Was ist eine Vuvuzela? Was, Wusel Ella? Nein, eine Vuvuzela! Ach, der Uwe Seeler. Und da haben wir schon das Problem, das Ding ist einfach irre laut und wahrscheinlich Schuld daran, das nun nicht nur den Kühen am Kap sondern auch im Allgäu die Milch im Euter sauer wird. Macht nichts, jetzt ist sowieso eher Cacau angesagt. Übrigens wird auch Frank Castorf ohrenbetörender Lärm für Schwerhörige bei den Wiener Festwochen attestiert. Seine Tschechow-Inszenierung mit dem Schlachtruf Nach Moskau! Nach Moskau! mache durch ein Nervensägentrio (Die drei Schwestern) alle nur taub, schreibt Ulrich Weinzierl in der Welt. Und das ganz ohne Vuvuzelas. Zu Uwe Seelers Zeiten konnte man sich wahrscheinlich noch in Zimmerlautstärke von einer Seitenauslinie zur anderen unterhalten. Eine große Leuchte im Unterhalten ist Seeler aber auch nie gewesen und mit einem seiner Zitate: Ich bin dafür, jetzt erstmal mit der Relation im Dorf zu bleiben…, sind wir schon beim nächsten Problem, der Berichterstattung in den Medien.
Vorhang auf zur ersten Betrachtung der deutschen Spieldramaturgie und wie sie so von uns Olli Kahn und dem neuen Stabsfeldwebel des ZDF, Frau Müller-Hohenstein gesehen wurde. Sie lassen selbst das Dream-Team der deutschen Fußballkommentatoren Netzer-Delling blass aussehen. So mal eben zwischen Pinkelpause und Kühlschrank tönte von der Moderatorin aus dem Fernseher: „Und für Miroslav Klose, ein innerer Reichsparteitag, jetzt mal ganz im Ernst, dass der heute hier trifft.“ Olli Kahn, ohne Regung: „Ja, das ist für ihn eine Erlösung.“ Darauf folgte ein Twitter-Gewitter der Entrüstung und für uns alle der Beweis, das der deutsche Fußball wohl immer noch mit Vokabeln aus schwarz-braunen Unzeiten und jeder Menge Militärjargon belegt ist. Erst explodierte Lukas Podolski und dann zündete auch noch Miroslav Klose, das der auf einen Einsatz brennt, wusste Jogi Löw nach dem Spiel zu berichten. Für den Zuschauer blieb die Erlösung von solcher Art Kommentierung allerdings aus. Bela Rety konnte übrigens auch noch mit Wissenswertem über die australischen Spieler und den Lebenslauf von Mahatma Gandy glänzen. Kahn, den man wohl in einen zu knappen Anzug gesteckt oder vorher aufgeblasen hatte, rang sichtlich ergriffen nach Worten, zur Beschreibung eines Spiels, das doch nichts Geringeres als die Entfesselung der Spielfreude zeigte, die man sich so lange von der Nationalmannschaft erhofft hatte und die sich nun wohl für einige zu überraschend mit einem 4:0 gegen Australien Bahn brach. Löw konstatiert dann auch eher nüchtern, dass es wichtig war zu gewinnen und nun Selbstbewusstsein gibt. Na, wer hätte das gedacht. Ganz anders da die Spieler selbst, Klose: Man hat gesehen, dass wir Spaß am Fußball haben. Ich weiß, was ich kann. Ich habe mich super gefühlt.“ Wem da wohl das eindeutige Handzeichen nach seinem Tor galt? Oder Podolski: Wir wussten, dass wir gut drauf sind. Wir haben das heute gut gemacht. Der einzige, der da etwas vorsichtiger zurückschaut ist Kapitän Lahm, ob der etwas brenzligen Situation vor dem deutschen Tor zum Anfang des Spiels: Man darf nicht vergessen, dass wir in den ersten Minuten Glück gehabt haben. Aber die Mannschaft hat sehr, sehr viel Qualität. und Wir haben das Auftaktspiel gewonnen, aber es ist noch ein langer Weg. Das hört sich bei Fußball-Kaiser Franz ganz anders an: Alle Gegner wissen, dass der Deutsche nie aufgibt. Deshalb werden wir beneidet. halt eben ganz in Kaiser-Wilhelm-Manier. Vielleicht denkt er ja auch, das Australien eher ein Strafinsel für aussortierte 2. und 3. Divisionäre aus England ist, was geschichtlich nicht ganz von der Hand zu weisen wäre. Dabei ist gerade einem britischen Journalisten der so sprichwörtliche Humor zu bescheinigen. Jonathan Northcroft brachte in einem Artikel über den englischen Pechvogel-Torhüter Green den Witz des Tages, der stelle nämlich ein Leck dar, über das die Yankees sich nicht beschweren. Na hoffentlich nehmen das alle Engländer so humorvoll, sonst gibt es bald einen Australier mehr.
Ehrliche Emotionen im deutschen Blätterwald sind da eher Fehlanzeige. BILD titelt: Schwarz rot geil, wir tröten alle weg, das wird unsere WM. Das ist Trötenterror pur. Die Süddeutsche Zeitung stellt grobschlächtig fest: … das Paket, mit dem gar Möbelpacker aus dem Weg geräumt werden konnten, stimmt. Da drückt sich der Berliner Kurier mit seinen Zauberlöwen vergleichsweise fast poetisch aus. Keimen da vielleicht schon erste Träume von einem nächsten Sommermärchen im südafrikanischen Winter auf? Mit dem 130-dB-Horn vom Kap der guten Hoffnung zum WM-Titel, oder schlägt uns doch noch ein Vuvu-Stopper vorzeitig aus dem Rennen? Man wird es sicher bald hören und sehen. Den passenden Song dazu gibt es glücklicherweise auch schon, „Schland, o Schland!“ von Uwu Lena. Na hoffentlich vergeht uns da nicht bald Hören und Sehen.
So, Und was machen wir nun mit den ganzen Vuvuzelas nach der WM? WAS? Ja, genau, wir drehen sie um und benutzen sie als Hörrohr, denn was aus der einen Öffnung rauskommt, muss auch zur anderen wieder reingehen können. Zu Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Jacob Zuma.
PS: Ob die Fähnchen an den deutschen Autodächern nun die Anzahl der geschossenen Tore oder eher die Punktezahl in Flensburg anzeigen, konnte noch nicht herausgefunden werden. Der Kommentator bleibt aber diesbezüglich am Ball.
Schreibe einen Kommentar