„Dichtung und Kunst ist Kraft. Wir brauchen Dichtung.“ Stéphane Hessel, der Autor der Streitschrift „Empört Euch!“ ist gestorben.

stephane-hessel.jpg Foto: G. Freihalter (Wikipedia)
Stéphane Hessel (20.11.1917 – 26./27.02.2013)

„Man kann dialektisch überwinden, was einem nicht passt, das ist mir heute noch wichtig. Und ich glaube daran, dass man dialogisch vorwärts kommen kann.“ Stéphane Hessel 2012 bei einem Besuch im Hölderlinturm in Tübingen

Wer noch lebt, sage nicht: niemals!

Wer noch lebt, sage nicht: niemals!
Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.
Wenn die Herrschenden gesprochen haben,
Werden die Beherrschten sprechen.
Wer wagt zu sagen niemals?
An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns.
An wem liegt es, wenn sie zerbrochen wird? Ebenfalls an uns.
Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich!
Wer verloren ist, kämpfe!
Wer seine Lage erkannt hat, wie sollte der aufzuhalten sein?
Denn die Besiegten von heute sind die Sieger von morgen.
Und aus niemals wird: Heute noch!

Bertolt Brecht (Lob der Dialektik)

„Widerstand, auch der friedliche, ist nie gänzlich frei von Gewalt. Die britische Kolonialmacht musste Gandhis gewaltlosen Widerstand durchaus als politische Gewalt erleben. Jeder Widerstand ist im Kern moralische Gewalt – die Entschlossenheit des Sichentgegenstellens, die Weigerung zurückzuweichen. Das ist jedoch etwas ganz anderes als terroristische Gewalt, die immer ihre Wirkung verfehlt. Man kann die Terroristen, die Bomben legen und sich selbst mit in die Luft sprengen, vielleicht verstehen, aber nicht entschuldigen. Gewalt ist ein Ausdruck der Verzweiflung, nicht der Hoffnung. Eine gewalttätige Hoffnung kann es in der Politik nicht geben. Terroristische Gewalt vergiftet die Ziele, für die sie zu kämpfen vorgibt. (…)
Walter Benjamin, ein Freund meines Vaters, ich habe ihn selbst noch vor seinem tragischen Selbstmord in den Pyrenäen 1940 kennengelernt, misstraute dem Fortschritt. Er sah dahinter immer einen moralischen Rückfall. Ich halte es lieber mit meinem Lieblingsdichter Hölderlin: Wenn das Schlechte kommt, ist auch das Gute nicht mehr weit.“

aus einem SPIEGEL-Gespräch mit dem ehemaligen Résistance-Kämpfer Stéphane Hessel über die Zumutungen des modernen Kapitalismus (Ausgabe 4/2011)

 

„Stéphane Hessel ist auch ein Engel der Geschichte. Einer, der sich umzudrehen vermochte und ein Lächeln aus der Zukunft in die Katastrophen der Gegenwart brachte.“

aus: „Der Engel der Geschichte“ – Ein Nachruf von Arno Widmann in der Berliner Zeitung (28.02.2013)

Paul Klee: Angelus Novus (1920) klee-angelus-novus.jpg
Israel-Museum, Jerusalem

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