Vùng biên gió’i (Grenzgebiet) – Rimini Protokoll mit Experten aus Dresden und Prag zu Gast im HAU 2 Berlin

Es ist eine Menge passiert an diesem Wochenende in Berliner Theatern. Neben dem Hauptevent Theatertreffen ist aber eine kleine aber interessante Produktion von Rimini Protokoll in einem Gastspiel aus Dresden völlig unbemerkt von der Berliner Kritik am HAU2 gelaufen. Vùng biên gió’i (Grenzgebiet) erzählt mit Experten aus Dresden und Prag die Geschichte der vietnamesischen Vertragsarbeiter in der DDR und ihrer Kinder, der zweiten Generation sozusagen, die nun in Deutschland und Tschechien ihre neuen Wege und Bestimmungen suchen. Als gelernter ehemaliger DDR-Bürger kennt man die kleinen, quirligen, immer gut gelaunten Leute, vorwiegend aus den Betrieben der Textilindustrie.

Und auch ich hatte meinen ersten Jeans-Anzug nicht von der West-Verwandschaft sondern vom sogenannten „Fidschi“ für ca. 250 Ostmark. Für ihre Geschichte hat man sich nie wirklich interessiert, war der Kontakt doch meist nur auf solche geschäftlichen Beziehungen reduziert. Dank Rimini Protokoll hört man nun mehr, auch wenn man Vieles, falls man wollte, auch nach der Wende schon erfahren konnte. Die so genannte Solidarität der Brudervölker bestand in knallhart kalkuliertem materiellen Interesse, zu gleichen Teilen gingen je 40% der von den Vertragsarbeitern erzeugten Waren, übrigens auch aus Kuba, Angola oder Mosambique, in die SU oder nach Westdeutschland. Wir hören interessiert die Geschichten aus dem Vietnamkrieg von den Protagonisten, die damals meist selbst noch Kinder waren.

Ergänzt werden die Berichte von einem ehemaligen Grenzoffizier, der nach seinem aktiven Dienst, Betreuer für die vietnamesischen Vertragsarbeiter wurde. Sein Duktus des gewohnten Befehlsempfängers und -verteilers klingt ungewohnt und sicher für einige, nicht im Osten groß Gewordene, antiquiert. Aber auch ich erinnere mich solcher Betreuer in den Lehrlingswohnheimen der DDR. Es gehört sicher Mut dazu, sich der Aufgabe des Zeitzeugen aus dieser Sicht zu stellen.

Die Stellung der vietnamesischen Vertragsarbeiter in DDR war sicher eine komplett andere, als die der südvietnamesischen Boat People in der BRD. Diese waren eher willkommen und hatten die Chance sich zu integrieren, was den Vietnamesen in der DDR verwehrt blieb. Ein Unterschied, der durchaus auch in der noch immer nicht völlig überwundenen ideologischen Teilung des Landes nach dem Ende der französischen Fremdherrschaft begründet ist. Aber auf diese Parallele zur gesamtdeutschen Geschichte kann dieses sicher gut gemeinte Projekt nicht auch noch eingehen. Es wäre aber gerade für alle Deutsche in Ost und West eine wichtige Erfahrung.

Fakt ist, das die verbliebenen Vietnamesen aus Deutschland nicht mehr weg zu denken sind und gerade ihre Kinder eine Chance für eine normale Entwicklung wie alle Deutschen oder andere Migrantengruppen haben müssen. Einen starken Integrationswillen hat gerade die Gruppe der Vietnamesen ja immer bewiesen.

Wenn man wie ich einmal Vietnam besucht hat, ist man jedenfalls der Freundlichkeit und der ehrlichen Neugier der Einheimischen allem Neuen gegenüber bedingungslos erlegen. Ich hoffe jedenfalls, das sich dies nach der beginnenden Öffnung des Landes nach Westen hin, nicht all zu negativ für die Vietnamesen auswirken wird.

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