Was! Ist das episches Theater? Von und mit Patrick Wengenroth an der Berliner Schaubühne, nach Texten von Bertolt Brecht

Was! Ist das Episches Theater? Das wird die große Frage dieses Events bleiben. Patrick Wengenroth ist und bleibt ein großer liebenswerter Kindskopf. Wir befinden uns bei ihm mitten in einem verrückten Sit-in zum Theater des wissenschaftlichen Zeitalters. Es soll nicht um Brechts Stücke gehen, sondern um seine theatertheoretischen Schriften. Wengenroth hat sie sicherheitshalber gleich mal mitgebracht, vergisst Sie aber auch sofort wieder. Da wird im Brecht-Blaumann demonstriert, plakatiert, referiert, reflektiert, zur Schau gestellt oder was auch immer Wengenroth so zum Epischem Theater eingefallen ist, vor oder hinter der Gardine vorgeführt. Kein Klischee lässt er aus und niemand wird verschont. Vor allem nicht die Lachmuskeln der Zuschauer, wenn Größen wie Campino oder Klaus Maria Brandauer von ihm durch den Kakao gezogen werden und er aus ihrem Drei-Groschen-Heft-Brechterlebnisbuch zitiert, oder Milva beim Vortragen Brecht-Weill-Songs vor lauter Einfühlung auf dem Boden landet. Das Ganze ist von A bis Z ein riesiger Trash, aber es funktioniert, auch wenn alle die ernsthafte Erklärungen erwartet haben, gnadenlos enttäuscht werden. Dass Brecht auch ein gekonnter Plagiator war, will uns Wengenroth dann am aktuellen Beispiel deutlich machen. Helene Hegemann im Boxring mit sich und ihren Untermietern im Kopf kämpfend, selbst die erste Szene Axolotl Roadkill auf der Bühne erspart uns Wengenroth höchstpersönlich nicht. Dagegen dann der Aufmarsch der Leipziger Aufrufer der Entrüsteten in Mutter-Courage-Kostümen mit roter Fahne. Es gibt auch immer wieder brauchbare Realsatire für solche Typen wie Wengenroth, der das dann gnadenlos verwurstet in dieser himmelschreiend komischen Kopfgeburt. Das da Angela Winkler als angekündigter Stargast offensichtlich keine Lust hatte, als die Persiflage ihrer eigenen Mutter Courage aufzutreten und dem Abend ferngeblieben ist, kann man gut nachvollziehen. Eines hat dieser Versuch aber wieder mal bewiesen, man kann noch so derb auf Brecht herum klopfen, er ist einfach nicht platt zu kriegen. Das war nicht nur Brecht mit Über- sondern mit Vollschuss. Einfach Klasse!

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert