Unmöglich ist es, daß der Ungerechte, der Meineidige, der Lügner, eine dauerhafte Macht besitze. Eine solche Macht hält für einmal und auf kurze Zeit. Sie blüht, wenn es glückt, in Hoffnung auf, aber, von der Zeit belauert, fällt sie von selbst zusammen.
Demosthenes, der berühmteste Redner Attikas, versuchte in seinen Reden zum Kampf gegen die Vereinnahmung der Griechen durch Philipp II. von Makedonien aufzurufen.
Auch Du hast Deinen Phillip gefunden. Ich darf doch Du sagen, da Du mir vorkommst, wie ein alter Kumpan, ein Bruder im Geiste.
Nur sind wir auch Verbündete? Was weißt Du von mir, was weiß ich von Dir?
Da wir doch keinen Sektor teilen, höchstens uns immer wieder annähern und entfernen, uns aneinander reiben und im günstigsten Falle eine kleine Schnittmenge bilden.
Aber wir teilen eine Sehnsucht. Wir stehen am Meer der Geschichten aus Himbeersoße.
Und ein Schiff mit acht Segeln und mit fünfzig Kanonen wird liegen am Kai.
Dein Schiff wird kommen. Es wird mich mitnehmen über dieses Meer, wird mich wieder absetzen und ich werde warten auf die Rückkehr, einen Penny in der Hand.
Bist Du der Mann der die Welt aß? Gib Sie wieder frei, Stück für Stück.
Lass mich teilhaben an Deinen Träumen und Ängsten.
Knuff mich ruhig stark in die Schulter, ich will es aushalten.
Und das Schiff mit acht Segeln und mit fünfzig Kanonen wird beschießen die Stadt.
Du brauchst keinen Nietzsche, der Nihilismus ist Dir fremd.
Sei ein Strauchelnder im Heer des Gleichschritts.
Auch Quellen und Brunnen versiegen, wenn man zu oft und zu viel aus ihnen schöpft.
Ein Besessener, in dem was du willst. Steh gleich einem Einar Schleef im Gleichmut des diskursiven Konsens.
Saug Deine Wahrheit aus dem Hier und Jetzt. Vertraue nicht dem Ruf nach Brisanz und Relevanz.
Der Ausgangspunkt für die großartigsten Unternehmungen liegt oft in kaum wahrnehmbaren Gelegenheiten.
Und so will auch ich glücklich vor mich hin rezipieren, will zuhören dem Logographen der Seele, aufnehmen und verstehen.
Und das Schiff mit acht Segeln und mit fünfzig Kanonen wird entschwinden mit mir.
Deinem Sinn für Liebe und Schönheit vertrauend, hoffend nicht für Dich zu sein, der mit dem falschen Teil um die Ecke kommt,
Dein XYZ, nicht als Dein Kritiker sondern Dein Publikum.
(Unter Verwendung von Zitaten des Demosthenes und Brechts Seeräuber-Jenny)
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Zur Philippika von Nis-Momme Stockmann gegen die Bewertungsmacht der Kritik auf der Stücke-2010-Seite von Nachtkritik zu den Mühlheimer Theatertagen. Nachzulesen auf Stücke 2010 35. Mülheimer Theatertage NRW
Das ist natürlich sehr kokett, in der Position von Nis-Momme Stockmann, zu behaupten nicht gefallen zu wollen. Mit seiner scheinbaren Verweigerung eine Geschichte zu erzählen, in Ein Schiff wird kommen, legt er aber den Finger in die Wunde. Ich meine, gut beobachtet zu haben, wie einige Zuschauer sich in ihren Sitzen hin und herrutschend, nicht so wirklich in diese Story ergeben wollten. Das ist ungewöhnlich für uns, erst zum Schluss etwas präsentiert zu bekommen, womit wir vorher nicht gerechnet haben. Aber ich glaube, darum geht es auch, keine Erwartungen zu erfüllen, sondern das zu machen, was für einen selbst Relevanz hat. Die Schmähung der Kritiker und des Kulturbetriebs, der auch Stockmann selbst trägt, ist aber durchaus nachvollziehbar. Er beißt voll Wut in die Hand die ihn füttert, das mag arrogant erscheinen, ob der Tatsache, das auch andere junge Autoren in diesem Betrieb bestehen wollen und müssen. Aber er hat einen Kampf begonnen, der ihm wichtig erscheint und das ist das Recht der Jugend. Er wird in Zukunft daran gemessen werden, vor allem von denen, die seiner Meinung nach die Künste verseuchen. Aber auch das Publikum wird erfahren wollen, wie er diese Kraft, die er aus der begonnen Auseinandersetzung gewinnen will, nutzen wird. Dafür wünsche ich ihm viel Erfolg und das sich ihm weitere Gleichgesinnte anschließen werden.
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