Was ihr wollt im Renaissance-Theater Berlin

Eine Inszenierung von Armin Holz in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

Was verbindet die Fanmeile am Olympiastadion und das Renaissance-Theater in Berlin? Sie sind beide vuwuzelafreie Zonen. Was am Olympiastadion noch ganz sinnvoll erscheint, erweist sich im Renaissancetheater als großer Fehler. Man möchte Gitte Haenning die lange Tröte reichen, damit sie als musikalischer Narr den Figuren, denen Armin Holz mit kleinkunstbeflissenem Eifer allen shakespeareschen Spielwitz ausgetrieben hat, wieder Leben einbläst. Der Traum immer jung zu bleiben, ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Im Geiste immer jung zu sein ist aber möglich. Liebe ist nicht abhängig von Alter und Geschlecht. Da ist die Idee von Armin Holz auch nachvollziehbar, „Shakespeares Was ihr wollt“ mit einer Garde Schauspieler jenseits der 60 aufzuführen. Aber, was dort auf der Bühne stattfindet, erinnert stark an eine bunte Muppet Show, nur das die Alten auf der Bühne sind und nicht in der Loge sitzen.

Kreischbunte Kostüme bei „Was ihr wollt“ sind ja noch durchaus angebracht, aber doch kein kindisches Gehopste ohne Sinn und Verstand. Es fällt schwer, die passenden Worte zu finden, um nicht ganz aus der Rolle zu fallen, wie diese Nichtinszenierung von Armin Holz. Er hat sich eine hübsche Geschichte um die durchaus verehrenswerte Ilse Ritter als Viola/Sebastian gebastelt und alle Figuren müssen sich dieser wundersamen Idee unterordnen. All diese sonst so wunderbaren Schauspieler, am auffälligsten hier Dieter Laser als selbstverliebter traumwandlerischer Orsino, mühen sich in wirren Verrenkungen und possierlichem Textaufsagen, das es regelrecht peinlich für alle Beteiligten inklusive Zuschauer wird.

Das Holz ein Regie-Wunderling ist, weiß man mittlerweile, aber dieser Hang zur Exaltiertheit und Künstlichkeit war noch nie so auffällig, wie in dieser Inszenierung. Das Stück wird im Schnelldurchlauf abgehandelt. Man lässt sich mehr Zeit, die typischen Holz-Bühnenbilder, Treppe, Pfeil und Pappnasenhaus, auf und ab zu bauen, hier mit Bildern vom Leipziger Maler Matthias Weischer ergänzt, als die eigentlich so schön verworrene Story zu entwickeln. Alle wichtigen Szenen samt falschem Brief der Zofe (Angela Schmid), auf den ein riesiger Holzpfeil oder sollte man Zaunpfahl sagen, zeigt, Vadim Glownas Demütigung als Malvolio, das von Sir Toby (Markus Boysen) provozierte Duell zwischen Viola/Sebastian und Sir Andrew (Hans Diehl) sowie die Säuseleien von Elisabeth Trissenaar als Olivia sind enthalten, aber es ist mehr ein Abhaken als ein wirkliches Erspielen dieser Rollen. Der Sinn des Stücks über die Geschlechterverwirrung, fällt hinten runter und wird nur durch ein Bild eines Zwitterwesens auf der Bühne behauptet.

„„Was ihr wollt’ erfüllt einen Traum. Der Traum, den letzten Zipfel von etwas zu erhaschen, was eigentlich versunken ist.““ schreibt Holz im Programmheft. Versunkene Welten will er wieder auferstehen lassen und landet doch wie von ihm selbst beschrieben in einem Albtraum, der nach 1 ¾ Stunden in einem letzten Ringelrein in weiß mit angeklebtem Schnurrbart endet und alle Beteiligten doch noch pünktlich zu Poldis erstem Tor nach Hause entlässt.

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