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  • Drei Farben: gelb, rot, blau oder Chinesisch für Fortgeschrittene

    Dimiter Gotscheff und Mark Lammert übermalen den Filmregisseur Jean-Luc Godard an der Volksbühne

    Jean-Luc Godard, geboren 1930 in Paris, ist mit Sicherheit einer der bekanntesten und umstrittensten französischen Filmregisseure aller Zeiten. Jeder glaubt ihn zu kennen und doch beschränkt sich das Wissen meist auf wenige seiner unzähligen Filme wie Außer Atem, Die Geschichte der Nana S. und vielleicht noch Masculin – Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca Cola. Filmstars wie Anna Karina, Jean Seberg, Brigitte Bardot, Marlène Jobert, Jean-Paul Belmondo, Michel Piccoli, und Jean-Pierre Léaud haben bei ihm ihre Karrieren gestartet. Er hatte radikal mit den gewohnten Wahrnehmungen der Realität in seinen Filmen gebrochen, ansonsten ist Godard wenn keiner was versteht und die Farben so schön bunt sind. An der Volksbühne gibt es wie in Godards Film „Die Chinesin“ von 1967 drei Farben. Es stehen viele gelbe und eine rote Stoffbarriere auf der Bühnen. Die gelben sind drehbar wie zu einem Labyrinth aufgebaut, die Schauspieler verirren sich mehrfach in ihnen und die rote wird immer wieder als Fahne oder Einwickelpapier benutzt. Später fällt noch eine blaue Stoffbahn vom Schnürboden und dreht sich mit der Bühne zu schönen Figuren.
    Der Film handelt von einer Gruppe von Studenten, die sich im Vorfeld der Unruhen an den Pariser Universitäten von 1968 in einer Kommune versammeln, Marx und Mao lesen und die Revolution proben. Was erst wie ein Spiel anmutet, man beschäftigt sich auch mit Brecht, wird irgendwann bitterer Ernst, als die Ermordung einer prominenten Persönlichkeit beschlossen wird. Hier bricht die Gruppe auseinander, ein Teil geht aber den Weg des Terrors weiter.
    In der Bühnenversion tragen die Schauspieler Sebastian Blomberg, Frank Büttner, Bernd Grawert, Max Hopp, Barbara Prpic, Anne Ratte-Polle und Marie-Lou Sellem die Klamotten der Filmprotagonisten in den Farben gelb, rot, blau, Mao-Look neben 60er Jahre Minirock und bürgerlichem Anzug. Die Luft ist schon am Anfang raus, als in einer Diskussion aus dem Off mit einer gewaltbereiten Studentin der Gesprächspartner nichts von solchen Aktionen hält. Daraufhin versuchen sich alle Darsteller auf der Bühne erst mal mit Jiu-Jitsu-Figuren warm zu machen. Infolge treten die Schauspieler nun an die Rampe, sprechen Texte aus Filmen von Godard, spielen politische Schulung oder beschäftigen sich mit den Tüchern. Bernd Grawert hat eine Indianerfeder am Kopf und kriecht zum Sprechen auch mal nach vorn. Er spricht den schönen Text von den Urvätern die zu einem Ritual in den Wald gegangen sind, Feuer gemacht haben und Gebete sprachen, die erhört wurden. Mit der Zeit ist erst die Fähigkeit Feuer zu machen verschwunden, dann die Kenntnis über die Gebete, und er bleibt nun lieber zu Hause, da er auch den Platz im Wald nicht mehr weiß. Aber man kann ja immer noch die Geschichte darüber erzählen. So ist es mit der Revolution und auch mit den 68ern, es bleibt allein eine schöne Erinnerung.
    Das Problem der Inszenierung ist, das Gotscheff versucht, das System der Collage seines Tschechow-Abends im DT auf Godard zu übertragen. Tschechow ist in jedermanns Gedächtnis, man konnte da fast unendlich viele Gedanken, Gefühle und Bilder assoziieren. Es gab auch einen roten Faden, eine Geschichte. In der sogenannten Übermalung der Chinesin von Dimiter Gotscheff und seinem Bühnenbildner Mark Lammert gibt es nur eine vage Richtung, totalitäre Vorstellungen von Revolution, Sex, Verblendung, der Weg in den Terror etc. Godard hatte einfach die Kamera drauf gehalten und so läuft auch die Inszenierung ab, etwas zusammenhanglos das Ganze. Godard ist was für Kenner und Liebhaber seines Kinos. Das bloße Zitieren der Wahrheit, irgendwann kommt der Spruch von Brecht, funktioniert hier auf der Bühne leider nicht. Alles in allem ist dieser Abend sehr angestrengt und verkrampft, aber immer noch relativ sehenswert, wenn man Interesse hat sich das anzutun. Man kann es wirklich nur sehr schwer beschreiben, was da gestern genau abgelaufen ist, mir fällt im Moment leider auch nicht mehr ein. Welche Rolle Wolfram Koch als Gast spielt, laut Programmheft sollen es ja wechselnde sein, bleibt auch relativ unklar, ein unbeteiligter Beobachter, vielleicht Godard selbst als lebendes Zitat. Die Geschichte der ägyptischen Kinder, die ausgesetzt von ihren Eltern neben einem Stall mit Schafen aufwachsen und später blöken, als die Sprache der Götter zu sprechen, trägt er ganz zum Schluss vor. Sie ist symptomatisch nicht nur für unser affirmatives Verhalten gegenüber manchen Ritualen der Vergangenheit, sondern auch für unsere Wahrnehmung des gesamten Abends. Denn, verstehen wir noch was uns da vorgeblökt wird oder sprechen wir schon eine ganz andere Sprache? Das Programmheft zumindest ist lesenswert, aber wer Godard nicht wirklich kennt, kommt ihm hier auch nicht näher.
    Im Publikum saß DT-Intendant Ulrich Khuon, er dürfte froh gewesen sein, das Gotscheff sich bei ihm an Tschechow versucht hat, denn dieser Godard ist selbst für die Volksbühne zu sperrig.

    La Chinoise – Movie Trailer mit dem Song Mao, Mao

    Die Chinesin – Filmausschnitt mit Jean-Pierre Léaud als Schauspieler Guillaume


  • Am Hamburger Thalia Theater jodelt seit neuestem der Muezzin und in der Presse brüllen die Löwen dazu

    „Well roared, lion.“ (William Shakespeare, Ein Sommernachtstraum)

    Luk Perceval hat im Hamburger Thalia Theater eine neue Textfassung des Hamlet von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel auf die Bühne gebracht. In dieser stark zusammengestrichenen Inszenierung gibt es einen zwiegespaltenen Hamlet dargestellt von zwei Schauspielern, mehrere Ophelias, ein Klavier und einen im Oberton jodelnden Musiker. Das hat den Journalisten und Welt-Kommentatoren Alan Posener veranlasst in einer Kritik des Abends, der ihm sichtlich nicht gefallen hat, zu schreiben, das der Text von Zaimoglu und Senkel in seiner Reduktion „… sich zum Original wie der Koran zur Bibel.“ verhalte, der Rest sei Plattheit. Er bezichtigt Perceval weiter eine „harmlose, buddhistische Weltsicht“ zu verkünden, „Die zufällig Percevals Weltsicht ist.“ Seine Begründung: „Hamlet ist nämlich ein radikal politisches und radikal religiöses Stück.“ Es sei ein Stück über„… eine Auseinandersetzung mit der monotheistischen Moral und ihrer Obsession mit weiblicher Sexualität einerseits; andererseits mit der Realpolitik.“ wie es heute täglich nicht in Helsingör aber „in saudi-arabischen Palästen und in den Gangs unserer Großstädte“ gegeben wird. Shakespeares Text werde durch die Wurstmaschine gedreht und raus käme eine comicblasenhafte Dürftigkeit. „Darf man Shakespeare solche Gewalt antun? Es ist nicht verboten, leider. Malt ein dänischer Karikaturist eine mäßig lustige Mohammed-Karikatur, werden überall dänische Botschaften abgefackelt.“ skandiert er weiter ohne dem Abfackeln von Theatern das Wort reden zu wollen. Alle Schauspieler „… chargieren gnadenlos, als wären sie beim Ohnsorg-Theater.“ Ein Mann am Klavier „… deutet mit einer Mischung aus mongolischem Obertongesang, Muezzin-Ruf und Jodeln deren Gemütslage an.“ Überschrift des Ganzen: „Hamlet für Blöde – Wenn der Muezzin jodelt“. Daraufhin sah sich der Intendant des Thalia Theaters Joachim Lux genötigt einen offenen Brief an die Redaktion der Welt zu schicken, in dem er Alan Posener Volksverhetzung und Verunglimpfung anderer Religionen vorwirft, da Feridun Zaimoglu türkischstämmig ist „… also Moslem, also wahrscheinlich Islamist,… “ sei usw. Eine Kampfansage die man von Hamburger Intendanten gar nicht mehr erwartet hatte, nachdem sein Kollege Friedrich Schirmer vom Hamburger Schauspielhaus erst kürzlich sang- und klanglos die Segel gestrichen hatte, infolge der Subventionskürzungen des Hamburger Senats für sein Haus.
    Nachdem sich jetzt alle mehr oder minder aufgeregt zu Wort gemeldet haben, schlage ich vor, das sich zum Zeichen der Ökumene Joachim Lux, Luk Perceval, Feridun Zaimoglu und Alan Posener auf eine Tasse Yogi Tee treffen. Om mani padme hum! Aber bitte alle zusammen im Obertongesang. Das entspannt so schön.
    Nun ist darüber auch ein Streit in der übrigen Presse entstanden, was die freie Meinungsäußerung betrifft und ob Lux nicht übertrieben reagiert hat. Mit seiner Tatü-Tadaa!-Brandrede hat Posener natürlich weit übers Ziel hinaus geschossen. Da wird sogar Gerhard Stadelmaier blass, der Shakespeare selbst schon das Schreiben von Scharteken vorgeworfen hat. Zumindest eine Entschuldigung bei Josef Ostendorf („einem fetten Alten“) wäre fällig, der kann nämlich nichts für den „Regieeinfall“. Alle anderen schwachsinnigen Assoziationen dieser „Kritik“ sind ebenfalls ziemlich boshaft, auch wenn sich scheinbar für Posener so schön eins ins andere fügt. Joachim Lux stellt sich hier mit Recht vor sein Team, tut aber nicht gut daran Volksverhetzung zu rufen, da wird er wohl den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Dafür gibt es andere Stellen, das zu klären. Alan Posener ist ja ein streitbarer Geist, wie man so hört und liest, nur geht er hier so in der Art „Viel Feind’, viel Ehr’!“ vor und begründet damit selbst erst den Club der brüllenden Löwen. Da ist er aber an der Alster am falschen Platz gewesen. Der König der Löwen wird im Hafen von Hamburg gegeben. Das kann sich Joachim Lux genauso hinter den Spiegel klemmen. Poseners Einlassungen zum politischen und religiösen Gehalt des Hamlets und die Rückschlüsse auf die heutige globale Situation, die er daraus zieht, befremden mich dann schon ein wenig, haben sie doch nichts mit der Sicht die Perceval vermitteln will zu tun. Es interessiert ihn offensichtlich auch nicht, was andere so bewegt, wenn sie über einen Klassiker nachdenken. Er schreibt Shakespeare auf seine Fahne, meint aber einen ganz anderen. Ich glaube, das kann man schon mal in den falschen Hals bekommen. Ich bin mir sicher, das Posener darauf auch spekuliert hat und Joachim Lux tut ihm auch noch den Gefallen. Schade nur, das jetzt keiner mehr über die Inszenierung redet, nur noch über den Veriss. Perceval und Zaimoglu werden das aushalten. Es wird ihnen auch eher mehr als weniger Zuschauer bringen.
    Wenn es Posener aber tatsächlich um die Verteidigung Shakespeares ginge, müsste er zumindest nicht auch noch die Schauspieler mies machen. Nun, er hat ein Buch über Shakespeare geschrieben, das macht ihn sicher zum Experten, nur Shakespeare kann heute jeder Depp lesen und sich seinen eigenen Reim drauf machen. Allein wozu der Terz um den doppelten Hamlet? So what? Der King of Drama ist leider tot und das der neue selbsternannte nun ein King of Dharma ist, ist sein Bier nicht Shakespeare. Und zum Geist und dem schlafenden Hamlet fällt mir noch so eine uralte Mär von einem alten Mann mit Bart ein, der in einem Berg sitzt und schon so lange wartet, das ihm der rote Bart durch den Tisch gewachsen ist. Lasst ihn schlafen, der Bart ist ab und die Walhalla voll von solchen Gestalten, dass es Heine mit Sicherheit gruselt nun auch noch dort rum stehen zu müssen.

    Alan Posener hat sich heute gegenüber der taz doch noch geoutet. Sein Text ist also nicht missverständlich und sein Vergleich von Bibel und Koran durch islamwissenschaftliche Binsenweisheiten gedeckt. Unklar bleibt, warum Posener den Vergleich benutzt, obwohl es weder in der Textfassung von Zaimoglu noch in der Inszenierung von Perceval um Religion geht, außer um seine Ressentiments gegen den Islam anzubringen. Religionen zu verunglimpfen sei ein Menschenrecht, sagt er. Aha, Posener verwechselt also wissentlich berechtigte und notwendige Kritik mit Verunglimpfung. Die taz stellt uns freundlicherweise Auszüge aus dem Paragraphen zur Volksverhetzung zur Verfügung. Diese wäre strafrechtlich gegeben, „…wenn jemand in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet“. Da hat Alan Posener ja noch mal Glück gehabt, er verunglimpft ja nur deren Religion. Seine Assoziationskette vom Prinz von Dänemark zu dänischen Karikaturen, brennenden Botschaften und dem jodelnden Muezzin lässt dies leider vermuten. Warum er dazu extra eine Hamlet-Aufführung besucht, erschließt sich dabei nicht sofort, gibt es doch genügend andere gesellschaftliche und politische Anlässe dies zu tun. In der sicheren Tarnung einer Theaterkritik und mit Rückendeckung des Kulturchefs der Tageszeitung Die Welt klappt das viel besser, ohne sich aufs unsichere politische Parkett begeben zu müssen. Erstaunlich, da er doch sonst diese Öffentlichkeit nicht scheut. Nun, es ist aber auch mühselig immer nur in das eine Horn zu blasen und wesentlich angenehmer auch mal die Flöte spielen zu können. Leider verkennt Joachim Lux die Tatsache nur benutzt worden zu sein und schlägt in die gleiche Kerbe wie Posener, gleich einer Löwin, die sich schützend vor ihre Jungen stellt und brüllt Brandstiftung. Das tut der Sache so wenig gut wie es hilft, Poseners Beweggründe wirklich klarzustellen. Sie erfüllen sicher nicht den Tatbestand der Volksverhetzung, er schafft es damit auch nicht auf das Trittbrett von Thilo Sarrazin. Dort tummeln sich eh schon genügend durch die Feuilletons und Talkshows irrlichternde Gestalten. Posener ist aber mit flinken Füßen und spitzer Feder auf dem besten Wege alle zusammen weit rechts zu überholen. Hier trifft dann auch wieder die Überschrift vom Hamlet für Blöde zu, da Posener uns anscheinend alle für dumm verkaufen will.
    Peter Michalzik bringt es in der Frankfurter Rundschau noch mal auf den Punkt: „Der Fall zeigt, wie weit die Verwirrung reicht, was die Islam-Erregung mittlerweile angerichtet hat. Man sagt Islam, und schon wallt ein Gespenst mit einem unglaublichen Vernunftverneblungspotential durch unsere Köpfe. Hamlet, Islam, Abfackeln, egal, alles eins.“ Alan Posener und Joachim Lux reihen sich da munter mit ein. Um Shakespeare und Theater geht es da schon lange nicht mehr.

    zur Debatte auf Nachtkritik

  • Frank Castorf fräst sich vom Bildungsbürgertum der Drei Schwestern bis zu den Muschiks durch die russische Seelenlandschaft

    Nach Moskau! Nach Moskau! Der Versuch eines Vaudevilles nach Tschechows „Drei Schwestern“ und der Erzählung „Die Bauern“

    Dazu müssen aber an diesem 4-stündigen Abend neben Tschechow u.a. noch Dostojewski, Heiner Müller und Stalin herhalten. Darunter macht es Frank Castorf nun mal nicht. Vorab, es ist eine Messe die alten Volksbühnenschauspieler die Castorf für diese Produktion gewonnen hat, wieder vereint auf einer Bühne zu sehen. Allen voran Kathrin Angerer als herrlich aasige Natalja, Silvia Rieger, Jeanette Spassova und Maria Kwiatkowsky geben die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina, Milan Peschel den Werschinin, Bernhard Schütz als Tschebutykin, in weiteren Rollen Margarita Breitkreiz, Bärbel Bolle, Lars Rudolph, Sir Henry, Harald Warmbrunn, Trystan Pütter, Mex Schlüpfer und Michael Klobe. Anders als bei den holperigen Soldaten funktioniert dieses Ensemble von Anfang bis zum Ende fast traumwandlerisch.
    Im Saal waren fleißige Tischler am Werk, die Wandvertäfelung und die Sitze sind aufgearbeitet und frisch lasiert, die Bestuhlung hat neue Polster bekommen. Die Wände leuchten hell aber der alte Charme ist erhalten geblieben, Patina setzt alles mit der Zeit von alleine wieder an. Auch auf der Bühne gibt es Tischlerarbeiten zu sehen, aber von Patina auch hier keine Spur.
    Zwei Ebenen gibt es in dieser Inszenierung. Die besagten Drei Schwestern, gespielt auf einer höher gelegenen Holzterrasse und Die Bauern angesiedelt in einer Holzhütte am Rand der Bühne. Oben das gutsituierte Bildungsbürgertum und unten die Muschiks das Lumpenproletariat, das Marx nach Heiner Müllers Aussage nicht aus der Revolution hätte ausschließen dürfen, das es auch nach der russischen Oktoberrevolution vergessen wurde, „…war die Grundlage für die stalinistische Perversion.“ Darum geht es im großen und ganzen in Castorfs Inszenierung, um diese Grenzen zwischen den Schichten, die sich mit der Zeit immer mehr aufgelöst haben. Parallelen zu unserer Gesellschaft sind da durchaus gewollt.
    Die Anfangsszene zu Irinas Namenstag wirkt wie eine schlechte Satire auf Steins Drei Schwestern, eine von Ihnen sitzt mit Edith Clever sogar im Publikum, sie spielt immer noch die Herrin von Genets Zofen an der Volksbühne. Die Kostüme bei Castorfs Schwestern und den Offizieren sind die gleichen, nur die Gesten sind übertrieben, die Figuren bis zur Sprache hin total überzeichnet. Hysterie der Schwestern und Steifheit bei den Männern, beispielhaft dafür der Gymnasiallehrer Kulygin des Sir Henry als englischer Snob. Ganz anders dagegen die Bauern in ihrer Kate, die Spielszenen wechseln sich mit den gleichen Schauspielern in anderen Rollen ab. Übertriebene orthodoxe Religiosität der Alten, die Jungen streiten um Platz, Essen und die letzten Kopeken. Es herrscht ein System der hierarchischen Unterdrückung innerhalb der Familie mit körperlicher Gewalt bis zum sexuellem Missbrauch. Sie sind unfähig jeglicher Empathie, fehlendes Mitgefühl verhindert sogar einen Brand zu löschen. Castorf hat dafür wieder die typischen trashigen Bilder gefunden von Lenin-Stalin-Tätowierungen bis zum Terror mit roter Fahne.
    Die Drei Schwestern Tschechows werden fast wort-wörtlich genommen nur die Gefühligkeit der Figuren, die uns seit den 70er Jahren bekannt ist, treibt ihnen Castorf aus. Er führt eine Komödie auf, wie sie Tschechow vermutlich auch vor hatte. Es geht ihm aber dabei nicht nur darum einen falschen Traum zu zerdeppern, sondern das Missverständnis zu beseitigen, das die bisherige Rezeption seiner Meinung nach begründet hat, die Schwestern als melancholisch gefärbte, schön sprechende Gefühlswesen mit ihrer großen Sehnsucht von einer Zukunft in Moskau. Eigentlich reden alle nur aneinander vorbei, niemand ist wirklich kommunikationsfähig. Gefangen in ihren Konventionen sind sie unfähig jedweder Entscheidung zur Verwirklichung ihrer Wünsche. Die Olga der Silvia Rieger ist dafür das krassestes Beispiel. Sie untersagt sich und anderen jedwede Lust und ist an Steifheit nicht mehr zu überbieten. Die Annäherungsversuche der Schwestern mit den Offizieren enden zwangsläufig in ungewolltem Slapstick unterm Katendach.
    Das Bindeglied zwischen diesen beiden Schichten bildet die Kleinbürgerin Natalja, die von Anfang an ein unbändiges Machtstreben verkörpern, ihren Mann Andrej zum Waschlappen degradiert und mit Kinderwagen in den Bioladen schickt. Sie nutzt alle sich bietenden Möglichkeiten zum Aufstieg gegen die willenlosen sich ihrem Schicksal ergebenden Schwestern aus und übernimmt schließlich das Kommando auf der Terrasse. Nachdem alle vertrieben sind, sitzt sie auf einem Thron und zitiert Dostojewskis Text aus den Dämonen vom „Gottesträgervolk“ dem neuen Russen. „Finger weg von der Terrasse“ herrscht sie die Schwestern an. Die einst Belächelte und Verachtete hat sich zur neuen Größe aufgerichtet. Dieser Traum hat in Russland heute wieder Konjunktur und seinen Ausdruck in den oligarchischen Machtverhältnissen und neuem Nationalismus. Am Ende sind es die Olga und ihre Tochter Sascha aus den Bauern, die wieder nach Moskau zurückkehren und dort zwar nicht ihr Glück finden aber es wenigstens versucht haben. Die drei Schwestern sind nun ganz losgelöst von ihrer Terrasse und schweben als schwarze Raben- oder auch Pechvögel über die Bühne.
    Die ersten zweieinhalb Stunden dieser Inszenierung weiß man noch nicht genau wo der Hase hinlaufen soll, man braucht bei Castorf wie immer etwas Geduld, bis sich sein Konzept erschließt. In der Zeit nach der Pause kann man dann aber wieder richtig Spaß haben, inklusive Kinderwagenslapstick und unterdrücktem Männerwunsch lieber mal wieder ins Spielcasino zu gehen. Allein es fehlt ein rechter Bezug zur aktuellen Situation in Deutschland. Ironische Hinweise auf Bioläden allein erklären noch nicht, wo der Hase in unserer Gesellschaft im Pfeffer liegt. Wenn wir es nur wüssten! Ein Wetterleuchten am Horizont ist noch nicht zu erkennen. Aber wahrscheinlich stecken wir selbst schon zu tief in unserer eigen Selbstgefälligkeit. Warum, das weiß nur Frank Castorf allein.

  • Ivo Van Hove versucht sich an der Berliner Schaubühne an Molières Menschenfeind und Lars Eidinger bekommt dabei ein mittelschweres Müllproblem

    Mit schöner Regelmäßigkeit wenn den Theatern nichts mehr zur Lage der Nation einfällt, taucht „Der Menschenfeind“ auf den Spielplänen auf. Das Stück zur Wertedebatte. Heuchelei gegen den Drang im Menschen doch besser die Wahrheit zu verkünden, oder ist nicht doch eher der ein Heuchler, der dies ständig nur vorgibt? Alceste der Misanthrop schlechthin verkörpert diese Lebensart bis zur letzten Konsequenz, die Koketterie der anderen Heuchler ist ihm in dieser Inszenierung sogar sprichwörtlich Wurscht und geht ihm nur um Haaresbreite am Allerwertesten vorbei. Wenn ihm dabei nicht immer der eigene Schwanz im Wege wäre. Die Liebe zur flatterhaften Célimène lässt ihn an seinen Idealen scheitern. Er und seine hehren Absichten stehen sich selbst im Weg.
    Nachdem Andreas Kriegenburg in der letzen Spielzeit am DT eher konventionell versuchte die Seelen der Protagonisten auf Großbildleinwand aufs feinste zu sezieren, setzt Ivo Van Hove, Chef der Amsterdamer Toneelgroep in seiner ersten Arbeit für die Schaubühne auf totale Konfrontation und will den Wandel in der Gesellschaft direkt auf die Bühne bringen, alte Werte gegen die Auflösung traditioneller Lebensweisen. Die Figuren sprechen Molières Verse würden aber lieber an das ewig klingelnde Handy gehen. Das Neue an dieser Inszenierung ist nicht nur die kleinere Videowand sondern auch das neben der Benutzung einiger technischen Hilfsmitteln der Mediengesellschaft noch ein eher dürftiges Festgelage der haltlosen Schickeria mit Erdnusschips, Bockwurst und langem Baguette durch Alceste zerlegt wird und man sich dabei lieber zu alten Werten wie „Spiel nicht mit dem Essen anderer Leute“ wünscht. Nach einem weiteren vergeblichen Versuch Müll auf offener Bühne zu trennen und einige Telefonate und E-Letters später geht Alceste mit Célimène dann lieber doch nicht in die Wüste und alle verhinderten Müllmänner und -frauen stellen sich zu einem Tableau der Ratlosigkeit an der Bühnerampe auf.
    Den smarten Menschenfeind gibt übrigens Lars Eidinger, der spätestens jetzt zu den letzten echten Wilden auf Berlins Theaterbühnen zählen dürfte. Man wird auch diesmal nicht enttäuscht und braucht erwartungsgemäß nicht lange darauf zu warten, das er irgendwann die Hose fallen lässt und sich auf den Präsentierteller der ausgelassenen Tafelrunde legt, seinem Ekel über diese malade Welt freien Lauf lassend.
    Regisseur Ivo Van Hove kann leider diesem Drama über die Unfähigkeit der Menschen, eigenen Anspruch und herrschende Wirklichkeit in Einklang zu bringen, nichts weiter hinzufügen. Er rutscht beim Ausfegen alter Werte auf dieser all zu glatten und zugemüllten Bühne einfach nur aus. Den Sinn kann sich wer will in den Resten dieser Inszenierung selber zusammen suchen.

    Nachtrag:

    Die Inszenierung des Menschenfeinds findet heute in den Feuilletons ihre Fortsetzung. Es wird rumgeeiert vom Feinsten. Wie sage ich meinem Kind, das es nicht mit Müll spielen soll, ohne mich als Spießer zu outen? Da wird von den schönen blauen Augen der Judith Rosmair geschwärmt und die Schauspielkunst der alten Schaubühne in der Verkörperung von Corinna Kirchhoff hoch gelobt. Das ist mit Sicherheit auch so. Im Grunde finden aber alle die Inszenierung so lala oder aseptisch, machen kleine Witzchen oder haben gar keine konkrete Meinung. Keiner traut sich aber Quark zu sagen, außer vielleicht noch PH Göpfert, der das rumlavieren eh nicht mehr nötig hat. Es wird auch gar nicht erst nach einem Sinn gesucht, weil er nicht zu sehen ist. Wenn das tatsächlich so wäre, das Ivo Van Hove uns nur vorführen wollte, warum kippt dann Lars Eidinger den Müll nicht gleich ins Publikum, und sagt: Wenn ihr meinen Hintern sehen wollt, hier ist er. Angst vor den Konsequenzen, da würde ja das Regiekonzept auf die Macher selbst zurückschlagen.
    Dass man all zu aufgesetzte Melancholie oder auch Tragik in satirischem Boulevard auflösen kann hat ja Frank Castorf an der Volksbühne gerade bewiesen. Aber hier läuft sich alles nach einer Stunde tot. Lauter glatte Benutzeroberflächen an denen der Misanthrop Alceste mit seinen Ausbrüchen abrutscht. Vor allem sind sie völlig unbegründet, er ist weder aus der Gesellschaft ausgeschlossen, noch flieht er sie wegen ihrer Oberflächlichkeit. Nein er besitzt alle ihre Attribute und sucht geradezu ihre Nähe, um sich produzieren zu können.
    Einzig interessant wäre tatsächlich noch die Frage nach den Hintergründen dieses Stückes in Molièrs Zeiten, von Lothar Müller in der Süddeutschen Zeitung vorsichtig angefragt. Van Hove hebt die Hofschranzen mit ihrer Arschkriecherei in die Höhe eines modernen Menschen, ja wohin kriechen die denn aber heute eigentlich? Karrieristentum, Mobbing etc. kommt bei ihm gar nicht vor. Den Prozess im Hintergrund hätte er komplett streichen können, was hat denn heutzutage einer noch zu erwarten bei einem Rufmordprozess z.B. Vielleicht noch gesellschaftliche Ächtung und Jobverlust. Beispiele dafür gäbe es, sogar ziemlich aktuelle. Da das Alceste in diesem Falle aber Bockwurst sein dürfte, bleibt alles vage, ob er lieber weiter rebelliert, sein Pseudospießertum aufgibt und die Liebe siegt oder doch alles so bleibt wie es ist. Diese Inszenierung führt sich letztendlich selbst ad absurdum und im Publikum können sich alle wieder beruhigt zurücklehnen, wir sind ja Gott sei dank nicht gemeint.
    Da es nun draußen wieder kälter wird, hier vielleicht zum 150. Todestags des Obermisanthropen und Stachelschweinliebhabers Arthur Schopenhauer noch ein kleines Zitat von ihm: „So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte.“ Und die, denkt sich Ivo Van Hove, schaffe ich jetzt eben gleich mal mit ab. Gegen fehlende innere Wärme kann man nun ja auch in der Schaubühne wieder zusammenrücken, die restlichen Stacheln des Menschenfeinds hat Ivo Van Hove alle schön platt gebügelt.

    21.09.10

  • King Harald zum III. oder ein Albtraumorakel

    Ein starkes Stück! – Das dicke Ende

    Sat.1-Studio, es ist spät am Abend.
    King Harald schläft nach einem langen Late-Night-Talk den Kopf auf dem großen Moderatorentisch gelegt. Vor ihm ein umgekipptes Weinglas.

    Drei Geister treten auf mit den Masken von Herbert Feuerstein, Manuel Andrak und Monika Piel.

    Geist Feuerstein mit Narrenkappe und Schellen:
    Der erste war ich, der zum Ruhm dir half;
    Schmidteinander fühlt‘ ich duldend deine Tyrannei.
    Träum weiter, träum von mir und von Verderben.
    Ich sei wie Blei in deinem Busen, Harald,
    Zieh nieder dich in Fallen, Schmach und Wahn!

    Geist Andrak mit Notebook unterm Arm:

    Schwer möge ich auf deiner Seele lasten!
    Denk, wie du mich einst vergaßt nach unsrer Blütezeit,
    Ich gab dir viel, da du noch sterblich warst,
    Die Stichworte gab ich dir auf den gesalbten Leib;
    Drum denk an mich, verzweifle nun und stumm verdirb!

    Geist Monika mit Krone und wallendem Gewand:
    Harald, Monika ruft dich, deine letzte Intendantin,
    Die keine ruhige Stund mehr schlafen kann nach dir,
    Ich fülle deinen Schlaf jetzt mit Verstörungen.
    Denk an mich in der Nacht, die du einst fallen ließt.
    Abgestumpft des Witzes Klinge ist! Bald fällst auch Du!

    Die Geister verschwinden. Harald fährt aus dem Schlaf auf.

    Harald:

    Was war das, Himmel! (Sieht das umgekippte Glas) Ach, weinselig Träume nur.
    Das feig Gewissen, das mich wieder hier bedrängt!
    Obwohl, der kleine Narr der schien mir wohl bekannt
    und auch die andren beiden sah ich irgendwo einmal.
    Mir brummt der Schädel. (Sieht auf die Studiouhr.) Schon weit nach Mitternacht.
    Wisch ab den Schauer und den kalten Schweiß!
    Hab ich denn wen zu fürchten? (Frolockend): „Nur hier herein!“
    Ja, ich bin hier. Sonst ist hier niemand.
    Harald liebt Harald: das heißt, Ich bin ich und bleibe hier!

    Er schläft wieder ein.
    Zwei Hexen mit den Masken von Till Briegleb und Gerhard Stadelmaier treten auf.

    1. Hexe:
    Wo warst du, Schwester?

    2. Hexe:
    Intendanten gewürgt.
    Schwester, wo du?

    1. Hexe:
    Beim Schifferweib, kein Geld mehr hat`s im Schoß
    Pack dich, du Hexe! schreit das fette Weibsstück
    Ihr Kapitän ist jüngst von Bord bei Nacht
    Leben soll es fluchbedacht!
    Schwere Wochen, neunmal neun,
    Siech es, schwind es, schrumpf es ein!
    Wird auch nicht das Schiff zerschmettert,
    Solls doch bleiben sturmumwettert!
    Nichts soll es schirmen weit und breit,
    Ungeführt, umtost in alle Ewigkeit –
    Schau, was ich hab!

    2. Hexe: Zeig her, zeig her!

    1. Hexe:
    Des Hanseaten Daumen hab ich da,
    Schiffbruch litt er der Heimat nah!

    beide Hexen:
    Unheilsschwestern, Hand in Hand
    Schwärmend über Meer und Land,
    Ziehn wir in den Theatern rum und
    Tun viel faulen Zauber kund.

    2. Hexe: Ha,
    sieh, Harald ist da!

    Harald weiter im Traum:
    So wüst sah ich noch keine Nacht. Wer sind diese?
    So eingeschrumpft, so wild in ihrer Tracht?
    Die nicht Bewohnern unsrer Erde gleichen,
    Und doch drauf stehn? Lebt ihr? Wie? Seid ihr was,
    Das man darf fragen?

    1. Hexe:
    Heil dir, Harald, Heil! Der Fernseh-King of Talk bist du geworden!

    2. Hexe:
    Heil dir, Harald, Heil! Theaterintendant sollst du nun sein im Norden!

    Harald:
    Seid ihr Wahnbilder oder wirklich das,
    Was körperlich ihr scheint? In wessen Namen,
    Grüßt ihr mich mit neuer Ehr und Prophezeiung?
    Bleibt, ihr einsilbgen Sprecher, sagt mir mehr.
    Doch seh ich selber wohl, das kann nur Wahrheit sein.
    Wenn die Theater überall zu Grunde gehen,
    Wie könnt ich weiter da der schnöden Fernsehunterhaltung frönen.
    Der Auserwählte zu retten bin ich, sagen diese dort.
    Ich, der ich die Bühnen schon so lang liebe
    Und endlich man sich nun auf mein Geschick besinnt.
    Schnell ist ein guter Plan gemacht,
    die Hansekogge aus dem Schlick zu ziehen.

    Er verstummt angestrengt grübelnd.

    beide Hexen:
    Ja, alles ist so. – Doch warum
    Zaudert Harald, steht so starr und stumm?
    Auf, zu inspirieren seinen Geist,
    Ihm unsre schönsten Künste weist!
    Durch Zauber schaff ich luftge Weisen,
    Auf, tanzt in vielverschlungnen Kreisen!
    Der Harald soll uns Lob gewähren,
    Sein Kommen wußten wir zu ehren.

    Sie tanzen um den Tisch und fangen grauenhaft an zu lachen und zu heulen bis ein Sturm sie hinweg fegt.

    Harald erwacht wieder schweißgebadet. Die Putzfrau steht im Studio, hat den Staubsauger angeworfen und zetert über die Unordnung. Er schubst sie beiseite, springt auf den Moderatorentisch und rauft sich das Haar.

    Harald:
    Ein Stuhl! Den Intendantenstuhl! Den Sender hier für diesen Stuhl!

    Putzfrau:
    Herr, weicht zurück!

    Harald:
    Blast Winde sprengt die Backen! Wütet! Blast!
    Euch schellt ich grausam nicht, ihr Elemente.
    Ich setzt‘ auf einen Wurf mein Leben, Weib.
    Anstatt den Narren weiter hier zu spielen,
    Gehetzt nur von des Pöbels Fluch.
    Ich denk, es sind sechs Intendanten hier im Feld,
    Fünf schlag ich locker aus dem Rennen.
    So lange Leben noch in mir ist,
    stehn denen Wunden besser.
    Einen Wagen! Einen Wagen schnell! Zehn Sender für `nen Wagen!

    Putzfrau:
    Ich hab nur dieses Wägelchen.

    Harald springt auf den Putzwagen. Im Wahn ab.

    Auftritt Olli P. und Johannes B. Olli P. lässt verstohlen das Weinglas in den Müllsack der Putzfrau verschwinden.

    Johannes:
    Quält seinen Geist nicht! Laßt ihn ziehn! Der haßt ihn,
    Der auf die Folter dieser zähen Welt
    Ihn länger spannen will.

    Olli:
    Oh, er ist wirklich weg!

    Johannes:
    Das Wunder ist, daß ers ertrug so lang;
    Sein Dasein hier, das war nur angemaßt.

    Olli:
    Er ist hinweg! – Ich kann nichts mehr als trauern.
    Oh meiner Seel, nun herrschen beide wir
    In diesem Reich und heilen es von seinen Leiden!

    Johannes, traurig:
    Ich muß zur Reise bald gerüstet sein;
    Die Einschaltquoten leider sagen: nein.

    Olli, gespielt, noch trauriger:
    Laßt uns, der trüben Zeit gehorchend, klagen:
    Nicht, was sich ziemt, nur, was wir fühlen, sagen.
    Dem Ältsten war das schwerste Los gegeben,
    Wir Jüngern werden nie so viel erleben.

    Sie gehen mit einem Trauermarsch ab. Sat.1-Bälle fallen herunter und zerplatzen am Boden. Werbeeinblendung.

    The End. I hope without Comeback.

    Dank an William Shakespeare sowie an Hamlet, Julius Cäsar, Richard III., Macbeth und den guten alten Lear.

  • In den Iden des Septembers oder Et tu, Harald?

     Ein starkes Stück! – Teil 2

    Prinz Harald steht auf dem Flur des WDR, Monika Piel nähert sich ihm.

    Monika:
    Da bist du ja. Was für Beschwerden gibts,
    Die ich heben muß zum Rundfunkrat?

    Harald:
    Ich küsse deine Hand, doch nicht als Schmeichler,
    Und bitte, Monika, Dich um des Publikums,
    Das meine Demission sogleich bewilligt werde.

    Monika:
    Wie? Harald!
    Ich ließe wohl mich rühren, doch gleich ich euch;
    Mich rührten Bitten nicht, bät ich, nur um zu rühren.
    Doch muß ich standhaft sein, dies Hauses Stern,
    Des unverrückten, ewig stete Art
    Nicht ihresgleichen hat am Firmament.
    Der Himmel prangt mit Funken ohne Zahl,
    Und teuer sind sie all und jeder leuchtet,
    Doch welcher nur behauptet seinen Stand.
    So in der Branche auch; die voll von Deinen,
    Und sie sind all empfindlich, emsig und gut;
    Doch in der Menge weiß ich einen nur,
    Der unbesiegbar diesen Platz bewahrt,
    Vom Andrang unbewegt; daß ich so bin,
    die leeren Kassen sind`s, das ich dir zeige,
    Daß ich auf diesem Bande fest bestehe
    Und drauf bestehn muß, das es bleibe.
    So bleib denn nun, sag ich! Du kniest umsonst?

    Andreas Bartl und Fred Kogel von hinten:
    Dann, Hände, sprecht für uns!
    Sie ziehen Monika einen Sack über den Kopf. Monika fällt ihnen in den Arm und wird von Harald gefesselt.

    Monika:
    Harald auch du? – So fall ich denn!
    Sie fällt in Ohnmacht. Alle Mitarbeiter des WDR stehen verdutzt auf dem Flur.

    Andreas:
    Befreiung! Freiheit! Endlich, der Meister kehrt zurück.

    Fred:
    Folget mir, fort! Verkündigt! Ruft es durch die Flure!
    Wir kehren zur Familie zurück.

    Harald:
    Seid nicht erschrocken, Personal und Rat!
    Flieht nicht! Steht still! Der neue Kapitän Euch grüßt.
    Bereit zum Streich nun seid und steht nicht stumm.
    Alle ab.

    Harald vor dem Rundfunkhaus zum Volk:

    So folget mir und gebt Gehör mir. Freunde! –
    Wer weiter mich will reden hören, geht mit mir!
    Wer mir nicht folgen mag, der bleibe hier,
    Erklären wollen wir, warum zu Staates Wohl
    Sat1 verlangt der Öffentlichen Tod.
    Seid ruhig bis zum Schluß!
    Kölner! Mitbürger! Freunde! Hört mich meine Sache führen und seid still.
    Des Haralds Liebe zum WDR war nicht gering. Wenn ihr dann fragt, warum Harald gegen Monika aufstand, ist dies meine Antwort: Nicht, weil ich Monika weniger liebte, sondern weil ich Euch mehr liebe, verließ ich sie. Tränen für meine Liebe, Freude für das Glück zum Ende der Zeit der leeren Kassen. Wer ist hier nicht froh, und wünschte nicht, ein freier Privater zu sein? Ist es jemand, er rede, oder schweige fürderhin. Wer ist hier, der Sat1 nicht lieben will? Ich halte inne, um Antwort zu hören.

    Bürger erst zögerlich, dann auf einmal:
    Lebe, Harald! Harald lebe hoch!

    Harald:
    Ihr guten Bürger, lasset nun mich gehn;
    Bleibt mir gewogen hier beim WDR.
    Ehrt Monika, ehret ihre Rede,
    Verherrlicht ihren Ruhm.
    Doch bitt ich Euch, geht fort von hier,
    Denn ich allein, bin Euch versprochen.
    Ab. Andreas Bartl und Fred Kogel werfen Sat.1 Bälle ins Volk.

    The prince is back. god save the king,
    The rise and fall of him.
    A fatal fate takes its run,
    This will be done.

    Go on!

  • Die Sender-Frage oder H-Mono in Stereo

    Ein starkes Stück!

    In den Räumen und endlosen Gängen des WDR.

    Auftritt Prinz Harald.

    Harald:   Sat1 oder nicht Sat1; ist das hier die Frage?
    Ob`s edler im Geblüht, den Spott zu schleudern,
    Oder, das wütende Gesocks erdulden,
    Sich waffnend gegen diese See von Plagen,
    Durch Abgang sie gar enden? Sterben – schlafen –

    Nichts weiter!? Und zu wissen, daß dieser Schlaf
    Das Herzweh der tausend Stöße nimmer endet,
    Die meines Fleisches Elend bedeuten – ’s ist an der Zeit,
    Aufs innigste zu wünschen. Sterben – schlafen –
    Schlafen? Ha, Vielleicht auch träumen! Ja, da liegt`s!

    Was nach des Schlafes Träumen kommen möge,
    Wenn wir dies Bundes Verstrickungen gelöst,
    Welch zwingt uns still zu stehn. Es ist die Rücksicht,
    Dies Elend läßt zu hohen Jahren kommen.
    Ertragen dieser endlos Zeiten Spott und Geißel,

    Der mächt`ge Druck, der Stolzen Verhandlungen,
    Verschmähter Liebe Pein, rechtfertigt das Aufschub?
    Der Überdruss der Ämter und die Schmach,
    Die unwerter Verdienst erweist, dies schweigen,
    Das man selbst in Ruhstand sich setzen müsst.

    26 Sendeplätze bloß! Wer trüge diese Lasten
    Und stöhnt und schwitzt nicht unter dieser Müh?
    Nur daß die Furcht vor etwas, wie den King of Talk,
    Das neu entdeckte Land, von dessen Ufern
    Ich nimmer wiederkehr, den Willen wirrt.

    Daß wir die Übel, die wir haben, lieben,
    läßt uns auch zu den unbekannten fliehn,
    Dies macht genüsslich Feige aus uns allen.
    Der angebornen Farbe der Entschließung
    kränkeln Gedanken Blässe nur ins Gesicht;

    Mein Unternehmen, hochgezielt und wertvoll,
    Durch keine Rücksicht aus der Bahn gelenkt,
    Wechselt die Handlung doch nur einen Namen. – Still!
    Die reizende Monika! – Nymphe, so schließ
    In dein Gebet auch diese, meine letzte Sünde ein!

    to be ore not to be continued, that is the question
    may be, will see, the use of it, hope for a suggestion

  • Die Sorgen und die Macht – Jürgen Kuttner und Tom Kühnel lassen Peter Hacks im DT Revue passieren

    Ein Conférencier steht auf der Bühne der Kammerspiele des DT und mimt ein Telefonat mit niemand anderem als Walther Ulbricht, dem Staatsratsvorsitzenden der DDR und 1. Sekretär des Zentralkomitees der SED von 1953 bis 1971, ich habe sicher noch einige Funktionen vergessen. Der Conférencier ist Hans-Georg Ponesky, ein bekannter und beliebter Moderator des DDR-Fernsehens, er versichert Ulbricht am Telefon, das kein anderer als Gast willkommener sei als er. Das Telefonat stammt aus einer „Mit dem Herzen dabei“-Sendung aus dem Jahre 1966 im Friedrichstadtpalast, einer Art Verstehen sie Spaß-Version der DDR. Ulbricht freut sich auch und verspricht in seinem viel parodiertem Sächsisch sofort zu kommen. Was ihn erwartete erfahren wie leider nicht, es ist aber bekannt, es war der ehemalige Justizminister der DDR Max Fechner, der sich nach seiner Inhaftierung wegen der Verweigerung der Strafverfolgung der streikenden Arbeiter des Volksaufstands am 17. Juni 1953 mit Ulbricht auf offener Bühne versöhnen durfte. Der „olle Zickenbart“ verstand also Spaß, aber das Ganze ist wohl eher als eine Art der Demütigung zu verstehen, die er dann später selbst erfahren musste, im Schlüpper abgelichtet, wie uns Jürgen Kuttner in seiner unnachahmlich, schnellsprechenden Art seiner Videoschnipselabende erklärt. Erich Honecker hat dann die Leute lieber mit „Ein Kessel Buntes“ gelangweilt und Intershops und Delikatläden eingerichtet, zur Befriedigung des Konsumbedürfnisse der Bevölkerung. Da liefen aber schon viele DDR-Bürger lieber am laufenden Band zu Rudi Carrell über und mit der sozialistischen Moral war es ebenfalls nicht mehr weit her. Auch Peter Hacks, um den es eigentlich gehen soll, war bekennender Fan von Ulbricht und schickte den Umstürzlern unter Honecker lieber einen langen Fluch hinterher, der sie auch tatsächlich später bekanntermaßen einholen sollte. Ulbricht war für Hacks die Hoffnung auf einen Neubeginn in der sozialistischen Wirtschaft und das Leute mit Praxis und nicht nur Parteizugehörigkeit in wichtige Positionen kommen. Das ist im Stück auch in den Figuren das Parteisekretärs Kunze und des Meisters Papmeier angelegt. Aber der Reihe nach.
    Hacks` Stück die „Sorgen und die Macht“ wurde nach einigen Änderungen als es 1959 am DT nicht herauskommen durfte, erst in Senftenberg 1960 und dann 1962 noch mal am DT aufgeführt. Es kam zum Eklat, da sich die Partei nicht angemessen dargestellt sah und ein falsches Bild des sozialistischen Menschen im Stück kritisierte. Verschiedenste Funktionärsstimmen werden exemplarisch in der Inszenierung von Kuttner und Kühnel vorgeführt. Schließlich musste Intendant Wolfgang Langhoff seinen Hut nehmen und Peter Hacks verlor seine Dramaturgenstelle am DT. Die Rede Langhoffs zur Selbstkritik vor der Parteigruppe trägt Kuttner nach der Pause vor. Das kann nur nachempfinden, wer selbst einmal zur Erniedrigendung vor so einem Tribunal stehen musste. Kuttner bringt das sehr überzeugend rüber.
    Das Stück selbst wird natürlich auch gespielt. Es geht am Beispiel zweier Fabriken, um das System des sozialistischen Wettbewerbs und die Einsicht nicht zuerst auf den Geldbeutel zu schauen, sondern Qualität unter Beibehaltung der Quantität zu erreichen. Eine Brikettfabrik liefert 160 % Planerfüllung indem die Qualität durch Tricks bewusst runter gefahren wird und kassieren fette Prämien dafür. Darunter leidet eine Glasfabrik, wo die schlechte Kohle zur Produktion nicht nutzbar ist. Über die Liebe zur Glasfabrikarbeiterin Hede Stoll (Susanne Wolff) kommt der Brikettierer Max Fidorra (Felix Goeser) zur Einsicht, das es im Sozialismus in erster Linie um Gemeinschaft und nicht um Einzelinteressen geht. Gegenspieler sind die Arbeiter Fromm und Zidewang, die lieber weiter gut verdienen wollen und dazu Partei und Wettbewerb ausnutzen. Hacks wollte damit die noch bestehenden Widersprüche auf dem Weg zum Sozialismus darstellen und überwinden helfen. Er hatte erkannt, das der Mensch in erster Linie nur über das Geld funktioniert aber Einsicht nicht materiell stimulierbar ist. Ein Widerspruch den er mit diesem Stück zu lösen versuchte. Heute mutet das natürlich eher lächerlich an und die agitatorischen Passagen stoßen unsanft auf. Dennoch gelingt Hacks hier noch beeinflusst von Brecht seinen politischen Standpunkt in einen künstlerisch sehr hochwertigen Text zu verpacken. Die durchaus gewünschte Komik setzen Kuttner und Kühnel gekonnt um. Kuttner klärt am Anfang erst mal über die Geschichte des Stücks auf, damit auch alles richtig verstanden wird und verspricht den Zuschauer auch im Auge zu behalten, jeder Lacher an der falschen Stelle werde genau registriert. Danach liefert er dann beim Betriebsfest im Kultursaal einen schmierigen Showmaster ab, der sich mit seinem doppeldeutigen aber platten Witz durchsetzen muss und das Spiel zwischen Hede und Max erst ins rollen bringt. Alle Schauspieler sind mehrfach besetzt und bewegen sich mit viel Spielfreude durch das angestaubte Stück. Zur Kommentierung und sicher auch zur Auflockerung des Stoffes werden immer wieder bekannte Persönlichkeiten wie Marcel Reich-Ranicki (Klasse Parodie von Christoph Franken) und der Herausgeber der FAZ Frank Schirrmacher eingeflochten. Sie stehen für die westdeutsche Sicht auf Peter Hacks. Sogar ein paar nicht so gewogene Stimmen der Kritiken zur jetzigen Premiere werden verlesen und das gar nicht altklug. Schirrmacher (Elias Arens) lobt die essayistische Kunst des Peter Hacks und reklamiert ihn, die ideologische Seite negierend, für uns alle. Im Prinzip hat er Recht, Hacks` „Maßgaben der Kunst“ und die Abhandlungen über die Gattungen als Werkzeuge der Kunst, beispielhaft genannt hierfür vielleicht sein Versuch über die Ballade in „Urpoesie, oder: Das scheintote Kind“, sind unterhaltsame Theorievermittelung auf höchstem Niveau. So einfach ist dann aber Hacks nicht zu vereinnahmen, das wissen auch Kuttner und Kühnel. Nachdem der eiserne Vorhang aufgezogen ist und den Blick auf das Junozimmer Goethes freigibt, den Hacks zu seinem klassischen Idol erkoren hatte, steht dort eine überdimensionale Büste, ein Januskopf, vorn Juno hinten Karl Marx, die zwei Gesichter des Peter Hacks. Kunst und Ideologie, das war für ihn untrennbar, der eine ist ohne den anderen nicht zu haben. Diesem Widerspruch sind Kuttner und Kühnel auf der Spur, allein sie mühen sich vergeblich. Hacks versuchte mittels Kunst eine Haltung anzubieten. Das ist heute verpönt und so steht wieder der Hacks der poetischen Liebesdichtung „Beeilt euch ihr Stunden, die Liebste will kommen.“ neben den zynischen Nachwendegedichten zur Mauer als „Erdenwunder schönstes“ und dem „Tamerlan in Berlin“ mit seinen als usbekische Plünderer dargestellten Wessis. Die Darsteller tragen die Gedichte zum Schluss nacheinander vor, sie wie Aphorismen auf Kalenderblättern von der Wand reißend. In der Inszenierung werden Parteiversammlungen in Kostümen der Goethezeit abgehalten, Kohlen prasseln über eine Rutsche ins Junozimmer und sind Versuche diese Widersprüche humorvoll aufzuarbeiten. Aber sie bleiben bestehen, da sie Hacks auch nie als solche angesehene hat. Zwiespältig ist auch die wunderbare Parodie Michael Schweighöfers vom Kölner Auftritt Wolf Biermanns mit seinem Song „so soll es sein – so wird es sein“. Da heißt es: „So oder so die Erde wird rot…“, auch ein Ziel Peter Hacks`, trotzdem begrüßte er die Ausbürgerung Biermanns und wünschte den Bürgerrechtlern noch nach der Wende die Guillotine auf dem Bebelplatz an den Hals. Darin war er unbeirrbar und konsequent.
    Kuttner und Kühnel verkürzen die zweite Hälfte des Stückes stark, um die Nachwendezeit noch mit unterzubringen. Die Protagonisten sehen sich plötzlich einem Herrn Wesselbrunner, einer Figur aus einem Nachwendestück von Hacks, gegenüber, der das Haus als Alteigentümer beansprucht. Gemeinsam versucht man ihn mit Kohlenwürfen zu vertreiben und tanzt dann zu Feeling B`s „Ich such die DDR und keiner weiß wo sie ist“. Die Musik hatten die Bandmitglieder um Aljoscha Rompe, die nach seinem frühen Tod zum großen Teil in der Band Rammstein aufgegangen sind, von dem alten und sehr beliebten Jiří-Korn-Schlager „Ich such die Yvetta“ entlehnt. So versuchen Kuttner und Kühnel mittels dieser gelungenen Revueeinlagen mit der Vergangenheit zu versöhnen und geben zum Schluss ein diffuses und eher satirisch gemeintes Bild auf die Zukunft frei, diesmal mit einem Westschlager von Christian Anders „Die Mauer hat uns nicht besiegt“, schauen Hede und Max in eine glutrote Sonne. Noch ein kleiner Verweis auf Hacks, er hatte Symbolik und deren Verwendung in geflügelter Sprache verabscheut.
    Was gäbe es da eigentlich noch zu kritisieren, abgesehen davon, das wir uns gut amüsiert haben und einigen ein netter Grusel den Rücken runter gelaufen ist. Nun, es ist die schmerzhafte Abwesenheit eines Dichters, den uns Kuttner auch in seiner lockeren eloquenten Art nicht weiter näher bringen kann. Gut, zu einer Haltung, die man nicht einnehmen will, kann man heute nicht mehr gezwungen werden, aber man könnte sich zu einer eigenen Meinung durchringen, wenn man denn wollte. Hacks setzte den mitdenkenden Zuschauer nicht zwangsweise voraus, er appellierte eher an Einsicht und Vernunft, an ein gewisses Interesse am Politischen und eine Fähigkeit zur Empathie. Das wäre das eigentlich Klassische in seinem Werk. Das er seine Stücke immer mehr auch in klassische Stoffe verpackt hat, liegt wohl eher daran, das ihm der real existierende sozialistische Mensch fremd geworden war. Peter Hacks hat die Utopie der Zukunft aus der Vergangenheit heraus zu entwickeln versucht. Vielleicht können wir ja heute auch wieder beginnen aus der Geschichte und der Klassik zu lernen ganz ohne festgefahrene Sichtweisen.

    „Der heilige Benediktus, der, wie man mir sagte, im Jahre 480 geboren wurde, befaßte sich vornehmlich mit der Lösung des Problems, wie einer auf Erden möglichst glücklich leben und doch eben noch in den Himmel kommen könnte. Ich, der ich, wie man mir sagt, im Jahre 1928 geboren bin, befasse mich (das zu Ändernde geändert) ganz mit demselben Problem.“                                          Peter Hacks, 1965

    „Es gibt bei Hacks aber eine immer wieder zu beobachtende Erscheinung: Da man ihn selber nicht mehr zu fürchten hat, kann man ihn so ein bisschen an die Brust nehmen. Bürgerliche, Linksradikale, alle wollen ihren Hacks, greifen Teile raus und haben dann doch wieder den ganzen am Hals.“ … „Brecht, das ist der revolutionäre Hacks; Shaw und Oscar Wilde, das ist der sozialistische Hacks; Shakespeare und Goethe, das ist der kommunistische Hacks.“
    „Die Art, wie die mit ihm umgesprungen sind, ist einer der schlimmsten Indikatoren dafür, was an der DDR nicht in Ordnung war: dass sie es nicht geschafft haben, Zustimmung auf hohem Niveau zu verarbeiten. Da ist jemand wirklich für diesen Staat, und zwar nicht aus Dummheit oder Naivität oder weil er sich hat bestechen lassen, sondern weil er sich das überlegt hat – und die verbieten ihn.“

    Dietmar Dath, Schriftsteller und Verfasser des Nachworts zur Suhrkamp-Ausgabe der „Maßgaben der Kunst“ in einem Interview mit dem ND vom 03.07.10

    Interessante Links zum Thema:

    Ein Gespräch von Ulrich Seidler mit den Regisseuren Klaus Gendries und Jürgen Kuttner über Propaganda, Provokation und den Reiz des Widersprüchlichen im Magazin der Berliner Zeitung vom 28.08.10
    „Der eine inszenierte in der DDR ein Theaterstück, das wenig später einen Skandal provozierte. Der andere bringt es fünfzig Jahre danach auf die Bühne.“

    Jürgen Kuttner und Tom Kühnel über Peter Hacks‘ Utopie, den Genossen Stalin und über ihre Hacks-Inszenierung „Die Sorgen und die Macht“ am Deutschen Theater

    Jürgen Kuttner und Tom Kühnel im Gespräch mit Marion Brasch am 03.09.10 auf radio eins

    Der Schriftsteller Dietmar Dath im Gespräch mit Martin Hatzius im ND vom 03.07.10 über den sozialistischen Klassiker Peter Hacks, den Kommunisten Goethe über den politischen Literaturstreit zwischen Klassik und Romantik und über den Anspruch, den die Kunst an das Leben stellt.

    Dietmar Dath in der FAZ vom 15.03.2008 zum 80.Geburtstag von Peter Hacks

    Aus dem Nachwort der am Montag erscheinenden Neuauflage von Peter Hacks‘ »Die Maßgaben der Kunst« von Dietmar Dath im ND vom 19.06.2010

    Der Text von Frank Schirrmacher aus Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 09.03.2008 der in der Inszenierung verwendet wird.

    Vor 40 Jahren: Absetzung von Wolfgang Langhoffs Inszenierung »Die Sorgen und die Macht« am Deutschen Theater. Ein Artikel von Hans-Dieter Schütt im ND vom 09.01.2003

    Felix Bartels, 5.9.2010 auf der Peter-Hacks-Website, eine sehr gute Kritik der Inszenierung mit noch mehr Hintergrundinfos, hier auch weitere Links zu Kritiken in der Presse

  • Penthesilea und Achill nach Heinrich von Kleist

    Eine Produktion von aufBruch KUNST GEFÄNGNIS STADT auf der Berliner Museumsinsel

    Mitten in einer Regietheaterdebatte auf Nachtkritik ist es immer ganz praktisch anhand von Beispielen argumentieren zu können. Um so besser wenn diese auch noch aktuellen Bezug haben und so trifft es sich gut, dass das Gefängnistheater aufBruch Kleists Penthesilea als Freiluftvariante im Kolonnadenhof auf der Museumsinsel präsentiert. Das Stück heißt hier Penthesilea und Achill, was sagen soll, das man Kleists Text nur als Vorlage benutzt und Eigenes einflechten will, daher auch nach Kleist.
    Kurz zum Inhalt so weit nicht bekannt. Auf dem Schlachtfeld im Krieg um Troja erscheint nach 10 langen Kriegsjahren nun auch das kriegerischen Amazonenvolk, geführt von ihrer Königin Penthesilea. Nachdem sie endlich auf Seiten der Trojaner ins Geschehen eingreifen, begegnen sich Penthesilea und der griechische Held Achill. In der Ilias von Homer tötet Achill Penthesilea und verliebt sich dann in sie, unfähig weiter am Kampf teilnehmen zu können. Kleist hat die Geschichte umgearbeitet und zu einem Kampf der Geschlechter zwischen Liebe und Tradition gemacht. Hier ziehen sich Penthesilea und Achill fasziniert von einander wechselseitig immer wieder an, um sich dann ganz in der traditionellen Rolle ihres Volkes wieder ab zu stoßen. Nachdem Achill im Kampf mit Penthesilea erst siegreich ist, unterwirft er sich ihr Dank einer List Prothoes, der Vertrauten der Amazonenkönigin. Es entwickelt sich nun eine Liebesszene in der Achill sie für sich gewinnen will. „Du sollst den Gott der Erde mir gebären!“ Penthesilea erkennt aber schließlich, das es nur ein Betrug war und sie eigentlich unterlegen ist. Nach dem sie erneut im Kampf voneinander getrennt werden, erwacht ihre alte Amazonenehre. Achill will sich nun erneut mit ihr messen, um sich wieder im Schein zu ergeben und mit ihr ziehen zu können. Penthesilea verkennt dies und zerfleischt nun Achill in ihrem Wahn von Zuneigung und Hass. „Küsse, Bisse , das reimt sich, und wer recht von Herzen liebt, kann das eine für das andre greifen.“ Sie folgt nun Achill in den Tod, indem sie aus ihrem Herzen ein „vernichtendes Gefühl“ hervorgräbt und zu einem Dolche formt. Für Kleist lag darin „… der ganze Schmutz und Glanz meiner Seele.“ Man kann durchaus sein Scheitern im Leben und in der Liebe mit diesem sehr persönlichen Stück in Verbindung setzen.
    In der Regie von Peter Atanassow, der neben seinen Film- und Fernseharbeiten immer wieder mit dem Gefangentheater aufBruch zusammenarbeitet, dreht sich die Inszenierung genau um diesen zentralen Widerspruch Liebe und Tradition zwischen den Geschlechtern. Die Griechen treten in Soldatenmänteln auf, die Amazonen tragen unter ihrer Soldatenkleidung mit Reithosen, schwarze Bustiers. Die Männer wie die Frauen führen immer wieder archaische Kampfchoreografien auf, es wird viel im Chor skandiert, ein typisches Instrument des aufBruch-Theaters, bekannt aus Aufführungen von Heiner Müllers Wolokolamsker Chaussee, dem Spartakus oder der Nibelungen von Hebbel. Die Männeriten werden durch das Singen des Zarah Leander-Liedes „Davon geht die Welt nicht unter“ als Lanzersong verdeutlicht, sie wollen „Hellas heim ins Reich“ holen. Später werden sie die Amazonen wie Hunde anbellen. Genauso stark ist die Verachtung der gefangenen Griechen durch die Amazonen. Die Frauen werfen die Soldaten als Trophäen vor sich auf den Boden. Die Gruppen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Auch die Hauptprotagonisten Penthesilea und Achill stellen sich anfangs als stolze und starke Führer vor ihr Volk. Erst als sie durch ihre Liebe an den Traditionen zweifeln, spalten sie sich in mehrere Akteure auf, versinnbildlichen so den Riss in ihrem Inneren und zwischen den Gruppierungen. Atanasow verdeutlicht diesen Widerspruch sogar noch, indem er verschiedene Nationalitäten und soziale Schichten in seinem Ensemble zusammenführt. Der Riss geht heute nicht nur durch die Geschlechter, sondern durch die gesamte Gesellschaft.
    Die Liebe zwischen Penthesilea und Achill scheitert an diesen Schranken. Gemeinsam singen die Schauspieler das Lied aus der Winterreise „Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.“
    Am Ende nach der schrecklichen Tat steht Penthesilea mit den Überresten von Achill in zwei Plastiksäcken vor dem Chor. Nach ihrem Fall erklingen die Kleistschen Schlussworte: „Sie sank, weil sie zu stolz und kräftig blühte! Die abgestorbne Eiche steht im Sturm, Doch die gesunde stürzt er schmetternd nieder, Weil er in ihre Krone greifen kann.“ Das Ensemble des aufBruch schafft hier eine kluge auf das zentrale Thema gekürzte Fassung mit deutlich moderner Lesart. Das einige heute wieder Kleist vor Goethe sehen, liegt sicher daran, das Kleist bei allem Archaischen immer auch den Menschen mit all seinen Schwächen dahinter gesehen hat.
    Ich möchte hier noch auf einen Text von Christa Wolf, erschienen 1983 in einem Nachwort zu einer Penthesilea-Ausgabe des Buchverlages der Morgen, hinweisen. Hier verdeutlicht sie noch mal die Grundproblematik des Konflikts, als Missverständnis der Geschlechter in der Sicht auf ein selbstbestimmtes Recht der Frau auf individuelle Liebe. „…als sollten Nord- und Südpol zueinander kommen, als sollten die beiden Enden eines Magnets zusammengeführt werden: in der Art einer verheerenden Naturkatastrophe entladen sich die unvereinbaren Gegensätze.“

    penthesilea-und-achill_aufbruch.jpg

    weitere Termine unter:  www.gefaengnistheater.de

  • Zeus, Oh Donnerer, werfe deine Blitze auf uns nieder. Oimoi, Oimoi, Peter Stein hat Ödipus auf Kolonos inszeniert.

    Bei den Salzburger Festspielen ist dieses Jahr die Antike in. Sophokles` Ödipus hat es den heutigen Dramatikern und Regisseuren angetan. Jon Fosse bringt die ganze Trilogie in eigener Textfassung und Peter Stein übersetzt den Ödipus auf Kolonos neu. Angela Richter scheitert mit ihrer Regie von Fosses neuem Text wie man hört und auch noch in Berlin sehen wird und Peter Stein bringt seine eigene textgetreue Version des alten Sophokles selbst auf die Bühne. Das Ergebnis ist nun am Berliner Ensemble zu sehen.
    Theaterdonner wurde angesagt. Darauf muss man aber lange warten, erst mal beginnt alles recht betulich. Die Grillen zirpen, die Vögel zwitschern, der Hain der Erinnyen als griechisches Idyll. Wenn Klaus Maria Brandauer als alter blinder Ödipus endlich seinen Stuhl gefunden hat, spult er seine ganze Bandbreite an Jammer und Fluch ab. Er greint und überschlägt die Stimme, fährt hoch und brüllt all seinen Hass auf das böse Schicksal und jene die ihm nicht zur Seite standen heraus, das einem Angst und Bange wird. Der Chor der alten Männer, genauso jammervolle Typen, stimmt mit ein und es entsteht ein wundersamer Wettstreit, wer wohl am besten klagen kann. Oimoi, Oimoi, der Sieger ist zwangsläufig Brandauer, er sitzt die Sache und das ganze Stück gekonnt aus. Dagegen ist schlecht anzukommen, alle anderen Mitstreiter sind nicht weiter erwähnenswert, Staffage und Kostümständer mit beschränktem Wirkungsradius, obwohl sie zumindest bis auf Jürgen Holtz als alter Kreon im Rollstuhl, des Laufens noch mächtig sind.
    Peter Stein schwärmt im durchaus lesenswertem Programmbuch von seiner Sicht der Tragödie des Ödipus, die eigentlich keine mehr ist, da der tragische Held sich durch sein Ausharren im Unglück seine Läuterung erstritten hat und nun von den Göttern zur wohlverdienten Erhörung entrückt wird. Das nennt Stein dann das „pathei mathein“, das Leiden und Lernen. Man kennt den Spruch der aristotelischen Katharsis „Tun, leiden, lernen“ und das ein Leben lang. Bertolt Brecht sind hier wahrscheinlich endgültig die Augen aufgegangen, lieber Hermann Beil, richtig erkannt.
    Als Ödipus erfährt, das er als Glücksbringer demjenigen der ihn aufnimmt dienen wird, ist er sofort wieder oben auf. Das Jammern wird zum Fluch, der alte Tyrann erwacht zu neuem Leben, auch wenn er es bald im heiligen Hain aushauchen wird. Das einzige was Stein noch an Sophokles` Ödipus interessiert, ist den Text so genau wie möglich wieder zu geben. Das wirkt abgestanden und statisch, ohne Leben, eine tote Sprache halt. Peter Stein schafft einen nutzlosen Solitär nach dem anderen und stellt sie sich ins Regal, das mit Spinnweben schon überwuchert ist, gleich einem Sammler altertümlicher Schätze zum Anschauen gemacht, berühren verboten. Wer da noch mitfühlen will, ist im BE bestens aufgehoben, im einzigen noch produzierenden Theatermuseum der Republik.
    Schließlich nach über zwei Stunden deuten Blitz und Donner das nahe Ende an, es dauert dann aber noch eine weitere halbe Stunde gefüllt mit Jammer, bis Martin Seifert als Bote die ersten wahrhaftigen Verse dieses Abends spricht. Da ist aber Ödipus längst ins Reich der Toten entschwunden und Klaus Maria Brandauer tritt aus dem Ölhain wieder hervor, um sich seinen wohlverdienten Applaus abzuholen.
    Letztendlich bleibt von diesem Abend, zwei große Egos in einer Figur vereint, Brandauer spielt das Alter-Ego von Peter Stein, der alles verfluchende Genius verklärt sich selbst zum Heros. Es blitzt und donnert, aber es schlägt nichts ein. Diese „originalgetreue“ Version des Peter Stein wird sicher bald im Orcus des Vergessens entschwinden wie alle anderen Regieuntaten im „Unterhemd“ vor ihm.

    Großer Name! – Millionen Herzen
    Lockt ins Elend der Sirenenton,
    Tausend Schwächen wimmern, tausend Schmerzen
    Um der Ehrsucht eitlen Flitterthron.

    Friedrich Hölderlin, aus Die Ehrsucht, 1784

     

    Hier geht es zur Diskussion auf Nachtkritik .

     Auszüge:

    7. Steins Ödipus in Berlin: Blitz ohne Einschlag
    Letztendlich bleibt von diesem Abend, zwei große Egos in einer Figur vereint, Brandauer spielt das Alter-Ego von Peter Stein, das alles verfluchende Genie verklärt sich selbst zum Heros. Es blitzt und donnert, aber es schlägt nichts ein.
    Stefan   –   25. August 2010

    8. Steins Ödipus in Berlin: Vermutung
    Ich vermute, STEFAN hat die Aufführung nicht gesehen und erliegt einem Gerücht, denn wenn er nicht blind wie Ödipus wäre, müßte er mehr gesehen haben.
    Hermann Beil   –    26. August 2010

    11. Ödipus auf Kolonos: Herrmann Beil an Stefan
    Sehr gehrter Herr STEFAN, für Ihre so ausführlichen Anmerkungen danke ich Ihnen!Ihre Klassifizierung des BE als einziges Theatermuseum der Republik amüsiert mich. Und da sage einer, in ein solches Museum ginge keiner. Spontan fiel mir beim Studieren Ihrer Meinung ein Satz von Arthur Schnitzler ein: „Des Kritikers erste Frage müßte sein: Was hast du mir zu sagen, Werk – ? Aber seine erste Regung ist vielmehr: Nun, Werk, gib acht, was ich dir zu sagen habe!“ Gruß, H.B.   –    28. August 2010

    Sehr geehrter Hermann Beil,
    vielen Dank für Ihre Zeilen, aber anstatt Schnitzler zu zitieren, sollten Sie ihn lieber zusammen mit Claus Peymann inszenieren, er ist nämlich durchaus nicht museal. Ich denke da zum Beispiel an die Liebelei-Inszenierung von Michael Thalheimer. Aber das ist ja für Sie wahrscheinlich böses Regie-Theater. Mein Vergleich mit einem Museum zielt ja dahin, dass das Theater im BE statisch geworden ist und nichts mehr hinterfragt. Es ist nicht greifbar, wir sollen vor diesem Regiestil der alten Männer vor Erfurcht erstarren. Das ist schon ein Stück weit Ideologie und erinnert mich verdammt an ganz andere Zeiten. Was soll mir denn das Werk von Sophokles noch erzählen, was nicht schon in allen Schulbüchern steht? Wo ist der Bezug zur Gegenwart, was soll diese alte Katharsis und Mimese, wovon erzählt Peter Stein, außer von sich selbst?
    In dieser Spielzeit setzt Claus Peymann ja wieder auf Gegenwartsdramatik, noch einen Goldoni hätte ihm auch keiner mehr abgenommen. Schön das Sie auch Bernhard mal wieder aufführen wollen und Katharina Thalbach Brecht inszeniert Aber wie schon von anderen hier angemerkt, wo ist der Nachwuchs im BE? Sie lassen den Nachwuchs ja gar nicht zu. Einmal im Jahr darf bei Ihnen eine ausgewählte junge Regie-Frau mal einen Klassiker auf die Bühne stemmen. Ich hoffe das es Mona Kraushaar mit Shakespeare besser ergeht als Simone Blattner mit Kleist.
    Übrigens gehe auch ich gerne ins Museum, ins richtige Theatermuseum nämlich. In München habe ich eine sehr bemerkenswerte Ausstellung über Regie-Frauen gesehen. Angefangen von Ruth Drexel, Ruth Berghaus über Andrea Breth, Katharina Thalbach, oder Karin Baier, Barbara Frey bis zu Friederike Heller, Jette Steckel u.v.a. werden vier Generationen dargestellt, mit ihren verschiedenen Sichtweisen und Erfahrungen nicht nur zur Emanzipation sondern auch zu den unterschiedlichen Stilen. Und ich möchte zum Schluss keinen alten Klassiker zitieren, sondern eine der jungen Regie-Frauen. Jette Steckel erzählt am Ende der Ausstellung vom Theater, als Raum „… in dem man Fragen stellen darf, auf die es keine Antworten gibt.“ Aber man kann dort auch experimentieren und „Utopien zum Leben entwerfen“. Und da sind wir auch wieder bei Brecht und dem BE. Noch Fragen offen, Herr Beil? In diesem Sinne, Ihr Stefan.    –    29. August 2010