Leichtes Spiel. Neun Personen einer Frau von Botho Strauß im Residenztheater München

Eine Uraufführung inszeniert von Dieter Dorn

„Eine Überraschungs- und Unvorhersehbarkeitsdramaturgie, die die Leichtigkeit ihrer Fügungen noch einmal extra betont, in dem sie die beiden Titelworte in jeder Szene wie auf einem Suchbild im Text versteckt.“ Wenn es nicht im Programmheft stehen würde, wir müssten dumm sterben. Leicht soll sich alles fügen, aber warum dafür 9 Frauen sich einer Altherrenphantasie beugen müssen, verstehe wer will.

Das Stück beginnt banal im Supermarkt, eine unbedarfte Hausfrau gewinnt und verliert, ehe sie es begriffen hat, einen Verehren an ihre Schwester. „Mit ihr hätten Sie leichtes Spiel gehabt.“ Sie ist halt die Ängstliche. Und so geht der Reigen der Peinlichkeiten weiter, über die schöne Träge, die erst von einem Hamletgeist gesagt bekommen muss, das sie doch lieber den interessanten Gast nehmen soll, bevor sie Opfer eines schlaffen Greislein wird. Die Kreative muss erkennen, als sie der Teamleiter nicht mag, dass sie lieber auf den umständlicher Briefeschreiber hätte setzen sollen. Jens Harzer ist einziger Lichtblick als Hamletgeist und Umständlicher. Was nicht heißen soll, dass sich die Damen nicht gut schlagen, sie werden aber wie schon gesagt, nur als Schablonen für eine merkwürdige männlich gesehene Lebensphilosophie verbraucht. Die nächsten Stationen heißen Frühlingsopfer, eine völlig nebulöse Männerrunde will einer Angetrunkenen mal nicht an die Wäsche, sondern altkluge Ratschläge erteilen. Die Zungenfertige erliegt aus lauter Neugier einem windigen Typen, der sogar vorgibt, sie nur wegen des Geldes zu nehmen. Dies passiert auf glattem Grund, schlüpfrig wie der Text dazu.

Danach ist Pause und man hätte nichts versäumt, wenn man gegangen wäre, denn nun geht es steil bergab, nicht nur über die Bühnentreppe, sondern auch mit Sprachwitz und dem Intellekt der dargestellten Frauen. Nun sind sie in den Fängen der Männer angekommen, es geht nur noch um Geld und den Erhalt des Status Quo. Das ist langweilig und uninteressant, Tiefpunkt ist die Szene der Ungehörigen, die einen Vortrag eines Mörders ständig unterbricht und sich dann mit dem schon aussortierten Alten verbündet. Das haben die Frauen nicht verdient, Botho Strauß entsorgt ca. 40 Jahre Emanzipationsversuche der Frau in den Bühnenabgrund. Zum Schluss darf auch noch Dieter Dorn als braver langjähriger Umsetzer der Straußschen Texte zeigen, was er für ein Frauenbild hat. Er steckt Cornelia Froboess in einen roten Kasten mit rotem Ballett-Tütü. Als spätes Mädchen darf sie 8 Bände Memoiren von verpassten Chancen und einem schönen Lachen vortragen. Danach ist es finster und vorbei. Leichtes Spiel, sauber.

Es bleibt zu hoffen, das Martin Kušej den Staub des Botho Strauß aus diesem Haus fegen wird.

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