Schauspiel-, Musik-, Regie- und Literaturstudenten aufgepasst! David Marton ist an der Schaubühne zu sehen, unbedingt hingehen, da könnt ihr was lernen. Da wird noch richtig zitiert, nicht so lasch wie bei der andcompany und ihrem Lenz im Loop. Hier steppt Homer und nicht der Bär, das gibt was her. Und wie geht das? Zuerst müsst ihr mal eure versiffte Studentenbude etwas aufräumen und die Pizzareste vom Herd kratzen. Es wird bio-italienisch gekocht und viel gerannt, denn ihr müsst fit sein. Den Rest für die Performance bekommt man auf dem Trödel am 17. Juni. Es werden benötigt: ein Dutzend alte Telefone, ein Hometrainer, rot-weißes Absperrband, ein Overheadprojektor, eine Marcel-Duchamp-Monografie und natürlich Bach- und Monteverdi-Platten. Wie man die digitalisiert oder zerscratcht, zeigen euch sicher Kalle Kalima und Michael Wilhelmi.
Gesangsunterricht zu nehmen wäre von Vorteil, ist aber nicht zwingend erforderlich. Unablässig ist aber das Studium folgender Philosophen: Jaques Derrida, wegen dem Dekonstruieren, Gilles Deleuze, wegen dem Anti-Ödipus und natürlich Kenntnisse zum Psychoanalytiker Félix Guattari, wegen der Wunsch- und im übertragenen Sinne der Jungesellenmaschine (siehe Duchamp). Puh, ganz schön anstrengend, zur Erholung trällert ihr dann einfach mal einen Blues oder geht zur Schizo-Analyse. So, danach geht es frisch an die Lektüre von Franz Kafka, Fernando Pessoa und Péter Esterházy. Es handelt sich nämlich wieder mal um Überväter und Söhne, die mit deren Mythos nicht klarkommen. Deshalb veranstaltet ihr auch sofort ein Brainstorming zum Thema: Wie bastele ich an einem Mythos. Vorzugsweise am eigenen natürlich.
Wer danach noch kindisch und doof nach Vati fragt, wird sofort von Mutti zum Zähneputzen und ins Bett geschickt. Ohne weibliche Begleitung versteht sich, davon könnt ihr die nächsten Jahre vielleicht mal träumen. Den ödipalen Komplex dürft ihr aber getrost vergessen, denn irgendwann ist Vati wieder da, ein alter Loser im Marlon-Brando-Look, mit dem eh keiner mehr gerechnet hatte. Ach so, das Stück heißt übrigens Die Heimkehr des Odysseus auch als Oper Il ritorno dUlisse in patria von Claudio Monteverdi (1567-1643) bekannt. Wer ist denn nun dieser Odysseus wieder? Das ist der einzige, der nicht singen, dafür aber richtig auf der Opposaune spielen kann. Und wer jetzt etwa noch fragt, Wo is`n eigentlich Monteverdi?, der wird sofort vom Regieteam vom Platz gestellt und muss vorzeitig zum Duschen. Wem das irgendwie zu hoch ist, dem empfehle ich den Besuch eines Marthaler-Abends, nur so`n fluffig, flockiger Nachahmer.
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