Das Glück scheint sich abgewendet zu haben, nach dem furiosen Auftakt der jungen deutschen Mannschaft, ein ernüchternder und unglücklicher Rückschlag gegen Serbien. Der Balkan als großes Rätsel und Angstgegner der Deutschen? Hier hilft wohl nur noch Tiefenpsychologie weiter, wenn man den Journalisten und Spielexperten glauben will. Diese selbsternannten Fußballphilosophen tappen aber immer wieder im Dunkeln und zerren alte Statistiken heraus. Rein statistisch gesehen, so ihre These, ist also noch alles möglich, haben doch deutsche Mannschaften in der Geschichte der WM nach Niederlagen in der Vorrunde immer das Finale erreicht und sind so auch 3 mal Weltmeister geworden. „Im Fußball verkompliziert sich alles durch das Vorhandensein der gegnerischen Mannschaft.“ hat schon Sartre, der heimlich auch Fußball guckte, konstatiert. Er hat sogar philosophische Schriften zum Kicken verfasst, worin er erkannte, das zu viel Analyse und taktische Vorbereitung nicht zum Ziel führen, da alle möglichen Varianten eines Fußballspiels nicht vorherbestimmt werden können. Es würde kein vernünftiges Spiel zustande kommen und man verliere zwangsläufig. Sollte das nicht Jogi Löw mal lesen? Da ist scheinbar also auch viel Psychologie mit im Spiel oder ist doch eher der Zufall am Werk. Das Fußballspiel als Darstellung des großen Ganzen im Kleinen? So sieht es wohl der Philosoph Peter Sloterdijk. Der Fußball als Metapher für …die Ungerechtigkeit des Glücks. Oder ist es das menschliche Versagen? Murphys Gesetz, alles was schief gehen kann, geht auch schief. Podolski schießt im ganzen Spiel daneben und nimmt sich auch noch den Ball zum Elfmeter. Er hat mit seinem verschossenen Strafstoss die Antithese der Angst des Torwarts vorm Elfmeter bestätigt. Psychologisch ist der Torwart im Vorteil, er hat nichts zu verlieren, wenn er ruhig bleibt. Rein statistisch scheint der Schütze im Vorteil, zu sein, ist aber eher dem Druck des Versagens ausgesetzt. Er hatte eine schlechte Saison, trifft im ganzen Spiel nicht das Tor und hätte darum nicht schießen sollen, weiß ein echter Fußballpsychologe im Radio zu erzählen.
Also schlechtes Karma, ist uns der Fußballgott abholt? Schauen wir uns dazu nun noch das Abschneiden der anderen vermeintlich starken Nationen in der Vorrunde an. Da kommt einem schon ein Verdacht auf, wenn man sich die Fußballmannschaften des amerikanischen Kontinents anschaut, die Spiele Chiles, Mexicos, Paraguays, der USA und auch noch das bisher eher mäßige Auftreten der Brasilianer zeugen davon. Nicht zuletzt schaue man sich noch Maradonas Argentinier an, der große Trickser mit der Hand Gottes im Bunde, die nicht mehr über Europa zu ruhen scheint, sondern auf dem anderen Kontinent jenseits des Atlantiks. Dagegen ist Frankreich so gut wie am Ende, liegt England fast am Boden, Portugal und Spanien enttäuschen, ein WM-Titel scheint da in weiter Ferne und Italien hat sich bisher auch nicht mit Rum bekleckert, lediglich in der Holland-Gruppe scheint alles nach Plan zu laufen. Wenn sich die Oranjes auch mehr von Spiel zu Spiel mogeln, hat doch Dänemark gezeigt, das man ein schlechtes Spiel noch mal korrigieren kann. Sogar Ottos müde Griechen haben sich wieder gerappelt. Unsere Jungs haben es also nach wie vor in der eigenen Hand und so sollten sie allen psychologischen Ballast abwerfen und was auch immer für Gründe nach der Niederlage gefunden wurden, schlechter Schiedsrichter, Unerfahrenheit, Pech oder Übermotivation, alle sogenannten Experten im Spiel gegen Ghana Lügen strafen.
Und zum Schluss noch ein bekannter französischer Philosoph, Albert Camus, der nebenbei auch noch ein ausgezeichneter Fußballtorwart war: „Alles, was ich über Moral und Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fußball.“ Wenn das auch etwas pathetisch klingt, vielleicht nehmen sich das zumindest die Franzosen ja noch zu Herzen. Immerhin gibt es einen in der deutschen Mannschaft, der das lebt. Philipp Lahm hat den Druck von den jungen Spielern genommen und sich die Schuld für das Versagen gegeben. Das hat eine gewisse Größe, die einem Kapitän Ballack eher fehlte.
Also am Mittwoch wissen wir mehr, bis dahin verbleibe ich als Ihr Dr. h.c. phil. Wuwu Sellers.