AfghanOpoly oder das große Spiel um ein Amt

Eine Groteske für Martin Wuttke

 

Ort: Kanzleramt.

Es läuft im Fernsehen die Rücktrittspressekonferenz des Präsidenten. Der Ton ist abgeschaltet.
Die Kanzlerin: Also, das hätte er nicht sagen dürfen, das mit den Handelswegen.
Außenminister: Ja, es rufen schon den ganzen Tag die hiesigen Burka-Schneider an, ob da alles noch sicher ist. Soll ich mal runter fahren?
Verteidigungsminister: Du bleibst hier.
Kanzlerin: Hören Sie auf zu streiten. Meine Herren, ich brauche Vorschläge. Wo kriegen wir einen neuen Präsidenten her?
Alle schweigen.
Die Kanzlerin stellt den Ton wieder an.
Präsident: Habe die Ehre, Habe die Ehre, Habe die Ehre…
Er schaut verkrampft, seine Frau zieht an seinem Jackenärmel.
Die Kanzlerin hämmert auf den Fernseher ein: Ich finde den Knopf zum Abschalten nicht.
Sie schaltet endlich den Ton wieder ab. Stille. Der Präsident wird von seiner Frau vom Mikrofon weg gezerrt.
Da stürmt der Kanzleramtsminister herein: Frau Kanzlerin, der Raab ist am Telefon. Er will uns eine Castingshow anbieten.
Kanzlerin: Wer, was, eine Castingshow?
Sie reißt ihm den Hören aus der Hand: Herr Bohlen?
Alle: Raab, der heißt Raab.
Kanzlerin: Ach so. Hallo Herr Raab, was kann ich für Sie tun?
Raab: Ich biete ihnen eine Castingshow an. Das hat ja mit der Lena schon prima geklappt. So einen Erfolg könnten Sie dringend brauchen. Ich habe bereits mit allen TV-Sendern Verträge abgeschlossen.
Kanzlerin: Wie soll denn das ablaufen?
Raab: Na, ist doch ganz einfach. Es melden sich alle Bürger mit mindestens Abitur und echt authentischer Ausstrahlung. Wenn alles gut geht, sind wir vor dem nächsten Song Contest fertig.
Kanzlerin: Was, so lange und singen sollen die auch noch? So was hatten wir doch schon.
Raab: Ja, aber bedenken Sie doch mal, dieses tolle Image. Die Lena wird doch jetzt direkt zur neuen Königin der Herzen.
Der Fernseher läuft und zeigt Lena die Satellite singt. Die Massen kreischen. Die Herren Minister schwenken kleine schwarz-rot-goldene Papierfähnchen.
Kanzlerin: Danke, Herr Horn, Sie haben mich da auf eine Idee gebracht.
Sie legt auf und wirft den Fernseher aus dem Fenster.
Kanzlerin: Meine Herren, ich habe einen Plan.
Alle schauen sie gespannt an.
Kanzlerin: Meine Herren, wir führen die Monarchie wieder ein.
Alle schauen verblüfft.
Außenminister: Und wer soll König werden? Also, der Pinkelprinz geht nicht, zu schlechtes Image.
Verteidigungsminister: Ja, und der Franz ist schon Kaiser.
Kanzlerin: Meine Herren, es muss doch einen geben, der mindestens drei Sätze hintereinander ohne zu stocken sprechen kann und nicht ständig aus der Rolle fällt.
Kanzleramtsminister: Frau Kanzlerin, ich hab es. Ein Schauspieler muss her.
Alle: Ein Schauspieler, wo sollen wir den denn hernehmen?
Kanzleramtsminister: Ich kenne da einen Theaterregisseur, den Pollesch, der hat auch Ahnung von Politik. Der kann uns sicher helfen.
Nimmt das Telefon, wählt und gibt den Hörer der Kanzlerin.
Am anderen Ende: Ja, bitte?
Kanzlerin: Herr Castorf?
Alle: Pollesch, der heißt Pollesch.
Kanzlerin: Ah ja, Hallo Herr Pollesch, können Sie uns einen guten Schauspieler empfehlen?
Pollesch: Na klar, ich mache gerade in Wien was mit dem Wuttke. Wir sitzen hier zusammen im Cafe Imperial.
Kanzlerin: Imperial? Sehr gut. Geben Sie mir den Mann.
Am anderen Ende: Wuttke, ja, bitte?
Kanzlerin: Hallo Herr Wuttke, wir brauchen einen richtig guten Schauspieler für eine Königsrolle.
Wuttke: Da sind Sie bei mir genau richtig, ich habe sie alle drauf. Wen wollen Sie haben, den Heinrich, den Edward oder den Richard?
Die Kanzlerin: Also, ich dachte da mehr an etwas bodenständiges und volksnahes.
Wuttke: Hm, also mehr so was wie den Ubu. Das könnte gehen.
Alle mit Fragezeichen in den Gesichtern.
Wuttke: Wie hoch wäre denn die Gage? Und ich brauche auch täglich die Flugbereitschaft, ich habe nämlich ein festes Engagement am Burgtheater.
Kanzlerin: Unser Budget ist leider nicht so üppig. Wir können nur 10 Freiflüge im Jahr spendieren und es gibt ja hier auch ein schönes kleines Schloss.
Wuttke: Also, den Lear geb ich euch nicht. Da könnt ihr euch einen anderen Dummen suchen.
Er legt auf. Die Kanzlerin ist wütend: Dann soll der doch Kaiser von China werden, oder meinetwegen auch von Österreich.
verzweifelt: Meine Herren, jetzt hilft nur noch eins.
Sie holt tief Luft. Alle schauen wieder sehr gespannt.
Kanzlerin: Meine Herren, jetzt müssen wir Fußballweltmeister werden. Dann überstehen wir auf jeden Fall die nächsten 4 Jahre.
Alle knien sich vor ein Jogi-Löw-Bild und fangen an zu beten.

ENDE

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