Drama am Kap der Guten Hoffnung, ein blaublütiger Krake and A Summer Tale without Ending

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Während die deutsche Mannschaft nach einem Ende gut, Alles gut mit Sieg im kleinen Finale schon über den Wolken des afrikanischen Kontinents Richtung Heimat-Schland schwebte, entspann sich in Johannesburg ein Schauspiel, in dem anfänglich nicht so eindeutig klar war, worum es den übriggebliebenen Finalisten eigentlich ging. Das Ganze entwickelte sich zu einem ausgewachsenen Drama in mindestens 3 Akten und Epilog, mit allem was dazu gehört und es wäre durchaus nicht abwegig, die Schlachterei von Soccer City in Anlehnung an die Seeschlacht bei Gibraltar aus dem Jahre 1607, als Drama am Kap der Guten Hoffnung zu bezeichnen, allerdings mit umgekehrtem Ausgang. Man konnte sich wahlweise einfühlen oder unbeteiligt die Kommentare der Kriegsberichterstatter Marcel Reif (Sky) oder Bêla Rêthi (ZDF) verfolgen. Es hat sich im Einzelnen wie folgt zugetragen:

Exposition:
Einlauf der Protagonisten in den Handlungsraum, Aufteilung in zwei Lager, die Nederlands Elftal auch Oranje genannt gegen La Furia Roja auch La Selección española genannt und deren Vorstellung. Ein Erzähler berichtet über Charaktere der Beteiligten und die Vorgeschichte. Die nun folgende Handlung wird lang und breit ausgemalt. Objekt der Begierde ist ein goldener Pokal. Mittels einer runden Kugel wird ein eckiger Lattenverschlag anvisiert. Ein Unparteiischer aus England wacht über die Einhaltung der Kampfregeln.

1. Akt:
Der Konflikt entwickelt sich. Zuerst wird eine Menge Holz gehackt, zum Aufbau der Schiffe. Wer die größten Bäume gefällt hat, bekommt vom Unparteiischen Sir Howard gelbe Karten zur Belohnung. Hier tun sich mit ausdauernder Kraft besonders die Niederländer hervor. Wozu die Schiffe dienen sollen, weiß noch keiner der Beteiligten so richtig, erst mal ordentlich bauen, dann weitersehen. Nachdem genug Holz gehackt ist, hätten zumindest die Niederländer die rote Siegkarte, die zum sofortiger Verlassen des Kriegsschauplatzes und vorzeitigem Duschen berechtigt, mehr als verdient.

2. Akt:
Prinzipiell gleicher Handlungsverlauf, nur in umgekehrte Richtung. Beide Verbände brassen hart vor dem Wind, können aber zwingende Einschussmöglichkeiten nicht wahrnehmen. Die Tagelagen wirken immer zerfledderter und die Schiffe bekommen mit der Zeit ordentlich Schlagseite. Es wird wieder Holz gehackt, um gelbe Karten einzuheimsen. Eine Entscheidung für eine der Seiten ist nach Ablauf der für gewöhnlich vorgesehen Dauer nicht in Sicht.

3. Akt:
Sir Howard beschließt die Weiterführung der Kampfhandlung bis zum bitteren Ende. Nachdem einige ausgebrannte Segler durch neue ausgetauscht wurden, entbrennt endlich ein Kampf auf Augenhöhe. Die Fahrt geht hin und her, von Lattenverschlag zu Lattenverschlag. Der spanischen Armada gelingt es dabei die Koggen der Niederländer mehr und mehr abzuhängen. Der Versuch von Leichtmatrose Heitinga einen besonders großen Baum zu fällen, kann das Ruder nicht mehr rumreißen. Da nur er zum Duschen darf, müssen die restlichen Niederländer nach und nach die Segel streichen. Der vernichtende Schlag gelingt endlich Admiral Iniesta. Mit einem gezielten Schuss aus nächster Nähe in den Lattenverschlag von Stekelenburg, wird die Niederländische Orlogflotte so gut wie versenkt. Sir Howard hat auch längst den Überblick verloren, einige seiner Entscheidungen sind vor allem für die Oranje nicht mehr ganz nachvollziehbar. Er vergibt nun sogar Karten für gut gemeinte Ratschläge von Seiten des Maat van Bommel. Letztendlich erklärt er den niederländischen Schiffbruch für besiegelt und beendet die Katastrophe.

Prolog mit Überreichung der Siegtrophäe an die La Furia Roja, Spalier durch die gekrönten Häupter und die am Boden zerstörte Oranje. Wie immer liegen tiefe Trauer und überwältigende Freude dicht beieinander. Siegesfeuerwerk und großer Jubel. ENDE.

Leider kann ich nur den Handlungsverlauf schildern und muss eine genaue Dialogwiedergabe schuldig bleiben, da über 120 min. den Rahmen hier sprengen würden.
Ein Statement des Admirals Iniesta nach dem Sieg sagt da alles „sin palabras – ohne Worte“.

Karthasis: keine. In 4 Jahren beginnt das ganze Drama von vorn.

Nachtrag:

Krake Paul aus Oberhausen wird für die richtige Vorhersage des Sieges von König Juan Carlos von Spanien geadelt und heißt nun Pablo el Pulpo la Furia del Roja und wird zum Konteradmiral ehrenhalber ernannt. Was ist dagegen schon das Bundesverdienstkreuz?

Einige Zeit werden wir noch an den Lippen der Nachkommentatoren hängen und aufgeregt in der Hitze vor uns hin ölen, bis wir endgültig mit sämtlichen Vuvuzelas im Sommerloch verschwinden dürfen. Nur womit verbringen wir die restlichen 696 Tage bis zur nächsten Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Ein kalter Entzug ist zu befürchten und bis zur WM 2014 in Brasilien ist es mindestens eine gefühlte Ewigkeit.

Eine Idee gäbe es da schon. Man kann sich die Zeit natürlich mit der Günter Netzer CD-Collection verkürzen, die der nun in den wohl verdienten Ruhestand gestellte Kommentator, von seinem langjährigen Stichwortgeber Gerd Delling sichtlich gerührt am Samstag entgegennahm. Günter Netzer kann tatsächlich lachen und ist auf einmal richtig komisch. Plötzliche Altersweisheit oder die totale Erleichterung, wir werden es beim Hören seiner gesammelten Werke I bis X von „Was ich nicht verstanden habe“, über „Was ich immer noch nicht verstanden habe“, bis „Was ich nie verstehen werde“ erfahren. Das Leiden hat eine Ende „Ich habe genug geredet“, er kann nun endlich wieder die „Feiermaus“ mit Kaiser Franz geben. Ob je wieder ein Ex-Fußballer den von Beckenbauer so genannten Gebrüder-Grimm-Preis bekommt, hängt nun von Olli, Mehmet und Co. ab und einem erneuten Summer Tale without Ending.

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