Ein starkes Stück! Das dicke Ende
Sat.1-Studio, es ist spät am Abend.
King Harald schläft nach einem langen Late-Night-Talk den Kopf auf dem großen Moderatorentisch gelegt. Vor ihm ein umgekipptes Weinglas.
Drei Geister treten auf mit den Masken von Herbert Feuerstein, Manuel Andrak und Monika Piel.
Geist Feuerstein mit Narrenkappe und Schellen:
Der erste war ich, der zum Ruhm dir half;
Schmidteinander fühlt‘ ich duldend deine Tyrannei.
Träum weiter, träum von mir und von Verderben.
Ich sei wie Blei in deinem Busen, Harald,
Zieh nieder dich in Fallen, Schmach und Wahn!
Geist Andrak mit Notebook unterm Arm:
Schwer möge ich auf deiner Seele lasten!
Denk, wie du mich einst vergaßt nach unsrer Blütezeit,
Ich gab dir viel, da du noch sterblich warst,
Die Stichworte gab ich dir auf den gesalbten Leib;
Drum denk an mich, verzweifle nun und stumm verdirb!
Geist Monika mit Krone und wallendem Gewand:
Harald, Monika ruft dich, deine letzte Intendantin,
Die keine ruhige Stund mehr schlafen kann nach dir,
Ich fülle deinen Schlaf jetzt mit Verstörungen.
Denk an mich in der Nacht, die du einst fallen ließt.
Abgestumpft des Witzes Klinge ist! Bald fällst auch Du!
Die Geister verschwinden. Harald fährt aus dem Schlaf auf.
Harald:
Was war das, Himmel! (Sieht das umgekippte Glas) Ach, weinselig Träume nur.
Das feig Gewissen, das mich wieder hier bedrängt!
Obwohl, der kleine Narr der schien mir wohl bekannt
und auch die andren beiden sah ich irgendwo einmal.
Mir brummt der Schädel. (Sieht auf die Studiouhr.) Schon weit nach Mitternacht.
Wisch ab den Schauer und den kalten Schweiß!
Hab ich denn wen zu fürchten? (Frolockend): Nur hier herein!
Ja, ich bin hier. Sonst ist hier niemand.
Harald liebt Harald: das heißt, Ich bin ich und bleibe hier!
Er schläft wieder ein.
Zwei Hexen mit den Masken von Till Briegleb und Gerhard Stadelmaier treten auf.
1. Hexe:
Wo warst du, Schwester?
2. Hexe:
Intendanten gewürgt.
Schwester, wo du?
1. Hexe:
Beim Schifferweib, kein Geld mehr hat`s im Schoß
Pack dich, du Hexe! schreit das fette Weibsstück
Ihr Kapitän ist jüngst von Bord bei Nacht
Leben soll es fluchbedacht!
Schwere Wochen, neunmal neun,
Siech es, schwind es, schrumpf es ein!
Wird auch nicht das Schiff zerschmettert,
Solls doch bleiben sturmumwettert!
Nichts soll es schirmen weit und breit,
Ungeführt, umtost in alle Ewigkeit
Schau, was ich hab!
2. Hexe: Zeig her, zeig her!
1. Hexe:
Des Hanseaten Daumen hab ich da,
Schiffbruch litt er der Heimat nah!
beide Hexen:
Unheilsschwestern, Hand in Hand
Schwärmend über Meer und Land,
Ziehn wir in den Theatern rum und
Tun viel faulen Zauber kund.
2. Hexe: Ha,
sieh, Harald ist da!
Harald weiter im Traum:
So wüst sah ich noch keine Nacht. Wer sind diese?
So eingeschrumpft, so wild in ihrer Tracht?
Die nicht Bewohnern unsrer Erde gleichen,
Und doch drauf stehn? Lebt ihr? Wie? Seid ihr was,
Das man darf fragen?
1. Hexe:
Heil dir, Harald, Heil! Der Fernseh-King of Talk bist du geworden!
2. Hexe:
Heil dir, Harald, Heil! Theaterintendant sollst du nun sein im Norden!
Harald:
Seid ihr Wahnbilder oder wirklich das,
Was körperlich ihr scheint? In wessen Namen,
Grüßt ihr mich mit neuer Ehr und Prophezeiung?
Bleibt, ihr einsilbgen Sprecher, sagt mir mehr.
Doch seh ich selber wohl, das kann nur Wahrheit sein.
Wenn die Theater überall zu Grunde gehen,
Wie könnt ich weiter da der schnöden Fernsehunterhaltung frönen.
Der Auserwählte zu retten bin ich, sagen diese dort.
Ich, der ich die Bühnen schon so lang liebe
Und endlich man sich nun auf mein Geschick besinnt.
Schnell ist ein guter Plan gemacht,
die Hansekogge aus dem Schlick zu ziehen.
Er verstummt angestrengt grübelnd.
beide Hexen:
Ja, alles ist so. – Doch warum
Zaudert Harald, steht so starr und stumm?
Auf, zu inspirieren seinen Geist,
Ihm unsre schönsten Künste weist!
Durch Zauber schaff ich luftge Weisen,
Auf, tanzt in vielverschlungnen Kreisen!
Der Harald soll uns Lob gewähren,
Sein Kommen wußten wir zu ehren.
Sie tanzen um den Tisch und fangen grauenhaft an zu lachen und zu heulen bis ein Sturm sie hinweg fegt.
Harald erwacht wieder schweißgebadet. Die Putzfrau steht im Studio, hat den Staubsauger angeworfen und zetert über die Unordnung. Er schubst sie beiseite, springt auf den Moderatorentisch und rauft sich das Haar.
Harald:
Ein Stuhl! Den Intendantenstuhl! Den Sender hier für diesen Stuhl!
Putzfrau:
Herr, weicht zurück!
Harald:
Blast Winde sprengt die Backen! Wütet! Blast!
Euch schellt ich grausam nicht, ihr Elemente.
Ich setzt‘ auf einen Wurf mein Leben, Weib.
Anstatt den Narren weiter hier zu spielen,
Gehetzt nur von des Pöbels Fluch.
Ich denk, es sind sechs Intendanten hier im Feld,
Fünf schlag ich locker aus dem Rennen.
So lange Leben noch in mir ist,
stehn denen Wunden besser.
Einen Wagen! Einen Wagen schnell! Zehn Sender für `nen Wagen!
Putzfrau:
Ich hab nur dieses Wägelchen.
Harald springt auf den Putzwagen. Im Wahn ab.
Auftritt Olli P. und Johannes B. Olli P. lässt verstohlen das Weinglas in den Müllsack der Putzfrau verschwinden.
Johannes:
Quält seinen Geist nicht! Laßt ihn ziehn! Der haßt ihn,
Der auf die Folter dieser zähen Welt
Ihn länger spannen will.
Olli:
Oh, er ist wirklich weg!
Johannes:
Das Wunder ist, daß ers ertrug so lang;
Sein Dasein hier, das war nur angemaßt.
Olli:
Er ist hinweg! – Ich kann nichts mehr als trauern.
Oh meiner Seel, nun herrschen beide wir
In diesem Reich und heilen es von seinen Leiden!
Johannes, traurig:
Ich muß zur Reise bald gerüstet sein;
Die Einschaltquoten leider sagen: nein.
Olli, gespielt, noch trauriger:
Laßt uns, der trüben Zeit gehorchend, klagen:
Nicht, was sich ziemt, nur, was wir fühlen, sagen.
Dem Ältsten war das schwerste Los gegeben,
Wir Jüngern werden nie so viel erleben.
Sie gehen mit einem Trauermarsch ab. Sat.1-Bälle fallen herunter und zerplatzen am Boden. Werbeeinblendung.
The End. I hope without Comeback.
Dank an William Shakespeare sowie an Hamlet, Julius Cäsar, Richard III., Macbeth und den guten alten Lear.
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