Während die Hamburger Kulturpolitik Kapriolen schlägt, bildet sich im Untergrund leiser Widerstand. Das folgende Gespräch wurde zufällig aufgezeichnet und zeugt von der Entschlossenheit der Hamburger Kulturschaffenden, dem schier unaufhaltsamen Trend entgegen zu wirken.
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Im Golden Pudel Club am Elbufer unter der Reeperbahn.
Schorsch Kamerun sitzt vorm Fernseher und nuckelt an einer Flasche Astra. Rocko Schamoni kommt mit einem Pudel herein.
Rocko: Moin Schorsch, du entschuldige, ich kenn mich hier nicht mehr aus, Doktor Schnabel hat vergeblich nach einem Baum gesucht. (Er streichelt seinen Pudel.) Hab ich was verpasst.
Schorsch: Nö, Claude-Oliver kommt nun doch nicht ans Schauspielhaus. Der geht jetzt lieber zu Ulrich Tukur oder Corni Littmann. Ich habe nicht genau aufgepasst, war grad Bier holen. Willste auch eins?
Rocko: Klar. (Macht sich auch ein Astra auf.) Ach schade, Mensch, das hatte ich mir so toll vorgestellt. Immer Freibier, Ralf Richter als Hamletmaschine und FM Einheit zersägt dazu den Eisernen Vorhang. Die Bude wär jeden Abend gerappelt voll.
Kamerun schaltet mit der Fernbedienung um. Talkshow bei Beckmann. Zu Gast Kulturminister Reinhard Stuth.
Beckmann: Herr Stuth, wie wollen Sie denn nun die Krise im Schauspielhaus beenden?
Stuth: Ich habe das ja alles nicht gewusst, wie schlimm das steht. Jetzt wird erst mal eine Findungskommision mit lauter kompetenten Leuten beauftragt
Schorsch: Ha, Findungskommission, der findet doch nicht mal seinen eigenen Arsch ohne Findungskommision. Rocko hol das Telefon, wir rufen da an.
Schamoni nimmt das Telefon und wählt. Es klingelt im Studio. Beckmann nimmt ab.
Beckmann: Hier bei Beckmann.
Rocko: Hier ist die „Operation Pudel 2010“, wir haben die Urne von Heidi Kabel.
Beckmann: Für Sie Herr Stuth, irgendein Pudel hat die Urne von Heidi Kabel gefressen, oder so.
Stuth: Hier Reinhard Stuth, Kultursenator der freien Hansestadt Hamburg.
Schorsch: Herr Stuth, rücken Sie das Schauspielhaus raus, wir übernehmen das jetzt. Wenn nicht gibt es jeden Abend Labskaus und Militärmusik vor dem Rathaus.
Stuth: Stellen Sie sich hinten an oder schicken Sie eine Bewerbung an die Senatskanzlei. (Legt auf.)
Schorsch: Verdammte Pfeffersäcke. Hetz denen deinen Pitbull auf den Hals, Rocko.
Rocko: (streichelt seinen Hund) Doktor Schnabel ist aber ein Pudel und ganz friedlich, reg dich ab Schorsch.
Kamerun nimmt sich ein neues Bier und stellt den Sender um. Jetzt läuft die Harald-Schmidt-Show. Harald Schmidt begrüßt gerade Claude-Oliver Rudolph.
Schmidt: Claude-Oliver, das war ja haarscharf, wie Sie da gestern bei „Schlag den Raab“ mit dem Wok am Intendantenposten vorbeigeschrammt sind und als Fallobst haben Sie leider auch keine gute Figur gemacht.
Rudolph: Ach weißte Harald, alles halb so schlimm, für die Gage habe ich gerade mit Blixa Bargeld das Ohnsorg-Theater gekauft, wir machen da jetzt den Hamlet auf platt.
Schorsch: Da bin ich aber platt, Rocko, wie schaffen die das immer wieder in diese Talkshows und ich komme gerade mal in die taz oder in die Berliner Zeitung. (Er schaltet den Fernseher aus.)
Rocko: Ja du Schorsch, weiß ich auch nicht. Wir sind halt die Avantgarde. Lieber einen toten Barden hängen als ein Feindbild verlieren.
Schorsch: Ach so? Willst Du nicht Intendant werden, Rocko?
Rocko: Und du?
Sie sehen sich an und fangen an zu lachen.
Schorsch: Scheiße, Rocko, bloß gut das wir Künstler sind. Übrigens was geht so neues ab bei dir?
Rocko: Ich fahre jetzt nach Berlin und besetze den Prater, der ist geschlossen wegen Rückübertragungsansprüchen. Motto: Berliner Luft voll Anarchie. Verstehste?
Schorsch: Ja, echt wie früher, Klasse. Kampfstern St. Pauli dockt am Prenzlberg an. Vielleicht sollten wir hier auch das Schauspielhaus besetzen. Ich rufe mal im Gängeviertel an, ob die noch Zeit haben.
Rocko: Bloß nicht, viel zu groß und unübersichtlich. Komm lieber mit nach Berlin. Du weißt ja was die im Osten immer gesagt haben. Der Letzte macht das Licht aus. Ich muss dann mal, Doktor Schnabel wird schon ganz unruhig. (Der Pudel springt an ihm hoch.) Tschüss!
Schorsch: Ach Rocko, wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Pudel her. Und wenn nicht dann reiße ich eben in München ein paar Lücken auf. Haltung Rocko! Klar? Tschüssing!
Schamoni mit dem Pudel ab. Kamerun macht sich ein neues Bier auf und schaltet den Fernseher ein. Es läuft Deutschland sucht den Superintendanten, Moderator ENDE.
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