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  • Blauer Dunst auf grünem Rasen – Alle Meine Söhne von Arthur Miller

    Eine Inszenierung von Roger Vontobel in den Kammerspielen des DT

    Roger Vontobel ist das vielbeschäftigtste Regiewunderkind der deutschen Theaterlandschaft. Die Labdakiden in Bochum, eine Peer Gynt in Essen, eine Penthesilea in Hamburg und ein Don Carlos in Dresden für den er den Regie-Faust bekam. Nun also seine zweite Inszenierung in Berlin nach einem eher zwiespältigen Pappmachéverkopften Clavigo am Gorki Theater vor zwei Jahren. Das Deutsche Theater baute nun Vontobel die Kammerspiele zur Arena um und scheute weder Kosten noch Mühen um Rollrasen im Winter ran zu karren. Arthur Millers amerikanisches Nachkriegsdrama über einen Rüstungsbauer, der im 2.Weltkrieg defekte Teile für Flugzeuge an die Air Force liefert und den Tod von 21 Fliegern zu verantworten hat, musste es sein. Wenn die Kammerspiele umgebaut werden zum Werkraum oder der Arena, dann ist meist etwas Neues angesagt, etwas was nicht in den normalen Rahmen passt. Anfang der 2000er Jahre wollte man damit die Baracke wieder beleben und ist mit dem Konzept gescheitert. An diesem Abend scheitert Vontobel aber leider auch. Am Anfang ist die Welt noch in Ordnung, Kinder toben auf dem Geviert der Arena und bieten Mini-Hotdogs an. Dann wird der Rasen ausgerollt, die Kinder sind erwachsen und holen die Zigaretten raus.
    Arthur Miller ist der beharrliche Beobachter des amerikanischen Mittelstandes schlechthin, sein Tod eines Handlungsreisenden ist so ziemlich das bekannteste Stück der US-Nachkriegsdramatik. Man hat ihm mit unter vorgeworfen, genau so mittelmäßig zu schreiben, wie die Charaktere seiner Figuren sind. In Alle meine Söhne kommt das mit am deutlichsten zum Ausdruck. Das Stück ist in erster Linie patriotisch, was man ihm nach dem 2. Weltkrieg nicht weiter vorwerfen kann, eine Kapitalismuskritik ist nur im Ansatz vorhanden, in der Anklage des Kriegsgewinnlers Joe Keller, der für den schnellen Profit seinen Partner ins Gefängnis gehen lässt und über Jahre heile Welt spielt. Er ist nach außen ein Kumpeltyp, selbst sein zweiter Sohn Chris, der erste ist als Flieger im Krieg vermisst, hat keinen Grund gegen ihn zu rebellieren. Jörg Pose gibt ihn als jovialen Mann, der seinen Sohn sogar vorgibt zu verstehen, als der die Verlobte des verschollenen Sohnes Larry heiraten will. Wenn da nicht das Problem mit der Mutter Kate wäre, die immer noch an die Rückkehr des verloren Sohnes glaubt und davon nicht abzubringen ist. Ulrike Krumbiegel, mal wieder in einer Rolle am DT, ist darin auch sehr glaubwürdig. Daniel Hoevels ist der brave Sohn Chris, der Traumatisches im Krieg erlebt hat und etwas sinnvolles aus seinem gewonnenen Leben machen will. Seine Angebetete Ann, Tochter des im Gefängnis sitzenden Partners von Joe, ist bei Meike Droste, nach längerer Babypause endlich wieder zu sehen, sehr selbstbewusst aber etwas zu taff, obwohl sie genau weiß was sie will und mit Chris auch eine gute Party vor Augen hat. Jeder ist irgendwie mit sich selbst beschäftigt seine Ideale zu leben und doch schwingt die Angst des Versagens ständig mit. Der Griff zur Zigarette ist das einzige was diese Menschen wirklich miteinander verbindet. Umso öfter wird dann auch zu ihr gegriffen. Chris ist ein großer Zweifler, er will nicht unbedingt in die Fußstapfen seines Vaters treten kann sich aber auch nicht konsequent für ein Leben mit Ann in New York entscheiden. Von Joe wird bemüht auf Party gemacht, um von den im Raum schwebenden Zweifeln abzulenken.
    Unvermittelt personifiziert sich die Angst aller dann mit dem plötzlichen Eintreffen von Anns Bruder George, nölig von Ole Lagerpusch dargestellt, der Chris sofort mit der Wahrheit über ihre Väter konfrontiert. Hier gerät Vontobles bisher gefällige Regie erstmals aus den Fugen. Erst sehr weit auf Distanz gehen sich die beiden dann unversehens an die Wäsche. Kate kann hier noch einmal schlichten und Joe gibt wieder den Generösen, in dem er George eine Job besorgen will und auch seinen Vater wieder in die Firma holen möchte. Die einzige noch verbliebene Nebenfigur, die Nachbarin Sue (Angela Meyer), war einmal Georges Freundin, ist aber nun mit dem Arzt Jim Bayliss verheiratet und hat drei Kinder. Ihr plötzliches Auftauchen wird mit lautem Hundegebell gleichendem Geschrei von allen registriert. Es entwickelt sich ein kleiner Zickenkrieg zwischen ihr und Ann, indem sie ihr andeutet, das nie jemand der Nachbarn an die Unschuld Joes geglaubt hat. Endgültig aus dem Rahmen fällt dann die Inszenierung von Vontobel als Chris seinem Vater endlich die Wahrheit Stück für Stück abringt. Die Fassade ist eingerissen, die Wut und Verzweifelung Chris` entlädt sich in Schreien und wiederholten Vorwürfen gegen seinen Vater. Hier setzt Vontobel auf Drastik. Daniel Hoevels durchmisst die Arena schleudert sein Jackett von sich und schlägt Jörg Pose wiederholt ins Gesicht. Das Ganze wird von der Seite gefilmt, die Gesichter sind in Großaufnahme auf Leinwänden zu sehen, eine Methode die auch nicht mehr ganz neu ist. Joe kann sich nur mit fadenscheinigen Entschuldigungen verteidigen, eine Einsicht der Schuld gibt es für ihn nicht wirklich. Alle waren so im Krieg, alle haben versucht Geld zu verdienen. Dieses Finale kann aber nicht über die müde Inszenierung hinwegtäuschen. Die Schwäche des Stücks wird auch zur Schwäche der Inszenierung, es fehlt an tatsächlicher Fallhöhe. Was Miller in seinen späteren Stücken verstand, den kleinen Mann zum tragischen antiken Helden aufzubauen, der durch Schicksal und Leben gebeutelt sich mit Schuld beladen hat und daran zu Grunde geht, kann mit Joe nicht wirklich gelingen, zu eindeutig ist seine Schuld. Eine Konsequenz daraus erfolgt nicht. Nachdem dann noch der Brief von Larry an Ann vorgelesen wird, in dem er sich aus Scham vor der Tat beider Väter zu einem Selbstmord bei seinem nächsten Flug entschlossen hat, ist auch Kates Hoffnung zerstört. Joe geht ab, ob er sich seiner Schuld stellt bleibt offen.
    Diese Inkonsequenz als Verweis auf den momentanen Zeitgeist reißt die Inszenierung nicht mehr raus, zu unverbindlich ist sie in ihrer zeitlichen Einordnung oder als Beispiel für heutige Kriege und die Moral der daran Verdienenden. Das Ganze verkommt zu Rasenschach mit kleineren Rochaden. Vontobel reicht als Beweis seiner These vom Zerspringen der Kernfamilie der Selbstmord des Sohnes des Investmentbetrügers Bernard L. Madoff. Die Suche nach der Bedeutung eines Stückes sei die eigentliche Aufgabe von Theater, sagt er in einem Beitrag über junge Theatermacher auf der Seite von jetzt.de. Das müsse auch in einer Aufführung sichtbar werden, nicht nur in der Vorarbeit, „die dann dazu führt, dass das Stück auf einem Baum spielt und die Zuschauer nicht mehr verstehen warum.“ Der Baum wurde vom Sturm entwurzelt. Ein Zeichen? Wofür weiß hier kein Mensch.

  • Lulu – Die Nuttenrepublik an der Schaubühne; Volker Lösch rahmt seinen Chor von Sexarbeiterinnen mit lauter Platzhirschen

    Keine Inszenierung von Volker Lösch ist bereits im Vorfeld dermaßen kritisiert worden wie diese. Vermutlich waren die meisten Rezensionen bereits vorab fertig. Wasser auf die Mühlen gab es noch durch den Ausstieg einer enttäuschten Choristin, Lösch wäre der schlechteste Freier den sie je gehabt hat. Nun ja, mit käuflicher Liebe lässt sich eben mehr Geld verdienen als mit Kunst, welch große Erkenntnis. Nachdem das Ganze nun über die Bühne holpert, johlt die Masse und alle Unkenrufer sehen sich bestätigt. Warum eigentlich?
    Das Lösch eine spezielle Ästhetik bevorzugt dürfte allen klar sein, Dirk Pilz hat das in einer Randspalte auf der Titelseite der Berliner Zeitung vor der Premiere noch mal treffend zusammengefasst, Fazit: „Immer holt er die gesellschaftlichen Widersprüche auf die Bühne, macht sich aber mit keiner Seite gemein. Agitprop betreibt er nicht, sondern radikale Aufklärung. Das Schlimmste, was seiner Lulu-Inszenierung jetzt passieren könnte, wäre Achselzucken der Zuschauer.“ In seiner Rezension des Abends war es dann aber leider nur nett: „Es ist zum Einschlafen, oder Davonlaufen.“ „War da was?“ Eingeschlafen ist beileibe keiner  in der Schaubühne, wie viele davongelaufen sind, kann ich nicht sagen, da ich mich mehr auf das Geschehen auf der Bühne konzentriert habe. Vielleicht hat ja Volker Lösch auch bewusst das Tempo angezogen, die Aufführung dauerte tatsächlich nur 1 h 40 min anstatt der 1:50, die im Programmheft angezeigt sind. Zehn Minuten weniger können das Einschlafpotential schon erheblich senken.
    Aber erstmal zu dem sogenannten Laien-Chor der Professionellen. Auf ihrem Gebiet (S)Expertinnen und gekonnte Darstellerinnen nicht ihrer selbst, sondern diverser Männerfantasien, gehört mit Sicherheit eine Menge Mut dazu sich einem Publikum zu präsentieren, das aber genau das von ihnen erwartet, den Seelenstriptees nämlich. Eine Knastbiografie oder den Bezug von Hartz IV öffentlich zu erklären, sind sicher auch nicht gerade leicht, aber sich als Nutte auf einem Podium zu outen, dazu gehört sehr viel Selbstverständnis und normaler Umgang mit dem eigenen Beruf. Und das zeigen die Damen dann auch sehr selbstbewusst und mit großer Freude am Spiel. Dafür gilt ihnen Dank, nicht Hohn und Spott oder Anzweifelung ihrer sogenannten Authentizität. Es ist schon schwer genug für ungeübte Laien überhaupt schauspielerisch zu glänzen, dann aber noch in den sehr schwierigen Chorpassagen dieser Inszenierung den richtigen Einsatz zu finden, fast unmöglich. Dass hier 4 Schauspielstudentinnen aushelfen, wie wir nun wissen, scheint mir da mehr als angebracht, da sogar die echten Schauspieler Mühe hatten sich in diesem Chor zu behaupten. Das Lösch das nicht vorher genau aufgeklärt hat und man sich nun seitens der Schaubühne darauf zurückzieht, dass das schon in anderen Projekten so war, tut der eigentlichen Aussage keinen Abbruch. Inhaltlich mag das strittig sein, was da skandiert wird und für viele nicht mehr neu, in mehreren Reportagen des Privatfernsehens oder in Dokumentarfilmen ist das Thema schon oft behandelt worden, aber sicher nicht mit dieser Wucht, die letztlich sogar in ein wenn auch ironisiertes Manifest mündet.
    Wenn man ein großer Fan von Wedekinds Monstretragödie Lulu ist, sollte man der Veranstaltung fern bleiben. Lösch hetzt durch den Text, das kaum Zeit zum Atemholen bleibt. Szenenwechsel werden mit kurzen knalligen Musikeinlagen von Peaches bis zum üblichen „Bück Dich“ der Gruppe Rammstein vollzogen. Alles was Esther Slevogt in ihrer Nachtkritik recht satirisch verkündet, kann man auch wirklich sehen. Ihre Sichtweise ist aber sehr eingeschränkt, sie nimmt nicht wahr, dass hier Lulu nicht nur dem geilen Manne sanft die Hand ans Gemächt legt, sondern Lösch den brünstigen eitlen Platzhirschen direkt bei den Eiern packen will. Laura Tratnik und ihre männlichen Mitstreiter geben hier bewusst nur Schablonen ab, auch wenn das einigen zu plakativ einseitig ist. Lulu ist die personifizierte Männerfantasie und die Männer drehen hier mal den inneren Sack nach außen. Als irgendwann Sebastian Nakajew als Schön irritiert einer Vielzahl von Lulus gegenübersteht, die Liebe einfordern, weiß er nicht mehr wie er sich verhalten soll, so fixiert ist er auf das eine Bild in seinem Kopf, das ihm glatt das Ficken vergeht. Übrigens auch die Geschwitz kommt hier nicht gut weg, auch wenn sie ganz quirlig um die Liebe der Lulu buhlt. Sie projiziert ihr Wünsche genauso wie die Männer auf das Objekt ihrer Begierde. Die lesbische Liebe als Alternative funktioniert hier nicht, da Lulu noch in ihrer Fixierung auf den Mann fest hängt und ihrerseits nun eine Machtstellung gegenüber der Geschwitz ausübt.
    Da wird natürlich viel schwarz-weiß gemalt, das ist sicher ein Manko der Inszenierung, ohne Frage. Die Differenzierung erfolgt durch den Chor, der die verschiedenen Bilder des Verhältnisses Nutte-Freier oder die unterschiedlichen Sichtweisen der Frauen auf ihren Job darlegt. Theater hat auch das Recht Aussagen so zu transportieren, das es dem ästhetisch geschulten Auge weh tut. Lösch will hier nicht Lulu aufführen sondern das Stück als Hülle für die Geschichten der Damen nutzen, deshalb findet auch keine Vermischung statt, aber es gibt durchaus Parallelen von Stücktext und Chor. Er hätte uns sicher noch mehr zumuten können, so bleibt eben wie oft vieles nur im Ansatz. Theater erklärt ja auch nicht, es schnappt sich meist nur punktuell einige Facetten aus der Wirklichkeit und setzt sich mit ihnen künstlerisch auseinander. Dass das Künstlerische zu kurz kommt, stößt auch mir auf, aber ich kann das wegstecken, zu Gunsten einer Aussage, die bei Wedekind noch im Vagen lag, hier aber deutlich gefordert wird, das Recht auf eine selbstbestimmte und unverklemmte Sexualität. Noch kürzer und prägnanter hat das in ihrer Punk-Zeit Nina Hagen in 1:45 min ausgedrückt: „…spritz, spritz, das ist`n Witz äh“. Wie es scheint, trifft das noch immer zu, das zeigt nicht zuletzt auch dieses Forum. Aber vielleicht haben ja auch schon einige ihr Gehirn in Formalin eingelegt. Hier hilft rausgehen und auslüften, oder eben ins Theater selbstbewusste Nutten gucken.

  • Das Thalia Theater verhandelt die Frage von Realität und schönem Schein in gleich zwei Inszenierungen – Ein vergnügliches Wochenende im kalten Hamburg inklusive Weihnachtsmarkt

    Was ihr wollt als melancholisches Karnevalsvergnügen am Thalia Theater  in einer Inszenierung von Jan Bosse

    Es ist schon witzig wie dieser Abend im Spiegel der Kritik polarisiert, obwohl er doch in erster Linie nur unterhalten will und das tut er dann auch auf relativ hohem Niveau, von Fernseh-Comedy keine Spur. Rudolf Mast auf Nachtkritik scheint dann auch eher von der Sorte Kritiker ohne Humor zu sein, der zum Lachen in den Keller geht. Vielleicht war ihm aber einfach nicht nach Schunkeln, oder er hat sich geärgert, das er auf dem übervollen Weihnachtsmarkt am Rathaus nicht an den Gosch-Stand gekommen ist. Zu viel Volksnähe, ein bisschen Lockerheit und Freude an Rollenspiel und Irritation, sind dann dem bildungsbürgerlichen Hanseaten wahrscheinlich auch suspekt. Ich dagegen ging schon etwas weinselig ins Thalia und hatte durchaus meinen Spaß.
    Aber auch andere Kritiker fühlten sich nicht wohl und Till Briegleb, letzte Woche noch an einem Tisch im Schauspielhaus vereint mit Dirk Pilz, hat nun eine völlig andere Wahrnehmung und sieht nur einen großen Schmarrn, in dem jeder mal die Rampensau durchs Dorf treiben darf. Wohingegen Dirk Pilz, sonst eher ein präziser und realistischer Beobachter, von himmelhochjauchzender Melodramatik spricht. Ob diese unterschiedlichen Meinungen sich in Wahrheit in der Mitte treffen, wäre ebenso ein Kalauer wie der von Pils und Pilz, Stößchen. Selbst Die Welt stimmt diesmal in einen Ausruf der Verzückung ein. Regie ist plötzlich Trumpf und das liegt wohl daran, das diesmal kein türkischer Literat neu übersetzt hat, Illyrien nicht von dänischen Karikaturisten bevölkert wird und uns Jan Bosse auch keine eigene neue Weltsicht verkaufen möchte, sondern einfach nur den puren Spaß am Theater.
    Er mixt gekonnt altbekannte Philosophien und einige Klischees über die Geschlechter bunt durcheinander, bis keiner mehr wirklich weiß, ob er Männchen oder Weibchen ist und wundersame lang verdrängte Vorlieben an sich entdeckt, wie z.B. eine nun fast kindlich ausgelebte Analfixierung. Im Grunde aber bleibt die Inszenierung doch sehr nah an Shakespeare trotz der von Gabriella Bußacker und Jan Bosse radikal modernisierten Sprache. Die zwölfte Nacht, wie das Stück auch heißt, als Beginn des Karnevals zu Shakespeares Zeiten ist geprägt von Masken und Rollenspielen, außerdem bezieht dieses Stück auch seinen Reiz daraus, das zu den Rollenwechseln im Stück damals alle Darsteller Männern waren. Das greift Bosse in seiner Inszenierung konsequent auf mit vielen Wortspielen und Doppeldeutigkeiten, die ja auch in Shakespeares Text enthalten sind. Die Bühne ist ein Zauberwald mit Fabelwesen, eine Art Diorama, wie im Museum, nur das es dieses Museum nur hier in Illyrien geben kann, eine komplette Illusion und Scheinwelt an dessen Rand die Protagonisten lungern und auf ihren Einsatz warten.
    Der Narr von Karin Neuhäuser scheint hier als einziger den Überblick zu behalten und treibt einerseits mit Lust an Spiel und Bosheit die Verwirrung voran oder bremst schon mal den Übermut von Bruno „Rülp“ Cathomas, wischt die Bühne wieder frei und verspottet den tumben Bleichenwang des Jörg Pohl. „Komm Junge, enttäusch mich nicht“ sagt sie und legt ihm demonstrativ die Bananenschale hin. Bruno Cathomas und Jörg Pohl sind hier Rampensäue im besten Sinne, ein Duo Infernale, das keinen Slapstick oder Kalauer auslässt und schließlich als strauchgewordenes Paar seinen Höhepunkt findet. Die Ernüchterung der beiden notorisch Erfolglosen kommt um so drastischer, zusammengeprügelt von Viola/Sebastian, man weiß es nicht genau, denn dieses Doppel wird nie ganz aufgelöst. Zu Beginn steht Mirco Krebich im blauen Kleid da und wird dann vom Narren erst zum Manne umgezogen. Erst switcht Krebich noch unsicher und dann immer gekonnter in den Rollen hin und her. Und so sehen die  beiden Melancholiker Orsino und Olivia auch in ihm was sie wollen, ganz besoffen von ihrer eigenen Selbstverliebtheit. Alexander Simon drückt dem Sebastian schon mal einen Kuss auf den Mund und Bibiana Beglau steht plötzlich die Lüsternheit im Gesicht geschrieben. Um so größer auch hier die Ernüchterung, als sich das Objekt der Begierde als indifferentes Zwitterwesen herausstellt. Als wenn ihnen ein Puck den Zauber von den Augen genommen hätte, schrecken sie zurück. Eine Doppelhochzeit findet nicht statt, das schmalzige Happy End fällt aus, melancholisch singt man das Lied vom Ende dieser Welt. Aber in seligen Popkitsch rutscht die Inszenierung nie ab. Das ist auch ein Verdienst des Musik-Teams Landerschier, Dabeler und Schamoni. Ihr Sound ist ganz Lo-Fi, nicht aufdringlich und peppt das Ganze nicht noch zusätzlich unnütz auf.
    Wäre da nur noch vom tragischen Helden Malvolio zu berichten. Jens Harzer gibt ihn als besserwisserischen, hochnäsigen Snob, um so grandioser ist seine Narrheit in gelben Strümpfen und bis an die Lenden gewickelten Strumpfbändern, die im wohl das Blut in Kopf und Genital geschnürt haben. Als Bunny Häschen wirft er sich seiner angebetenen und völlig verdatterten Olivia auf den Schoss. Aber als wenn es Jan Bosse nicht schon geahnt hätte, das man ihm seinen Spaß übel nehmen könnte, lässt er Malvolio als den großen Spielverderber selbst das Urteil der Kritik vorwegnehmen und die Drohung nach Rache zum Schluss aussprechen. Wer sich davon einschüchtern lässt, sollte fernbleiben, allen anderen sei die Inszenierung in dieser eisigen Zeit warm ans Herz gelegt, ganz wie ihr wollt.

    Axolotl Roadkill – Bastian Kraft bringt Helene Hegemanns Roman als bunten Popreigen auf die Bühne des Thalias in der Gaußstraße

    Fast schon in den Himmel gelobt wurde dafür aber die erste ernst zu nehmende Dramatisierung von Helene Hegemanns Debut-Roman „Axolotl Roadkill“, die am 21.11.10 Premiere im Thalia in der Gaußstraße hatte, nach dem eher satirischen Versuch „Axel hol den Rotkohl“ von Das Helmi im Ballhaus Ost Berlin, als einer trotzigen Erwiderung auf die Schreiberlinge des erbosten Feuilletons.
    Nachdem auf Nachtkritik heiß diskutiert wurde, ob und wie man das Buch auf die Bühne bringen sollte, hat Bastian Kraft nun alle Kritiker regelrecht verblüfft. Keine um möglichst große Authentizität bemühte Episierung findet statt, nein, in immer wieder neuen Tableaus bewegen sich alle Darsteller in wechselnden Rollen wie am laufenden Band durch die Geschichte von Mifti. In popigen Phantasiekostümen von Dagmar Bald wirken die Schauspieler Lisa Hagmeister, Birte Schnöink, Cathérine Seifert, Victoria Trauttmansdorff und Sebastian Zimmler auf einer Guckkastenbühne mit vorgelagertem Podest, das sich wie ein Panoptikum mit Utensilelen aus Kinderzimmern bestückt an einer Kamera vorbeidreht. Die Bilder sind am Bühnenhintergrund zu sehen (Bühne und Video: Peter Baur). Da rauscht nun wundersam das Leben der 16-jährigen Schulverweigerin Mifti an uns vorbei und immer wieder wird auch von den Darstellern darauf hingewiesen: „Das ist mein Leben!“ Eine schöne Fiktion eine Mädchentraum, nichts weiter?
    Es kommt alles vor in dieser Inszenierung was den Roman von Helene Hegemann ausmacht, Clubnächte im Berghain, intellektuelle Gespräche über Sex, Kotzen, gelangweilte Szenen mit den luxusverwahrlosten Geschwistern, die ältere Freundin Ophelia und immer wieder die Mutter selbst, die traumatischen Erinnerungen an die Kindheit. Kraft vermeidet aber konsequent epische Reflexionen zwischen den Dialogen, die endlos auf dem Band aneinander gereiht werden. Immer mal wieder wird das Band angehalten, zurück gefahren und die Szene wiederholt. Alles ist überdimensional bebildert, ein Leben, das sich mit plakativen Zeichen aus der Realität flüchtet. Zum Schluss bricht dann auch dieser schöne Schein zusammen und die Hinterbühne zeigt offen die Requisite und die Bühnenarbeiter, die alle Utensilien unaufhörlich wieder aufs Band stellen.
    Die Frage, nach der Authentizität, dem Selbst-erlebt-haben kommt so gar nicht erst auf, es ist von Anfang an nichts real, außer der Phantasie, aus der das alles erschaffen wird. Bastian Kraft spielt gekonnt am Rande des Kitsch, entschärft die pseudophilosophischen Attitüden, nimmt aber mit seiner bunten Bilderrevue auch Wucht und Dreckigkeit aus dem Text Helene Hegemanns. Das Schauspielensemble ist durchweg gut drauf und jederzeit Herr des Geschehens, besonders herauszuheben sind die souverän spielende Victoria Trauttmansdorff und die junge bezaubernde Birte Schnöink als Mifti.

    Fast noch interessanter als die Aufführung am 28.11.10 war die im Anschluss geführte Diskussionsrunde „Kunst aus dem Kämmerchen: Über Lebensleid, Copy & Paste“ mit dem Regisseur Bastian Kraft, Max Dax ehemaliger Chefredakteur des Spex und Florian Waldvogel dem Direktor des Hamburger Kunstvereins. Es wurde die Frage verhandelt, ob es notwendig ist, als Schriftsteller alles wirklich erlebt haben zu müssen, um im Schweiße seines Angesichts das Erlebte nieder schreiben zu können. Erwartungsgemäß wurde das natürlich von allen verneint.
    Max Dax berichtete angetan von der jungen Helene Hegemann aus seinen Gesprächen mit ihr zum Spex-Interview über die Entstehung von Theatertexten. Man sehe ihr das Denken beim Sprechen förmlich an. Er begrüßte die Ironisierung des Klischees, sich alles aus den Rippen zu Schwitzens, durch Helene Hegemanns Buch, die reine Behauptung der Authentizität als neue Kunstform. Es wurden von ihm einige Beispiele für Autoren des frühen Copy & Past in der Literatur und des fiktiven Journalismus (die erfundenen Interviews von Tom Kummer) gebracht und als vielleicht größten Täuscher der eigenen Biografie Bob Dylan mit seinen Chronicles.
    Auf die Frage von Gesprächsführer Tarun Kade (Dramaturg der Inszenierung) nach Copyright in der bildenden Kunst an Florian Waldvogel, sagte dieser, das es kein Original ohne Kopie gäbe und setzte mit der Forderung nach der Abschaffung des Copyrights sogar noch einen drauf. Da mittlerweile ja sogar der große Fälscher Kujau kopiert wird, eine schon etwas provokante These und es dürfte sicher merkwürdig aussehen, wenn irgendwann im Kunstverein mehrere Varianten ein und des selben Bildes nebeneinander hängen würden.
    Bastian Kraft erzählte wie er zum Theater gekommen ist, indem er immer schon von diesem schönen Schein fasziniert war und er das mit dieser Inszenierung des Romans auch zeigen wollte. Alle waren sich einig, das mit dem Verwenden von fremden Texten, dem Herausnehmen und wo anders hin tragen ja etwas Neues geschaffen würde. Tarun Kade blieb da nur noch ironisch die totale Einigkeit dieser Runde zu konstatieren, vielleicht fehlten ihm aber auch einfach die richtigen Fragen, um die nötige Spannung zu erzeugen. Etwas Kontroverse hätte der Diskussion dann auch sicher besser getan.

  • Tatort Komödie – Zwei Stücke in der Schaubühne und in den Kammerspielen des DT versuchen sich in Satire und sind dabei mehr oder minder erfolgreich.

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    Nach den eher unfreiwillig oder derb komischen Inszenierungen von Roland Schimmelpfennigs „Peggy Pickit“ am DT und Walter Mehrings „Kaufmann von Berlin“ an der Volksbühne haben es nun mit Marius von Mayenburgs „Perplex“ und Sibylle Bergs „Nur nachts“ wieder zwei Komödien auf die Berliner Bühnen geschafft. Ist das Thema auch noch so schwer, der Zuschauer will unterhalten werden. Wenn der Inhalt zu dünn ist, muss die Verpackung, sprich Inszenierung nachhelfen und der Regisseur Versäumnisse des Autors wettmachen. Das das nur bedingt funktioniert, hat Martin Kušej mit seiner Version von Peggy Picket bewiesen. Frank Castorf hat seine Inszenierung von Walter Mehring so mit Klamauk und zusätzlichem Inhalt überfrachtet, dass es einfach nur noch ermüdend war.

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    Was ist aber, wenn das Stück gar keinen Inhalt oder Sinn transportieren will, also einfach nur komisch sein möchte? So geschehen bei Marius von Mayenburgs neuem Stück „Perplex“, das er gleich noch selbst in der Schaubühne inszenierte. Zwei Paare treffen hier in immer wieder wechselnden Konstellationen aufeinander und kosten die Verwirrung und Komik, die aus diesen teilweise absurden Situationen und Identitätswechseln entseht, mit sehr viel Spielfreude aus oder sind einfach wie der Titel schon sagt perplex. Mayenburg nutzt einige philosophische (Platons Höhlengleichnis) und wissenschaftliche (Darwins Entstehung der Arten) Grundweisheiten und stellt diese in seiner Farce über den schönen Schein des Theaters einfach genüsslich aus.

    Ausgangspunkt ist ein aus dem Urlaub zurückkehrendes Paar, das sich in seiner Wohnung nicht mehr zurecht findet und von den Freunden, die eigentlich nur die Blumen gießen sollen, vor die Tür gesetzt wird. In einem Reigen aus Maskerade, Rollenspiel und böser Satire wird der Wahnsinn des Alltags persifliert. Merkwürdige Nazis und freche Au-pair-Mädchen treten auf, es gibt eine herrliche Kostümparade mit isländischem Vulkan und ein Liebesspiel im Elchkostüm sowie eine Parodie auf das Putz-Mariedl aus Schwabs Präsidentinnen. Eva Meckbach, Judith Engel, Robert Beyer und Sebastian Schwarz können hier alle Register ihres schauspielerischen Könnens ziehen, das ist mehr als nur ein Well-Made Play. In einer Wohnlandschaft vor einem großen Terrassenfenster schlüpfen die vier immer wieder in neue Identitäten, selbst erst darüber verblüfft, finden sie sich schließlich schnell darin zurecht und lassen den Faden nie abreißen. Irgendwann wird aber alles als Spiel im Spiel entlarvt und das Bühnebild und die schöne Illusion demontiert. Der Regisseur erweist sich als abwesend und Sebastian Schwarz gibt ihn flüchtend als Nietzsche-Karikatur mit dem „Gott ist tot“-Monolog. Das Stück schafft sich selbst ab und lässt trotz großem Vergnügen die Protagonisten und auch den Zuschauer etwas ratlos zurück.

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    Eher gemäßigtes Vergnügen hatten einige Kritiker zur Inszenierung des Stückes „Nur nachts“ von Sibylle Berg, das bereits im Februar in Wien uraufgeführt und nun an den Kammerspielen des Deutschen Theaters gezeigt wurde signalisiert. Ja was soll man auch sonst bei diesem mittelmäßigem Stück mit seiner mittelmäßigen Regie bezeugen. Gediegene Langeweile macht sich bei dieser gefälligen Rocky-Horror-Aging-Show breit. Man konnte sich schon vom satirischen Talent der Sibylle Berg bei den DT-Autorentheatertagen überzeugen. Bei „Hauptsache Arbeit“ machen sich eben solche mittelmäßigen Menschen wie in „Nur nachts“ für ihre mittelmäßigen Jobs vor ihrem fiesen Chef zum Affen. Dabei werden sie immer wieder von zwei Ratten auf einem sinkenden Schiff motiviert. Als Schluss-Pointe befördern sich dann aber wenigstens alle selbst ins Jenseits. Das war noch konsequent böse aber leider auch nur eine mäßig witzige Revue, von einigen halbwegs gelungenen Showeinlagen mal abgesehen.

    Die Ratten haben sich in „Nur nachts“ vermehrt und sind zu Geistern mutiert, die nun demotivieren und das allgemeine Glück verhindern sollen. Aber wer braucht schon solche Geister, wenn er bereits über einen riesigen inneren Schweinhund verfügt, wie die beiden Mitvierziger Petra und Peter, bewusst ständig aufgeregt und hilflos gespielt von Judith Hofmann und Peter Moltzen. Die Geister, die ich nicht rief, hier sind sie da, weil sich das angehende Paar selbst in seiner Mittelmäßigkeit bequem eingerichtet hat. Die Einsicht kommt spät, sie müssen bis dahin einen Parcour des Schreckens vom Kinderkriegen und Erziehen der störenden Brut, über Verse schmieden bis zum gemeinsamen alt werden durchlaufen. Gekalauert darf auch werden, bis Peter sogar die Hand abhanden kommt. Der Traum ein sinnvolles Leben zu führen, gerät hier zum Albtraum, zu einer Parade des Grauens, das uns Regisseur Rafael Sanchez allerdings so angenehm wie möglich machen will.

    Berg legt die Figuren im Klischee an, Sanchez kleistert kräftig mit Kitsch nach, mit albernen Ganzkörperanzügen von Tatortspurensicherern und Masken mit Ohren für die Geister, unsäglichen Liebessongs u.a. „Flugzeuge im Bauch“ von Herbert Grönemeyer, gegenseitigem Windeln anlegen und schließlich dem Dahindämmern im Altersheim. Irgendwann schlafen da sogar die Geister ein und dem zu verhindernden Paar gelingt die Flucht in den Tod, nur noch Schatten ihrer selbst, oder vielleicht doch mit dem Möbelwagen in eine neue Zukunft? Man will es aber eigentlich gar nicht so genau wissen. Der Weg von den antrainierten Bindungsängsten bei Mitvierzigern bis zur persönlichen Freiheit, wie sie Sibylle Berg vorschwebt, ist hier nicht nur mit selbst gelegten Steinen versperrt, sondern auch noch mit lauter Banalitäten gepflastert und so gerinnt der ganze Schmalz wieder nur zur gefälligen Revue.

  • Der Kaufmann von Berlin – Frank Castorf karikiert ein Geschichts- und Sittenbild der Weimarer Republik an der Berliner Volksbühne

    Walter Mehring beschreibt in seinem Schauspiel „Der Kaufmann von Berlin“ anhand des Aufstiegs und Falls des Ostjuden Simon Chaim Kaftan, die Zeit der Inflation in Berlin der zwanziger Jahre. Mit 100 Dollar kommt Kaftan nach Berlin um Geld für seine kranke Tochter zu verdienen und kann durch Spekulationen das Geld in kurzer Zeit vervielfachen. Er gerät in den Einfluss des Rechtsanwalts Dr. Müller, der ihn benutzt, um rechte Freikorps zu finanzieren. Er nimmt einen windigen Kredit beim Bankier Cohn auf und verliert durch die einsetzende Deflation wieder alles. Mehring zeigt in dieser bitterbösen expressionistischen Persiflage das Leben im Berlin des Scheunenviertels rund um die heutige Volksbühne und beschwor damit einen Theaterskandal bei der Uraufführung 1929, als die SA vor der Piscatorbühne aufmarschierte.
    Das Bühnenbild an der Volksbühne von Bert Neumann strahlt dann auch puren Expressionismus aus. Ein den gesamten Raum einnehmendes rot-weiß gestreiftes Zirkuszelt gibt rotierend immer wieder Bilder des Grunewalds frei oder verschluckt die Protagonisten in seinem Inneren. Sophie Rois als Kaftan ist zu Beginn noch in die traditionelle Kleidung der Ostjuden gewandet, später dann in Business Look oder auch iin ein rotes Kostüm. Mit dem Zug geht es in die große Stadt Berlin. Dabei wird kräftig gejiddelt und über den großen deutschen Juden und Politiker Walter Rathenau sinniert.
    Die Geschichte des Kaftan dient Frank Castorf aber nur zum Aufhänger für ein Geschichts- und Sittenbild der damaligen Zeit, wie es zwar auch Mehring vorschwebte, sehr satirisch, den Leuten den Spiegel vorhalten. Allerdings wem will Castorf den Spiegel vorhalten? Damals war die Geschichte zu frisch, heute ist sie schon wieder nicht mehr wirklich bekannt, da fühlt sich keiner mehr so richtig angesprochen. Das Integrationsproblem wird nur nebenbei gestreift, das aber vieles von früher heute wieder genau so zu trifft, glaubt eigentlich keiner, wenn er den lustigen Jux auf der Bühne sieht. Wie in Karikaturen von Grosz und Zille bewegen sich die Schauspieler Bärbel Bolle, Marc Hosemann, Maria Kwiatkowsky, Mex Schlüpfer und Volker Spengler in verschiedenen Rollen über die Bühne. Bolle und Spengler brillieren dabei als Potsdamer Generalsehepaar von Stechow und Marc Hosemann und Mex Schlüpfer legen so ziemlich alle möglichen Reichswehr-Soldatennummern hin, die man sich vorstellen kann. Es werden jede Menge Witze und Freikorpsanekdoten zum Besten gegeben. Mehring war ja auch kein Kind von Traurigkeit, man nähme da nur sein satirisches Gedicht „Der Coitus im Dreimäderlhaus“.
    In epischen Einsprengslern über Berlins Scheunenviertel mit dem sich z.B. Dieter Mann als Dr. Müller etwas schwer tut oder das über den von Marc Hosemann dargestellten Ernst von Salomon einen der Rathenauattentäter und den Freicorpsmärtyrer Leo Schlageter, das im Eisenbahnwagen ins Baltikum zerschrieen wird, lässt Castorf bildgewaltig deutsche Geschichte Revue passieren. Das hätte man sich so im Detail auch sparen können, etwas weniger ist da oft mehr. Wen es interessiert, der kann ja im sehr interessanten Programmheft nachlesen. Allerdings ist das für Unbeleckte fast schon zu empfehlen, sonst kann man irgendwann nicht mehr folgen. Wie nun Karl Radek mit seinen nationalbolschewistischen Phantastereien über Schlageter da auch noch rein passt, kommt allerdings in der Inszenierung nicht mehr vor. Die Schauspieler geben sich jedenfalls reichlich Mühe und das lustige Fangespiel zu Anfang des zweiten Teils zwischen Marc Hosemann, dem hinkenden Mex Schlüpfer und Margarita Breitkreiz als Femestammtisch in Ku-Klux-Klan-Verkleidung wird mit Sicherheit in die Volksbühnenanalen eingehen.
    Es wird aber alles in allem ein eher zäher Abend, dennoch durchaus nicht uninteressant, wenn man sich für die Geschichte der Weimarer Republik interessiert. Castorf lässt tatsächlich nichts aus und es braucht schon etwas Vorbildung, um auch folgen zu können. Zum Schluss kommt Kaftans Tochter Jessi mal von Margarita Breitkreiz und dann wieder von Maria Kwiatkowsky, auch mal auf einer Flak reitend dargestellt, nicht im Pogrom um, aber man begibt sich wieder in Richtung Osten. Das Bild vom Grunewald gibt ein Schild mit der Aufschrift „Juden sind in unseren deutschen Wäldern nicht erwünscht“ frei aber der nächste ist schon in den Spuren des Kaftans auf der Suche der 100 Dollar. „Berlin kochte. Ein Ort der Extreme, (…) Berlin war mal eine kalte und eine heiße Stadt, jetzt ist sie cool geworden.“ verkündet Frank Castorf im Programmheft. Diesen Zusammenhang kann er uns in seiner Inszenierung aber nicht wirklich vermitteln.

  • Sasha Waltz mit „Continu“ und Isabelle Huppert mit „Un Tramway“ bei der „Spielzeit Europa“ im Haus der Berliner Festspiele

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    Sasha Waltz eröffnete am 11.11.10 mit „Continu die „Spielzeit Europa““

    Nachdem „Continu“ schon im Juni zu den Züricher Festspielen zu sehen war, kam Sasha Waltz nun zur Eröffnung der „Spielzeit Europa“ mit ihrem neuen Tanzstück zur Berlin-Premiere. Eine Fortführung ihrer Museumsbespielungen sollte es sein. Waltz spricht vom Kreislauf von Leben und Sterben in der Natur, Begierde und Verlangen in zwischenmenschlichen Beziehungen, vom zu weit gehen und starken Frauenfiguren. Sie hat dazu einen zweigeteilten Abend eingerichtet.
    In Berlin nun hat Sasha Waltz die Abfolge der beiden Teile des Abends geändert. Sie beginnt mit dem meiner Meinung nach schwächeren weißen Teil, bis auf den sehr körperlichen Solopart am Anfang, der einen Tänzer ihrer Gruppe in fast artistischen Verrenkungen zeigt und das Ausloten des Existentiellen ihrer Aussage gut verkörpert. Danach gibt es Gruppenformationen auf einer weißen Papierfläche. Aus der Gruppe heraus bilden sich immer wieder Paare, die diese Spielfläche und den Raum erkunden und sogar die Wände hochgehen. Irgendwann wird das Papier in Spiralen beschrieben, dann lehrt sich Bühne immer mehr und die Papierbahn wird über die verbliebenden Tänzer geschlagen. Danach ist Pause.

    Wahrscheinlich wirkte das aber irgendwie angeklebt in der ersten Version, denn der zweite schwarze Teil ist wesentlich kräftiger und auch sehr düster und bedrohlich. Die Choreografie hat etwas Archaisches, fast Diktatorisches, wenn zur gewaltigen Musik von Edgar Varèses „Arcana“ die Einzelnen aus der Gruppe Ausbrechenden immer wieder eingesogen werden und die Gruppe sich duckt und in Wellen durch den Raum gleitet. Als wenn es da etwas Überirdisches gäbe, an das die Tänzer gekoppelt sind, wie die drei Figuren die wie Marionetten an langen Fäden von der Decke hängen. Alles in allem ist das sehr klassisch von der Choreografie bis zu den Kostümen und der Musik. Es war eine durchaus beeindruckender Abend, aber irgendetwas fehlte, eine Linie, ein klares Konzept. Die minutenlange symbolische Exekution der Tänzer zum Schluss entlässt einen doch etwas ratlos. Ein Überlebender und der Schütze fliehen aus dem Saal, die Türen zu schlagend, ohne Möglichkeit einer Erlösung. Dadurch verliert nicht nur der erste Teil seine Kraft.

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    Der Klempner von der Champs-Élysées – „Un Tramway“ mit Isabelle Huppert in einer Inszenierung von Krzysztof Warlikowski nach „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams in einer Bearbeitung von Wajdi Mouawad

    In Krzysztof Warlikowski Version von Tennessee Williams „A Streetcar Named Desire” hält die Straßenbahn Sehnsucht an der Champs-Élysées in Paris. Er hat für die Inszenierung am Théâtre de l’Odéon den Kinostar Isabelle Huppert gewinnen können. Zu Beginn sitzt sie auf einem langen Laufsteg der die Bühne quert und drückt gequält erste Worte aus ihrem vollen Mund. Eine schon von Anfang an zerstörte Person die in Warlikowskis Bearbeitung des Williams-Stücks ein Opfer von sexuellen Obsessionen der Männer ist. Unbewusst erinnert man sich an die vielen Darstellerinnen die man im Lauf der Zeit auf deutschen Bühnen in der Rolle der Blanche DuBois sehen konnte. Zum Beispiel Susanne Lothar, Emanuela von Frankenberg, Maren Eggert oder erst letztens Jule Böwe an der Berliner Schaubühne und Wiebke Puls an den Münchner Kammerspielen. Nicht zu vergessen natürlich Silvia Rieger in Frank Castorfs „Endstation Amerika“ an der Berliner Volksbühne. Diese Rolle ist immer eine Herausforderung für eine Schauspielerin emotional an ihre Grenzen zu gehen. In Castorfs Stück-Zertrümmerung ist Blanche ein Opfer eines rohen Unterschichtenmachos. Die Vergewaltigung erfolgte in einem riesigen Lotterbett, das sich mit der Bühne heben und senken konnte.

    Nicht so bei Warlikowski, seine Bühne ist fast aseptisch rein. Eine langgezogene Sanitärzelle, hinter Glaswänden zeigt den geliebten Rückzugsort von Blanche, darunter verlaufen Bowlingbahnen, die auch mal von Stan und Mitch benutzt werden. Die Wohnungseinrichtung besteht wieder aus einem Bett und einer modernen großen Couchgarnitur mit Tisch, der polnische Klempner hat sich einen gewissen kleinen Wohlstand erarbeitet. Obwohl Warlikowski den Stücknamen auch ändern musste, bleibt die Geschichte doch erkennbar, an Castorf erinnern nur die Videos und die Länge. Unter 2,5 Stunden macht es auch Warlikowski nie. Wer sein über 4-stündiges Opferdrama (A)pollonia gesehen hat, konnte wissen, was ihn erwartet. Auch in „Un Tramway“ fügt Warlikowski mehrere Werkzitate anderer Autoren ein und unterbricht das Spiel immer wieder mit Gesangseinlagen der großartigen Sängerin Renate Jett, die auch die Nachbarin Eunice spielt.

    Castorf hatte einen weiteren Star, den Stan des begnadeten Henry Hübchen. Bei Warlikowski ist die Inszenierung ganz auf Isabelle Huppert zugeschnitten, wie eine abgehalfterte Diva im Glitzerfummel stöckelt sie über die Bühne und trinkt Stan, gespielt von Andrzey Chyra, den Kognak weg. Sie zieht alle Register ihres Könnens, erst abwertend tritt sie dem Polaken gegenüber, dann kindlich losgelöst tanzt sie zu einer rockigen Version des Pulp-Hits „Common People“, der tapsige Mitch des Yann Collet ist ihr nicht gewachsen und braucht auch mal Boxhandschuhe zur Gegenwehr. Erst langsam wird ihre letzte Hoffnung von der Intrige Stans zerstört. Andrzey Chyra spielt den Stan als kalten, berechnenden Chauvi, kein ungebildeter Prolet, seine Gewaltausbrüche finden hinter der Bowlingbahn statt, wo er Stella, treuherzig dargestellt von Florence Thomassin, schlägt oder Blanche schließlich vergewaltigt.

    Die Frau im Geschlechterkampf zwischen Suche nach Selbstbestimmung und Unterlegenheit, so wie in den Zwischenstücken von Oscar Wilds „Salome“ oder in dem klagenden Chanson von Eric Carmen „All By Myself“, immer wieder dargebracht von Renate Jett. Sehr passend auch die Geschichte der Kugelmenschen aus Platons „Symposion“, dort vorgetragen vom Komödiendichter Aristophanes zu Ehren des Gottes Eros. Die einst vereinten Geschlechter wurden von Zeus geteilt und irren nun umher mit der Sehnsucht, sich mit ihrem verlorenen Teil wieder zu vereinen. Zum Finale gibt es eine Popversion von Monteverdis „Combattimento di Tancredi e Clorinda”, die Kreuzfahrersaga über den ungleichen Kampf zwischen dem christlichen Ritter Tancredi und der muslimischen Prinzessin Clorinda mit dem Text des italienischen Renaissancedichters Torquato Tasso, in dem Tancredi seine Geliebte unwissend aus Versehen tötet. Blanche ist hier dann auch zwangsläufig unterlegen und dem Wahnsinn anheim gegeben, ein Opfer ihrer unstillbaren Sehnsucht und sexueller Begierden nicht wie bei Williams eines der Unterschiede der Klassen und des Niedergangs der Kultur durch Neid und Gier. Warlikowskis überfrachtet seine wie immer bildgewaltig Inszenierung mit zu viel Bedeutung. Das wurde dann auch mit einigen Buhs aus dem Publikum quittiert, viel Beifall gab es aber für Isabelle Huppert und ihre grandiose Darstellung der Blanche.

  • Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes am Deutschen Theater Berlin

    Roland Schimmelpfennigs vereinfachte Weltsicht in der Regie von Martin Kušej

    Peggy Pickit ist eine barbieähnliche Plastikpuppe, die nicht richtig steht und deren Glieder man verbiegen kann, um sich an ihr abzureagieren. Sie möchte gerne mit einer Holzpuppe aus Afrika sprechen, die aber nichts verstehen will und sie doof findet. Kindermund tut Wahrheit kund, an diese alte Weisheit hat sich der Erfolgsdramatiker und Sieger des diesjährigen Mülheimer Dramatikerpreises Roland Schimmelpfennig erinnert und nimmt diese Puppen symbolisch für die Unfähigkeit zweier Paare sich die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Maren Eggert eine aus dem Kreis der Protagonisten, wird immer wieder auf Knien vor diesen Puppen liegen, die als Geschenke für die Kinder gedacht sind, um im kindlichen Ton die vergebliche Annährung der Welten zu verdeutlichen. Diese zwei Paare in Schimmelpfennigs neuem Stück, dass schon beim Luminato Festival 2010 in Toronto Kanada uraufgeführt wurde, treffen sich nach sechs Jahren zu einem Wiedersehensabend, der von Anfang an in einer Katastrophe enden soll, was er dann auch folgerichtig tut.
    Liz und Frank, dargestellt von Maren Eggert und Ulrich Matthes, haben ein normales Leben mit Kind, Haus und Garage gelebt, das von Sophie von Kessel und Norman Hacker gespielte Paar Carol und Martin ist nach Afrika gegangen und hat das getan, wovon viele immer nur reden, sie haben als Ärzte vor Ort gearbeitet. Der Anfang ist ein Abspulen von Plattitüden und Klischees, man hat sich lange nicht gesehen und lügt sich Floskeln ins Gesicht. Der Clou an Schimmelpfennigs neuem Stück soll sein, das die Figuren immer wieder aus ihren Rollen aussteigen und erzählen, was sie wirklich denken und von einander halten. Das ist aber auf Dauer schrecklich redundant und langweilig. So weiß man von Anfang an wo der Abend hinlaufen wird. Die Daheimgebliebenen haben Vorurteile und Entschuldigungen, die Wiedergekehrten Belehrungen und Schuldzuweisungen. Die einen haben sich eine wohlbehütete Existenz aufgebaut, die anderen stehen wieder in der Heimat vor dem nichts und fühlen sich um ihr Leben betrogen.
    Zwei unterschiedliche Lebensentwürfe prallen hier aufeinander, die Gutmenschen, die einen Scheck ausfüllen und Briefe an eine Person, die sie damit zu unterstützen glauben schreiben und die Desillusionierten, die das unabänderliche Elend vor Ort selbst erlebt haben. Verschärfend kommt hinzu, das die vermeintlichen Helfer, selber in Zweifel und Schuld verstrickt sind, nach und nach kommt zu Tage, das sie beide in Afrika fremdgegangen sind und sich so auseinandergelebt haben. Martin wird dann noch in einer Art Parabel die Geschichte der westlichen Hilfe erklären, als ein Missverständnis von einem der sich aus persönlicher Betroffenheit und Liebe zu einer afrikanischen Frau zum Weltenretter emporschwingt und dann zwar erfolgreich aber enttäuscht vor den Scherben seines ursprünglichen Begehrens steht.
    Soweit der Plot von Schimmelpfennig, der auf einem schmalen Grat zwischen Drama und Banalität wandelt, letztendlich aber dann doch in Betroffenheitskitsch abkippt. Als Liz erfährt, das Carol und Martin, das Kind, das die beiden in Afrika angenommen haben und das sie mit Geld unterstützt hat, in den Kriegsunruhen dagelassen haben, bricht ihre heile Welt endgültig zusammen und die Probleme, die sie mit der Gleichgültigkeit von ihrem Mann Frank hat, brechen sich Bahn. Dazu fällt dann Müll aus dem Bühnenhimmel. Warum in letzter Zeit immer wieder Zivilisationsmüll als Bild für das Versagen der westlichen Welt herhalten muss, weiß Gott allein und die BSR. Nachdem dann alle Contenance gefallen ist und die Puppen auf dem Müllberg gelandet sind, stapfen die Protagonisten noch einmal suchend durch eben jenen, bis sich alles in einer Entschuldigungsarie von Frank entlädt. Er hat doch nichts getan, beteuert Frank und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Im Hintergrund läuft durch ein monotones Geräusch gestört die Live-Aid-Melodie. Allerdings ist das als große Dramatik zu wenig, und wer sich da ertappt fühlt, hat bestimmt schon den Überweisungsschein für Unicef oder Brot für die Welt ausgefüllt.
    Schimmelpfennig nimmt sich nach seiner preisgekrönten Parabel von Grille, Ameise und chinesischem Zahn mit einem eher dürftigen Text eine geistige Auszeit und die hochdotierten Schauspieler sowie der Regisseur Martin Kušej in seiner ersten Inszenierung fürs DT sind sichtlich unterfordert mit diesem platten Stück Weltsicht. Ulrich Matthes spielt seine Rolle aus den Kindern der Sonne einfach weiter, es wäre nicht verwunderlich wenn Katharina Schüttler anstatt Maren Eggert um die Ecke biegen würde, Sophie von Kessel kommt wahrscheinlich geradewegs von einem Filmset über einen UN-Blauhelm-Einsatz und wenn Norman Hacker mal die Hände aus der Tasche bekommt, dann nur um nach einem neuen imaginären Drink zu greifen. Letztendlich kommt lediglich ein weiteres Drama bürgerlichen Elends auf die Bühne des Deutschen Theaters, das Gesicht Gottes als fremde afrikanische Fratze zeigt wieder mal nur die Hilflosigkeit des Westens gegenüber den Problemen dieser Welt.

  • Miss Piggy küsst den Arsch Gottes

    Ein deutsches Stoßgebet

    Lieber Lammert mach mich fromm
    Das ich in den Himmel komm.
    Wie im Himmel, so auf Erden
    Nur mit Glauben kann es werden.
    Lieber Gott mein Herz ist rein
    Lass mich in den Himmel rein.
    Und den guten Ackermann
    Schau nicht mehr so böse an.
    Guttenberg mit Deinem Segen
    Sichert uns auf allen Wegen.
    Ist er auch ein kleines Licht
    Vergiss den Westerwelle nicht.
    Macht das Volk auch mal Theater
    Sende Frieden lieber Vater.
    Doch das eine sag ich Dir
    Verschon mich bitte mit Hartz IV.
    Nimm die armen Kinderlein
    Doch ganz schnell zu Dir herein.
    Bankenschirm und Kopfpauschale
    Sparpaket dann zum Finale
    Täglich wir uns daran laben
    Danke für die milden Gaben.
    Lieber Gott so wahr ich bin
    Schütze unsre Kanzlerin.
    Amen

    Und Gott antwortet:

    Liebe Piggy gib doch Ruh
    Habe grad die Augen zu.
    Du bist spät mit Deiner Bitte
    Und seit gestern schon die Dritte.
    Seehofer und Westerwelle
    Hocken auch auf meiner Schwelle.
    Deine Angie hab ich schon
    Täglich hier am Telefon.
    Selbst die Oppositionäre
    stören ständig meine Sphäre.
    Du bist lange noch nicht dran
    Piggy, stell Dich hinten an.
    Es ist traurig aber wahr
    Kommt ihr nicht alleine klar?
    Bin beschäftigt, in der Tat
    Denn es tagt der Aufsichtsrat.
    Sind die Bitten noch so klein
    Alles will bezahlet sein.
    Englein hier und Englein da
    Hab genug vom Trallala.
    Wie auf Erden, so im Himmel
    Nervt mich ständig das Gebimmel.
    Immer nur der gleiche Trott
    Hab mich gern, Dein lieber Gott.

  • Große Vielfalt in den zahlreichen Nebenreihen des 20. Festivals des osteuropäischen Films in Cottbus

    Vielfältigste Beiträge zu den unterschiedlichsten Themen gab es dieses Jahr in den vielen Nebenreihen des Filmfestivals. Traditionell war Russland neben den zwei Wettbewerbsbeiträgen auch diesmal wieder stark vertreten. Und so ist die erste Anlaufstelle der Russische Tag „Russky Den“ am Mittwoch. Hier fielen vor allem zwei Filme auf. In AUSGLEICH (KOMPENSATSIYA) von der Regisseurin Vera Storozheva, die schon mit dem zauberhaften Film REISE MIT HAUSTIEREN vor drei Jahren in Cottbus abräumen konnte, machen sich zwei Schwestern nach dem Tod der Mutter auf die Suche nach ihrem Vater, der sie vor Jahren wegen einer anderen Frau verlassen hatte. Nach zehn Jahren hat er sich mittlerweile ein komplett neues Leben aufgebaut und eine neue Familie mit einer kleinen Tochter. Da er die beiden Schwestern nach einer flüchtigen Begegnung erst nicht zu erkennen scheint, entschließt sich die ältere der beiden, die neue Schwester kurzerhand zu kidnappen und einen finanziellen Ausgleich für die Jahre ohne ihren Vater zu verlangen. Für den Vater bricht nun seine scheinbar heile Welt zusammen, durch die indiskreten Fragen eines durchgeknallten Ermittlers erfährt er von der Affäre seiner jetzigen Frau, es läuft nun eine grotesk satirisch anmutende Maschinerie von Verzweiflung und Verletzungen ab. In der Zwischenzeit entwickelt sich aus dem erst ablehnenden Verhältnis der Schwestern untereinander eine gewisse Solidarität. Nachdem sie von einem Fahrradfahrer angefahren wird, gerät die ältere der Schwestern in eine merkwürdige WG von jungen Sängern, beim Hören eines christlichen Madrigals erwacht das Gewissen in ihr und sie erkennt sichtlich ergriffen, dass Rache nicht das richtige Mittel ist und entschließt sich die neue Schwester frei zu lassen. Nach einem Showdown mit Autoverfolgung endet das Drama aber gerade noch einmal gut für die neu zueinanderfindende Familie. Die poetische Tiefe von „Reise mit Haustieren“ kann Vera Storozheva hier nicht wieder erreichen, aber ihr gelingt eine recht gute Zustandsbeschreibung der heutigen russischen Gesellschaft.

    Kein Happy End gibt es in dem Film von Jurij Bykov ZU LEBEN (ZHIT). Der Jäger Mikhail trifft unverhofft mitten in der russischen Weite einen Mann, der vor einer Gruppe Krimineller flieht. Gemeinsam sind sie nun als ungleiches Paar aneinander gebunden, der eine aus Unkenntnis des Weges, der andere da er körperlich nicht in der Lage wäre Widerstand zu leisten. Erst sehr langsam entwickelt sich eine kleine Solidargemeinschaft. Nachdem Andrei erzählt, das er eigentlich zu diesen Kriminellen gehört und es um Leben und Tod geht, da er die Regeln verletzt hat, ist Mikhail verzweifelt, da er am Leben hängt und zu seiner Familie zurück will. Aber es gibt kein Entrinnen, in einem verlassenen Dorf werden die beiden schließlich gestellt und Mikhail vor die Entscheidung zu leben oder das Schicksal von Andrei zu teilen. Er entscheidet sich letztendlich für das Leben, zu einem sehr hohen Preis. In eindrucksvollen, düsteren Bildern stellt Bykow harte existentielle Fragen ohne die Spur eines Auswegs offen zu lassen. Der Film läuft noch einmal in Berlin innerhalb der Russischen Filmwoche vom 24. bis zum 30. November 2010. Dort läuft dann auch zur Eröffnung der russische Blockbuster und Oscarkandidat KRAI von Alexey Uchitel.

    Das „Spektrum“ zeigte dieses Jahr vor allem Beiträge aus Ungarn und Tschechien. Die Filme WALKING TOO FAST von Radim Špaček, TRÄUMER von Jitka Rudolfová aus Tschechien und WOMB vom bekannten ungarischen Regisseur Benedek Fliegauf waren wohl nicht gut genug für den Wettbewerb. Der Film VESPA, ein abenteuerliches Roadmovie über junge Roma in Südungarn, von Diana Groó konnte aber immerhin noch den DIALOG-Preis für die Verständigung zwischen den Kulturen abräumen.

    Der polnische Film hat nun seine eigene Sparte mit dem „Polskie Horyzonty“. Hier liefen einige Kurz- und 2 Langspielfilme. Der Film DIE SCHLINGE von Wojciech Jerzy Has aus dem Jahre 1957 zeigt 24 Stunden im Leben eines Alkoholikers, der vergeblich versucht mit dem Trinken aufzuhören. In VENEDIG von Jan Jakub Kolski verwirklicht sich 1939 der Junge Marek seinen Traum von einer Reise nach Venedig im überfluteten Keller eines alten Landhauses zur Zeit des Überfalls Deutschlands auf Polen. Die Spiele der Teenager werden mit der harten Realität des Krieges und dem Mord an den Juden konfrontiert. In fast magischen Bildern erzählt der Regisseur über die Macht der Träume und das jähe Ende einer Kindheit. Den erstmals vergeben Deutsch-Polnischen Jugendfilmpreis U18 bekam der polnische Film ALLES WAS ICH LIEBE von Jacek Borcuch über die Geschichte einer Jugendpunkband 1981 in Polen, eine Art Romeo und Julia in den Zeiten von Solidarnosc und Kriegsrecht. Der Film ist übrigens auch die polnische Oscar-Hoffnung. Einen Abend mit polnischen Bands gab es dazu auch noch im Cottbuser Glad-House.

    Tradition sind auch immer wieder deutsche Filme im Programm des Filmfestivals. In diesem Jahr gab es eine von der Medienjournalistin Karin Fritzsche kuratierte Retrospektive „Hüben & Drüben“ mit Filmen der Filmhochschule „Konrad Wolf“(HFF) aus Potsdam-Babelsberg und der Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb) Berlin. Neben den Filmen von Helke Sander DIE ALLSEITIG REDUZIERTE PERSÖNLICHKEIT – REDUPERS und Kurzfilmen u.a. von Holger Meins OSKAR LANGENFELD 12 MAL, Volker Koepp SOMMERGÄSTE BEI MAJAKOWSKI und Thomas Heise WOZU DENN ÜBER DIESE LEUTE EINEN FILM? war ein bemerkenswerter Dokumentarfilm aus dem Jahre 1981 von Johann Feindt zu sehen. In seinem preisgekrönten Diplomfilm DER VERSUCH ZU LEBEN hält der Absolvent der dffb Berlin den Alltag in der Notaufnahme des Urban-Krankenhauses Berlin-Kreuzberg in groben s/w-Bildern fest. Wenn man es nicht wüsste, ist hier ein direkter Ost-West-Unterschied kaum spürbar. Alkoholiker und einsame alte Menschen gab ist hüben wie drüben. Feindt hält die Kamera konsequent drauf, erst bei der Einlieferung eines U-Bahn-Unfallopfer schreckt er vor der Härte der Bilder zurück. Er hatte bevor er an die dffb ging selbst dort als Medizinstudent in der Notaufnahme gearbeitet. Der Nähe des Regisseurs zum Metier ist es zu verdanken, das sich die Ärzte und Schwestern, sicher noch geprägt durch die Freiheit und Hoffnung der 70er Jahre, vor der Kamera öffnen und über ihre Träume und Probleme sprechen. Selbst die eingelieferten Alkoholiker und Drogensüchtigen erzählen bereitwillig aus ihrem Leben. Einige der Protagonisten hat Feindt im Nachhinein noch zu Hause besucht. Es entsteht so eine unglaublich realistische Dokumentation des Westberliner Alltags im Kreuzberg der frühen 80er Jahre, den es heute so überhaupt nicht mehr gibt. Ein Bericht vom Rande der Gesellschaft der im Vergleich zu heutigen Verhältnissen zeigt, das sich die Illusionen der Helfer von damals über ihren Job nach wie vor nicht erfüllt haben.

    Einer der herausragendsten Filme des Festivals war mit Sicherheit der Abschlussfilm nach der Preisverleihung in der Cottbuser Stadthalle. Der Film von Oscar-Preisträger Danis Tanović (No Man`s Land) ZIRKUS COLUMBIA, an dem auch diesmal wieder die Oscar-Hoffnungen Bosnien-Herzegowinas hängen, mit dem Star aus den Filmen UNDERGROUND und IRINA PALM Miki Manojlović zeigt eine Kleinstadt in der Herzegowina im Sommer 1991 in der kurzen Zeit zwischen dem Zusammenbruch Jugoslawiens und dem Beginn des Bosnienkrieges. Divko kehrt nach 20 Jahren aus Deutschland zurück und nutzt seine alten Seilschaften zum neuen Bürgermeister, um seine ehemalige Frau Lucija mit dem gemeinsamen Sohn Martin aus dem Haus werfen zu lassen, da er sich einst von ihr verraten fühlte. Mit seiner neuen jungen Geliebten Azra zieht er ein und versucht mit Geschenken den Sohn, einen leidenschaftlichen Hobbyfunker, auf seine Seite zu ziehen. Mit seinem Geld um sich werfend, lässt Divko die ganze Stadt nach seiner entlaufenen Glückskatze Bonny suchen. Hin- und Hergerissen zwischen dem alten System verkörpert durch den väterlichen Freund der Mutter, einem Offizier der jugoslawischen Armee und dem alten kommunistischen Bürgermeister sowie anderseits seinem Freund, dem Sohn des neuen Bürgermeisters und der ersten Liebe zur sich vernachlässigt fühlenden Freundin des Vaters, kann Martin sich erst nicht entscheiden. Erst als die Anzeichen des beginnenden Nationalismus bei der Gruppe um den Bürgermeister sichtbar werden und seine Mutter nach Deutschland fliehen will, bezieht er Stellung und warnt die Kaserne vor dem Überfall der Nationalisten. Da Martin nun gefangen genommen wird, wandeln sich auch die Ansichten des Vaters, der in Frieden in der Heimat seinen Lebensabend genießen wollte. Nach der Befreiung können Martin und Azra nach Deutschland fliehen. Lucija bleibt bei Divko, ihre alte Liebe ist neu entbrannt. Im Hintergrund sieht man schon den näher kommenden Krieg mit einschlagenden Granaten. Danis Tanović ist ein großer Film über kleine ganz persönliche Schicksale während des Krieges in Ex-Jugoslawien gelungen, mit viel Witz packt er nach NO MAN`S LAND (2001) wieder dieses schwere Thema an.

    Nach der Preisverleihung ging es wie jedes Jahr wieder zur Abschlussparty ins Glad-House. Die Band MALA VITA heizte mit Songs rund um den Balkan allen Gästen ordentlich ein. Der 21. Jahrgang des Filmfestivals in Cottbus findet vom 01.11.2011 bis zum 06.11.2011 statt.

  • Das 20. Festival des osteuropäischen Films stellte den Fokus auf die ganze Welt

    Nicht ein spezielles Land oder eine Region standen wie sonst im Fokus des Festivals, sondern die globalisierte Welt an sich und die mit ihr verbundene Migration von Osteuropäern. Sogar bis nach Indien führte die Reise, im Film DASVIDANIYA lernt ein an Magenkrebs erkrankter indischer Buchhalter die Lust an der Liebe von einer russischstämmigen Prostituierten und kann versöhnt mit sich und seinem Bruder vom Leben Abschied nehmen. Der Soundtrack steht einem richtigen Bollywoodfilm in nichts nach.

    Weitere gute Filme kamen aus Niederlanden mit DUSKA, einer kleinen Satire über einen weltfremden Filmkritiker, der durch einen penetranten osteuropäischen Bekannten in die Welt eines ukrainischen Dorfes gerät, und mit einem Spionagetriller aus Frankreich. In AKTION FAREWELL gerät ein französischer Ingenieur (Guillaume Canet) Anfang der 80er Jahre wider Willen in eine Spionageaffäre um einen desillusionierten KGB-Offizier, der mit sensationellen Informationen den eisernen Vorhang einreißen will, aber mit seinen unorthodoxen Mitteln das Gefüge der Geheimdienste in Unordnung bringt und letztendlich der allgemeinen Staatsraison geopfert wird. In der Hauptrolle war der serbische Regisseur Emir Kusturica zu sehen und William Dafoe und Fred Ward (herrliche Karikatur des schauspielernden Präsidenten Ronald Reagan) als amerikanische Gegenspieler sowie in weiteren Nebenrollen Alexandra Maria Lara, Diane Kruger, Benno Fürmann und Thomas Schmauser.

    Die Einwanderung nach Israel wurde in zwei Filmen thematisiert. In dem tragikomischen Roadmovie THE HUMAN RESOURCES MANAGER (Oscarkandidat Israels) begleitet ein Personalchef einer Bäckerei in Jerusalem die sterblichen Überreste einer bei einem Bombenanschlag getöteten Angestellten nach Rumänien. In DIE EINZELGÄNGER nimmt der israelische Regisseur Renen Schorr den Aufstand russisch-stämmiger Soldaten der Golani-Brigade in einem Militärgefängnis im Jahre 1997 zum Anlass, um über Rassismus und Brutalität in der israelischen Armee zu erzählen. Die auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte zweier Russen, wandelt Schorr geringfügig ab. Bei ihm werden die Soldaten wegen angeblichem Waffenverkaufs an die Hamas verurteilt und mit anderen israelischen Soldaten zusammengesperrt. Er besetzt die Hauptrollen mit zwei Laien, die sehr überzeugend die Zerrissenheit der beiden zwischen russischer Tradition und Loyalität dem israelischen Staat gegenüber darstellen können. Im harten Gefängnisalltag werden sie immer wieder von den Wärtern und anderen Gefangenen ausgegrenzt, gequält und erniedrigt. Nur ihre bedingungslose Freundschaft und der Glaube an eine Rehabilitierung bewahrt sie davor zu zerbrechen. Um eine Berufung zu erreichen, nehmen sie Aufseher und Mitgefangene als Geiseln. Erst die Offenbarung des einen der beiden Freunde die gestohlenen Waffen nur für eigene Schießübungen benutzt zu haben, um ein besserer Soldat zu werden und dem anderen, der seine Waffe tatsächlich verloren hatte mit einer neuen aushalf, kann eine Wandlung bei den israelischen Wärtern bewirken, die sie erst für wahre Verräter gehalten hatten. Die Geiselnahme geht zwar unblutig aus, aber eine Rückkehr in die Armee bleibt beiden dennoch versagt.

    Aus Polen kam der Kurzfilm HANOI-WARSCHAU, der die Reise einer jungen Vietnamesin nach Warschau erzählt, wo ihr Freund wartet, der illegal auf einem Vietnamesenmarkt arbeitet. Mai Ahn wird mit anderen Vietnamesen durch Schlepper in einem Laster über die ukrainische Grenze nach Polen gebracht. Vom Fahrer vergewaltigt und im Wald zurück gelassen, kann sie schließlich mit einem polnischen Pärchen im Auto nach Warschau gelangen. Dort findet sie ihren Freund bei der Fremdenpolizei, er will sie aber nicht erkennen, da eine Preisgabe des wahren Namens die Abschiebung zur Folge haben kann. Ihre ehrliche Naivität steht gegen das System der Selbstverleugnung, um im Schutz der Anonymität die menschenunwürdige Einreisepraxis zu unterlaufen. Der Film erhielt den „Special Award zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“.

    Im Anschluss lief der bemerkenswerte halbstündige Dokumentarfilm ERZÄHLUNGEN VOM VERLORENEN der jungen israelischen Regisseurin Yael Reuveny. Ihre Suche nach dem im Holocaust verloren gegangenen Bruder ihrer Großmutter führte sie bis in den südbrandenburgische Ort Schlieben im ehemaligen Bezirk Cottbus. Dort war Feivke Schwarz in einem Zwangsarbeiterlager interniert und bliebt nach dem Krieg im Ort, nannte sich Peter, heiratete und wurde HO-Verkaufsstellenleiter. Unter konsequenter Verleugnung seiner Vergangenheit legte er eine Bilderbuch-DDR-Biografie hin. Yael Reuveny sucht aber nicht vorrangig nach Erklärungen, sondern fragt ganz behutsam die Menschen in Schlieben nach ihrem Verhältnis zu Peter Schwarz. In diesen Gesprächen offenbaren sich ganz nebenbei die übliche Verdrängung des Holocaust, Nachfragen über die Vergangenheit waren einfach Tabu, latente Vorurteile Fremden gegenüber aber auch der ganz normale Umgang mit einem total integrierten Menschen. Bei der Freundin von Peters Frau kann Reuveny in das Familienalbum schauen. Die Bilder zeigen ein völlig normales Familienleben, die Rührung ist ihr ins Gesicht geschrieben. So unglaublich das alles klingt, akzeptiert doch die Regisseurin letztendlich diese Lebensentscheidung des Bruders ihrer Großmutter, wird aber das Thema nicht ruhen lassen und in einen Langfilm weiterverarbeiten. Yael Reuveny bekam dafür den Cottbus Discovery Award und den DEFA Förderpreis der DEFA-Stiftung.

    Schließlich gab es noch Beiträge zur Rückkehr von emigrierten Osteuropäern in ihr Heimatland und die Schwierigkeiten die dabei auf der Suche nach der eigenen Identität entstehen. In DAS VERGRABENE LAND des englischen Regisseurs Geoffrey Alan Rhodes kommt eine junger Regisseur in seine bosnische Geburtsstadt zurück, um einen Dokumentarfilm über die unter grünen Hügeln entdeckten Pyramiden zu drehen. Er bewegt sich völlig abgehoben durch die Szenerie seiner ehemalige Heimatstadt und versteht nicht die eigentlichen Gefühle und Probleme der Einheimischen. In einem monumentalen Kitschfinale mit Folklore und Massenaufstellungen der Bewohner auf dem Hügel der Sonnenpyramide glaubt er die Stimmung der alten Mythen einfangen zu können. Erst seine alte Freundin kann ihn wieder auf den Boden der Realität zurückbringen und motivieren sich auf das wirklich Wesentliche zu konzentrieren. Der Film wirkt leider etwas künstlerisch bemüht und vermittelt nicht wirklich glaubhaft Motivation und Wandlung des Protagonisten. 81 Minuten experimenteller Kunstwillen können auch sehr lang sein.

    Alles in Allem konnte der diesjährige Fokus „globalEast“ die hoch gesteckten Erwartungen an die Behandlung der Ost-West-Problematik im Film nach 20 Jahren Mauerfall aber erfüllen. Das System osteuropäische Thematiken mit Hilfe westlicher Koproduktion aufzugreifen hat sich trefflich weiterentwickelt. Der Fokus im nächsten Jahr wird sich wieder mit regionalen Problemen diesmal im Grenzgebiet zu Deutschland beschäftigen.

    wird fortgesetzt