Ein Dramolett für Thomas Bernhard zum 80sten
Wien. Most sitzt mit seinen Schwestern Bitter und Tränen beim Essen. Es gibt Rindssuppe und Schnitzel.
Bitter: Habst ihr heut schon den Kurier gelesen?
Tränen: Naa, i bin doch so a Heferl. Nur Mord und Totschlag, immer nur Mord und Totschlag.
Most: Was schreibens denn?
Bitter. Der Peymann hat ein` Geist g`sehen.
Tränen. Der Peymann? I habs g`wust. Nur Mord und Totschlag.
Most: Wer war denn der Geist?
Bitter: Der Bernhard selig war`s, steht hier.
Tränen: I sag`s doch immer…
Most: Ja, ja nur Mord und Totschlag. Aber was sagt er denn?
Bitter: Wer, der Peymann, oder der Geist?
Tränen: Sicher nur Mord und Totschlag.
Most: Egal, sag scho.
Bitter: Also der Peymann sagt, er träumt vom Bernhard und der ruft ihn ständig an, so als wenn er sei Witwe wer.
Tränen: Jessas, nur Mord und Totschlag.
Most: Ja und, was sagt da der Bernhard?
Tränen: Iss doch die Krapfen Bub, die hab i nur für di g`macht.
Most, isst einen Krapfen: Mmpf, nun sag scho, was hat da der Bernhard g`sagt?
Bitter: Er soll a Komödie machen, der Peymann.
Most: A Komödie? So, a Komödie, wos waß denn der Peymann, wos a Komödie is?
Tränen: Bub, tua da nix an. Iss noch aan Krapfen.
Most, stopft sich noch eine Krapfen rein: A Komödie, das i net lach, wos waß denn der Peymann, wos a Komödie is? Wos wü denn der geben?
Bitter: Einfach kompliziert gibt der. Mit`m Voss.
Tränen: Ah, der schmeckt mir. A fesches Mannsbild.
Most: Wos? Das soll a Komödie sei? Das Ganze hat mit aaner Komödie nix zum tun, gar nix. Und was ist jetzt mit der Mordspension vom Voss?
Tränen: Maria und Josef, Mord und Totschlag.
Bitter: Dafür hat er dem Peymann a Hosen gekauft.
Tränen: A Hosen, das g`fallt mir. Bub, nimm noch a Krapfen.
Most: Hoit die Pappen.
Er Nimmt einen Krapfen und wirft ihn nach ihr.
Tränen: Bub, mach a schön Wetter.
Most: Dummkopf, a Katastrophen ist das, a Kunst-Natur-Katastrophen. Und also naturgemäß a schäbiger Unterhaltungsmechanismus, ist das, nix weida.
Er isst noch eine Krapfen und rülpst.
Bitter: Darüber gibts nix zum Diskutieren, sag i. Das ist a Komödie, a Komödie mit Mäusen und aanem König.
Most: A Mauskönig? Ist das vom Tschaikowski? Bernhard hat nur Mozart g`hört. Mozart und a bisserl Wagner, nix mit´m Tschaikowski, a Tragödie ist das, nix als a Tragödie. Da wü i aus da Welt fallen, wenn das net a Tragödie ist.
Tränen: Bub, sei stad, da sind noch Krapfen.
Most: Hast du da Mausgift rein getan?
Tränen: Naa, die sind nur mit Milch g`macht.
Most: Milch? I mag ka Milch nicht.
Er läuft blau an.
Bitter: Mei, Bub, wos ist das jetzt? I hab scho Karten für die Burg gekauft. Soll i die jetzt zurück geben? Die öffentliche Proben war scho a Gschra. Mei, wos für a schöne Kronen der Voss aufhat und aan Hammer hat der. Wenn nur nicht wieder das Licht zu lang ausgeht. Aber der Peymann hat ja Gott sei Dank a Stoppuhr.
Most, würgt und hustet: Licht, Hammer, Karten für die Burg? Wos für a Stauborgie soll das wieder werden? Die Piefkes haun mit dem Hammer ganz Österreich ein und dann kippen die wida a Fuhre Mist vor die Burg.
Tränen: Natürlich, nur Mord und Totschlag. Bub?
Sie klopft ihm auf den Rücken. Most kippt vom Stuhl. Bitter und Tränen springen auf.
Bitter: Da kann man sagen was man will, aber der Bub hört ja nicht. Er wollte doch noch ausmalen.
Tränen: Das wird sich wohl nicht mehr ausgehn.
Sie sieht ihn nachdenklich an.
Tränen: Was für eine Enttäuschung. Du, was ist eigentlich Vollkommenheit?
Bitter: Wenn nichts stimmt. Das Leben taugt nicht für die Ewigkeit. Aber man muss es durchhalten.
Sie wickeln Most in das Tischtuch ein und schleifen ihn raus. Vorhang.

Thomas Bernhard * 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande; 12. Februar 1989 in Gmunden, Österreich
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