Das Ende der Diven und Kollektivierung jetzt auch auf dem Rasen

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Die letzten wirklichen Diven sind raus. Seit die deutschen Rasenmäher am Samstag Nachmittag locker wie beim Tanztee die letzte Hoffnung der Argentinier um Maradona und Messi abrasiert haben, ist das Volk der theatralischen Fußballshow am Boden zerstört.
Wie nach einer tragischen Oper von Verdi im Teatro Colón in Buenos Aires, stehen Maradona und Messi Arm in Arm auf dem Rasen in Kapstadt und können sich der Tränen nicht erwähren. Maradona ist von einem fröhlichen Falstaff zu einem tragischen Rigoletto geworden. Sein Kind, die Albiceleste liegt zerstört vor ihm. „Gott ist kein Argentinier“ weiß der indische Sunday Express. Die Hand Gottes hat sich wieder vom südamerikanischen Kontinent abgewandt. Maradona wird etwas trauern, aber dann sicher wieder auferstehen.
Das Theatralische liegt dem Volke Argentiniens im Blut, hier zu Lande ist die Show der Gruppe De La Guarda sicher noch gut in Erinnerung und die First Lady der 40er und 50er Jahre und Schauspielerin Eva Peron ist immer noch eine Nationalheldin. Ihr widmete Andrew Lloyd Webber das Musical Evita. „Don’t cry for me Argentina“ ist nach der Niederlage im Viertelfinale wieder in aller Munde. Webber hatte durch einen Kunstgriff die vielleicht größten Persönlichkeiten Argentiniens die Filmdiva Evita und den Berufsrevolutionär Che Guevara zusammen geführt. Und auch Maradona macht da keine Ausnahme in der Liebe zu diesen Personen, hat er doch ein Tattoo von Che auf dem Unterarm. Der Trainer von Uruguay hat sich sogar einen Spruch von ihm an sein Haus in Montevideo schreiben lassen: „Auch wenn du härter wirst, darfst du nie deine Zärtlichkeit verlieren.“ Das ist von Maradona und seiner Liebe zu seinem Star Messi auch nicht zu erwarten und umgekehrt steht auch die Mannschaft weiter zu ihm, trotzdem hat Maradona bereits konstatiert „Meine Zeit ist vorüber“. Und auch die Zeit der anderen großen Fußballdiven ist abgelaufen. Die Kollektivierung auf dem Rasen greift um sich und „Wo sind all die Messis hin, wo sind sie geblieben?“ möchte man in Anlehnung an Pete Seeger singen.
Ob man einen Christiano Ronaldo, Franck Ribéry und Kaká so schnell wieder sehen wird ist fraglich, nur Lionel Messi und Wayne Rooney sind zumindest in einem Alter, das noch eine weitere Chance zulässt. Aber auch ein deutscher Star ist von der um sich greifenden Kollektivbildung betroffen, Michael Ballack ist bereits nach Hause gefahren und obwohl er bald wieder spielen kann, wird von Philipp Lahm bereits an seinem Stuhl gesägt. Er wird die Binde des Kapitäns nicht so schnell wieder ablegen wollen. Die deutsche Mannschaft hat einen Leitwolf nicht mehr nötig, sie rennen alle nur durch einen inneren Wunsch angetrieben, allein der Kollektivierung der Fußballkunst zu dienen. „Der Star ist der Pass“ stellt die Berliner Zeitung fest und auch andere Blätter kommen nicht aus dem Schwärmen über das neue Fußball-Deutschland. Die spanische Zeitung „El Mundo“ sagt uns schon mal was die Spanier im Halbfinale erwartet: „Deutschland ist eine Bestie. Wie Obelix sammelt Deutschland die Helme der Römer und zerlegt alles, was es berührt. Zugleich weiht es eine neue Generation: Die eines wundervollen Fußballers namens Müller.“ Da Müller im Halbfinale nicht dabei ist, wird ein anderer im „fliegenden Panzer“ Platz nehmen und man wird es vielleicht nicht einmal bemerken.
Ein wenig Respekt vor Casillas, Xavi, Villa und Co. hat man schon, „Die haben nicht nur einen Messi. Die haben mehrere Messis.“ sagt Jogi Löw. Nur wenn die auch alle Knoten in den Beinen haben wie der argentinische, dann wird wohl nicht viel mit Toren und Schweinsteiger hat auch schon das Allheilmittel: „Xavi und Iniesta, die kann man nicht Eins zu Eins bezwingen. Die muss man mit dem Kollektiv ausschalten.“ Die soziale Komponente des Fußballs zeigt endlich auch bei den Bundesligastars Früchte und man kann darauf warten, wann das erste Che-Tattoo bei Khedira, Müller oder Podolski auftaucht.
Als eher links in ihrer politischen Einstellung werden auch die Trainer von Spanien und Uruguai eingestuft und es verwundert nicht, dass auch diese Mannschaften als geschlossene Kollektive ohne Starallüren gelten.
Da ist es gut, das es wenigsten noch einen gibt, der im Dienste des Herren unterwegs zu sein scheint, der Bondscoach der Holländer Bert van Marwijk: „Ich habe vom ersten Tag an gesagt, wir haben eine Mission: Weltmeister werden.“ Da hat aber auf jeden Fall Lukas Podolski etwas dagegen: „Es fehlen nur noch zwei Spiele und dann haben wir das Ding!“
Na dann, auf ein neues, 4 gewinnt.

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