Der Anrufbeantworter springt immer wieder an, Stimmen in türkischer Sprache fragen wiederholt nach Hakan. Aber Hakan wird nicht ans Telefon gehen. Warum eigentlich nicht? Regisseur Hakan Savaş Mican stellt sich diese Frage zu Beginn seines als szenische Installation bezeichneten Doku-Stückes On my way home über das Schicksal der sogenannten Koffer-, Pendel- oder Sommerkinder der ersten ArbeitsmigrantInnen, die seit den 1950er und 60er Jahren aus Italien, Griechenland, der Türkei oder auch Ex-Jugoslawien nach Deutschland kamen.
Hakan Savaş Mican fragt sich auch noch anderes. Zum Beispiel: „Warum fühle ich mich nirgends zu Hause?“ Obwohl als Sohn türkischer Einwanderer 1978 in Berlin geboren, wuchs er bei der Großmutter in der Türkei auf, bis er 1997 zum Studium wieder nach Deutschland zurückkehrte. Aber immer noch plagt ihn das Gefühl nicht anzukommen. Woher kommt diese Unruhe und Rastlosigkeit?
Der Theaterregisseur ist nun den schweren Weg wieder zurückgegangen in die eigene Kindheit und hat in Gesprächen mit anderen Betroffenen nach den Ursachen dieser Gefühle gesucht. Stellvertretend für Tausende dieser Kinder, die zwischen den Ländern und Kulturen, mal bei den Eltern, mal bei Verwandten oder Tagesmüttern aufwuchsen, hören wir Interview-Schnipsel mit Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, die aber eines eint, dass sie längere Zeit ohne ihre Eltern leben mussten.
Veranstaltungsplakat On my way home – Foto: St. B.
Der Theatersaal des Ballhaus Naunynstraße ist weitestgehend leergeräumt. Das Publikum sitzt an den Rändern. In der Mitte steht ein Flügel, an dem Musiker Enik zur Klaviermusik emotionale Balladen singt und Geräusche sampelt. Vom Band kommt später auch der alte Bluesklassiker „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“. Dazu sorgen Videoprojektionen von Landschaften, privaten Kinder- und Familienbildern sowie Möwen und Meer als Sehnsuchtsverstärker an den Wänden für einen schönen Gedankenflow. Die Schauspieler Eva Bay und Dejan Bućin performen teils die Interviewparts, daneben werden immer wieder Originaltöne vom Band eingespielt.
Die Griechin Sonja ist eine, die in ihrer Kindheit und Jugend viel hin und her geschoben wurde. Erst mit 40 hat sie selbst ein Kind bekommen. Sonja erzählt von ihren Zweifeln, der Tochter die Liebe schenken zu können, die sie selbst nicht erfahren hat. Der ruhige Edin scheint dagegen seinen Frieden mit der Vergangenheit gemacht zu haben, obwohl er als 12-14jähriger viel Wut empfand. Mit Yoga und Meditation versucht er die negativen Gedanken los zu werden. Für ihn gibt es heute nichts, was vollkommen perfekt ist.
Krunoslav ist bei seinem Großvater in Jugoslawien aufgewachsen. Er erzählt relativ emotionslos von seiner Kindheit auf dem Land. Ihm hat im Rückblick nichts gefehlt. Der Interviewer Hakan beneidet Krunoslav fast um seine Gelassenheit. Aber immer schwingt in den recht rationalen Berichten des mittlerweile als Ingenieur in Deutschland arbeitenden Krunoslav die Erkenntnis mit, dass es ja irgendwie weitergehen musste, auch ohne die Eltern.
Schließlich reist Hakan in die Türkei zu seiner Familie. Länger redet er mit seiner älteren Schwester Aysil, die sich in der Abwesenheit der Eltern viel um die jüngeren Geschwister kümmern musste und dabei nie richtig Zeit hatte, selbst Kind zu sein. In längeren Gesprächen, die in Ausschnitten wieder vom Band kommen, wird klar, dass auch den Eltern durchaus bewusst war, wie es ihren Kindern ging. Aber sie wollten eben ihr Bestes, Bildung und ein anderes Leben als das ihre. Nur dass das, was sie nach Hause schickten, keine familiären Bindungen ersetzten konnte.
Trotz allem überwieg bei den Kindern neben dem Gefühl der Hilflosigkeit und Wut, die man auch erinnert, der Respekt für die aus schwierigen Situationen heraus zum Arbeiten nach Deutschland gegangenen Eltern. Bei aller persönlicher Emotionalität, die in den Berichten der Interviewten liegt, ist Hakan Savaş Mican aber mit dem sparsamen Einsatz der Theatermittel ein überzeugender Abend gelungen, der nie sentimental wirkt und doch auch die ganz großen Gefühle freilegt.
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On my way home
von Hakan Savaş Mican
Ballhaus Naunynstraße (5.9.2014) Regie: Hakan Savaş Mican Ausstattung: Sylvia Rieger Video: Benjamin Krieg und Hakan Savaş Mican Musik: Enik Sounddesign: Vicki Schmatolla Dramaturgie: Tunçay Kulaoğlu Mit: Eva Bay und Dejan Bućin
Uraufführung: 2. September 2014
Weitere Termine: 8.-9.9.2014, 20 Uhr / 7.9.2014, 19 Uhr
„In unserer digitalisierten Welt, die meist vor zweidimensionalen Bildschirmen stattfindet, ist dieser unmittelbare Moment, virtuell glaubwürdig zu agieren, ohne sich in einer virtuellen Realität zu befinden, Auftrag und Herausforderung des Theaters.“ Thomas Ostermeier in: Zukunft des Theaters. (Veröffentlicht in: TEXT + KRITIK. Zeitschrift für Literatur. Sonderband. Zukunft der Literatur. München 2013) – Text (c) Schaubühne
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Die Berliner Schaubühne in der Spielzeit 2014/15 Foto: St. B.
Entgegen der Ost-Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz steht die Schaubühne am Lehniner-Platz, tief im alten Westen gelegen, nach der letzten Spielzeit nicht so gut, wie zu Anfang noch erwartet. Anders kann man den stark verminderten Premierenoutput sein Anfang des Jahres nicht deuten. Es ging nach einem sommerlichen, leider leicht verregneten Ausflug Ende August 2013 mit Constanza Macras (Forest: The Nature of Crisis) in den Berliner Müggelwald noch relativ locker mit einer Shakespeares-Inszenierung von Marius von Mayenburg (Viel Lärm um Nichts) und Patrick Wengenroths Fassbinder-Adaption Die bitteren Tränen der Petra von Kant in die Spielzeit 2013/14. Die erreichte ihren Höhenpunkt dann allerdings bereits im Dezember mit Michael Thalheimers außergewöhnlicher Inszenierung von Molières Tartuffe mit Lars Eidinger in der Hauptrolle. Ein Jesusdouble mit strähnigem Langhaar und Hassprediger von Gottes Gnaden.
Der Intendant der Schaubühne, Thomas Ostermeier, wollte mit Überraschungs-Neuzugang Nina Hoss und Rückkehrer Mark Waschke im Januar gleichziehen. Seine Little Foxes, ein alter Broadway-Klassiker von Lillian Hellman, waren aber zu handzahm und glatt inszeniert, als dass sie wirklich überraschen konnten. Statt harscher Kritik an Gier und Neoliberalismus nur wenig wirklich „elaboriertes Vokabular für unsere politischen Wirklichkeiten“ (Originalzitat Ostermeier). Eher musikalisch aufgepeppter Mainstream, zur allgemeinen Massenverwertung freigegeben. Danach herrschte große Leere und Ratlosigkeit an der Schaubühne. Friederike Hellers Inszenierung von Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti musste im März abgesagt werden. Dagegen stehen kleinere Achtungserfolge für die Schauspielstudierenden im Studio mit Brechts Heiliger Johanna der Schlachthöfe sowie Video-Ästhetin Katie Mitchel und Duncan Macmillan mit Atmen, der einzigen Uraufführung der Schaubühnensaison. Eine weitere Inszenierung von Thomas Ostermeier kam nicht mehr zu Stande.
Foto: St. B.
Auch das Festival Internationale Neue Dramatik F.I.N.D. im April mit der letzten Premiere der Spielzeit, 2666 von Roberto Bolaño in der Regie des Spaniers Àlex Rigola, geriet da allgemein zu brav. Das scheint zu wenig für eine rundum gelungene Spielzeit, wenn man sich derlei hohe Ansprüche an politische wie ästhetische Wirkung gleichermaßen setzt, wie es Thomas Ostermeier in seinem Beitrag zur Zukunft desTheaters für die Zeitschrift TEXT + KRITIK formuliert. Oder Dramaturg Bernd Stegemann in seiner Streitschrift Kritik des Theaters, in der er für ein neues Künstlertheater plädiert, befreit von Zwängen bürokratischer Natur und finanziell bedingten Rechtfertigungen. Für die Umsetzung dieser Überlegungen scheinen sich die Schaubühnenmacher nun eine Art kreative Auszeit genommen zu haben.
Die Institution des Stadttheaters mit dem allgemeinen deutschen System der öffentlichen Subventionierung scheint sich für den renommierten Theaterwissenschaftler Hans-Thieß Lehmann allerdings auf Dauer überlebt zu haben, wenn sie auch nicht gleich von heute auf morgen verschwinden wird. In seinen Ausführungen übers Tragische (Tragödie und dramatisches Theater) betont Lehmann, dass das Tragische Theater „nicht selbst bloß ein ästhetischer Effekt sein“ sollte, sondern sich die Institution Theater immer wieder selbst in Frage stellen muss. „Politisch ist das Theater, wenn es unsere Kategorien verunsichert. (…) Es geht um die Überschreitung, um den Exzess.“ stellte Lehmann Ende August in einem Interview mit der Berliner Zeitung fest. Das deckt sich, selbst wenn man es an der Schaubühne nicht immer sieht, in etwa auch mit den Aussagen des Intendanten Ostermeier und seines Dramaturgen Stegemann.
Die neue Spielzeit an der Schaubühne – Foto: St. B.
Man kann nicht wirklich sagen, dass die Schaubühne vor den Problemen der Realität die Augen verschließt. Anregende Podiumsdiskussionen zu politischen und ästhetischen Fragen im Rahmen des sogenannten Streitraums prägen das Selbstverständnis des Hauses am Lehniner Platz, wie es auch die eigentlichen Bühnen-Inszenierungen sollten. Der Streitraum 2014/15 wird sich auf die Suche nach der Demokratie begeben. Öffentlichkeit in Zeiten sozialer Netzwerke und das Misstrauen gegenüber Politik und totaler Überwachung. Die Krise der Demokratie als doppelte Krise der Repräsentation in Gesellschaft und auf dem Theater. Ein Interessantes Thema. Was die neue Spielzeit in dieser Hinsicht bringt, wird man dann ja sehen.
Geplant sind jedenfalls Drama, Tragödie und Komödie gleichermaßen. Wobei das Hauptaugenmerk in der neuen Spielzeit tatsächlich mehr auf dem ernsten Sektor liegen dürfte. Nach einem Ausflug ins Komische mit Patrick Wengenroth und Büchners Leonce und Lena, stehen u.a. Richard III. von William Shakespeare, inszeniert von Thomas Ostermeier, und die Tragödie Ödipus der Tyrann (Sophokles/Hölderlin) in der Regie von Romeo Castellucci auf dem Programm. Castellucci hatte schon mit seiner Hölderlin-Interpretation des Hyperion Ästhetik und Gewalt miteinander verbunden. In Shakespeares Königsdrama geht es für Thomas Ostermeier um Macht, Moral und den Verfall von politischen Eliten.
Gewalt und Ästhetik an der Schaubühne Foto: St. B.
Weiter auf dem Programm stehen Prosawerke von Thomas Bernhard und Christa Wolf. Regisseur Philipp Preuss gestaltet im Studio mit Das Kalkwerk einen Soloabend für den Schauspieler Felix Römer in den Fußstampfen des Holz fällenden Sepp Bierbichler. Für die Inszenierung des Romans Der geteilte Himmel aus den 1960er Jahren der DDR kehrt Armin Petras im Januar 2015 aus Stuttgart nach Berlin zurück. Bereits im November inszeniert Jan Philipp Gloger Ödön von Horváths Theaterstück Kasimir und Karoline und Zeitgenössisches gibt es noch mit den an der Schaubühne bereits gut bekannten Autoren Falk Richter, Rafael Spregelburd und Lars Norén. Zusammen mit der Choreografin Nir de Volff stellt Falk Richter erneut einen Mix aus eigenen Texten und Tanz auf die Bühne. Premiere von NEVER FOREVER, einem Stück über untote Online-Großstadt-Krieger, ist am 9. September. Hausautor Marius von Mayenburg führt im März 2015 mal wieder Regie bei der Deutschen Erstaufführung von Spregelburds Stück Luzid. Die zweite Inszenierung von Thomas Ostermeier im Mai 2015 ist mit Nachtwache eine Fortsetzung von Noréns Drama Dämonen. Die Spielzeit schließt im Juni Michael Thalheimer mit einem Klassiker Maxim Gorkis, dem Sozialdrama Nachtasyl.
Fortsetzung folgt…
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Katie Mitchel inszeniert an der Berliner Schaubühne mit The Forbidden Zone ein feministisch-pazifistisches Statement zum Krieg der Männer in ästhetisch schönen Bildern.
Abschließend gilt es noch von der ersten Premiere der neuen Spielzeit an der Schaubühne zu berichten. Das bereits bei den Salzburger Festspielen Ende Juli uraufgeführte Stück The Forbidden Zone von Duncan MacMillan unter Verwendung von Zitaten von Hannah Arendt, Simone de Beauvoir, Mary Borden, Emma Goldman und Virginia Woolf inszenierte Regisseurin Katie Mitchell in ihrem gewohnten Stil als live gedrehtes Bühnenfilmdrama. Eine eindrucksvolle Demonstration der Kraft der Bilder und Sieg der Ästhetik über das Thema. Die Kunst dominiert hier in einer Weise das Drama, dass die eigentlich erwünschte Verunsicherung der Sehgewohnheiten des Publikums, mittels der Verfremdung durch eine Sichtbarmachung des Schaffensprozesses der Kunst, einer gut funktionierenden Gefühlsmaschinerie aus perfekten Bildern und dramatischen Elementen weicht.
The Forbidden Zone – Foto: Stephen Cummiskey
Im Grunde geht es um die Kriegsgreuel die im Laufe der Weltgeschichte immer wieder von Männern geplant und verübt werden. An denen Frauen aber weder einen direkten noch geistigen Anteil haben. Die ausgewählten Zitate der genannten Künstlerinnen und Frauenrechtlerinnen bezeugen dies in eingesprochenen Passagen. In der Zeit des Ersten Weltkriegs waren Frauen noch von den meisten Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, durften weder wählen, noch hatten sie politische oder wirtschaftliche Macht. Das Drama um die Folgen der Erfindung des Giftgases für den Kriegseinsatz durch den jüdisch-deutschen Chemiker Fritz Haber gipfelt hier schließlich in einer doppelten menschlichen Tragödie. Habers Frau Clara Immerwahr, eine ebenfalls promovierte Wissenschaftlerin, kann sich nicht gegen ihren Mann durchsetzen, der die Treue zum Vaterland über die Menschlichkeit und die Verantwortung des Wissenschaftlers stellt. Auch Rolf Hochhuth benutzte diese Geschichte bereits 1990 für sein Drama Sommer 14 – Ein Totentanz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg forscht Claire, die Enkelin Habers, in den USA an einem Gegenmittel. Sie sieht sich hier in der direkten Verantwortung. Nachdem die Gelder zu Gunsten der Atomwaffenforschung abgezogen werden und sie aus der Zeitung erfährt, dass das Giftgas des Großvaters Grundlage für Zyklon B und somit für die Vernichtung der Juden war, gerät sie in eine tiefe persönliche Krise. Beide Frauen nehmen sich aus Ohnmacht gegenüber der Tatsache, nicht eingreifen zu können, das Leben. Das verdichtet Katie Mitchel in einem minutenlangen psychischen Kampf der beiden Frauen, deren Schicksale sich auf der Leinwand immer wieder überschneiden. Die Spielszenen werden direkt in dafür originalgetreu nachgebauten Kulissen auf der hinteren Bühne und einem auseinanderschiebbaren Eisenbahnwagon im Vordergrund gedreht.
The Forbidden Zone an der Schaubühne Foto: St. B.
Ein weiteres Bindeglied bildet die Liebesgeschichte eines französischen Soldaten, der durch einen Giftgasangriff schwer verwundet wird, und einer Krankenschwester. Hier diente das Buch The Forbidden Zone der anglo-amerikanischen Schriftstellerin Mary Borden als Vorbild, aus dem auch Luk Perceval für seine Weltkriegspolyfonie FRONT am Thalia Theater Hamburg zitierte. Zusammen ergibt das ein Geflecht aus pazifistischen und feministischen Statements, angedeuteter Feindseligkeit und Übergriffigkeit in den Szenen zwischen Claire und einem amerikanischen Soldaten im Zug sowie einer filmisch erzeugten dramatischer Spannung. Letztendlich tritt die eigentlich gewünschte „affektive und mentale Erschütterung“ der Tragödie (gemäß Hans Thies Lehmann) wieder hinter einen gezielt erzeugten ästhetischen Effekt zurück. Das Stück erzeugt zwar ein gewisses Unwohlsein (und das ist durchaus gut so), fügt aber in seiner schaurig schöne Art dem üblichen, normierten Weltkriegsgedenken nicht allzu viel hinzu.
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The Forbidden Zone
von Duncan MacMillan Regie Katie Mitchell Videoregie Leo Warner Bühne Lizzie Clachan Kostüme Sussie Juhlin-Wallen Video Design Finn Ross Sound Design Gareth Fry, Melanie Wilson Übersetzung Vera Neuroth Dramaturgie Nils Haarmann, David Tushingham Licht Jack Knowles
Mit:
Ruth Marie Kröger… Clara Haber
Felix Römer… Fritz Haber
Jenny König… Claire Haber
Andreas Schröders… Wissenschaftler
Laurenz Laufenberg / Giorgio Spiegelfeld… Soldat
Cathlen Gawlich / Kate Duchêne… Krankenschwester, Wissenschaftlerin
Sebastian Pircher… Amerikanischer Soldat
Kamera Andreas Hartmann, Stefan Kessissoglou, Sebastian Pircher
Frank Castorf ist ja schon in Teil 1 der Vorberichterstattung zur neuen Spielzeit in den Berliner Stadttheatern erwähnt worden. Er wird sich außerhalb von Berlin wieder Hans Henny Jahn (Deutsches Schauspielhaus Hamburg) und Brechts Menschenvernichter Baal (Residenztheater München) widmen. Was er für sein eigenes Haus, die BerlinerVolksbühne mit der Inszenierung Kaputt – Tour de force européenne nach Malaparte bereithält, ist aber wie immer noch gut gehütetes Geheimnis. Der deutschstämmige italienische Schriftsteller und Journalist Curzio Malaparte (Kurt Erich Suckert) erregte großes Aufsehen mit seinem 1944 erschienen Roman Kaputt, der in seinen reißerischen Schilderungen der Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs durchaus auch faschistische Züge trägt. Nach dem Krieg wandte sich Malaparte dann dem Kommunismus zu. Castorfs neue Roman-Adaption wird demnach wohl eine Fortsetzung in der Auseinandersetzung mit zwiespältigen Künstlerpersönlichkeiten wie Limonow oder Celine sein.
Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz – Foto: St. B.
Für einiges (Miß)Vergnügen sorgte kürzlich ein Artikel des Literaturchefs der Welt-läufigen Tageszeitung gleichen Namens. Tilmann Krause degradierte darin Castorf ganz stiefmütterlich zum kleinkarierten Vorgartenzwerg der Nation Ost. Krause hatte sich da wohl im Resort geirrt, als er fälschlicherweise den Grünen Hügel in Bayreuth beackerte. Sein als Polemik getarntes Essay in der Welt, geriet zum Tief- und Rundumschlag nicht nur gegen das seiner Meinung nach auf eine DDR-Fixierung beschränkte Theater von Regisseuren mit Ostbiografie, sondern auch noch unfairer Weise gegen völlig unbeteiligte Schriftsteller wie Volker Braun und Christoph Hein, deren Theaterstücke leider immer seltener auf deutschen Bühnen zu finden sind. Gerade kleinere Ostbühnen machen sich da immer wieder einen Namen mit Neuinszenierungen ihrer Roman- und Bühnenwerke. Dieser unqualifizierte Ausfall Krauses offenbart aber nur erneut den niederen Horizont und eine selbst in höchstem Maße kleinkarierte Weltsicht der bürgerlichen Springerpresse.
Nach Frank Castorfs Ausflug im Sommer 2013 nach Bayreuth zu Wagners heiligem Grünen Hügel, wo er dann den Ring nicht einfach in den Sand, sondern bis über die Ellenbogen in das den kapitalistischen Weltmotor schmierende Erdöl setzte, hatte man mit einer kleinen Rekonvaleszenz in der letzten Spielzeit gerechnet. Dem war nicht so. Castorf, produktiver denn je, stellte ganze fünf Inszenierungen auf die großen Bühnen der Wiener Burg, des Residenztheaters München und der heimischen Volksbühne. Einladungen zum Theatertreffen im Mai waren die Folge. Regisseur Castorf und auch die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz stehen so gut wie seit Jahren nicht mehr. Neben dem Intendanten sind René Pollesch (Glanz undElend der Kurtisanen) und Herbert Fritsch (Ohne Titel Nr.1) die Garanten dieses Erfolges. Lediglich die vierte Stütze im seit Jahren eingespielten Männerquartett der Berliner Volksbühne, Martin Wuttke, schwächelte mit seiner Balzac-Adaption Trompe l’amour auf Grund einer beruflich bedingten Selbstüberschätzung.
Glamour, Glanz und Elend mit Balzac an der Volksbühne 2013-14 – Foto: St. B.
Die zum Ende der letzten Volksbühnensaison ausgefallene Pollesch-Premiere von Cruel to be Kind wird nun unter dem Titel House for sale die neue Spielzeit am Rosa-Luxemburg-Platz eröffnen. Die ursprüngliche Inszenierung von René Pollesch zum Zitat „I must be cruel only to be kind” aus Shakespeares Hamlet (In dt. Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel: „Zur Grausamkeit zwingt bloße Liebe mich.“, was den Kern der Aussage natürlich nur bedingt poetisch trifft.) wird nun voraussichtlich mit den Drei Schwestern von Tschechow verschnitten, wenn man die Vorankündigung der Volksbühne richtig deutet. Mit Sicherheit gibt es aber den üblichen philosophischen Pollesch-Mix aus Liebe, Leben und Glauben in Zeiten des Kapitalismus. Zitat: „Mir scheint, der Mensch muss gläubig sein oder muss nach einem Glauben suchen, sonst ist sein Leben leer, leer…“ In Keiner findet sich schön, einer weiteren Uraufführung von René Pollesch im Juni 2015, geht es natürlich auch wieder um sein ewiges Thema Liebe und Körper.
Voll wird die Volksbühne dann sicherlich wieder bei einem neuen Streich von Komödienregisseur Herbert Fritsch. Er bringt im Februar 2015 mit Der die Mann Texte von Konrad Bayer auf die Bühne. Der mit erst 32 Jahren nach heftiger Kritik durch die Gruppe 47 1964 freiwillig aus dem Leben geschiedene österreichische Schriftsteller und Dandy dürfte mit Sicherheit die dadaistische Blödellust von Herbert Fritsch angeregt haben. Nachdem sich Fritsch bereits mit einer sogenannten Oper in der Volksbühne beschäftigt hat und im Februar mit Don Juan sogar einen Ausflug an die Komische Oper Berlin wagt, wird sich auch René Pollesch im März 2015 dem Genre zuwenden. Der Titel, der von Dirk von Lowtzow (Sänger und Gitarrist der Band Tocotronic) komponierten Oper mit Texten von René Pollesch, steht aber noch nicht fest.
Keine abgetragenen Lumpen. Die Volksbühne setzt weiter auf Bewährtes – Foto: St. B.
Außerdem wird es eine Rückkehr von Christoph Marthaler nach Berlin geben. Neben Letze Tage. Ein Vorabend, einer Übernahme von den Wiener Festwochen 2013 an die Staatsoper im Schillertheater, wird sich der Schweizer Regisseur im Oktober mit Tessa Blomstedt gibt nicht auf – Ein Testsiegerportal zur elektronischen Kontaktaufnahme in die Weiten der Daten-Profile auf Partneranbahnungsportalen begeben. Denn nur entdeckt und angeklickt werden, heißt auch, begehrt zu sein. Der mit Villa Verdi bereits in der letzten Spielzeit an die Volksbühne zurückgekehrte Choreograf Johann Kresnik ehrt mit Die 100 Tage von Sodom den vor 200 Jahren gestorbenen Marquis de Sade und passend zur Ausstellung PASOLINI ROMA im Martin Gropius Bau den italienischen Filmregisseur Pier Paolo Passolini. Der nächste Rückkehrer, Videoschnipsler Jürgen Kuttner, beschäftigt sich im Dezember mal wieder mit Geschichte. Ach Volk, du obermieses ist eine Revue am Bülow-Wessel-Luxemburg-Platz.
Den Regie-Männern zwischen 50 und 75 hat Frank Castorf in der neuen Spielzeit nur noch zwei jüngere Regisseure entgegenzusetzen. Das ewige Volksbühnentalent Sebastian Klink, der mit Der Sandmann nach E.T.A. Hoffmann vor zwei Jahren auf der großen Bühne noch scheiterte, bekommt nun mit einer Adaption des 2013 unter dem Titel Blutsbrüder wiederaufgelegtem Romans des relativ unbekannten Autors Ernst Haffner aus dem Jahr 1932 eine neue Chance. In Jugend auf der Landstraße Berlin beschrieb der nach 1938 spurlos verschollene Haffner das harte Leben einer Gruppe obdachloser Jugendlicher. David Marton wird mit Pelleas und Melisande ein Schauspiel mit Gesang nach Maurice Maeterlinck inszenieren. In Das Schottenstück. Konzert für Macbeth, seiner letzten Inszenierung für die Volksbühne, rückte Marton mit der Lady Macbeth, dargestellt von der grandiosen Lilith Stangenberg, zumindest mal eine starke Frauenfigur in den Mittelpunkt.
Der Osten leuchtet am Rosa-Luxemburg-Platz. La Cousine Bette in der Regie von Frank Castorf – Foto: St. B.
Nach seinem Ausflug zu den Frauenfiguren der französischen Literatur mit Balzacs La Cousine Bette kehrt Frank Castorf aber lieber wieder zu Dostojewskij zurück. Er erneuert seine Zusammenarbeit mit den Wiener Festwochen (Juni 2015) und tritt mit Die Brüder Karamasow in Konkurrenz zu Luk Percevals Inszenierung am Thalia Theater Hamburg aus dem Jahr 2012. Premiere an der Volksbühne ist dann im November der übernächsten Spielzeit. Castorf sitzt also weiter fest im Sattel. Er wird sich nicht wie sein Alter Ego Baumeister Solness vor jungen Nachwuchstalenten verstecken und die Tür der Volksbühne zu halten müssen. Castorfs selbstironische Ibsen-Inszenierung am Ende der letzten Spielzeit ist eine direkte Antwort an die nicht enden wollenden Nachfolgediskussionen von Journalisten, die schon das Ende seiner Intendanz für das Jahr 2016 sehnsüchtig herbeischreiben. Die Männerbündler an der Volksbühne bleiben demnach weiter unter sich. Lediglich Silvia Rieger schlägt im 3. Stock mit der Schriftstellerin Gisela Elsner Fliegeralarm. Trotz der Schlagworte Glaube, Liebe und Hoffnung im Spielzeitmotto glaubt an der Volksbühne wohl auch keiner an die baldige Einsetzung einer weiteren Intendantin in Berlin, neben Shermin Langhoff, die mit dem Maxim Gorki Theater nun sogar eine preisgekrönte erste Spielzeit hingelegt hat. Und das ganz ohne Einladung zum Theatertreffen.
„Nur was uns anschaut sehen wir. Wir können nur -, wofür wir nichts können.“Franz Hessels, aus: Spazieren in Berlin, Leipzig und Wien (1929)
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(c) Ballhaus Ost
Die kleine Berliner Off-Bühne Ballhaus Ost hat sich ein neues Online-Outfit verpasst, und auch die Einschusslöcher im alten Fassadenputz des Hinterhauses in der Pappellalle sind frisch vergoldet. Auffrischung von Stadt- und Kulturgeschichte einer sich im Abstand der Epochen immer wieder aus den Ruinen ihrer Vorgänger runderneuernden Metropole. Berlin ist dann auch Thema der neuen Spielzeit, die am Donnerstag mit der Premiere von Heimliches Berlin, der Adaption eines kleinen Romans des Schriftstellers und passionierten Stadtspaziergängers Franz Hessel (1880-1941), eröffnet wurde.
Einigen Literaturinteressierten ist Franz Hessel vielleicht auch als Verleger und Lektor bei Rowohlt (u.a. für Mascha Kaléko und Joachim Ringelnatz) oder als Freund Walter Benjamins bekannt. Die Dreiecksbeziehung zwischen Hessel, seiner Frau Helen und dem Kunsthändler und Schriftsteller Henri-Pierre Roché diente diesem als Vorlage für den Roman Jules und Jim. Durch Françoire Truffauts Verfilmung aus dem Jahr 1962 wurde die Geschichte unsterblich. Franz Hessel ist außerdem der Vater des französischen Diplomaten, Lyrikers und Essayisten (EMPÖRT EUCH!) Stéphane Hessel (1917-2013).
In Walter Benjamins Rezension zu Hessels Band Spazieren in Berlin, Leipzig und Wien (1929), unter dem Titel Die Rückkehr der Flaneurs selbst zum literarisches Kunstwerk geworden, heißt es: „Baudelaire hat das grausame Wort von der Stadt, die schneller als ein Menschenherz sich wandle, gesprochen. Hessels Buch ist voll tröstlicher Abschiedsformeln für ihre Bewohner. Ein wahrer Briefsteller des Scheidens ist es, und wer bekäme nicht Lust, Abschied zu nehmen, könnte er mit seinen Worten Berlin so ins Herz dringen wie Hessel seinen Musen aus der Magdeburger Straße.“ Diese haben sich, wie so vieles andere, bereits seit Langem unwiederbringlich aus dem Stadtbild Berlins verabschiedet. Trost findet der Suchende nur in der Beschreibung der ewigen Flaneure wie Franz Hessel.
Heimliches Berlin (c) Promo Ballhaus Ost
Passt jenes Zitat aus Hessels „Schauspiel der Flanerie“ zum flüchtigen Berlin auch wesentlich besser – wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge im Ankündigungsfoto zur Inszenierung – ist für den Künstler, und hier im Speziellen den Theatermacher wohl Hessels 1927 erschienener Kurzroman Heimliches Berlin doch weitaus interessanter. Er gibt den Rahmen eines klassischen Schauspiels schon allein durch die szenische Aufteilung und die zeitliche Abfolge eines einzigen Tages vor. Die Renovierung von Hessels Portrait der Berlin-Bohème in den 1920er Jahren übernahm nun Ballhaus-Chef Daniel Schrader höchstpersönlich. Und da besteht natürlich immer die Gefahr der Überstülpung des feingewebten Stoffes mit einer allzu groben, modernen Ästhetik.
Den Sound der modernen Großstadt, die Berlin ja auch während der Goldenen Zwanziger bereits war, produziert zu Beginn Musiker Conrad Rodenberg mittels Schlagzeug und Samples von Autohupen und Telefonanrufern („Hallo Fräulein vom Amt“). Toncollagen des Pulsschlags einer nie schlafenden Stadt. Hessels Bohemiens aus Salons, Kneipen, Bars und Nacht-Varietés feiern einen Kostümball auf der Bühne, die Wieland Schönfelder mit einem kastenartigen Raum ausgestattet hat, über dem sich ein durchsichtiges Gartenhäuschen auf einem Gerüst befindet. Und sie machen sich in seidenen Gewändern, glänzenden Boddies und Tutus zunächst etwas lockerer.
Die Lockerheit des Flaneurs. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Alles ist möglich, nichts wird. Geplant ist ein Ausbruch aus der Enge Berlins, mehr aus Langeweile als aus den Fesseln einer Ehe. Die verheiratete Karola ist verliebt in Wendelin, „ein junger Mensch, dessen Erscheinung die Männer und Frauen seines Bereiches erfreute, ohne daß sie sein Wesen näher nachforschte“. Er stammt aus verarmtem Adel, alles, was er hat, ist seine Wirkung. Und das scheint neben dem – schöne Menschen, Partygänger und Künstler – weiterhin magisch anziehenden Schauplatz Berlin die Parallele zu sein, die Regisseur Schrader wie eine Schablone über seine Inszenierung legt. Das heutige Kunstprekariat hängt den armen Poeten an die Wand.
Ihr Chic, die Noblesse sind nur geborgt oder vom Trödel. Die zehn Mark, die E.I. Eißner, der Inflationsgewinnler und liebevolle Sponsor der ganzen Bagage, in Hessels Buch der mondänen Karola ohne mit der Wimper zu zucken für einen Kindermantel aus weißem Leder spendiert, werden hier schon zum Problem. Heute gibt es keine so bereitwilligen Mäzene und Sponsoren mehr. Die Kreativszene hängt am Tropf der öffentlichen Subvention. Das fängt Schraders Inszenierung sehr gut ein. „Wie kostbar! Aber gar nicht praktisch.“ ruft auch Karolas Schwester Oda einmal beim Anblick der weißen Lederjacke aus. Ein leiser Verweis auf die Hauptpersonen des Romans, Wendelin und Karola, deren Schönheit einzige Daseinsberechtigung scheint. Man kann das durchaus auch mit dem Luxus, sich schöne Kunst zu leisten, gleichsetzen.
Denn nichts ist in Hessels Roman unbedacht oder rein zufällig dahingesagt. Obwohl es meist so wirkt und sich die Plaudereien, z.B. die Erzählung über einen alten Lehnstuhl aus dem Familienerbe der Familie Wendelins, bisweilen ins anscheinend Belanglose ziehen. „Zeitgemäß erzählst du gerade nicht, sondern mehr wie in einer Zeit der Zeit, die noch Zeit hatte.“ Ein abgewandeltes Tucholsky-Zitat aus dem Buch, typisch für diese Zeit, die in völliger Zeitlosigkeit verharrte. Ein anderes der russischen Dichterin Marina Zwetajewa im Pariser Exil der 20er Jahre reklamierte für sich: „Ich habe das Recht, nicht mein eigener Zeitgenosse zu sein.“ Ganz anders als die in hektischer Betriebsamkeit um Anerkennung ringenden und zum Daueroutput gezwungenen Künstler heute.
Der ruhende Mittelpunkt der rastlosen Rasselbande ist der Intellektuelle Clemens, der sich im philosophischen Gespräch mit dem reinen Toren und Narzissten Wendelin versiert gegen den drohenden Verlust seiner Frau Karola behaupten kann. Beide tun das hier dampfplaudernd auf imaginierten Skateboards mit dem obligatorischen Coffe to go oder auch mal einem tollen Smoothie in der Hand. Schröders schöne NarzisstInnen sind Gina Henkel als schlafwandlerische Karola, Wieland Schönfelder als wuseliger Wendelin, Toni Jessen als philosophierender Clemens im Schlafrock, Tina Pfurr als Margot ohne t, Ina Tempel in den Rollen der treuen Oda bis zur Varietésängerin Fancy Freo, und Andreas Klopp gibt den Eißner mit goldglänzendem Gesicht.
Schrader parodiert mit sehr viel Selbstironie die in ihren Projekten verhafteten Kreativtüftler Berlins. Eine Leise Kritik an der schwadronierenden Künstlerbohème schwingt ja auch in Hessels Roman. Gleichzeitig gilt beiden natürlich Schraders Sympathie. Gleichzeitigkeit verheißt auch die schnelle Moderne. Morgens hier, abends da. Allerdings wird das hier zur schrillen Farce und mitunter bloßen Comedy. Hessels Ton treffen der Regisseur und seine Darsteller nicht ein einziges Mal. Alles ist etwas zu laut, zu hektisch, zu hyperventilierend. Wildes Sampling und Soundcollage aus Gegenwart und Vergangenheit will diese Inszenierung sein.
Ist Hessels Roman ein Großstadtmärchen aus anderen Tagen, so ist Schraders Inszenierung eine Zeitreise durch Berlin zwischen Utopie und Nostalgie. Dazwischen liegt das Provisorische, was den Reiz der Stadt Berlin noch immer ausmacht. Arm aber sexy gilt weiterhin als alles anziehende Duftmarke der alten wie neuen Berliner Bohème. Man zieht in die Paris Bar oder singt West-Ohrwürmer wie „Kreuzberger Nächte sind lang“ verschnitten mit dem Ost-Hit „Du hast den Farbfilm vergessen“. Dagegen sind ein alter, verwirrter DDR-Kulturfunktionär auf der Museumsinsel oder Walter Benjamin, den Schrader immer wieder als Sachwalter Hessels bemüht, die reinsten Anachronismen. Der Sturm des Fortschritts treibt den Engel der Geschichte unaufhaltsam in die Zukunft. Die Trümmerhaufen wachsen weiter. Utopische Zustände dauern höchstens 20 Jahre, heißt es. Das vom Roman abweichende Ende wirkt da nur noch angeklebt.
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HEIMLICHES BERLIN (Ballhaus Ost, 28.08.2014)
REGIE: DANIEL SCHRADER
BÜHNE: WIELAND SCHÖNFELDER
KOSTÜME: NINA KROSCHINSKE
MUSIK: CONRAD RODENBERG
DRAMATURGISCHE MITARBEIT: NICOLA AHR
LICHT: VOLKER M. SCHMIDT
MIT: GINA HENKEL / TONI JESSEN / ANDREAS KLOPP / TINA PFURR / CONRAD RODENBERG / WIELAND SCHÖNFELDER / INA TEMPEL
Premiere war am 28. August 2014
Weitere Termine: 4. + 5. 9. / 5. – 7. + 9. 11. 2014
EINE PRODUKTION VON DANIEL SCHRADER / BALLHAUS OST
Denn ach mich trennt das Meer von den Geliebten,Und an dem Ufer steh ich lange Tage,Das Land der Griechen mit der Seele suchend …
(J.W. Goethe, aus: Iphigenie auf Tauris)
(c) Axel Brandt Filmproduktion
PATRIOTINNEN heißt der bewegende Dokumentarfilm der deutschen Regisseurin Irina Roerig, der drei russische Frauen portraitiert, die eine tiefe Liebe zu ihrer Heimat Russland eint, unter der jede aber eigentlich etwas anderes versteht. Am nächsten sind sich da noch die 1969 in Riga (heute Lettland) geborene Sängerin und Poetin Elena Frolowa und ihr großes Vorbild, die 1892 in Moskau geborene Dichterin Marina Zwetajewa. Das Wesen ihrer Liebe könnte man in etwa mit dem vergleichen, was für deutsche Dichter von Goethe über Hölderlin bis Rilke einst so treffend „Das Land der Griechen mit der Seele suchend“ bedeutete. Ihr „Patriotismus“ ist ganz ideeller und was Elena Frolowa betrifft auch spiritueller Natur. Sie fühlte sich nach der Lektüre der, dem Silbernen Zeitalter in der Russischen Literatur zugeordneten Dichterin Marina Zwetajewa („die wichtigste Begegnung meines Lebens“) auch darin bestärkt.
Die Zwetajewa wuchs als Tochter des Kunstprofessors und Begründers des heutigen Puschkin-Museums Iwan Zwetajew sowie der Konzertpianistin Maria Meyn in einem begüterten Haus der sogenannten russischen Intelligenzija auf. Nach einem Literaturstudium an der Pariser Sorbonne und ersten Schreibversuchen war sie bereits mit 18 so etwas wie der Shootingstar der Moskauer Literatenszene. In ihren stark vom Symbolismus beeinflussten Gedichten beschäftigte sich die junge Dichterin immer wieder mit der Liebe, dem Schicksal, Gott, der Seele und dem Tod. Durch die Mutter beeinflusst galten ihre besonderen Vorlieben der deutschen Literatur und griechischen Mythologie. Später in Paris begann die Zwetajewa auch eine kurze leidenschaftliche Korrespondenz mit Rainer Maria Rilke. Der deutsche Dichter widmete ihr eine Elegie, sie schrieb ihm nach dessen Tod das Gedicht Neujahrsbrief.
O Die Verluste ins All, Marina, die stürzenden Sterne!
Wir vermehren es nicht, wohin wir uns werfen, zu welchem
Sterne hinzu! Im Ganzen ist immer schon alles gezählt.
So auch, wer fällt, vermindert die heilige Zahl nicht.
Jeder verzichtende Sturz stürzt in den Ursprung und heilt.
Marina Zwetajewa (1892-1941) (c) Axel Brandt Filmproduktion
Seit 1912 war Marina Zwetajewa mit dem Dichter Sergei Efron verheiratet, der als Offizier der Weißen Armee nach der Oktoberrevolution gegen die Bolschewiki kämpfte. Zwetajewa verbrachte diese Zeit mit den Töchtern Ariadna und Irina mittellos in Moskau. Die jüngere Tochter Irina starb 1919 in einem Kinderheim an Unterernährung. 1922 emigrierten Zwetajewa und Efron über die Stationen Berlin und Prag schließlich nach Paris. Hier blühte die Dichterin kurzzeitig in der russischen Exilgemeinde und Pariser Künstler-Bohème auf. Sie konnte aber nie ganz Fuß fassen und lebte in ihrer eigenen Welt, mehr und mehr isoliert von den russischen Exilanten, die ihr nicht trauten, da sich die Zwetajewa nie eindeutig von der Sowjetunion distanzierte und Briefe an die Schriftsteller Boris Pasternak und Wladimir Majakowski schrieb. „In Russland bin ich ein Dichter ohne Bücher und hier ein Dichter ohne Leser.“
Erschwerend kam hinzu, dass sich ihr Mann Sergei Efron in undurchsichtige NKWD-Geschichten verstrickte. Auch die Tochter Ariadna wand sich schließlich von der Mutter ab und ging 1937 zusammen mit dem Vater zurück in die Sowjetunion. Dort inhaftierte man beide wegen Spionage. Efron wurde 1941 erschossen, Ariadna saß 8 Jahre im Gefängnis. Marina Zwetajewa, die zwei Jahre später allein und völlig mittellos mit dem Sohn Georgi (genannt Mur) in die Sowjetunion zurückgekehrt war, erhängte sich am 31. August 1941 in Jelabuga (heute autonome Republik Tatarstan). Die Sehnsucht nach einer Heimat hatte sich für sie nicht erfüllt und lebte nur in ihren melancholisch-verklärten Gedichten über russische Geschichte und Mythen. Und – hier schließt sich vielleicht auch wieder der Kreis zu Goethes Iphigenie – beschreibt das natürlich auch ein unglückliches, eingeschränktes Leben als Frau und Künstlerin, das schicksalhaft mit dem eines Mannes verknüpft ist.
Pulsadern offen: unaufhaltsam,
Unwiederbringlich sprudelt das Leben,
Teller stellt unter, Schüsseln, Tassen!
Jeglicher Teller: nur ein Gefäßchen,
Selbst Schüsseln: zu eben.
Über den Rand – in die Ebene –
In schwarze Erde, Schilf zu nähren.
Unumkehrbar, unaufhaltsam,
Unwiederbringlich sprudelt der Vers.
Patriotinnen – Foto (c) Axel Brandt Filmproduktion
Der Film erschließt die tragische Biografie der Zwetajewa über die Erzählung der Sängerin Elena Frolowa und kleine inszenierte Spielszenen, die die Dichterin u.a. im Pariser Exil zeigen und nur mit Texten von ihr und der elegischen Musik Frolowas zur Gitarre und Gusli unterlegt sind. Die Musikerin Elena Frolowa fühlt sich wesensverwandt mit der ganz in der Vergangenheit verhangenen Dichterin. „Um in unserem Land Dichter zu werden, muss man überhaupt erst sterben. Ein Lebender hat gar nicht das Recht dazu.“ Sie empfindet ihre Kindheit in Lettland mittlerweile auch als eine Art Exil, aus dem sie nun zurückgekehrt ist.
Mit der schnelllebigen Moderne Russlands hat Frolowa aber nicht viel am Hut. Für die heutige Popmusik fehlt ihr das Verständnis. Da spricht nichts aus der Seele, wie in ihren Liedern. Die Kamera von Axel Brandt folgt der Sängerin in ihre Plattenbauwohnung in Moskau, auf einer Paris-Tournee, aber auch beim Besuch der traditionellen Guslibauerin Tanja Kuprianowa und beim Besuch eines Klosters in die Provinzstadt Susdal, einem berühmten religiösen Zentrum Russlands. Hier auf dem Land fand Elena Frolowa eine neue Spiritualität, die in ihre Texte und die Musik einfließen.
Wie es der Zufall will, hat auch Elenas Mutter Maja Frolowa nach dem Weggang aus Lettland hier ein neues Zuhause gefunden. Als ehemalige Lehrerin und Physikerin, die die Welt eher rational und materialistisch sieht, ist sie so etwas wie der Gegenpart zu den Ansichten der beiden anderen Frauen. Aber auch Maja Frolowa lebt in der Vergangenheit und verklärt in ihren Erinnerungen die ehemalige Sowjetunion. Die neue Spiritualität und Hinwendung zur Religion sieht sie mit sehr viel Skepsis. In der Kirche würde heute jeder nur für sein eigens Seelenheil beten. Der sozialistische Kollektivgedanke der Mutter steht dabei natürlich völlig konträr zum individuellen Dasein der Tochter und Marina Zwetajewas als Künstlerinnen. Trotzdem bezeichnet die Regisseurin im Untertitel ihres Films alle drei Frauen als Heldinnen auf der Suche nach ihrer ganz persönlichen Heimat.
Patriotinnen – Foto (c) Axel Brandt Filmproduktion
Das kann man als Stärke wie auch als Schwäche des Films gleichermaßen auslegen, hier nicht genauer Position zu beziehen und mit den sehr poetischen Bildern an der Verklärung von Mystik und Vergangenheit teilzuhaben. Die Spiritualität der beiden Künstlerinnen wirkt aber sehr authentisch und entspringt vor allem auch einer tief empfundenen Humanität. Letztendlich hat Irina Roerig, die über 10 Jahre das Leben der Frauen mit der Kamera verfolgte, ein ziemlich eindrucksvolles Russlandbild eingefangen, jenseits des im Westen bekannten mit Wladimir Putin und Pussy Riot.
Und wenn dich das Irdische vergaß,zu der stillen Erde sag: Ich rinne.Zu dem raschen Wasser sprich: Ich bin.
(Rainer Maria Rilke, aus: Die Sonette an Orpheus, Zweiter Teil)
http://www.rilke.de/
Die russische Fassung von PATRIOTINNEN hatte bereits am 12. April 2014 auf dem Festival in Kaliningrad Premiere. Im Rahmen der Film-Reihe „Die Russen kommen“ folgte nun am 21. August im Berliner Kino Babylon Mitte die deutsche Erstaufführung des Films. Die deutschen Stimmen lieferten bekannte Schauspielerinnen wie Iris Berben (als Marina Zwetajewa), Katharina Spiering, Ursula Karusseit und Carmen Maja Antoni. Der Film ist noch bis zum 3. September im KINO KROKODIL, Greifenhagener Str. 32 in Berlin-Prenzlauer Berg zu sehen.
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Patriotinnen
D/ RUS 2013, 84 min, DF
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Irina Roerig
Drehbuch: Irina Roerig
Kamera: Axel Brandt
Schnitt: Axel Brandt
Darsteller: Elena Frolowa, Maja Stepanowna Frolowa, Tanja Kuprianowa
Mit den Stimmen von Iris Berben als Marina Zwetajewa
sowie Katharina Spiering, Ursula Karusseit, Carmen Maja Antoni und Bertram von Boxberg Spielszenen
Spielszenen mit: Gabi Herz, Mina Causevic, Isabela Granz, Iris Raschle, Nicole Srock, Martha Weber Lukas Bartsch, Bertram von Boxberg, Johannes Kühl, Helmut Roehrig, Christian Woeltche und den Kindern Marlene und Friedrich
Eine Axel Brandt Filmproduktion, gefördert von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH
Für Vergnügen sorgte kürzlich ein Artikel des Hausmeisters T. Krause in der Welt-läufigen Tageszeitung gleichen Namens. Darin wurde der Intendant der Berliner VolksbühneFrank Castorfstiefmütterlich zum kleinkarierten Vorgartenzwerg der Nation degradiert. Krause hatte sich im Ort und Resort geirrt und fälschlicherweise in Bayreuth den Rasen des Grünen Hügels gemäht. Dabei entdeckte er leider keine Tulpenzwiebeln, geschweige denn das im Programm der Bayreuther Festspiele in Aussicht gestellte Erdöl, sondern nur die Gebeine von Blondie, dem Hund des Führers selig.
Unter seinem Po lehmig, den das Blatt unter der Rubrik „Mein Garten“ abdruckte, beschwerte sich Krause, indem er ein paar pregnante Sätze über die defekte Ring-Rasensprenganlage im Garten des Festspielhauses fallen ließ, er habe sich beim Zusammenfügen der Steck-Bausätze die Finger geklemmt. Der zufällig vorbeikommende Castorf, Regisseur des Bayreuther Rings, erklärte sich auf Anfrage Krauses für nicht zuständig. Woraufhin dieser ihn als einen typischen Fall von beschränkter Kompost-Fixierung betitelte.
Außerdem hieß es, Krause gehe nun mit dem Gedanken schwanger, endlich eine tragende Rolle in der Rasensprengerpresse zu spielen. Aus gut informierten Kreisen war zu erfahren, dass der Ein-Euro-Jobber jetzt in einer von der Arbeitsagentur Hamburg finanzierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme auf Ressortleiter „Grünstreifen“ beim Buxtehuder Wochenblatt umschult.
Wir versenden von hieraus die besten Genesungswünsche.
Das K.I.L.T.-Team
Auf dem Grünen Hügel der Welt. Das Festspielhaus Bayreuth Foto: United States Library of Congress (Wikipedia)
S. v. K., Kalauer Illustrierte Tagesblätter, 27.08.2014
Die Geschehnisse in der georgischen Hauptstadt Tiflis (Tblissi), von denen der Film Die langen hellen Tage erzählt, liegen mehr als zwanzig Jahre zurück. Und dennoch sind sie, gerade auch in Hinblick auf die jüngsten Ereignisse in der Ukraine, aktueller denn je. 1992 war es gerade erst ein Jahr her, dass die ehemalige Sowjetrepublik Georgien ihre Unabhängigkeit erklärt hatte. Was nicht ohne regional aufflammende bewaffnete Kämpfe abging. Parallele zur Ostukraine: Die südkaukasische Region Abchasien strebte damals ihre Unabhängigkeit von der Republik Georgien an. Der Status von Abchasien ist nach wie vor völkerrechtlich umstritten. Georgien verfügt de facto bis heute über keinerlei Staatsmacht in dem autonomen Gebiet.
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Die langen hellen Tage ist aber dennoch kein Film über den Bürgerkrieg, sondern über das Aufwachsen einer Jugend in der postkommunistischen Gesellschaft Georgiens. Gewalt ist auch hier latent immer spürbar. Sie kommt aus dem Radio mit heroischen Berichten vom Krieg, geht weiter durch die Familien und macht auch nicht halt vor den Läden, an denen die Menschen nach dem täglichen Brot anstehen müssen. Inmitten dessen die 14jährigen Mädchen Eka (Lika Babluani) und Natia (Mariam Bokeria), Klassenkameradinnen und unzertrennliche Freundinnen. Der Film zeigt die beiden Teenager immer wieder in der Schule, auf dem Weg nach Hause und in ihren Familien, die sich am Rande des Zerfalls befinden.
Ekas Vater sitzt im Gefängnis, die überforderte Mutter (Ana Nijaradze) schweigt sich über die Hintergründe aus. Der Vater (Temiko Chichinadze) von Natia trinkt und streitet ständig mit der Mutter (Tamar Bukhnikashvili). In der Schule versucht die alte Lehrerin vergeblich, die schwindende Autorität aufrecht zu erhalten. Die Mädchen fliehen immer wieder die bröckelnden Verhältnisse ohne wirkliche Vorbilder und Alternativen. Ihre Rückzugsgebiete sind gemeinsame Nachmittage mit Musik und pubertäre Gespräche über erste Geschichten mit Jungs. Eine Zeit im Wandel, bei der alte Werte auf moderne Vorstellungen über die Liebe prallen. Die Pflege von Traditionen zeigt sich einerseits in Form von alten Tänzen und melancholischen Liedern, Zeichen einer uralten Kultur – anderseits aber auch als Vorboten des Rückfalls in patriarchale Muster.
Die langen hellen Tage – (c) Indiz Film
Die Jungen stellen den Mädchen ungeniert nach, terrorisieren Eka auf dem Heimweg oder entführen sogar die hübsche Natia mit dem Auto. Von Lado (Data Zakareishvili), einem ihrer Verehrer, bekommt Natia eine Pistole geschenkt. Ein verquerer Liebesbeweis, der sich auf die beschriebene Hilflosigkeit der Mädchen beruft. Natia gibt die Pistole an Eka weiter, und die Möglichkeit des Gebrauchs schwebt nun wie eine drohende und sich selbst erfüllende Prophezeiung über den Beiden. Ein Härtetest, der die Freundschaft der Mädchen belastet, aber auch für ein Umdenken bei Eka sorgt. Während sich Natia fast wie selbstverständlich in ihr vorbestimmtes Schicksal einer Zwangsheirat mit dem Entführer Kote (Zurab Gogaladze) zu fügen scheint, entwickelt die zunächst schüchterne Eka eine trotzige Haltung und den Hunger auf eine andere Zukunft.
Der georgischen Regisseurin Nana Ekvtimishvili ist zusammen mit ihrem deutschen Partner Simon Groß ein eindrückliches Portrait einer heranwachsenden Jugend in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs gelungen, das zeigt, wie sich Gewalt, Agonie und Gleichgültigkeit auf die Emanzipation junger Menschen und vor allem junger Frauen auswirken. Ein Film, der aber auch Mut auf einen eigenen Kopf machen will. Die starken, poetischen Bilder dazu liefert der rumänische Kameramann Oleg Mutu, der eigentlich für seine streng schwarz/weiße, fast dokumentarische Kameraführung in den Filmen von Cristian Mungiu (4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage oder Jenseits der Hügel) bekannt ist.
Die langen hellen Tage – (c) Indiz Film
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Die langen hellen Tage (Grzeli Nateli Dgeebi / In Bloom) Georgien/ D/ F 2013, 102 min.
Die Spielzeitpause der Berliner Bühnen neigt sich mal wieder dem Ende. Sie wurde für die an Entzug leidenden Theatersüchtigen ganz gut durch Festivals wie den FOREIGN AFFAIRS, dem TANZ IM AUGUST und natürlich wie immer durch luftig lockeres Open-Air-Theater überbrückt. Auch eine willkommene Abwechslung zur Routine des alltäglichen Einerleis an den hochsubventionierten Theaterbühnen Berlins. Womit wir beim ersten Kritikpunkt der letzten Saison an den fünf Stadttheatern angekommen sind. Es gab weder sehr viel Neues noch wirklich Herausragendes in den Spielplänen der hauptstädtischen Bühnen. Berlin ist auch längst keine Theaterhauptstadt mehr, wie man unschwer beim Theatertreffen im Mai feststellen konnte. Wie es um den Berliner Stadttheaterbetrieb bestellt ist, zeigt eine kleine Rückschau auf die zurückliegende und ein Ausblick auf die kommende Spielzeit.
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Das Deutsche Theater Berlin. Spielzeit 13/14 – Foto: St. B.
Innehalten hieß es noch zum Abschluss der Spielzeit bei den Autorentheatertagen am Deutschen Theater in der Schumannstraße. Aber gerade das immer noch als führende Bühne gehandelte DT ist klarer Stadtmeister im Output. Durchschnittlich drei Inszenierungen feiern hier pro Monat ihre Premiere. Die drei Spielorte wollen ja auch entsprechend bespielt sein. Dabei ist man mal mehr, mal weniger darum bemüht, die einzelnen Produktionen in ein übergreifendes Motto zu pressen. Das lässt sich natürlich nicht immer konsequent durchhalten. In der letzten Spielzeit, in der es um Demokratie und Krieg gehen sollte, vermochten hinsichtlich des gesteckten Rahmens nur die wenigsten der Inszenierungen wirklich zu überzeugen.
Als Vielinszenierer fiel nicht erst in der vergangenen Spielzeit Hausregisseur Stephan Kimmig auf. Nachdem sich nach Michael Thalheimer auch Andreas Kriegenburg als tragender Regisseur des Hauses immer mehr zurückgezogen hat, lastete auf Kimmig bei immerhin vier Inszenierungen eine umso größere Erwartungshaltung. Nach einem Fehlstart mit der Doppelinszenierung Demetrius / Hieron. Vollkommene Welt konnte der auch außerhalb Berlins vielbeschäftigte Regisseur gemeinsam mit einer starken Hauptdarstellerin Susanne Wolff zumindest noch ein relativ schwaches Stück der Niederländerin Lot Vekemans retten. Mit Ismene, Schwester von, dem Münchner Gastspiel Judas und Gift war die Autorin immerhin dreimal im Programm vertreten. Bis auf den umjubelten Judas konnten diese Stücke aber nur durch den Einsatz des DT-Starensembles halbwegs überzeugen.
Am Ende standen noch ein kurz hingelaschter Beitrag zu den Autorentheatertagen und die vielleicht bemerkenswerteste Inszenierung der Berliner Theatersaison zu Buche. Kimmig Inszenierung von Wassa Schelesnowa, Maxim Gorkis Portrait einer Familienbetriebsdynastie im Verfall mit der Ausnahmeschauspielerin Corinna Harfouch in der Titelrolle der unnachgiebigen Patriarchin, war schon eine ziemlich genaue Zeichnung einer kaputten kapitalistischen Gesellschaft, wie sie auch heute noch funktioniert bzw. menschlich dysfunktionalen Abfall produziert. Eine in ihren ausweglosen Bildern verstörende und in ihrer zerstörerischen Konsequenz faszinierende Inszenierung zugleich.
Das DT 2014 war auch Der Löwe im Winter, Regie: Sebastian Hartmann – Foto: St. B.
Nur erwartbare Kunst-Routine herrschte dagegen bei Stefan Pucher, dem Regieduo Kuttner/Kühnel oder den schon genannten Regisseuren Michael Thalheimer und Andreas Kriegenburg. Eher enttäuschend auch die erste Inszenierung vom neu ans DT gerufenen Leipziger Ex-Intendanten Sebastian Hartmann. Nur Milan Peschel konnte in seiner zweiten Regiearbeit am DT ausgerechnet mit einem Gegenwartsstück von Nis-Momme Stockmann in den Kammerspielen punkten. Was wieder mal die These bekräftigt, dass die Überraschungen eher auf den kleineren Bühnen des Hauses zu finden sind.
Junge Regisseurinnen haben es weiterhin nicht gerade leicht am Deutschen Theater. Ihnen bleibt bis auf einzelne Ausnahmen nach wie vor die kleine Ausprobierbühne der Box vorbehalten. Ärgerlich in dieser Hinsicht war dann, dass gerade Jette Steckel ihren besonderen Auftritt auf der großen Bühne mit Das Spiel ist aus von Jean-Paul Sartre verpatzte. In der neuen Spielzeit werden aber Brit Bartkowiak, Daniela Löffner und Jette Steckel neben Neuzugang Nora Schlocker wieder mit am Start sein.
Nach dem schmerzhaften Verlust von Dimiter Gottschef rücken nun immer mehr jüngere Regisseure ins Rampenlicht. Raffael Sanchez, Tilman Köhler, Simon Solberg, Frank Abt und Bastian Kraft mühten sich redlich um neue Regieakzente mit allerdings recht unterschiedlichen Ergebnissen. Der Star unter den Newcomern ist dabei sicher Bastian Kraft, der mittlerweile an einigen deutschen Stadttheatern Fuß gefasst hat. Seine poppigen Regie-Arrangements erinnern zum Teil an Stefan Puchers Breitwandüberwältigungsstil, entwickeln aber wie auch im Besuch der alten Dame durchaus ihren eigenen Reiz. Das kann aber nicht ganz über die ironiesatten Scheinbilder und harmlose Belanglosigkeit vieler Inszenierungen am DT hinwegtäuschen. Unbedingter Kunstwillen mit Starensemble im Hochglanzformat als einzige Antwort auf die brennenden Fragen der Zeit?
Die DT-Kammerspiele im Juni 2014 – Foto: St. B.
Das soll nun anscheinend in der neuen Spielzeit ganz anders werden. Kein ganz so starres Motto mehr. Intendant Ulrich Khuon lässt in den geplanten Inszenierungen den Umgang mit und die Veränderbarkeit von Realität auf der Bühne untersuchen. Dass damit verstärkt wieder ein Augenmerk auf die Gegenwart gelegt wird, lässt da auf eine spannende Spielzeit hoffen. 10 Autoren hat das DT eingeladen, anhand von 10 Schlüsselwörtern die wichtigsten 10 Neuinszenierungen des Hauses zu beschreiben. Ein Wort- und Text-Memory zu eher ambivalent-realen Empfindungen wie ZEIT, WIDERSPRUCH, SCHMERZ, FREMDE, TAUMEL, MUTTER, BEGEHREN, ANGST, FREIHEIT, GOTT.
Starten wollte das DT am 05.09. mit der Beckett-Inszenierung Warten auf Godot, die ursprünglich Dimiter Gotscheff übernommen hatte. In der Regie von Ivan Panteleev hatte das Stück Anfang Juni bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen Premiere. Nach einer Urlaubsverletzung von Wolfram Koch ist die Berlin-Premiere auf den 28.9. verschoben worden. Nun machen Jürgen Kuttner und Tom Kühnel am 11.09. Tabula rasa mit Gruppentanz und Klassenkampf. Carl Sternheim verabschiedete mit seiner Komödie bereits 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, die Ideale der Sozialdemokratie. Nach der Münchner Inszenierung von Aus dem bürgerlichen Heldenleben die zweite Auseinandersetzung von Kuttner/Kühnel mit dem Dramatiker Carl Sternheim und dem deutschen Kleinbürgertum. Was bedeutet es heute links zu sein? Eine Frage, der die Beiden sicher wieder auf gewohnte Weise zwischen Didaktik und Comedy nachgehen werden.
Bewährtes gibt es mit Kleists Amphitryon (Andreas Kriegenburgs zweiter Kleistversuch am DT), Büchners Woyzeck (Regie: Sebastian Hartmann), MolièresDer Geizige in der Regie von Martin Laberenz, dem zweiten Ex(il)-Leipziger am DT, Ibsens Die Frau vom Meer (Regie Stepahn Kimmig) und Schnitzlers Weites Land (Regie: Jette Steckel). Und natürlich darf Geburtstagskind Shakespeare nicht fehlen. Mit Macbeth (Regie: Tilmann Köhler), Was ihr wollt (Regie: Stefan Pucher) und Romeo und Julia (Regie: Christopher Rüping) wird so ziemlich die gesamte Bandbreite des elisabethanischen Dramatikers abgedeckt.
Kein Innehalten in der neuen Spielzeit am DT Foto: St. B.
Das Zeitgenössische Drama ist mit Altbekannten wie Dea Loher und Roland Schimmelpfennig aber auch gefragten jungen Autoren wie Iwan Wyrypajew, Philipp Löhle und Wolfram Lotz ganz gut abgedeckt. Besonders interessant dürfte aber vor allem Stefan Puchers Versuch an Bertolt Brechts frühem Künstlerdrama Baal sein. Erst 2009 scheiterte Christoph Mehler noch recht sportlich in den Kammerspielen. Pucher ist also in guter Gesellschaft und Brecht wieder im Kommen. Auch Volksbühnenchef Frank Castorf greift mal wieder zum proletarischen Dichter und seinem unangepassten Bürgerschreck. Um das zu sehen, muss man allerdings nach München fahren.
Das DT bietet dafür noch eine weitere Überraschung. Gerade erst wurde dem zweimaligen Überquerer der ehemaligen innerdeutschen Grenze Ronald M. Schernikau eine Informationstafel an seinem letzten Wohnort in Berlin-Hellersdorf gewidmet. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls im November widmet Bastian Kraft dem außergewöhnlichen und leider früh verstorbenen Dichter und Schriftsteller an den Kammerspielen mit Die Schönheit von Ost-Berlin eine theatrale Collage. Es ist immerhin schon wieder vier Jahre her, dass das Theaterkollektiv PortFolio Inc. im Theater unterm Dach ebenfalls mit einer Art Collage biografischer Texte zum 50sten Geburtstag an Schernikau erinnerte.
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Das BE im Dornröschenschlaf ? Foto: St. B.
Also wieder einiges los am Deutschen Theater und wenig Zeit zum wirklichen Innehalten. Dagegen fristet das benachbarte Berliner Ensemble seit Jahren einen eher fast schon museal anmutenden theatralen Dornröschenschlaf, aus dem es zumindest kurzfristig durch Leander Haußmanns fulminante Hamlet-Inszenierung erweckt werden konnte. Und ungewöhnlich früh startet das BE auch mit Haußmann in die neue Spielzeit. Im Duell der Nachbarn hat zumindest Claus Peymann terminlich kurzfristig die Nase vorn. Leander Haußmann bleibt dran und bringt nach Hamlet mit Büchners Woyzeck eine weitere getriebene Männerfigur auf die Bühne am Schiffbauer Damm bevor Anfang Oktober Sebastian Hartmann am Deutschen Theater nachziehen kann.
Viel Bemerkenswertes hatte das BE in der letzten Spielzeit allerdings nicht zu bieten. Neben zwei frühen Brechtfragmenten mit ganz unterschiedlichem Erfolg stand ein launiges Alterswerk von Luc Bondy, der Horvaths aus tiefen Augenhöhlen blickenden Kriegsheimkehrer Don Juan (Samuel Finzi) seine liebe Not mit dem weiblichen Geschlecht haben ließ. Zumindest eine einmalige Zusammenführung mehrerer Jahre Theatergeschichte in Gestalt von Schauspielern aus drei Berliner Theatern.
Die Altherrenriege Peymann und Karge teilte sich den Rest der Neuinszenierungen. Wobei Claus Peymann nur einmal und dann noch mit Kafkas Prozeß für das BE eher untypisch einen Roman inszenierte, wogegen Manfred Karge mit Fatzer am Hausheiligen Brecht scheiterte, Bruckners Die Rassen auf der Probebühne aber durchaus ganz passabel gestaltete. Runde Geburtstage von George Tabori und Heiner Müller brachten dann noch einige wenige Glanzpunkte.
Für die neue Spielzeit hat man am Berliner Ensemble noch zwei Komödien-Inszenierungen von Katharina Thalbach (Molières Amphitryon) und Veit Schubert (Shakespeares Zwei Herren aus Verona) sowie einen musikalischen Abend von Franz Wittenbrink in Petto. In Villa Aurora erklingen Lieder aus dem Exil. Gesungen wird mit Sicherheit auch bei Robert WilsonsFaust-Inszenierung im April 2015. Herbert Grönemeyer meets Faust/Mesphisto & friends… steht in der Vorankündigung. Nach Büchners Leonce und Lena die zweite Zusammenarbeit des deutschen Sängers mit dem Texaner Wilson am BE.
Was eine neue Regiearbeit des Hausherren Claus Peymann betrifft, hält man sich am BE wie immer ziemlich bedeckt. Auf die lange angekündigte Uraufführung eines neuen Stücks von Peter Handke muss man wohl weiter vergebens warten. Der Autor äußert sich in seinem gerade erschienenen Gesprächsband über seine Arbeit fürs Theater gegenüber dem Dramaturgen Thomas Oberender auch recht despektierlich zu seinem alten Intimfreund/feind Claus Peymann. Dabei kommt der BE-Intendant im Vergleich zum Regisseur Michael Haneke oder gar dem Klassiker Goethe noch recht glimpflich weg.
Hausheiliger Bertolt Brecht wacht vor dem Berliner Ensemble – Foto: St. B.
Peymann wäre als Organisator der Typ Fußballtrainer, allerdings nicht bei Real Madrid sondern eher Arminia Bielefeld. Der Ostwestfälische Ballsportclub mit dem Cheruskerfürsten Arminus im Namen ist bekanntlich über die Jahre von der Bundesliga in die 3. Liga abgestiegen. Um diesen harschen Vergleich zum Fußballgeschäft etwas abzumildern, bescheinigt Handke Claus Peymann aber noch ein Ver- bzw. „Duchwalten“ aus Passion. Das wäre auch wirklich etwas Rührendes an ihm. Claus Peymann also als passionierter Sachwalter und Durchhalter einer musealen Theaterkunst. Da sagt uns Peter Handke wahrlich nicht sehr viel Neues. Das Claus Peymann aus der Deckung kommen wird, um eine neuerliche Guerilla-Abwehrschlacht in den Gazetten anzuzetteln, kann man getrost bezweifeln. Was das betrifft, macht sich bereits eine gewisse Müdigkeit beim alten Theaterrecken breit.
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Fazit der Spielzeitvorschau am Deutschen Theater und Berliner Ensemble: Die üblichen Verdächtigen beackern mit dem allgemeinen Bildungskanon den gewohnten Themenpark. Eine große Verunsicherung wird sich da wohl eher nicht breit machen. Man wird sehen müssen, was das wirklich bringt. Zumindest kann das DT gegenüber dem BE in Sachen Uraufführungen punkten. Was letztendlich sicher auch am nötigen Kleingeld, sprich Subventionen, liegen mag. Allerdings das Stück, was Claus Peymann demnächst (wann auch immer) mal uraufführen wird, will erst noch geschrieben sein.
Das ACUDtheater im Haus des 1990 gegründeten Kunstvereins ACUD e.V. in der Berliner Veteranenstraße 21 feiert sein rundes Gründungsjubiläum. Ob nun das 20. oder 25., da ist man sich allerdings nicht ganz sicher. Sicher ist aber – als Geschenk führt das gastierende Zygmunt Wolski Theater den ganzen August über ein Stück nach Pedro Calderón de le Barca (1600-1681) auf dem Open-Air-catwalk im Innenhof des Kunsthauses ACUD auf. Premiere war am 9. August.
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LEBEN IST TRAUM im ACUDtheater (c) Jens–Uwe Behrend
Der recht erfolgreiche spanische Dichter und katholische Geistliche Calderón verfasste im 17. Jahrhundert über 100 Dramen und etliche sakrale Fronleichnamsspiele. Zweifellos ein spanischer Vorreiter des Österreichers Hugo von Hofmannsthal (Dichter des Jedermann). Und so hatte jener auch eines von Calderóns bekanntesten Stücken La vida es sueño (dt.: Das Leben ein Traum) für sein Trauerspiel Der Turm bearbeitet. Weitere Übertragungen ins Deutsche stammen von Franz Grillparzer und Johann Diederich Gries. Für welche der vielen Übersetzungen des 1635 in Madrid uraufgeführten Versdramas sich das 1996 in Berlin gegründete Zygmunt Wolski Theater entschieden hat, ist nicht bekannt. Vermutlich ist es aber schon die gebräuchliche Fassung von J. D. Gries aus dem Jahr 1817.
Regisseur Felix Goldmann hat Calderóns mit ellenlangen Monologen versehene Drama leicht bearbeitet, sinnvoll auf ca. 90 Minuten gekürzt und Leben ist Traum genannt. Auf eine übliche Modernisierung oder ironische Zwischentöne verzichtet er aber weitestgehend. Man spricht die barocken Verse und trägt zum Teil heutige Kleidung. Die Schauspieler laufen gleich zu Beginn zur Präsentation der einzelnen Charaktere über den hölzernen Catwalk, zu dessen beiden Seiten das Publikum sitzt. An einem Ende des Laufstegs ragt der Kopf eines der Darsteller wie geistesabwesend aus einer Öffnung in den Brettern.
Es ist der eingesperrte Prinz Sigismund (Heiko Schendel), Erbe eines fiktiven Königreichs Polen und an eine Art barocken Kaspar Hauser erinnernde Hauptperson des Stücks. Sigismund wurde wegen böser Prophezeiungen, er werde sich zu einem Tyrannen entwickeln, von seinem Vater Basilius (Rike Eckermann), dem König von Polen, nach der Geburt in einen Turm gesperrt. Nach Jahren, in denen nur der Lehrer Clotald (Samuel Zekarias) Zugang zum Turm hatte, lässt ihn sein Vater für einen Tag auf Probe frei. Falls er sich als würdig erweisen sollte, würde ihm Basilius seine Krone übergeben. Sollte sich aber die Prophezeiung erfüllen, was sie dann auch tut, dann müsste man Sigismund betäubt wieder in den Turm werfen. Seine Herrschaft wäre dann nichts als ein kurzer Traum.
LEBEN IST TRAUM im ACUDtheater (c) Zygmunt Wolski Theater
Hätte, wäre, wenn… Was wie eine griechische Schicksals-Tragödie des Sophokles klingt, hat Calderón aber als christlich-philosophisches Lehrstück gedacht. Jahre vor der Aufklärung und Schillers ästhetischer Erziehung beschäftigte sich der spanische Dichter offensichtlich schon mit der Frage: „Was macht den Mensch zum Menschen?“ Ist Calderóns Sigismund noch wie ein wildes Tier, mit Fellen behängt und in Ketten sein Schicksal beklagend, wirkt Heiko Schenkels Sigismund, nackt bis auf einen Short, zunächst wie ein unschuldiges Kind. Die plötzlich gewonnene Freiheit nutzt der in einen roten Uniformrock gesteckte, unbeholfene Herrscher, wie es ihm beliebt. Seine Macht ungestüm erprobend, trägt er einen Diener, der ihn ermahnen will, nach draußen und wirft ihn vom Balkon ins Meer.
Die so düpierten Granden des Hofes, Astolf (Anders Kamp), Herzog von Moskau und Estrella (Sabine Roßberg), Nichte des Königs, sehen nun ihre Chance, selbst die Nachfolge Basilius‘ antreten zu können, wieder gekommen. Die beiden Intriganten wollen sich durch eine Heirat die Krone sichern. Parallel dazu erzählt Calderón die Geschichte Rosauras (Susanne Heubaum), die einst von Astolf in Moskau verführt und dann verlassen wurde. Um sich zu rächen und ihre Ehre wieder herzustellen, kommt sie als Mann verkleidet mit einem riesigen Schwert bewaffnet nach Polen. Sie hat den Narren Clarin (Barbara Smilowska) im Schlepptau. Der gewiefte tragikomische Schalk dient sich sofort dem nächst besten an, und versucht auch sonst, möglichst schadlos über die Runden zu kommen.
Sigismund, der Rosaura, die ihm als Kammerzofe im Dienste Estrellas am Hofe begegnet, begehrt und fast vergewaltigt, wird schließlich mit einem großen Netz, das über der Szene hängt, gefangen, betäubt und wieder in sein Verließ geschleppt. Der Weg für Astolf und Estrella scheint nun frei. Durch eine Revolte des Volkes, die sich lautstark hinterm Vorhang abspielt, wird Sigismund jedoch wieder befreit und erneut inthronisiert. Er zieht gegen seinen Vater in den Krieg. „Die Freiheit hofft auf dich“, skandiert der Chor der Aufständischen. Aber nicht grausam und stolz demütigt er den Unterlegenen, sondern beugt sich, geläutert durch seinen ersten missglückten Versuch als Herrscher, den er wie die ganze Welt für einen gottgewollten Traum hält, dem Urteil des Vaters. Als gelehriger Schüler wird Sigismund nun zu einem gerechten König. Er nimmt standesgemäß Estrella zur Frau und verzichtet auf Rosaura, die durch die Heirat mit Astolf ihre Ehre wieder herstellen kann.
LEBEN IST TRAUM im ACUDtheater (c) Zygmunt Wolski Theater
Das ist so eine heute kaum noch zeitgemäße Denk- und Handlungsweise. Berechtigte Zweifel sind da durchaus angebracht. Wird hier doch eher restaurativ die alte Herrschaft wieder hergestellt. Felix Goldmann inszeniert das Drama dann auch ganz zuallererst als Ränkespiel um Macht und persönliche Interessen, an dem sich alle vortrefflich beteiligen. Aber auch aktuelle, moralische Aspekt und philosophische Fragen werden nicht vernachlässigt. Ist die Welt, alles Leben und Herrschen nur ein Traum? Gibt es einen freien Willen, ein wahres Leben vor dem Tod? Sigismund ist auch ein Herrscher, der sein Tun und damit sich selbst in Frage stellt. Seine Schlüsse daraus sind jedoch immer wieder neu zu bewerten. Und so schauen auch die Darsteller zum Schluss etwas ungläubig ob der Entscheidungen Sigismunds in die kleine Videokamera.
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LEBEN IST TRAUM
Eine Zygmunt-Wolski-Theaterproduktion
nach Pedro Calderón de le Barca
ACUDtheater (Premiere: 09.08.2014)
Regie: Felix Goldmann
Ausstattung: Jens Uwe Behrend
Musik: Grit Lindau & Anders Kamp
Technik: Daniel Semke
Mit: Rike Eckermann (Basilius), Susanne Heubaum (Rosaura), Anders Kamp (Astolf), Sabine Roßberg (Estrella), Heiko Schendel (Sigismund), Barbara Smilowska (Clarin) und Samuel Zekarias (Clotald)
SHAKESPEARE und PARTNER spielen in der Klosterruine am Alex Wie es euch gefällt als verdrehte Genderverwirrung
Nachdem SHAKESPEARE und PARTNER Ende Juli das Sommertheater am Alex mit der Komödie der Irrungen eröffneten, hatte nunmehr Wie es euch gefällt in der Ruine der Franziskaner-Klosterkirche Premiere. Shakespeares Komödie aus dem Jahre 1600 liegt der kurz zuvor erschienene Roman Rosalinde von Thomas Lodge zugrunde. Aus diesen und noch anderen ungeklärten urheberechtlichen Problemen fand das Stück erst 1623 Einzug in den Kanon der Werke Shakespeares. Was dem Erfolg dieser Liebeskomödie über die Jahrhunderte keinen Abbruch tat. Ähnlich wie in der ein Jahr später entstandenen Komödie Was ihr wollt spielt Shakespeare hier lustvoll mit den Gefühlen und Geschlechter-Identitäten seiner Protagonisten.
(c) SHAKESPEARE und PARTNER
Bei der Geschlechter-Verkehrung in der gewohnten Rollenausrichtung haben SHAKESPEARE und PARTNER natürlich auch so ihre Erfahrungen. Den großen Spaß an den Liebesverwirrungen versucht man hier noch dadurch zu steigern, dass die Frauenrollen von den Männern und die männlichen Parts von den Frauen des Ensembles gespielt werden. Dass das von besonderem Witz sein kann, hat vor ein paar Jahren bereits Katharina Thalbach bewiesen, als sie alle Rollen im Stück mit Schauspielerinnen besetzte und damit die Tradition der Darstellung in England zu Zeiten Shakespeares einfach umdrehte.
Die Geschichte um zwei verfeindeter Herzöge, in der Liebe und Hass, Zuneigung und Verrat dicht beieinander liegen, soll in der Inszenierung von Andreas Erfurth nun also zu einem ganz speziellen Bühnenvergnügen werden. Die Mauern der alten Klosterruine bieten dafür die beste Kulisse. Dabei wird auf einem kleinen Podest wie schon bei den Irrungen ohne aufwendiges Bühnenbild gespielt. Den Ort gibt Shakespeare auch nicht näher an. Wir befinden uns zunächst am Hofe des Herzogs Frederick, einem finsteren Usurpators, der seinen Bruder Herzog Ferdinand in den Ardenner Wald verbannt hat. Der Witz dabei ist, dass Regine Gisbertz (neu im Ensemble) beide Parts übernommen hat und dies mit ausgesprochen großem Talent zur schnellen Wandlung meistert.
Wir begegnen aber noch einem anderen sich feindlich gesinntem Bruderpaar. Der älteste Sohn des verstorbenen Sir Rowland de Boys, Oliver (ein weiteres Mal die vielbeschäftigte Regine Gisbertz) hat den jüngsten Sohn Orlando (Jillian Anthony) ebenfalls um das Erbe des Vaters gebracht. Der mittlere Sohn Jakob ist aus Gründen der Übersichtlichkeit gestrichen. Oliver sinnt seinem recht ungestümen jüngeren Bruder nach dem Leben und hetzt ihn in einen Kampf mit dem hünenhaften Ringer Charles (Rike Joinig als finsterer Huckepack-Wrestler im Kapuzenmantel), den Orlando aber wider Erwarten aus den Stiefeln haut. Das imponiert den beiden höfischen Grazien und Cousinen Rosalind und Celia dermaßen, dass sich Rosalind, Tochter des verbannten Herzogs Ferdinand, Hals über Kopf in den jungen Recken verliebt. Nachdem Herzog Frederick, Vater der Celia, Orlando und die Tochter des alten Widersachers jeweils nacheinander ebenfalls in den finsteren Wald verbannt, beginnt das lustige Bäumchen-wechsle-dich-Spiel mit den verliebten Paaren und Geschlechtern zauberhafte Blüten zu schlagen.
Die Klosterrruine am Alex Foto: St. B.
Die Cousinen folgen nämlich Orlando, ohne zunächst von ihm zu wissen, in den Ardenner Wald. In der Rolle der Rosalind erleben wir den Schauspieler Saro Emrize, der nun aus seiner Frauenrolle in die Rolle einer Frau, die einen Mann spielen muss, switcht und sich kurzer Hand MC Ganymed nennt. Alles klar? Kai Frederic Schrickel als Celia darf sein Bühnengeschlecht und Röckchen behalten und bekommt als AlienA nur eine lustige Sonnenbrille und einen Rollkoffer als Touri-Verkleidung. Girls Just Want to Have Fun nach Cindy Lauper, und so begegnen die beiden getürmten großstädtischen Girlies im Ardenner Wald, der, mangels echter Bäume, mit ein paar Luftballons gekennzeichnet ist, noch weiteren schrägen Gestalten. Eine davon haben sie höchstselbst mitgebracht, den Hofnarren Grapschtein (auch Touchstone oder schlicht zu deutsch: „Probierstein“). Rike Joinig gibt den Witzkerl gerufenen Spaßvogel, der nicht auf den Mund gefallen ist, ganz szenemäßig mit bunter Punkfrisur.
Musik spielt neben Liebeslust und -frust in Shakespeares Komödie ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle. Vor allem die bereits im Walde befindlichen Protagonisten, die es sich hier fern der Zivilisation in ihrer kleinen, netten Weltflucht bequem gemacht haben, geben einiges zum Besten. So der gute Herzog Ferdinand als John-Lennon-Verschnitt zur Gitarre. Seine Gefühlswallungen muss er sich in einem Zuber mit Eiswürfeln wieder runterkühlen. Der melancholische Edelmann Jaques (Dierk Prawdzik hier als Zwitterwesen Jacky) singt „In einem Kühlen Grunde“ oder gibt auch mal Elvis the Pelvis. Er streut immer wieder Tiefsinniges z.B. zu den 7 Mannesaltern ein und philosophiert übers Reifen und Rotten mit einer Biogurke in der Hand. Von Jacky kommt auch das Motto des Abend: „Alle Welt ist nichts als Bühne.“ Männer und Frauen sind für ihn bloße Spieler mit mehr als einer Rolle. Was hier auch trefflich vorgeführt wird.
Schon Shakespeare machte sich mit seinem Stück über die vorherrschende Verklärung der Natur als Schäferidyll weidlich lustig. Und auch in der Klosterruine ist der Ardenner Wald voller wunderlicher Randexistenzen und verliebter Trottel wie Schäfer Silvius (Rike Joinig als depperter Müllsammler) und Bauerntölpel Wilhelm (Jillian Anthony) sowie liebreizender Waldfeen, die da Phoebe und Traute heißen (beide Sebastian Bischoff). Und nun wird heftig über Kreuz begehrt, dass es selbst den Narren graust. Das eigentlich füreinander bestimmte Traumpaar Rosalind und Orlando macht sich dabei zusätzlich noch mit einem Spiel das Leben schwer. Zur Klärung der Frage: „Ist Liebe heilbar?“ muss der verhinderte Graffiti-Künstler (I spray for you) und „Blankversmetzger“ Orlando wiederholt bei Ganymed um die Liebe seiner Angebeteten werben. Was letztlich beide in einige Gefühlsverwirrungen stürzt. Liebe säuseln die Blätter oder Listen to Shakespeare.
Wie es euch gefällt von Shakespeare und Partner – Foto: St. B.
Dass bei diesem wirren Gewusel doch noch jeder Topf seinen Deckel bekommt, grenzt an ein Wunder, sogar der böse Bruder Oliver entdeckt schließlich sein Herz für Cilia, was einer wundersamen Wendung der Geschichte mit einem Löwen und einer Schlange zu danken ist. Das Ganze führt in eins der typisch ausufernden Shakespeare-Happy-Ends mit Vierfach-Hochzeit. An diesem Abend wird natürlich auch ungeniert die Lizenz zum Blödeln ausgeben. Und dafür ist bekanntlich kein Kalauer zu flach. Aus Orlando wird schon mal Zalando, und der obligatorische Griff in den Schritt darf auch nicht fehlen. So schließt das Stück dann ganz passend mit dem weisen, für Männer wie Frauen gleichlautenden Ratschlag des Epilogs: Wie es euch gefällt.
Zu bemerken wäre noch, dass Musikerin Bettina Koch selbstgehäkelte Conchita-Wurst-Bärte zum Verkauf anbot, die, merkwürdiger Weise, leider nur beim weiblichen Publikum reißenden Absatz fanden. Da muss man wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit bei der holden Männlichkeit leisten.
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Das Hexenkessel Hoftheater spielt Shakespeares Wie es euchgefällt als lustige Aussteigerkomödie im Leiterwald des Amphitheaters am Monbijoupark.
(c) www.monbijou-theater.de
Bereits am 6. Juni feierte Wie es euch gefällt seine Premiere auch im Amphitheater am Monbijoupark. Das Hexenkessel-Hoftheater beschenkte sich und das wie in jedem Jahr lange Schlangen bildende Berliner Publikum zum 20jährigen Bestehen mit Shakespeares Liebeskomödie. Und auch diesmal drehen die Darsteller in gewohnter Manier auf und auch streckenweise mal durch. Man kann sich hier nie ganz sicher sein. Der Überraschungsfaktor ist etwas, was im Hexenkessel immer wieder eine große Rolle spielt. Ein Funke der zündet, auch wenn des Narren Lehrbuch mal nicht wie geplant Feuer und Flamme schlägt.
Beginnt es im Amphitheater am Monbijoupark zunächst noch ganz ähnlich wie in der Klosterruine am Alex, bekommt die Story um die liebesirren Paare im Ardenner Wald bald eine ganz andere Wendung. Nachdem Orlando (Michael Schwager) den eher schmächtigen im auswattierten Muskelsuite angetretenen Ringer Charles (Ina Gercke) auf die Bretter geschickt hat, verschwindet er gefolgt von den Cousinen Rosalind (Rebekka Köbernick) und Celia (Roger Jahnke betörend im Fummel) im Ardenner Wald, der hier aus einem Gewirr aus langen und kürzeren Stehleitern besteht, auf denen es sich wunderbar herumklettern und wohl gereimte Liebeslyrik annageln lässt.
Wie es euch gefällt. Verloren im Leiterwald des Hexenkessel-Amphitheaters – Foto: St. B.
Auf dem Holzweg befindet sich die Gruppe der Verbannten aber dennoch nicht, obwohl ihnen nun auf Schritt und Tritt merkwürdige Waldbewohner begegnen, wobei wieder der schnelle Rollen- und Kostümwechsel gefragt ist. Das Personal ist hier leicht verändert, und dem verbannten Herzog im ba-rockigem Jägeroutfit (Matthias Horn, auch als Herzog Frederick und wollbärtiger Schäfer Corinn in Aktion) sind ein paar Bedienstete gegönnt worden. Amiens (Tobias Schulze,auch alsOliver und trottelig verliebter Schäfer Silvius) schwebt wie ein verspätetes Blumenkind von Leitersprosse zu Leitersprosse und sammelt mit Freuden die Früchte des Waldes wie Beeren und Pilze, von den eifrig genascht wird. Der arme Forster (Regine Zimmermann,auch alsSchäferin Phöbe) trägt den gesamten Hofstaat in Form von Tischtuch und Tafelzeug immer wieder auf und ab.
Das lustige Jäger- und Sammlerleben der drei mehr oder minder freiwilligen Aussteiger wird auch hier vom Melancholiker Jaques komplettiert, dem der vom BE zur Truppe gestoßene Roman Kanonik massiges Aussehen und Wucht verleiht. Ganz in Schwarz wirkt er eher wie ein existentialistischer Künstlerverschnitt. Das Philosophieren über die Rollenspiele des Lebens und die Existenz des Hungerkünstlers wird dann auch eher zum groß angelegten Wut-Monolog als feinsinnig ironischem Geplauder. Die Sinnlosigkeit seines Daseins einsehend, begibt sich Jaques bereitwillig beim Narren Prüfstein in die Lehre, was den guten Wortwitz und so manchen Kalauer befördert. Wieder eine Paraderolle für Publikumsliebling Vlad Chiriac, der mit seinem Schüler Kanonik aber starke Konkurrenz bekommen hat. Ein Duo Infernale als große komödiantische Bereicherung des Hexenkesselhoftheaters.
Wie es euch gefällt im Monbijoutheater – Foto: St. B.
Hauptpersonen der Komödie sind aber immer noch das Dreigestirn Rosalind, Orlando und Celia, die sich hier in ihr Spiel um Liebesfragen verstricken, necken und irgendwann nicht mehr ein- und aus wissen. Die Frage nach der Liebe auf den ersten Blick wird dabei ganz offensichtlich mit einem feinen Klingeln und glänzend großen Augen der Protagonisten beantwortet. Das dies nun zum Vergnügen des Publikums mehrmals am Abend geschieht, erhöht natürlich nur die Verwirrung und Pein der liebestollen Waldbewohner. Aber die Erlösung ist nah, und auch im Hexenkessel des Amphitheaters bekommt am Ende jeder was er will und wie es ihm gefällt.
Die Komödienmaschine des Hexenkessels läuft mittlerweile gut geschmiert, die Pointen und Zoten sitzen treffsicher, was aber dem Spiel der Truppe im Laufe der Zeit kaum etwas von seiner Originalität und Ursprünglichkeit genommen hat. Die Truppe hat zum Jubiläum noch eine Neuaufnahme des Shakespeare-Klassikers Ein Sommernachtstraum und mit La Mandragola eine Komödie des florentinischen Staatsphilosophen und Dichters Niccolò Machiavelli im Programm.
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WIE ES EUCH GEFÄLLT
von William Shakespeare
in der Klosterruine am Alex
Übersetzung: Frank-Patrick Steckel
Regie: Andreas Erfurth
Ausstattung: Ulrike Eisenreich
Piano: Bettina Koch
Mit: Jillian Anthony, Regina Gisbertz, Rike Joeinig, Sebastian Bischoff, Saro Emirze, Dierk Prawdzik und Kai Frederic Schrickel.
Dauer: ca. 140 Min. (inkl. 1 Pause)
Premiere war am 6. August 2014
in der Ruine der Franziskaner-Klosterkirche
Klosterstraße 73 a, 10179 Berlin-Mitte.
U-Bhf. Klosterstraße oder S-Bhf. Alexanderplatz
Weitere Termine:
noch mal am 16. und 17.08. in der Klosterruine am Alex
13.08. bei den Burgfestspielen Dreieichenhain in Dreieich/Hessen
26.-29.08. im Schirrhof Potsdam
WIE ES EUCH GEFÄLLT
nach William Shakespeare
im Amphitheater am Monbijoupark
Textfassung: Carsten Golbeck
Regie: Sarah Kohrs
Text: Carsten Golbeck
Bühne: David Regehr, Halina Kratochwil
Kostüme: Halina Kratochwil
Musik: Jaques Moore
Maske: Nora Krätzer, Nina Dell
Licht: Henning Streck
Mit: Rebekka Köbernick, Michael Schwager, Benjamin Bieber, Vlad Chiriac, Roman Kanonik, Matthias Horn, Carsta Zimmermann, Tobias Schulze u. Ina Gercke