Turtel IslandFoto: St. B.

Emsiges Treiben herrschte auch am Freitagmorgen in der Innenstadt, wo Marktstände, Straßenmusiker und Instrumentenbauer zum Bummeln oder Verweilen einluden. Auf der Heidecksburg eröffneten Kazimoto aus Dar es Salaam den Tansania-Schwerpunkt. Ihr rhythmischer und als „African-New-Wave“ bezeichneter Sound wird am Samstagabend noch durch die beiden DJs Gebrüder Teichmann verstärkt. Erste Mutige trotzen bereits der heißen Mittagssonne und wagten sich zum Tanzen aus dem schützenden Schatten.

Annuluuk - Foto: St. B.
AnnulukFoto: St. B.

Beim Creole-Bundeswettbewerb junger Weltmusikgruppen bezauberten Annuluk auf der Bühne der Burgterrasse und empfahlen sich schon mal als mögliche Preisträger. Zumindest der Publikumspreis könnte ihnen sicher sein. Die Tradition alter Bluesbarden setzte anschließend „Mr. Bojangles“ David Bromberg in Begleitung von Mark Cosgrove fort. Der Gitarrist aus Philadelphia hat bereits mit bekannten Größen wie Bob Dylan, Jerry Garcia oder Willi Nelson auf der Bühne gestanden. Er bot zur Freude der Fans einige Klassiker der Folk- und Bluesmusik dar.

David Bromberg - Foto: St. B.
David BrombergFoto: St. B.

Wem das zu viel Oldie oder zu wenig groovye war, dürfte bei einer anderen Gitarrenlegende im Heinepark bestens aufgehoben gewesen sein. Dort spielte die New Yorker Underground-Legende Arto Lindsay (u.a. Ex-Lounge-Lizards) mit brasilianischer Begleitung munter gegen die um sich greifende Fußballhysterie an, ließ sich aber gern die Zwischenergebnisse des Matchs Deutschland gegen Frankreich vom Publikum durchsagen. Seine Brasilianer mussten ja später am Abend auch noch gegen Kolumbien ran. Bis dahin vertrieb er den Fußballverweigerern vor der großen Bühne mit schrägen Gitarrenriffs, Feedback, Free- und Latinjazznummern vor hervorragend die Zeit bis zum nächsten Act.

Arto Lindsay - Foto: St. B.
Arto LindsayFoto: St. B.

Der folgte mit den Black Warriors auf der Konzertbühne, eine weiterer afrikanische Rhythmussektion vom Tansaniaschwerpunkt. Dass englische Folkbands nicht nur fiddeln können, sondern auch ganz gut an der Gitarre sind, bewies Finian Paul Greenall mit seiner Band Fink aus Brigthon, eigentlich eine Hochburg des britischen Triphops. Ihr melancholischer, gut harmonisierender Gitarrenrock und Greealls Stimme erinnern entfernt an einen entschleunigten Bono Vox von U2 (allerdings ohne nervenden Bombasthall und Mitsinghymnen), nimmt seine Anleihen aber auch im amerikanischen Slowfolk des Süd- und Mittelwestens.

Fink - Foto: St. B.
Fink – Finian Paul Greenall
Foto: St. B.

Auf der Konzertbühne landete dann spät am Abend noch ein UFO, dem vier crazy Gippsys aus Chile (!) entstiegen. Die Band um die schillernde Sängerin Kali Mutsa (eine Barbarella auf Speed) mischt Elektronik mit lateinamerikanischen Rhythmen der Andenregion und europäischen Balkanbeats. Etwas störend dabei nur, dass mindestens die Hälfte des Sounds aus der Konserve kam und die große Ligtht und Videoshow etwas unterging. Auf jeden Fall war das tanzbar, wie auch der nächste Tansania-Act auf der großen Bühne im Heinepark. Segere Original schwangen ihre Hüften und Baströckchen bis weit nach Mitternacht.

Kali Mutsa - Foto: St. B.
Kali Mutsa Foto: St. B.

Höhe- und Schlusspunkt des zweiten Tags beim TFF war aber mit Sicherheit das indische Tanztheater Mudiyetto aus Kerala. Hier wurde vor der Konzertbühne ein mythisches Ritual vollzogen. Zu unablässigem Bangra-Trommelfeuer kämpfe in traditioneller Kostümierung (u.a. ein weit ausladender Kopfputz und furchterregende Masken) zu Ehren von Kali der Dämon Darikan gegen die indische Gottheit des Todes, der Zerstörung, aber auch der Erneuerung. Ein Spektakel, das die Zuschauer ganze 2 ½ Stunden bannte.

Mudiyettu - Foto: St. B.
MudiyettuFoto: St. B.

Am Samstag geht das Geschehen auf den vielen Bühnen des Festivals weiter. Es stehen noch, nun bei angenehmeren Temperaturen, bis zum Sonntagabend weitere heiße Acts wie z.B. von Judith Holofernes (Wir sind Helden), Mercan Dede, June Tabor & Oysterband, die Verleihung des Ruth-Weltmusikpreises auf der Heidecksburg sowie zum Abschluss die österreichischen Russkaja im Heinepark an. Aber auch am Rande wartet wie immer noch so manches Interessantes auf seine Entdeckung.

Abschlussbericht TFF 14 hier!

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Das TFF auf der Heidecksburg - Foto: St. B.
Das TFF auf der Heidecksburg
Foto: St. B.

Weitere Infos:
www.tff-rudolstadt.de

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Zuerst erschienen am 05.07.2014 auf Kultura-Extra.

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